3 Gedanken – Newsletter 14 Juni

Der letzte Newsletterbeitrag mit drei Gedanken ist nun auch schon wieder zwei Wochen her. Leider komme ich selbst kaum dazu Fußball zu schauen. Aus irgendeinem Grund reizen mich die Geisterspiele bisher nicht, wie geht es dir damit?

Naja, vielleicht ändert sich das auch noch. Schließlich werden wir wohl noch länger mit Geisterspielen vorliebnehmen müssen.

Der perfekte Halbverteidiger

Ein bisschen Fußball konnte ich allerdings schauen und analysierte dabei ein wenig die Bayern unter Pep Guardiola in der Saison 2014-15. Insbesondere die Rolle von David Alaba, der damals als linker Halbverteidiger in einer Dreierkette agierte, interessierte mich besonders.

Für alle, die sich nicht mehr darin erinnern können. Der Österreicher startete zwar als linker Halbverteidiger, versuchte aber regelmäßig den Ball mit Dribblings in höhere Zonen zu bringen. So weit so gut, typisch andribbelnder Halbverteidiger eben. Allerdings kehrte Alaba nach diesen Dribblings nicht auf seine angestammte Position zurück, sondern blieb im Mittelfeld, um eine Überzahl herzustellen.

Interessanterweise agierte Alaba auch ohne Ball regelmäßig im Mittelfeld. Dadurch gelang es Pep Guardiola die Vorteile einer Dreierkette, des dynamischen Andribbelns und einem Mann mehr im Mittelfeld zu kombinieren.

David Alaba ist hierbei sicherlich die Ausnahme. Ein Spieler mit dieser Spielintelligenz, diesen athletischen Fähigkeiten und dieser Technik, gibt es nur sehr sehr selten. Stellt sich nun die Frage, was machen die Teams, die eine Dreierkette nutzen wollen, aber keinen David Alaba haben? Wie sieht denn jetzt eigentlicher der perfekte Halbverteidiger aus?

Wie immer gibt es dafür natürlich keine richtige Antwort. Es hängt vom Spielstil und den Fähigkeitsprofilen der einzelnen Mitspieler ab. Allerdings kann man schon erkennen, wieso ein Spieler wie Emre Can wunderbar als Halbverteidiger fungieren kann. Insbesondere gegen gewisse Verteidigungssysteme bietet sich ein spezieller Typ Verteidiger an.
Insbesondere gegen das klassische 4-4-2, das viele Teams gegen den Ball verwenden, bietet sich eine Dreierkette logischerweise schon an, um eine Überzahl in der ersten Aufbaulinie zu schaffen. Nun hat das 4-4-2 noch eine weitere Schwäche. Die Halbräume sind nicht sauber zu verteidigen. Hier bietet sich für den Halbverteidiger nach einer Verlagerung die beste Möglichkeit den Ball nach vorne zu tragen.

Aus diesem Grund ist es von Vorteil Halbverteidiger zu haben, die ein gutes Dribbling haben, so dass die offenen Räume genutzt werden können. Dies zeichnet einen Mats Hummels, einen David Alaba oder auch einen Emre Can aus, allerdings mit unterschiedlichen Dribblingarten.

Mats Hummels beispielsweise dribbelt zwar sehr gut an, ihm fehlt allerdings die Dynamik, um den Rhythmus eines Angriffs entscheidend zu verändern. Aus diesem Grund sucht er nach kurzem Andribbeln die geeignete Anspielstation. In einem 4-3-3, bei dem die Mitte mit drei Zentralen gut besetzt ist, passt Hummels Andribbeln sehr gut. Agiert man allerdings in einem 3-4-3 ist es wohl von Vorteil einen Spieler wie beispielsweise Emre Can zu haben. Zwar ist dessen Passspiel nicht so ausgereift, jedoch sorgen seine Dribblings für höchste Gefahr. Außerdem kann Emre Can mit seiner Dynamik am Ball die Unterzahl im Zentrum in einem 3-4-3 ausgleichen.
Des Weiteren ergibt sich auch die Möglichkeit, dass ein solcher Spielertyp, der zuvor auch schon im Mittelfeld auflief, an der Seitenlinie unterstützt oder ballfern ohne Ball in höhere Zonen vorstößt.

Aus diesen Gründen sehe ich Dribbelstärke, Pressingresistenz, Dynamik oder die Fähigkeit große Räume zu besetzen für entscheidend, um die Vorteile einer Dreierkette mit zwei Halbverteidigern voll auszuschöpfen.
Was denkt ihr? Welche Fähigkeiten sollte der perfekte Halbverteidiger mitbringen?

Warum es kein 1vs1 gibt

Dieses Thema habe ich nun schon häufiger angesprochen. Allerdings lese ich immer noch, insbesondere in vielen Facebookgruppen, dass das 1vs1 die Basis des Spiels ist und von jedem Spieler beherrscht werden muss. So weit so gut, ich stimme zu, dass das Dribbling eine Fähigkeit ist, die jeder Spieler verbessern kann/muss und auf jeder Position einen Mehrwert bietet.

Allerdings sträube ich mich gegen die Aussage, dass das 1vs1 die Basis des Spiels ist. Denn es gibt kein 1vs1 im Fußball. Zwar sehen manche Situationen so aus, klassisches Beispiel, der Flügelspieler gegen den Außenverteidiger, allerdings ist auch dies kein 1vs1, da viel mehr Akteure die Aktion des Ballführenden direkt beeinflussen.

Viele mögen nun sagen, ich würde hier alles grundlos verkomplizieren, allerdings ist diese Erkenntnis, dass es kein 1vs1 gibt, fundamental. Gibt es kein 1vs1, so sollte man das Dribbling auch nur bedingt in 1vs1 Spielformen trainieren. Sicherlich, um nur die technische Komponente zu verbessern, ergibt diese isolierte Spielform eventuell Sinn. Allerdings sollte man möglichst schnell zu einer größeren Form wechseln, die das echte Spiel besser abdeckt.

Ein 3vs2 oder auch ein 2vs3 sind Möglichkeiten das Dribbling stärker hervorzuheben und einen Kontext zu schaffen, der der Partie am Wochenende ähnelt, wie Moritz Kossmann mir sehr anschaulich in einem Interview für unsere letzte Ausgabe des Magazins erklärte.

Einem Dribbling liegen nämlich immer wieder unterschiedliche Punkte zu Grunde. Jede Aktion wird durch die vier Referenzpunkte, Ball, Gegner, Raum und Mitspieler bestimmt. Ob ich also den Zweikampf mit dem Außenverteidiger suche, hängt für mich als Flügelspieler damit zusammen, wo genau ich mich befinde. Darüber hinaus spielt es eine entscheidende Rolle für mein Dribbling welche Räume neben dem Außenverteidiger frei sind, wo seine Mitspieler stehen und welche Anschlussaktion für mich möglich ist.

Um diese ganzen Variablen abzudecken, sollte man eben das Dribbling nicht ausschließlich in 1vs1 Formen trainieren. Schließlich fehlen einfach regelmäßig die Entscheidungen. Ist ein Dribbling überhaupt die richtige Aktion? In welche Richtung sollte das Dribbling gehen und was mache ich, wenn ich am Gegenspieler vorbeigekommen bin und was, wenn nicht?
Damit unsere Spieler lernen die richtigen Entscheidungen zu treffen, müssen wir versuchen einen Kontext in jeder Spielform zu schaffen, die dem realen Spiel ähnelt. Deshalb bin ich der Meinung, wir sollten schleunigst aufhören das 1vs1 als Basis des Spiels zu diskutieren und es entsprechend so trainieren.

Abschließende Frage

Dieses Mal habe ich keine Frage von euch, sondern möchte eure Fragen hören, die ich im nächsten Newsletterbeitrag beantworten werde?

Also sendet mir einfach eure Fragen per Mail, als Kommentar unter den Beitrag auf unserer Website oder bei Twitter.

Bleibt gesund und bis nächste Woche
Tobias

Kategorie Newsletter, Sonstiges

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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