Training mit Abstandsregelungen – die Erfahrungen unserer Trainer

Stell dich als erstes mal kurz vor 🙂

Pascal: Hallo zusammen, ich bin Pascal, bin 32 Jahre und trainiere aktuell eine U15 Leistungsmannschaft in einem Jugendleistungszentrum. 

Jonas: Hallo, mein Name ist Jonas, ich bin 18 Jahre alt und Trainer einer U13 auf Kreisebene. 

Julian: Hi, mein Name ist Julian, ich bin 18 Jahre alt und bin Co-Trainer einer U14 auf Landesebene bei einem Regionalligisten. 

Julius: Hallo liebe Trainerkollegen, ich bin 20 Jahre alt und Co-Trainer der U15 Mannschaft des 1.FC Magdeburgs.

Gerhard: Hallo zusammen, ich bin Gerhard, 43 Jahre und trainiere aktuell den österreichischen Frauenfussballmeister und Champions League Teilnemer SKN St. Pölten

Wie planst du die erste Trainingseinheit? Es wird sicherlich fĂŒr jeden komisch sein mit Abstandsregelung zu trainieren. Wie wirst du versuchen diese komische Stimmung zu lockern?

Pascal: Die erste Einheit stellt eine neue Situation dar, das wird spannend zu sehen, wie weit unsere Ideen auch in der Praxis funktionieren. Wir werden die Hilfe der Spieler benötigen und auch deren Akzeptanz, dass hier und dann mal etwas ruckelt und ggf. nicht funktioniert. Wir wollen trotzdem viele Spielformen „Light“ anbieten. Die Stimmung werde ich versuchen auf die Positive Seite zu ziehen, indem wir die guten Seiten der Situation ansprechen. Wir sehen uns alle wieder, wir sind wieder auf dem Rasen, mit extrem guten PlatzverhĂ€ltnissen und können wieder gegen den Ball treten.

Jonas: Ich sehe in dieser Situation vor allem erstmal das Positive. Als einen der großen Vorteile sehe ich hierbei, dass die Jungs unter unserer Anleitung ein hohes Maß an Eigenverantwortung entwickeln werden. Dies bezieht sich natĂŒrlich auf das Einhalten der ganzen Regeln, aber auch auf das Training an sich. Hier lernen die Jungs, was fĂŒr eine Bedeutung Eigenmotivation hat, da der Gegner im Moment ja keine Motivation darstellt. 

Auch wenn wir keine Spielformen an sich durchfĂŒhren können, versuche ich immer wieder kontaktlose Wettbewerbe in das Training einzubauen und so die Stimmung in gewisser Art und Weise zu lockern.

Julian: Unsere erste Einheit planen wir natĂŒrlich erstmal entspannt. Ich denke viel Auflockerung wird gar nicht nötig sein da ich schon einige Anrufe bekommen habe wann und wie wir weitermachen. Also bin ich mir sicher, dass die Jungs so Bock haben, dass es gleich los geht und wie immer ist.

Julius: Die Freude der Spieler wieder auf dem Platz stehen zu dĂŒrfen, wird meiner Ansicht nach die derzeitige Lage ĂŒberstrahlen. Viele Aspekte mĂŒssen sicherlich mit Humor aufgefangen werden, trotzdem denke ich, dass gerade der stetige Wettkampfcharakter im Training, besonders fĂŒr die jĂŒngeren Altersstufen hilfreich sein kann.

Gerhard: Am 15. Mai wird wieder aktuell bei uns am Rasen trainiert. Das Corona Thema ist in aller Munde, doch es stellt uns vor große Herausforderungen. Nichtsdestotrotz habe ich genĂŒgend Zeit gehabt mir reichlich Gedanken zu machen. Wettbewerbe, TorschussĂŒbungen alles was Bock auf mehr macht. Da Individualtraining an der Tagesordnung stand, werden wir gleich zu Beginn mannschaftstaktisch und gruppentaktisch arbeiten.

Auf welche Aspekte werdet ihr in der ersten Trainingseinheit wert legen, schließlich haben die meisten Spieler sich wohl in den letzten Wochen nicht so viel bewegt, die Verletzungsgefahr ist also höher?

Pascal: Im Rahmen der Regeln so viel spielen lassen wie möglich. Die Trainingsbelastung wird langsam dosiert werden.  Wir mĂŒssen uns ja auch erstmal einen Eindruck verschaffen, wie es wirklich um die Spieler steht.

Jedoch ist es wichtig den Ball wieder in der Vordergrund zu rĂŒcken.

Jonas: Wir werden ganz ruhig anfangen, da es ja fĂŒr Trainer und Spieler eine ganz neue Situation ist. In der kommenden Zeit werden wir viel an der Technik der Spieler individuell arbeiten, da dies in meinen Augen sehr gut möglich ist. Hierbei wird vor allem das Dribbling eine Rolle spielen.

Gleichzeitig gehen wir aktuell von einem Wechsel auf das Großfeld nach dem Sommer aus. Deshalb werden wir unseren Torwart und die Spieler auf das große Tor vorbereiten.

Julian: Da unser Fokus von der Beendigung der Saison weggeht ist unser Ansatz, dass wir uns individueller orientieren und unsere Spieler eher auf die kommende Saison vorbereiten wollen. Daher streben wir ein Kleingruppentraining an, um mehr auf spezielle und individuelle StÀrken und SchwÀchen im individual- und gruppentaktischen, als auch im technischen Bereich einzugehen. Eigentlich sollten alle auch in guter konditioneller Form sein, da alle genug Aufgaben und Online trainings hatten. Trotzdem gehen wir das Ganze erstmal locker an. 

Julius: Die körperliche Verfassung aller Spieler ist sicherlich ein Kernpunkt, welcher nach der Corona-Pause detailliert ĂŒberprĂŒft werden muss, um Verletzungsgefahren entgegenzuwirken, daher sollte auch das Training dementsprechend sukzessiv angepasst und gesteigert werden. Da aufgrund der Regularien die aktive ZweikampffĂŒhrung wegfĂ€llt ist damit ein grundlegendes “Verletzungsinstrument” eliminiert. 

Besonderer Fokus, kann durch die geringe Anzahl der Spieler, natĂŒrlich auf das individuelle Verhalten gelegt werden. Ich sehe darin den großen Vorteil der jetzigen Situation. Die Positionen und deren jeweiligen Charakteristika können vertiefend trainiert werden. 

Gerhard: Da die MĂ€dels ĂŒber die Athletikabteilung abgestimmte Programme hatten, wird ab der ersten Sekunde mit dem Ball trainiert. Das Training wird selbstverstĂ€ndlich so abgesteckt, dass der Körper sich wieder darauf einstellen kann. Die Spielerin muss hellhörig sein, um Anzeichen des Körpers richtig zu deuten, und im Bedarfsfall das Training zu drosseln.

Wie gehst du mit Nicht-Einhaltung der Abstandsregel um?

Pascal: Klare Ansprachen und striktes Einfordern. Aber gleichzeitig auch mit den Spielern die GrĂŒnde erlĂ€utern und VerstĂ€ndnis schaffen. Bei wiederholter Nicht-Einhaltung gilt fĂŒr den jenigen die Beendigung der Trainingseinheit. Nur wer sich an die Regeln hĂ€lt, darf mitspielen.  Ich mache mir da aber bei meinem Team keine Sorgen. Die Jungs verstehen das alle und sind charakterlich einwandfrei.

Jonas: Wie bereits erwĂ€hnt, geht es mir dabei vor allem um die Eigenverantwortung, welche die Jungs nach und nach entwickeln mĂŒssen. Deshalb halte ich einen Trainingsausschluss oder Ähnliches fĂŒr nicht sinnvoll. Ich werde dabei viel mit persönlichen GesprĂ€chen arbeiten, falls es zu einer Nicht-Einhaltung kommt. Ich denke nĂ€mlich, dass niemand die AbstĂ€nde beabsichtigt missachtet.

Julian: NatĂŒrlich wird jede Gruppe nochmal eine gesonderte Einweisung erhalten. Dabei muss klar gemacht werden, dass wir ohne Einhaltung der Regeln auch nicht trainieren können. Also jedem Spieler klar machen, dass es von ihnen abhĂ€ngt. Und wenn es dann doch zu mehrmaligen VerstĂ¶ĂŸen, muss auch ein Trainingsabschluss erfolgen. Ich denke aber nicht, dass es dazu kommen wird, da die Jungs wirklich wieder trainieren wollen. 

Julius: FĂŒr alle Beteiligten ist es eine derzeit einmalige Situation, weshalb ich davon ausgehe, dass diese Regelung noch nicht bei allen verinnerlicht ist. Eine sehr sensible Umgangsweise mit der Thematik wird in den ersten Tagen und Wochen notwendig sein, um auch unter diesen Bedingungen wieder eine Alltagsstruktur zu implementieren.

Gerhard: Die Eigenverantwortung steht im Vordergrund, es sind alles mĂŒndige Spieler, und ich denke es wird keine grĂ¶ĂŸeren Problem geben. Ein klare Anweisung wird es immer vor dem Training geben somit wird nochmals sensibilisiert.

Wie hast du versucht die soziale Interaktion eures Teams auch wÀhrend der Coronakrise aufrecht zu erhalten und gibt es vielleicht Aspekte, die du im normalen Trainingsalltag nun auch einbauen werdet?

Pascal: Wir haben wöchentliche Teamvideokonferenzen gehabt, in denen es um Videoanalysen, ein Quiz oder einfach nur ein wenig GesprĂ€che ging. Gleichzeitig standen wir im stĂ€ndigen Kontakt. Einige EinzelgesprĂ€che wurden gefĂŒhrt und das Team hatten einen Cup zu meistern mit verschiedenen Aufgaben im Bereich Fußball, Athletik und abschließenden WettkĂ€mpfen. Ebenso haben wir auch im theoretischen Teil am SpielverstĂ€ndnis gearbeitet.

Gerade der letzte Teil und die Videoanalyse lĂ€sst mit den entsprechenden Videokonferenzen Möglichkeiten zu, auch fĂŒr die Zeit nach Corona.

Jonas: Wir hatten zweimal wöchentlich Videokonferenzen mit Teilen des Teams. Leider konnten wir das ganze Team aufgrund verschiedener GrĂŒnde nie ganz zusammenbekommen. Ansonsten habe ich auch versucht den persönlichen Kontakt zu suchen.

Insbesondere den letzten Punkt halte ich fĂŒr wichtig und werde dies öfter tun. Ich war sehr ĂŒberrascht ĂŒber das positive Feedback der Jungs auf Fragen wie „Wie geht es dir?“, „Wie sieht es aktuell bei dir so aus?“. 

Julian: Wir machen 2 mal in der Woche ein Online “Training” ĂŒber eine Konferenzplattform. Da machen wir dann eine halbe stunde Workout und verschiedene kognitive Aufgaben. Danach ist dann immer noch Zeit zum Quatschen was auch immer sehr lustig war. 

Dass das aber auch in den normalen Alltag ĂŒbernommen wird denke ich eigentlich nicht obwohl das sicher eine ganz coole Sache wĂ€re.

Julius: Ich denke, dass die Videokonferenzen im athletischen Teil ein mögliches Potenzial fĂŒr die Zukunft besitzen, da dadurch zeitliche oder rĂ€umliche Schwierigkeiten aus meiner SIcht einfach umgangen werden können.

Gerhard: Die Spielerinnen haben sofort nach Bekanntwerden einen individuellen Trainingsplan erhalten, der alles beinhaltete. Wöchentliche Updates ĂŒber unsere Systeme, um zu sehen ob die geforderten Dinge auch umgesetzt wurden. Viele Videocalls egal mit Training oder nur sich einfach auszutauschen standen an der Tagesordnung. 

Was wĂŒrdest du anderen Trainern mitgeben, um sich mit dieser seltsamen Situation abzufinden?

Pascal: Seht das positiv und lernt durch die Situation vieles viel mehr wertzuschĂ€tzen. Ich freue mich auf die ve. Wir können wieder auf PlĂ€tze und können wieder miteinander, auf Abstand Kontakt haben. Wir bekommen wieder ein StĂŒck Alltag mehr und ich glaube, auch wenn wir noch nicht alles machen können, so werden wir trotzdem eine Menge Spaß haben.

Jonas: Die Situation akzeptieren, Ă€ndern können wir es sowieso nicht. Nutzt es um den Austausch mit anderen Trainern innerhalb eures Vereins zu fördern und gegebenenfalls mal Übungen auszutauschen. Es heißt jetzt einmal mehr zusammenhalten und am Ende können wir alle wieder mit neuen Erkenntnissen unseren gewohnten Fußball spielen!

Julian: Auf jeden Fall gestĂ€rkt aus der Phase rauskommen wo wir auf den Fußball verzichtet haben und alle Sehnsucht nach dem Platz, dann ins Training mitzunehmen. Sodass allen klar wird, wie schön es ist unser aller Leidenschaft nachzugehen.

Julius: Die Situation vollkommen positiv zu betrachten. Jeder Trainer und Spieler hat in diesem Zeitfenster die Möglichkeit seine FÀhigkeiten und Kompetenzen gezielt zu schulen. Daher sollte das Ziel aller Beteiligten sein, gestÀrkt aus dieser Situation hervorzugehen und die gemachten Erfahren reflektierend einzuordnen.

Gerhard: Immer positiv bleiben. Nach dem Motto frei nach Martin Luther King: “ Jede Krise hat seine Gefahren aber bietet auch seine Möglichkeiten!”

Kategorie Training, Trainingstheorie

Interessiert sich fĂŒr Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstĂŒtzen möchtest, kann du dies fĂŒr 1€/Monat auf Patreon machen und erhĂ€lst exklusive BeitrĂ€ge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true) Artikel abonnieren

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