Newsletter Ausgabe 3 – 3 Gedanken

Ist Verletzlichkeit eine Schwäche?

In unserem letzten Newsletter stellte ich die abschließende Frage, ob Verletzlichkeit zu zeigen eine Schwäche ist. Die Frage stammte ursprünglich aus dem Podcast von Steve Kerr und Pete Carroll. Insbesondere in amerikanischen Sportarten, aber auch im Fußball erwarten wir von Trainern und Spielern, dass sie Stärke und Selbstbewusstsein ausstrahlen.

Meiner Meinung nach ist Verletzlichkeit keine Schwäche, sondern eine Stärke. Es bedeutet, dass ich den Mut hatte etwas zu versuchen. Sollte man scheitern, ist es nicht schlimm seiner Enttäuschung freien Lauf zu lassen. Das ist kein Zeichen von Schwächen, sondern eher Ausdruck der Bedeutung für einen selbst.

Schaffen wir es in unserem Team eine Kultur zu erschaffen, in der es in Ordnung ist Fehler zu machen. Letztlich sind wir verletzlich, wenn wir Risiken eingehen und deshalb Fehler machen oder scheitern. Nur wenn wir dies in unserer Mannschaft erlauben, werden wir Spieler haben, die stets den Mut haben Risiken einzugehen. Nur so schaffen wir es ein Team auf den Platz zu schicken, dass gewinnen will. Teams in denen Fehler kaum erlaubt sind, spielen häufig, um nicht zu verlieren.

Speziell über das Thema Teamkultur mache ich mir in letzter Zeit viele Gedanken, ohne bisher bereits ein klares Bild vor Augen zu haben, wie eine perfekte Teamkultur aussehen sollte. Was ist eure Meinung dazu? Welche Werte sind für euch fundamental?

Dribbling – wann kommen die Gegner schlagenden Dribblings auch im Aufbauspiel

Nach der WM 2018 keimten die Kritiken und Diskussionen um das deutsche Ausbildungssystem wieder auf. Angesichts der vielen Mittelfeldspieler und der Probleme der Mannschaft gegen tiefstehende Gegner wurden wieder vermehrt Spieler gefordert, die dem echten Straßenkicker ähneln.

Die Unterschiedsspieler, die mit ihren atemberaubenden Dribblings ein Spiel allein entscheiden können. Ich merkte bereits an verschiedenen Stellen an, dass mir bei der Forderung der Dribbler oft zu sehr in Stereotypen gedacht wurde. Ein Dribbler ist normalerweise ein Flügelspieler, der sich in 1vs1 Situationen durchsetzen kann.

Grundsätzlich ist dagegen nichts auszusetzen, allerdings stören mich zwei Aspekte dieser Diskussion. Zum einen wird mir zu oft das 1vs1 als Basis des Spiels dargestellt. Wie bereits des Öfteren diskutiert, gibt es ein isoliertes 1vs1 im Fußball eigentlich nie. Man muss Situationen immer im Kontext der vier Referenzpunkte betrachten, weswegen die isolierte Betrachtung einer Situation problematisch ist.

Allerdings möchte ich in diesem Beitrag gar nicht so sehr auf den ersten Kritikpunkt eingehen. Vielmehr möchte ich darauf aufmerksam machen, dass das Dribbling nicht etwas ist, was primär Flügelspieler können müssen. Gerade im zentralen Mittelfeld, aber auch in der Verteidigung, wird das Dribbling noch so gut wie gar nicht genutzt.

Hier würden sich aber sehr viele neue Möglichkeiten ergeben. Analysiert man beispielsweise das Spiel von Frenkie de Jong, der bei Ajax Amsterdam zum Teil als Innenverteidiger zum Einsatz kam und im System von Erik ten Haag sehr viele Freiheiten besaß, zeigen sich die Vorteile des Dribblings im Zentrum. Als Innenverteidiger konnten die atemberaubenden Dribblings von de Jong regelmäßig genutzt werden. Dabei sind diese riskanten Unterfangen nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für das eigene Team enorm wichtig.

Denn Dribblings kreieren Druck, stellen den Gegner vor neue Herausforderungen, locken ihn aus seiner Position und sorgen aufgrund des Überraschungsmoments für Unordnung.

Wichtig ist hierbei die verschiedenen Dribblingarten zu unterscheiden. Der Innenverteidiger der andribbelt, erzeugt auch Druck, jedoch haben diese Dribblings eher die Funktion des Anlockens des Gegners, könnte aber bei noch riskanterer Ausführung auch gegnerschlagend genutzt werden.

Darüber hinaus gibt es Dribblings, die eher dazu genutzt werden, sich aus einer Drucksituation zu lösen. Thiago oder Sergio Busquets sind hier gute Beispiele.

Allerdings findet man nur selten zentrale Mittelfeldspieler, die regelmäßig versuchen mit ihren Dribblings gegnerische Verteidigungslinien zu durchbrechen. Hier sollten wir in der Ausbildung junger Spieler ansetzen. Im Zentrum muss nicht immer die sichere Variante gewählt werden. Auch ein riskantes Dribbling kann sich als richtige Entscheidung herausstellen und sollte folglich gefordert werden.

Gegnerschlagende Dribblings im Mittelfeld haben den Vorteil, dass ein eher mannorientiertes Pressing vor neue Herausforderungen gestellt wird, da Zuordnungsprobleme entstehen, sobald der Gegenspieler ausgedribbelt wurde. Des Weiteren kommt der Aspekt des Öffnens von Räumen durch das Dribbling hinzu.

Die Möglichkeiten sind dabei endlos. Allerdings sollten wir bei der Ausbildung der Dribblingfähigkeiten unserer Jugendspieler weg vom 1vs1 gehen. Denn speziell im zentralen Mittelfeld gibt es wirklich keine 1vs1 Duelle. Darüber hinaus müssen so viele Variablen beobachtet werden, dass eine 1vs1 Spielform das Spiel überhaupt nicht abdecken würde.

Abschließende Frage

Lohnt es sich als Trainer auch andere Sportarten genau anzuschauen und deren Konzepte zu erlernen?

Meine Meinung dazu gibt es nächste Woche.

Bis dahin, bleibt gesund.

Grüße

Tobias

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Kategorie Newsletter, Sonstiges

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true) Artikel abonnieren

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