Newsletter – 3 Gedanken

Ich hoffe euch hat mein letzter Newsletterbeitrag gefallen, dieses Mal habe ich wieder drei Gedanken für euch.

Cognitive biases und der Einfluss auf die Feedbackkultur

Dieses Mal möchte ich ein wenig über kognitive Verzehrrungen und ihr Auftreten im Fußball sprechen. Auf Thefalsefullback.de habe ich mich bereits näher mit dem Outcome bias und auch dem Confirmation bias beschäftigt. Dabei drehte es sich insbesondere um die Einschätzung von Trainern und Spielern, die stark durch diese Biases beeinflusst wird.

In diesem Beitrag möchte ich ein wenig über das Thema Feedback sprechen. Die Idee stammt aus diesem sehr spannenden Artikel, der sich auf das Buch schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann bezieht, das ihr auf jeden Fall lesen solltet.
https://fansided.com/2020/05/08/nylon-calculus-mean-regression-nba-coaches/

“On many occasions I have praised flight cadets for clean execution of some aerobatic maneuver. The next time they try the same maneuver they usually do worse. On the other hand, I have often screamed into a cadet’s earphone for bad execution, and in general he does better on his next try. So please don’t tell us that reward works and punishment does not, because the opposite is the case.”

Menschen können grundsätzlich nicht statistisch denken. Das zeigt sich an diesem Beispiel sehr gut. Denn wir versuchen in jeglicher Korrelation auch einen kausalen Zusammenhang herzustellen, obwohl viele Dinge einfach durch den Zufall beeinflusst sind. In diesem Beispiel nimmt der Ausbilder an, dass seine Art Feedback zu geben direkten Einfluss auf die Leistung der Piloten im nächsten Trainingsflug hat. Das ist zwar durchaus möglich, allerdings ist es wahrscheinlicher, dass die Piloten im vorherigen Flug einen Ausreißer nach unten hatten und nun ihr normales Leistungsniveau wieder erreichen.

Unsere Leistungen unterliegen Schwankungen, wir alle kennen das. Mal hat man einen guten Tag, mal einen schlechten. Grundsätzlich haben wir eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit. An manchen Tagen überperformen wir, wohingegen wir an anderen Tagen nicht unsere normale Leistung abrufen können. Über kurz oder lang nähern sich unsere Leistungen aber wieder unserer durchschnittlichen Leistungsfähigkeit an.

Folglich ist es ein Irrglaube zu implizieren, dass Lob die Spieler schlechter werden lässt und Rumbrüllen zwangsläufig die Spieler aufweckt und sie deshalb wieder bessere Leistungen bringen. Nein, das kann ganz einfach mit der Rückkehr zu normalen Leistungen zusammenhängen. Korrelation ist eben nicht automatisch Kausalität.

Deshalb rate ich jedem nur davon ab, anhand eines Spiels oder noch schlimmer, anhand des Ergebnisses zu kritisieren oder überschwänglich zu loben. Versucht eure Spieler zu unterstützen, die langfristige Entwicklung im Blick zu haben und anhand konkreter Beispiele konstruktive Kritik anzubringen.

Warum verschwanden die Zwei-Stürmer-Systeme in den letzten Jahren

Bei den geschätzten Kollegen von Cavanis Friseur gibt es einen spannenden Podcast zum Thema Doppelspitze oder generell Systeme mit zwei Stürmern. Reinhören lohnt sich wirklich.

Inspiriert von Till, Sascha und Marco habe ich mir auch ein paar Gedanken gemacht und überlegt warum Systeme mit zwei Stürmern, insbesondere das 4-4-2 eigentlich immer seltener zu finden sind.

Diese Frage ist tatsächlich gar nicht so einfach zu beantworten, da natürlich jedes 4-4-2 anders interpretiert wird und vor allem von den einzelnen Spielern abhängt. Darüber hinaus kann man natürlich argumentieren, dass es das 4-4-2 immer noch gibt. Spielt Thomas Müller beispielsweise auf der Zehn, wirkt es bei den Bayern doch häufiger wie ein 4-4-2 statt einem 4-2-3-1, aufgrund des Spielstils von Müller.

Allerdings ist das wohl mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel. Es gibt verschiedene Gründe für das Verschwinden der Zwei-Stürmer-Systeme. Auf der Suche nach der optimalen Besetzung des Raumes beim Fußball, fiel vielen Trainern auf, dass es eher suboptimal ist mit zwei Stürmern und vier Mittelfeldspielern in einem flachen 4-4-2 anzugreifen. Nicht nur der unbesetzte Zehnerraum, sondern vor allem die Besetzung der vertikalen Linien ist der Hauptgrund dafür.

Die fehlende Besetzung des Zehnerraums kann man mittels einer hängenden Spitze und einem Box-to-Box Sechser noch kompensieren. Allerdings stellt sich insbesondere das Besetzen der Halbräume als äußerst schwierig heraus. Schaut man sich das 4-4-2 an, fällt einem schnell auf, dass sich generell nur vier vertikale und drei horizontale Linien bilden. Die Halbräume bleiben dabei unbesetzt.

Natürlich lassen sich die Halbräume durch das Einrücken eines Flügelspielers besetzen, allerdings geht das zu Lasten der Tiefe im Spiel. Alternativ kann sich natürlich auch ein Stürmer regelmäßig hinter die letzte Linie bewegen, jedoch fehlt er dann als Anspielstation im Zentrum.

In einem 4-3-3 ist die Besetzung der Halbräume und Herstellung von Tiefe wesentlich einfacher durchführbar, ohne dass die Spieler weite Wege zurücklegen müssen, um von ihrer defensiven in ihre offensive Position zu gelangen. Darüber hinaus bietet sich eine bessere Struktur im Ballbesitzspiel aufgrund der Achter, die als Anspielstation für die Flügelspieler dienen können.

Darüber hinaus bietet es sich an einen Stürmer für einen Mittelfeldspieler zu opfern. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Mannschaften sehr kompakt verteidigen und aggressiv pressen, benötigt man Spieler im Zentrum sowie in der ersten Aufbaulinie. Ohne Überzahl in tieferen Zonen herzustellen, gelingt es nur sehr umständlich ein kompaktes und aggressives Pressing zu überspielen.

Folglich ist ein zweiter Stürmer wohl zu entbehren, gerade weil viele Mittelfeldspieler oder Flügelspieler wesentlich torgefährlicher wurden. Speziell hereinsprintete Mittelfeldspieler sind bei Flanken für eine Verteidigung aufgrund der Dynamik schwieriger zu verteidigen als zwei Stürmer, die bereits in der Box warten.

Interessanterweise ist der zwei-Mann-Sturm wieder im Kommen, allerdings schaffen viele Trainer eine andere Struktur in Ballbesitz. Nagelsmann nutzt beispielsweise eine Dreierkette im Aufbau und lässt zwei Achter hinter den beiden Spitzen agieren. RB Salzburg auf der anderen Seite nutzt gerne eine Raute und schafft es so die Halbräume durch die Achter zu besetzen.

Dadurch sind die beiden Stürmer besser an den Rest der Mannschaft angebunden und ein erfolgreiches Kombinationsspiel gelingt einfacher.

Was denkst du? Warum haben wir die letzten Jahre so wenig Mannschaften mit zwei Stürmern spielen sehen und denkt ihr, dieser Trend wird sich wieder umkehren?

Abschließende Frage

Wie versuchst du neue Dinge zu lernen? Bist du eher der Videotyp oder über Artikel? Und welche Rolle spielt das Durchdenken einer Idee und das Anwenden auf deine Mannschaft für dich bei der eigenen Weiterbildung?

Bleib gesund und bis nächste Woche
Liebe Grüße
Tobias

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Kategorie Newsletter, Sonstiges

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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