3 Gedanken – Newsletter

Ich hoffe euch hat mein letzter Newsletterbeitrag gefallen, dieses Mal habe ich wieder drei Gedanken für euch.

Lohnt es sich als Trainer auch andere Sportarten genauer unter die Lupe zu nehmen?

Diese Frage stellte ich euch im letzten Newsletterbeitrag und ich erhielt sogar einige Antworten, was mich sehr gefreut hat. Eine Reaktion sollte hier nicht unerwähnt bleiben.

Ich kann die Frage für mich mit einem klaren Ja beantworten: ich versuche vorzugsweise im Basketball, Eishockey, Football und Handball für mich Erkenntnisse zu gewinnen.

Dabei teilt der Leser, der an dieser Stelle anonym bleibt, meine Meinung zu dieser Frage. Ich denke es ist sogar von fundamentaler Bedeutung als Trainer über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich mit anderen Sportarten auseinanderzusetzen. Zwar unterscheiden sich die meisten Ballsportarten vom Fußball durch die Tatsache, dass sie mit der Hand gespielt werden, jedoch muss dies nicht bedeuten, dass sich Konzepte nicht übertragen lassen.

Insbesondere wenn es darum geht wie man sich ohne Ball positioniert, Räume schafft und diese füllt, bieten viele Sportarten interessante Konzepte für den Fußball. Vor einigen Wochen stellte ich bereits das dynamische Besetzen der Zone unter dem Korb beim Basketball vor und seiner Ähnlichkeit zum Konzept der falschen Neun.

Gerade aus dem Basketball mit seinem eher mannorientierten Spiel und der Möglichkeit sich überall auf dem Feld zu bewegen, lassen sich interessante Konzepte übernehmen. Speziell blind-side movements sind auch im Basketball oft gesehene Aktionen. Spieler müssen in der Lage sein den direkten Gegenspieler zu verwirren, ihn in Situationen zu bringen, indem es ihm schwer fällt Gegenspieler und Ball gleichzeitig zu sehen oder sich durch kluge Antizipation der Situation einen Vorteil zu erarbeiten.

Für die sogenannten backdoor cuts im Basketball versuchen Offensivspieler mit ihrer Körperhaltung oder auch den Augen dem Gegner zu täuschen, um Fehler zu provozieren. Diese Täuschungen ähneln dem Verhalten von Sergio Busquets. Der spanische Sechser ist ein Meister darin mit seiner Körperhaltung den Gegner zu täuschen, um statt einem Pass nach außen doch den Ball zwischen die Linien zu passen.

Doch Basketball ist nicht die einzige Sportart. Auch beim Handball, dass sich aufgrund des Kreises doch stärker vom Fußball unterscheidet, gibt es Konzepte, die im Fußball genutzt werden können. Man denke nur daran, wie beim Handball versucht wird der Gegner in Bewegung gebracht zu werden. Typisch für den Fußball. Nicht umsonst wurde Guardiolas Stil oft mit den Worten „wie beim Handball“ beschrieben, als der Ball um den Sechzehner herum zirkuliert wurde. Zwar war dies als Kritikpunkt gemeint, jedoch gilt beim Handball letztlich das gleiche Prinzip wie beim Fußball. Bewege den Ball, bringe die Verteidigung dadurch in Bewegung und versuche dann Druck zu erzeugen. Entweder kommt man selbst zum Wurf oder schafft Raum für das Zuspiel auf den Nebenmann.

Pep Guardiola bezog sich einst auf die schnellen Seitenwechsel beim Rugby, um die Verteidigungslinie zu durchbrechen, als er über die Bedeutung von Seitenwechseln im Fußball sprach.

Es sind allerdings nicht nur die Konzepte auf dem Platz, die es sich lohnt zu analysieren. Es sind auch die Menschen mit ihren Ideen zu Taktik, Training oder Teamführung in anderen Sportarten, die als Inspirationsquelle dienen können.

Steve Kerr, Toni Nadal und Gregg Popovich – große Persönlichkeiten gibt es in allen Sportarten

Ich glaube ich habe jetzt in jedem Newsletterbeitrag bisher mindestens einmal Gregg Popovich erwähnt. Der kauzige Coach der San Antonio Spurs gilt nicht ohne Grund als einer der besten Coaches aller Zeiten. Insbesondere seine Leadershipfähigkeiten sind dabei beeindruckend. Der Mix aus gutem Freund/Vaterfigur und harter Coach, der einen Spieler auch mal anschreit, sind wohl mit einer der Gründe, wieso die Spurs über Jahre zu den besten Teams der NBA zählten.

Es wurden bereits schon viele Artikel über den Leadership-Stil von Gregg Popovich geschrieben. Für mich gab es in vielen Artikeln immer wieder interessante Aspekte und Lehren, die für einen Trainer oder Führungskraft in egal welchem Gebiet nützlich sein können.

Auch Toni Nadal, der Onkel und Trainer von Rafael Nadal teilte bei seinem Ted-Talk interessante Lehren darüber, was es braucht, um ein Spitzensportler zu sein und wie er seinen Schützling unterstützen konnte.

Ein weiteres Beispiel ist der ehemalige Coach von Michael Phelps oder auch Pete Carroll und Steve Kerr, die in ihrem Podcast viele spannende Erfahrungen teilen. Ich könnte die Liste noch endlos weiterführen, allerdings werdet ihr meinen Punkt bereits begriffen haben.

Es zeichnet einen guten Trainer aus, wenn er versucht sich ständig weiterzubilden und aus allen Situationen, Erlebnissen, Unterhaltungen oder Artikeln etwas für sich und seine Arbeit als Trainer herauszuziehen. Engstirnig oder naiv wäre es zu glauben, nur weil sich andere Sportarten vom Fußball unterscheiden, könne man nichts daraus ziehen.

Lasst es mich so sagen, was intelligente Leute von normalen Leuten unterscheidet, ist zum einen die Neugierde und die Motivation stets Neues zu lernen. Zum anderen die Fähigkeiten Konzepte und Ideen in einen größeren Kontext zu setzen und diese mit anderen Ideen zu verknüpfen.

Wenn ihr als Trainer also besser werden wollt, lohnt es sich, sich nicht nur mit Fußball zu beschäftigen.

Abschließende Frage

Nächste Woche möchte ich ein wenig über Decision-making sprechen. Deshalb die Frage, in welchen Situationen trefft ihr die falschen Entscheidungen aufgrund von Emotionalität oder gewissen Stereotypen?

Bis dahin, bleibt gesund.

Liebe Grüße

Tobias

Subscribe

* indicates required
Language
Kategorie Newsletter, Sonstiges

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.