Entwicklung der Spielintelligenz im Fußball

Es gibt mittlerweile sehr viele Spezialisten für verschiedenste Bereiche im Fußball. So
gibt es unter anderem in jedem Verein Trainer, die sich sehr gut mit der Technik eines
Spielers auskennen, wieder andere sind Spezialisten im Bereich der Taktik und dann
gibt es noch die Athletik- und Fitnesstrainer, die für die körperliche Verfassung der
Spieler zuständig sind. Doch nur sehr wenige Trainer beschäftigen sich mit der
Steuerzentrale, die für alles verantwortlich ist, was ein Spieler auf und abseits des
Feldes ausführt, und zwar dem Gehirn. Ein Trainer ist wie ein Lehrer, der seinem
Schüler ein bestimmtes Fach näherbringt. Und wer lehrt, der sollte etwas vom Lernen
und dem Organ des Lernens, dem Gehirn, verstehen. Vor allem ist es, wenn wir über
Spielintelligenz sprechen, unabdingbar, dass wir uns mit Lernprozessen befassen.

Was ist Spielintelligenz?

Der Begriff der Spielintelligenz wird im Fußball sehr häufig verwendet, aber nur sehr
selten gut oder verständlich beschrieben. Für viele Trainer ist die Spielintelligenz ein
Mysterium und wird unter anderem auf Talent zurückgeführt. Zweifellos ist die
Spielintelligenz sehr komplex, aber sie ist weder ein Mysterium noch basiert sie einzig
und allein auf angeborenem Talent.

Damit der Spieler zu bestimmten Teamaufgaben beitragen kann, muss er
verschiedenste Situationen im Spiel erkennen, verstehen und lösen können. Welche
Aktion ist zu welchem Zeitpunkt und in welcher Situation erforderlich? Wann muss ein
Spieler entgegenkommen und wann muss er vom Ballführenden fernbleiben? Einfach
gesagt muss jeder Spieler nicht nur passen, schießen, dribbeln, köpfen, pressen etc.
können, sondern vor allem fähig sein gedanklich die ideale Lösung zu finden, was wir
als das Lesen des Spiels bezeichnen können. Es geht also darum, dass die richtigen
Aktionen zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Raum ausgeführt werden. Damit ein Spieler das Spiel lesen kann, muss er die entsprechenden Verknüpfungen (Anm.
Spielsituationen) in seinem Gehirn angelegt haben. Es ist ähnlich wie beim
Lesenlernen. Zuerst lernt man Buchstaben, dann Wörter und anschließend ist man
fähig ganze Sätze und Bücher zu lesen und zu verstehen – sinnerfasstes Handeln im
Fußball.

Damit ein Spieler Aktionen mit und ohne Ball ausführen kann, muss er in der Lage sein
während seiner Bewegung zu beobachten und zu kommunizieren (Anm. verbal und
non-verbal). Das bedeutet er muss ständig Informationen aufnehmen, verarbeiten und
senden während er sich über das Spielfeld bewegt. Dabei ist es besonders wichtig,
dass der Raum- und Zeitdruck beobachtet und korrekt bewertet wird. Konkret geht es
darum, die richtige Wahl zu treffen, um eine bestimmte Aktion auszuführen – verlangt die Situation im Spiel einen Pass oder ein Dribbling?

Und wie wird die Aktion anschließend ausgeführt:

1) Einnehmen einer Position, 2) Zeitpunkt der Aktion, 3)
Richtung der Aktion und 4) Geschwindigkeit der Aktion.

Der Begriff Spielintelligenz ist daher kein Mysterium, sondern sie zeigt sich in den Entscheidungen des einzelnen Spielers hinsichtlich seiner Positionierung, seines Timings, seiner Richtung und seiner Geschwindigkeit beim Ausführen von Aktionen.

Dabei müssen wir berücksichtigen, dass die Spielintelligenz bei jedem einzelnen
unterschiedlich ausgeprägt sein kann und die Probleme je nach Spielpositi
unterschiedlich sein können. Ein Tormann hat andere Probleme zu lösen als zum
Beispiel ein Stürmer oder Mittelfeldspieler, auch wenn sie dasselbe Spiel spielen.
Weiters haben auch die Mitspieler einen Einfluss auf die Entscheidungsqualität. Hat
der Ballführende zum Beispiel nur eine Anspieloption hat der Spieler weniger
Entscheidungsmöglichkeiten als zum Beispiel bei drei Anspielstationen.


Du willst mehr über FUNino und die Anwendung im Training lernen? Dann solltest du neben unserem Beitrag zu FUNino auf jeden Fall das Buch von Horst Wein lesen. In diesem Buch geht er sehr detailliert auf die Ideen hinter FUNino und die Entwicklung der Spielintelligenz im Jugendfußball ein. Ein must-have für jeden Trainer, der seine Spieler weiterentwickeln will.

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Wir können somit die Spielintelligenz im Fußball wie folgt definieren: Fähigkeit, sich
mit einem Denkprozess den Forderungen und neuen Situationen, die sich im Fußball
ergeben, anzupassen und bereit zu sein, diese selbst zu lösen.

Wie kann die Spielintelligenz trainiert werden?

Damit wir die Spielintelligenz unserer Spieler trainieren und verbessern können,
müssen wir mehrere Faktoren berücksichtigen. Als erstes muss uns Trainern klar sein
dass wir selbst eine hohe Spielintelligenz benötigen, also Fußballfachwissen, damit wir
die entsprechenden Spielsituationen im Training kreieren können und im Coaching die
richtigen Fragen stellen. Wenn wir Trainer nur wenig Fußballfachwissen haben,
limitieren wir die Spieler in deren Ausbildung und schränken sie dementsprechend ein.
Weiters müssen wir das Alter unserer Spieler berücksichtigen. Wir wissen aus der
Gehirnforschung, dass das Gehirn erst mit ca. 21 Jahren voll entwickelt ist, daher
können Kinder weniger Informationen verarbeiten als Erwachsene. Ebenso muss die
Erfahrung des Spielers in Betracht gezogen werden. Zum Beispiel gibt es Spieler, die
hatten gute Trainer mit gutem Fachwissen und es gibt Spieler, die hatten Trainer mit
weniger Fachwissen. Das bedeutet, ein Spieler der ersteren Trainer hatte, kann mehr
Informationen verarbeiten und hat mehr Wissen als ein Spieler, der vom zweiteren
betreut wurde.

Und zu guter Letzt spielt auch die Mentale Frische bzw. Aufnahmefähigkeit eine große Rolle, wenn wir die Spielintelligenz trainieren wollen. Zum Beispiel kann die Aufnahmefähigkeit von Spielern geringer sein, wenn sie an diesem Tag mehrere Tests oder eine Schularbeit hatten. Jeder von uns kennt dieses Gefühl der mentalen Ermüdung, wenn er nach einem langen Seminartag nach Hause kommt und versucht ein Buch wie „Schnelles Denken, Langsames Denken“ von Daniel Kahnemann zu lesen. Man liest ein paar Seiten und weiß anschließend nicht mehr was auf den vorhergehenden Seiten stand – unsere Aufnahmefähigkeit geht gegen Null und genau das müssen wir auch im Training berücksichtigen.

Am besten lässt sich die Spielintelligenz mittels entsprechenden Spielformen
trainieren, denn wir sprechen von SPIELintelligenz und nicht von ÜBUNGSintelligenz.

Ebenso ist es wichtig, dass der Trainer keine Instruktionen gibt und zum Joysticking-Trainer wird. Das sind Trainer, die den Spielern jede Aktion ansagen und somit können
die Spieler keine eigenen Entscheidungen treffen und werden zu Objekten (Robotern)
des Trainers. Wer zum Joysticking greift, unterbindet die Entwicklung der
Spielintelligenz und der Kreativität. Ebenso zählen zum Joysticking isolierte
Passschleifen oder andere Übungen, in denen der Spieler keine freien
Entscheidungen treffen kann.


Du möchtest dein Training auf die nächste Stufe bringen?

Dann gilt es gut vorbereitet zu sein. Genaue Ziele ausarbeiten, eine Saison gut organisieren, eine Spielidee entwickeln, die zu deiner Mannschaft passt und anhand von Spielprinzipien passende Spielformen erstellen. Außerdem gehört es dazu, sich als Trainer stets weiterzubilden. Wie funktioniert das richtige Ausdauertraining, was ist Neuroathletik und wie kommuniziere ich richtig mit Spielern und Eltern?

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In der Praxis bedienen wir uns zweier Modelle, um die Spielintelligenz unserer Spieler
zu verbessern. Zum einen das Modell der vier Lern- bzw. Kompetenzstufen von Noel
Burch und zum anderen das Modell von Raymond Verheijen aus seinem Kurs „Football
Braining“.

Die vier Lernstufen bzw. Kompetenzstufen bilden die Grundlage unseres Lernens und
somit auch der Entwicklung der Spielintelligenz.

Unbewusste Inkompetenz

Das ist die Phase, in der einem selbst nicht bewusst ist, dass man etwas noch nicht
kann. Wir kennen das vielleicht noch aus unserer frühen Kindheit, als wir unseren
Eltern beim Öffnen einer Flasche zugesehen haben. Uns war damals gar nicht
bewusst, dass wir diese selbst nicht öffnen können. Wir können die unbewusste
Inkompetenz auch als unseren blinden Fleck bezeichnen.

Bewusste Inkompetenz

Die bewusste Inkompetenz ist die Phase, in der wir bemerken, dass wir etwas nicht
können. Zum Beispiel versuchten wir die Flasche zu öffnen, aber wir merkten schnell,
dass uns entweder die Kraft fehlte oder wir in die falsche Richtung drehten.

Bewusste Kompetenz

Jetzt haben wir eine neue Fähigkeit erworben, aber es kostet uns noch viel Mühe diese
kompetent einzusetzen. Vielleicht können sich einige von uns noch daran erinnern,
wie wir unsere erste Flasche geöffnet oder geschlossen haben. Wir waren hoch
konzentriert als wir den Verschluss auf der Flasche platziert haben und drehten ganz
vorsichtig in eine Richtung, um zu prüfen, ob es die richtige war. Das bedeutet, dass
das Anwenden und Erlernen einer neuen Fähigkeit sehr viel Energie verbraucht und
unser Gehirn schneller ermüdet.

Unbewusste Kompetenz

Hier sind wir in der Phase angelangt, in der wir die Fähigkeit richtig einsetzen und oft
gar nicht wissen, warum oder wie wir sie überhaupt einsetzen. Heute öffnen wir
verschiedenste Flaschen mit unterschiedlichsten Verschlüssen, ohne überhaupt
hinzusehen. Wir können uns zum Beispiel mit unseren Sitznachbarn unterhalten, eine
Flasche öffnen, anschließend die Flüssigkeit in ein Glas füllen und danach die Flasche
wieder verschließen und das alles, ohne eine Sekunde bewusst darüber
nachzudenken. Das bedeutet wir machen es einfach ohne zu überlegen und haben so
Ressourcen für andere Dinge wie zum Beispiel eine Unterhaltung frei gelegt.

Die Frage, die sich nun berechtigter Weise stellt, ist, wie wir am schnellsten auf die
Stufe der Unbewussten Kompetenz kommen. Diese lässt sich sehr einfach mit
folgender Formel beantworten: VERSTÄNDNIS + KOMPETENZ = KÖNNEN. Das
bedeutet am Beispiel der Flasche folgendes: Durch das Verständnis von
rechtsdrehenden Gewinden und der Vielzahl an verschiedenen kompetent geöffneten
und geschlossenen Flaschen können wir es heute.

Das zweite Modell stammt von Raymond Verheijen aus dem Kurs „Football Braining“
und basiert auf der Evolutionstheorie von Charles Darwin und besteht aus mehreren
Elementen, welche ich kurz beschreiben möchte.

Spielintelligenz

Der Trainer

Die Ausgangsbasis dieses Modells ist der Trainer mit seiner Fachkompetenz. Dieser
Überlegt sich vor dem Training, welche Spielsituationen bzw. Prinzipien er den
Spielern vermitteln will. Diese Prinzipien können entweder neu sein, oder er möchte
bereits bestehende Prinzipien verfeinern, da ihm im Spiel zu viele Fehler in denselben
Situationen passiert sind.

Situations Coaching

Nachdem die zu verbessernden Prinzipien definiert wurden, kreiert der Trainer
entsprechende Spielsituationen im Training, was wir als Situations Coaching
bezeichnen. Dabei ist zu beachten, dass die Situation schwieriger ist, als das was der
Spieler bisher kann, auch Overload genannt. Denn nur wenn die Situation schwieriger
als das bisher Bekannte ist, muss sich der Organismus anpassen und es entsteht ein
Lerneffekt.

(In)Kompetentes Verhalten

Der Trainer beobachtet das Verhalten des Spielers innerhalb der Situation und
bewertet dieses als kompetent oder inkompetent. Ein kompetentes Verhalten in einer
Angriffsaktion wäre zum Beispiel die Erhöhung der Chance auf ein Tor (z.Bsp.:
Durchbruch im Zentrum), wohingegen das inkompetente Verhalten sich in der
Verringerung der Chance auf ein Tor (z.Bsp.: Ballverlust) äußert. Dabei geben wir dem
Spieler drei Mal die Möglichkeit die Situation selbst erfolgreich zu lösen und beginnen
erst nach dem dritten Fehlversuch mit dem Coaching oder der Vereinfachung der
Situation. Würden wir bereits beim ersten Fehlversuch intervenieren, würden wir den
impliziten Lernprozess unterbinden, da der Spieler nicht die Möglichkeit bekommt,
selbst nach einer anderen Lösung zu suchen. Intervenieren wir beim zweiten
Fehlversuch, wissen wir nicht, ob der Spieler bereits die Ideallösung gefunden hat. Erst
beim dritten Fehlversuch können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen,
dass der Spieler keine ideale Lösung finden wird.

Referenz Coaching

Beim Referenz Coaching stellen wird dem Spieler Fragen basierend auf der
Spielsituation, die er gerade erlebt hat. Dabei ist es wichtig, dass wir die richtigen
Fragen stellen. Dabei können wir offene und geschlossene Fragen stellen. Im Idealfall
leiten wir den Spieler über offene Fragen zur Lösung und stellen abschließend eine
geschlossene Frage. Dadurch entsteht beim Spieler der Eindruck, dass er selbst auf
die Lösung gekommen ist. Je mehr Fachwissen der Trainer hat, desto besser kann er
seine Fragen formulieren und dem Spieler helfen.

Spieler

Nach dem wir den Spieler gecoacht haben, prüfen wir, ob er die Situation nun
kompetent lösen kann. Dadurch erkennen wir, ob der Spieler etwas gelernt hat oder,
ob wir im Coaching noch einmal nachbessern müssen.

Abschließend ist zu sagen, dass die Spielintelligenz über spielorientiertes Training,
spielerzentriertem Coaching und entdeckendem Lernen mit gezielten Fragen des
Trainers zu trainieren ist.

Spielformen zur Verbesserung der Spielintelligenz im Kinderfußball

Spielnahes Training der Vororientierung

Organisation

Folgende Utensilien werden benötigt:

  • Hütchen
  • 4 Minitore
  • Bälle
  • Leibchen
  • Wenn vorhanden, ein elastisches Band für die Spielfeldmarkierung

Ein Spielfeld mit ca. 15×12 Meter (je nach Leistungsniveau) markieren und mit vier
Minitoren versehen. Die Spieler in zwei Mannschaften einteilen und jeweils an den
Grundlinien postieren. Ein Team agiert als Angreifer und hat die Bälle am Fuß und das
andere Team verteidigt.

Hinweis: Die Spielfeldgrößen und Abstände solltet ihr immer eurem Leistungsniveau
anpassen. Kinder deren Technik noch nicht so ausgereift ist, benötigen größere
Spielfelder und breitere Abstände im Dribbling, aber kürzere Abstände für Torschüsse,
da sie noch nicht die entsprechende Schusskraft aufbringen können.

Ablauf

Ein Angreifer stellt sich ungefähr in die Mitte des Spielfeldes und erhält von seinem
Mitspieler einen Ball zugespielt. Der Angreifer soll so schnell wie möglich auf die
richtige Seite aufdrehen und in das entsprechende Minitor passen. Der Verteidiger
sucht sich mit dem Zuspiel des Angreifers ein Minitor aus (er darf sich nicht mehr
umentscheiden), das er verteidigen möchte. Der Angreifer in der Mitte sollte die
Bewegung des Verteidigers erkennen und entsprechend aufdrehen und in das Minitor
passen. Erobert der Verteidiger den Ball, darf er auf die gegenüberliegenden Tore
abschließen. Nachdem jeder Angreifer 3 Versuche hatte, wechseln die Aufgaben.

Variationen

  • Der Verteidiger darf sich nach dem Zuspiel umentscheiden und ein anderes Tor
  • verteidigen.
  • Der Verteidiger darf ins Feld starten um den Angreifer zu stören.
  • Startposition des Verteidigers verändern.
  • Statt dem Pass ins Tor kann in weiterer Folge ein 1 gegen 1 gefordert werden.

Hinweise zum Coaching

Mit dem Coaching startet ihr erst, sobald die Spieler einige Aktionen erleben durften.
Ihr beobachtet ganz genau das Verhalten der Spieler und prüft, ob sie immer wieder
dieselben Fehler machen oder ob sie selbst schon Lösungen finden.

Mögliche Fragen, je nach Verhalten der Spieler, wären;

  • Wann musst du dich vororientieren?
  • In welche Richtung musst du dich aufdrehen, wenn der Gegner rechts/links
  • von dir ist?
  • Wie muss deine Körperposition sein, damit du bestmöglich die Umgebung
  • erkennen kannst?
  • Wie musst du dem Ball entgegen starten – schnell oder langsam?
  • Wie sollte deine Körperposition sein, damit du explosiv in den Ball gehen
  • kannst?
  • Was muss nach dem Aufdrehen passieren?
  • Wie kann der Passgeber den Passempfänger unterstützen?
Spielintelligenz

Dribbelwald mit Zielpass und anschließendem 1 gegen 1

Organisation

Folgende Utensilien werden benötigt:

  • Hütchen – 4 verschiedene Farben
  • 1 Mini- oder Jugendtor
  • 4 Stangen
  • Bälle
  • Leibchen
  • Wenn vorhanden, ein elastisches Band für die Spielfeldmarkierung

Ihr markiert ein Spielfeld mit den Maßen 25 x 10 Metern – je nach Leistungsniveau. In
diesem Spielfeld verteilt ihr gleichmäßig jeweils 4 verschiedenfarbige Hütchen für den
Wald. Ca. 5 Meter hinter dem Spielfeld markiert ihr eine Schusslinie und dahinter stellt
ihr ein Mini- oder Jugendtor. Neben dem Spielfeld postiert ihr jeweils ein Stangentor
mit einer Breite von 2 Meter.

Danach bildet ihr zwei Mannschaften und verteilt die Spieler gleichmäßig wie in der
Zeichnung. Ein Spieler jeder Mannschaft wird als Verteidiger im Stangentor postiert.

Hinweis: Die Spielfeldgrößen und Abstände solltet ihr immer eurem Leistungsniveau
anpassen. Kinder deren Technik noch nicht so ausgereift ist, benötigen größere
Spielfelder und breitere Abstände im Dribbling, aber kürzere Abstände für Torschüsse,
da sie noch nicht die entsprechende Schusskraft aufbringen können.

Ablauf

Der Trainer ruft eine, in unsrem Fall zwei, Farben und die Spieler müssen
anschließend um die beiden Hütchen der jeweiligen Farbe dribbeln. Nachdem sie um
die Hütchen gedribbelt sind, müssen sie so schnell wie möglich die Schussline
überqueren und auf das Tor abschließen. Gleichzeitig mit dem Dribbling starten die
Spieler neben dem Tor mit dem 1 gegen 1 und versuchen durch das Stangentor zu
dribbeln, ohne dass der Verteidiger den Ball gewinnt. Der Verteidiger darf dabei nur
zwischen den beiden Stangen agieren.

Wenn der Verteidiger, in unserem Fall, fünf Mal verteidigt hat, wird ein neuer
Verteidiger bestimmt. Ihr könnt auch nach einer gewissen Zeit den Wechsel
durchführen, es bewährt sich allerdings der Wechsel nach einer gewissen Anzahl an
Wiederholungen. So kommt jeder Spieler gleich oft zum Angreifen und Verteidigen.

Die Spieler können auf folgende Weise Punkte für sich bzw. das Team sammeln:

  • Der Spieler, der zuerst das Tor trifft, bekommt zwei Punkte, der andere bekommt einen Punkt. Somit wird auch die Bemühung des Kindes, welches etwas langsamer ist, belohnt. Die Bemühung ebenfalls zu belohnen wirkt sich äußerst motivierend auf die Kinder aus.
  • Verfehlt der schnellere Spieler das Tor und der langsamere trifft, dann bekommt der langsamere zwei Punkte.
  • Löst der Angreifer das 1 gegen 1 erfolgreich, so bekommt er zwei Punkte. Gewinnt der Verteidiger den Ball, erhält er einen Punkt.

Variationen

  • Anzahl der Farben erhöhen / verringern.
  • Hütchen umrunden statt umdribbeln.
  • Zahlen statt Farben verwenden.
  • Eine Finte vor der Schusslinie einbauen.
  • Zahlen und Farben mischen.
  • Und alles was euch noch so einfällt wie Vereine, Vorbilder usw.

Hinweise zum Coaching

Mit dem Coaching startet ihr erst, sobald die Spieler einige Aktionen erleben durften.
Ihr beobachtet ganz genau das Verhalten der Spieler und prüft, ob sie immer wieder
dieselben Fehler machen oder ob sie selbst schon Lösungen finden.

Mögliche Fragen, je nach Verhalten der Spieler, wären:

  • Wie musst du den Ball führen, wenn du um ein Hütchen dribbeln musst?
  • Wie musst du den Ball führen, wenn du schnell zur Schusslinie kommen willst?
  • Wie können die Richtungswechsel aussehen, damit du schnell von einen Hütchen zum anderen kommst?
  • Wie sollte deine Körperposition sein, wenn du schnell eine Richtung wechseln willst?

2 gegen 1 – Dribbellinie, Zielpass und Torabschluss

Organisation

Folgende Utensilien werden benötigt:

  • Hütchen
  • 2 Mini- oder Jugendtore
  • Bälle
  • Leibchen
  • Wenn vorhanden, ein elastisches Band für die Spielfeldmarkierung

Ihr markiert ein Spielfeld entsprechend der Zeichnung mit den Maßen 10 x 16 Meter
(je nach Leistungsniveau). Hinter den beiden Grundlinien platziert ihr jeweils ein
Minitor. Anschließend bildet ihr zwei oder mehrere Mannschaften zu je zwei Kindern.
Hinweis: Die Spielfeldgrößen und Abstände solltet ihr immer eurem Leistungsniveau
anpassen. Kinder deren Technik noch nicht so ausgereift ist, benötigen größere
Spielfelder und breitere Abstände im Dribbling, aber kürzere Abstände für Torschüsse,
da sie noch nicht die entsprechende Schusskraft aufbringen können.

Ablauf

Die beiden Spieler der verteidigenden Mannschaft befinden sich jeweils auf einer
Grundlinie. Die beiden Angreifer befinden sich mit einem Ball an einer der beiden
Grundlinien. Die Aufgabe der Angreifer ist es über die Grundlinie zu dribbeln. Wenn
der Verteidiger den Ball erobert, muss er einen Pass zum anderen Verteidiger in die
Tiefe spielen. Somit können wir alle 4 Phasen des Spiels (Ballgewinn, Ballverlust,
Ballbesitz, Ballbesitz Gegner) abbilden.

Die Aktion startet mit dem Dribbling der Angreifer in das Feld. Sobald der Ball berührt
wurde, darf der gegenüberstehende Verteidiger die Grundline verlassen und
versuchen den Ball zu erobern. Dabei greifen die Angreifer immer abwechselnd eine
Seite an. Nach z.Bsp.: 10 Versuchen wechseln die Aufgaben. Erst nachdem beide
Teams einmal Angreifer und einmal Verteidiger waren, startet ihr mit dem Coaching.
Hinweis: Achtet beim Coaching darauf, dass ihr es einfach haltet. Zum Beispiel könnt
ihr euch auf eine Phase des Spiels, in unserem Beispiel den Ballbesitz, beschränken.
Coacht ihr zu viel, dann können euch die Spieler nicht mehr folgen, da es zu komplex
wird.

Variationen

  • Verschiedene Bälle verwenden.
  • Spielfeldgröße verkleinern / vergrößern
  • Zielpass in das Minitor nach erfolgreichem Dribbling über die Grundlinie.
  • Jugendtore mit Tormann
  • Der zweite Verteidiger darf unterstützen, sobald die Angreifer über die Mittellinie sind.
  • Der zweite Verteidiger darf unterstützen, sobald ein Angreifer das Dribbling startet.

Hinweise zum Coaching

Mit dem Coaching startet ihr erst, sobald die Spieler einige Aktionen erleben durften.
Ihr beobachtet ganz genau das Verhalten der Spieler und prüft, ob sie immer wieder
dieselben Fehler machen oder ob sie selbst schon Lösungen finden.

Mögliche Fragen, je nach Verhalten der Spieler, wären:

  • Wie kannst du deinem Mitspieler ohne Ball helfen?
  • Wie kannst du deinem Mitspieler mit Ball helfen?
  • Wann sollst du den Ball spielen und wann sollst du dribbeln?
  • Wie sollst du den Ball führen?
  • Was machst du nachdem du den Ball abgespielt hast?
  • In welche Richtung sollst du den Ball mitnehmen?
  • In welchen Fuß sollst du den Ball spielen?
Spielintelligenz

Gastbeitrag von Thomas Klaus, zu seiner Website geht es hier entlang

Literaturverzeichnis:

Spitzer, M. (2011). Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg:
Spektrum Akademischer Verlag

Verheijen, R. (2014). Football Periodisation. Always play with your strongest team. Part 1 Amsterdam: World Football Academy BV.

Tamboer, J.W.I. (2016). Football Theory. An action theoretical viewpoint on the game
of football. Amsterdam: World Football Academy BV.

Lingen, B. van (2016). Coaching Youth Football. The youth football learning process
for players ages 6 – 19. Amsterdam: World Football Academy BV.

Wein, H. (2016). Spielintelligenz im Fußball – kindgemäß trainieren. Aachen: Meyer &
Meyer Verlag

Hüther, G. (2018). Rettet das Spiel. Weil Leben mehr als funktionieren ist. München:
btb Verlag

Spitzer, M. (2019). Wie Kinder denken und lernen. Die kognitive Entwicklung vom 1.
bis 12. Lebensjahr. München: mvg Verlag

Kategorie Spielformen, Training, Trainingstheorie

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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