Play-off der österreichischen Bundesliga: Austria Wien vs Altach

Ohne jegliche Frage gab es in dieser Saison in der österreichischen Bundesliga einige positive wie auch negative Überraschungen. Hartberg ist mit Sicherheit eine der Mannschaften, die am Ende dieser Spielzeit besser abschneiden konnten als es die meisten Experten und Fans vor Saisonbeginn erwartet hatten. Sie belegten am Ende den fünften Platz in der Meistergruppe und stehen somit im Finale der Play-offs für das Ticket zur Teilnahme an der Qualifikation für die UEFA Europa League.

Auf der anderen Seite hingegen blieben Sturm Graz und Austria Wien deutlich hinter den Erwartungen zurück. Während die Grazer mit einem gehörigen Abstand letzter in der Meistergruppe wurden, gewann Austria Wien die Relegationsgruppe vor Altach.

Diese beiden Mannschaften trafen nun in diesem Halbfinale aufeinander, um zu ermitteln wer sich im Finale mit Hartberg in zwei Partien (Hin- und Rückspiel) um das EL-Ticket streiten wird. In dieser Spielnalyse werden wir auf die Taktiken in der Partie Austria Wien vs Altach blicken und die Gründe für den knappen 1-0 Erfolg für die Wiener genauer beleuchten.

Aufstellungen

Beide Mannschaften wählten ihre gewohnten Formationen. Die Heimmannschaft wurde von Christian Ilzer im 4-2-3-1 aufgestellt mit Patrick Pentz im Tor. Stephan Zwierschitz, Michael Madl, Erik Palmer-Brown (ausgeliehen von Pep Guardiolas Man City) und Florian Klein bildeten die Viererkette während Thomas Ebner und Alexander Grünwald im defensiven Mittelfeld spielten. Maximilian Sax, Manprit Sarkaria und Patrick Wimmer agierten hinter den einzigen Stürmer Christoph Monschein.

Altachs Coach Alex Pastoor wählte die 4-3-3-Formation mit Kapitän Martin Kobras zwischen den Pfosten. Berkay Dabanli und Philipp Schmiedl waren das Innenverteidigerduo mit Emir Karic und Manuel Thurnwald auf den Außenverteidigerpositionen. Samuel Oum Gouet war der zentrale Mann vor der Abwehr und neben ihm spielten der talentierte Johannes Tartarotti und Jan Zwischenbrugger. Sidney Sam und Emanuel Schreiner bildeten die Flügelzange um Daniel Nussbaumer.   

Abbildung 1: Die Startformationen für das Spiel Austria Wien vs Altach

Die Phasen dieses Spiels

Diese Partie kann man klar und deutlich in vier Phasen unterteilen, wobei die jeweiligen Halbzeiten etwa in der Mitte in zwei Abschnitte geteilt werden. In den circa ersten 20 Minuten dieser Partie war Altach die klar bessere Mannschaft, dominierte das Geschehen und kam auch zu Torchancen. Jedoch kippte das Spiel dann etwas und das Team von Pastoor mussten an Präzision im Passspiel einbüßen und die Veilchen veränderten ihr Abwehrverhalten etwas. Folglich erzielte die Austria in der 28. Spielminute das 1-0 durch Wimmer und bis zur Halbzeit konnten die Vorarlberger das Spiel nicht mehr so dominieren wie in den ersten gut 20 Minuten.

Nach einem hektischen Start in die zweite Hälfte, riss Altach wieder das Ruder an sich und war in der Lage Ball und Gegner wieder besser laufen zu lassen. Jedoch konnten sie kein Kapital daraus schlagen und mit der Mitte der zweiten Hälfte wurden sie verständlicherweise immer offensiver und zugleich ungeduldiger. Somit gab es mehr Ballgewinne für Ilzers Mannschaft und auch mehr Räume während den Kontern. Allerdings konnte keiner der Wiener die vielen hochkarätigen Torchancen nutzen und somit endete die Partie mit 1-0 für die Austria.

In dieser Taktikanalyse werde ich sowohl Aspekte ansprechen, die über weite Strecken des Spiels gleichblieben aber auch die Gründe für die verschiedenen Phasen beschreiben.

Altachs Positionsspiel trifft auf das vermeintliche Pressing der Wiener

Die Veilchen konzentrierten sich in dieser Partie hauptsächlich auf die Verteidigung und hofften mit Kontern immer wieder Nadelstiche setzen zu können. Auf der anderen Seite wollte Altach das Spiel dominieren und das geling ihnen auch. Speziell in den ersten rund 20 Minuten dieser Partie hatten sie volle Kontrolle und ließen den Ball und Gegner dank eines guten Kombinations- und Positionsspiel laufen. Nach den ersten 15 Minuten hatte Pastoors Mannschaft fast 75% Ballbesitz und auch bereits einige gute Aktionen im Strafraum des Gegners.

Ein zentraler Grund dafür war die klare Verteilung von Aufgaben auf der Seite der Vorarlberger, wodurch jeder Spieler fast immer mindestens eine Anspielstation hatte. Gouet war immer in zentraler Position vor den beiden Innenverteidigern, Karic auf der linken Seite blieb wie gewohnt zunächst tief und schob explosionsartig vor in den jeweiligen Momenten, Schreiner und Tartarotti wechselten sich mit der Besetzung des Flügels und des linken Halbraums ab und Zwischenbrugger ließ sich ab und an im rechten Halbraum fallen, damit Thurnwald vorrücken konnte. Im nachstehenden Bild habe ich versucht die grundsätzlichen Bewegungsmuster der Altacher vereinfacht darzustellen.  

Abblidung 2: Eine vereinfachte Darstellung des Positionsspiels von Altach

Interessant war hierbei, dass auf der linken Seite vor allem auf Kombinationsspiel gesetzt wurde und dabei zumeist das Ziel war, dass man Karic zur Grundlinie schickt. Am rechten Flügel hingegen blieb es zumeist eine One-Man-Show des früheren Schalkers Sam, da sich Thurnwald nicht so konsequent nach vorne orientiert hat. Zudem ist Zwischenbrugger ein weitaus defensiverer Zentrumsspieler als Tartarotti.

Sam zeigte immer wieder tolle Einzelaktionen und zog dabei in Robbenmanier zur Mitte, um mit seinem starken linken Fuß den entscheidenden Ball zu spielen oder selbst den Abschluss zu suchen. Es fiel jedoch auf, dass den deutschen Flügelflitzer sichtlich störte, dass der rechte Außenverteidiger selten aufzog und dadurch seine Dribblings ausrechenbarer wurden.

Austria Wien versuchte es in den ersten 20 Minuten der Partie mit einem Pressing, das sie bereits gut 20 Meter vor der Mittellinie starteten. Sie blieben in ihrer 4-2-3-1 Formation und die Flügelspieler Wimmer und Sarkaria waren in der Nähe der gegnerischen Außenverteidiger, um diese zu pressen sobald sie den Ball erhielten. Sax manndeckte Gouet während Monschein seinen gewohnten Kurvenlauf anwendete, um die Innenverteidiger auf eine Seite zu zwingen. In der nachstehen Grafik ist zu sehen wie sich Ilzer das Pressing seiner Mannschaft ausgemalt hätte.

Abbildung 3: Der ideale und geplante Pressingablauf der Austria

Allerdings ging diese Vorgangsweise in den ersten 20 Minuten kaum auf, da einiges nicht nach Plan lief. Gouet sollte bei einem Pass von einem Innenverteidiger zum anderen Innenverteidiger von Sax an den vorrückenden Grünwald übergeben werden (wenn Monschein zu weit weg war vom neuen ballführenden Innenverteidiger, rückte Sax vor). Allerdings funktionierte diese Übergabe grundsätzlich nicht immer und zudem wurde diese Aufgabe durch die intelligenten Bewegungen von Gouet nicht gerade leichter.

Zusätzlich ließ sich Zwischenbrugger in gewissen Momenten fallen, um eine weitere Passoption zu bieten und die Austria fand darauf zumeist keine Antwort. Dadurch war häufig Zwischenbrugger oder Gouet (und in gewissen Momenten beide) frei und die Ballzirkulation konnte aufrechterhalten werden.

Zudem waren Wimmer und Sarkaria häufig zu weit weg von ihren Gegenspielern entfernt, weshalb diese nachdem sie an den Ball kamen zu viel Zeit hatten, um ihre nächste Aktion zu planen. In den ersten 20 Minuten hat Altach zudem etwas anderes gut gemacht: Gouet, Zwischenbrugger und die Viererkette blieben tiefer und zugleich schoben Tartarotti und die drei Stürmer hoch, wodurch sie die Austrianer auseinanderziehen konnten und den Raum in der Mitte effizient anspielen konnten. In der nachstehenden Bild sehen wir wie das Pressing der Anfangsphase zumeist aussah. Karic hat zu viel Zeit, da Sarkaria zu weit weg ist und wenn keine kurze Passoption mehr vorhanden ist, wählten die Altacher den langen Ball in den rot markierten Bereich.

Abbildung 4: In etwa so lief das Pressing der Wiener im Spiel ab. Zudem wurde hier nicht das Fallen von Zwischenbrugger, das Freilaufverhalten von Gouet und das damit verbundene schwache übergeben der Wiener berücksichtigt

Wie sich die Veilchen fangen konnten

Nach den bereits angesprochenen etwa 20 Minuten stellte Austria Wien das Defensivkonzept etwas um und konnte somit besser ins Spiel finden. Sie hatten nach wie vor nicht die Ballsicherheit, um längere Ballstafetten zu haben, allerdings konnten sie Altach besser im Schach halten und bessere Momente für Konter provozieren.

Während in den ersten 20 Minuten das Pressing der Violetten oft halbherzig war und die Altacher zu viel Zeit am Ball hatten, wechselte Austria Wien von nun an zwischen zwei unterschiedlichen Taktiken hin und her. Sie attackierten entweder etwas höher und mit mehr Aggressivität oder ließen sich tiefer in einem 4-4-2 fallen.

Zwar blieben sie beim gleichen Pressingablauf, der nach wie vor nicht perfekt war, allerdings schob die Viererkette + Ebner früher vor, um den Raum vor ihnen zu schließen und zudem waren sie näher an den Gegenspielern dran. Altach war ab und an immer noch in der Lage die erste Pressingwelle zu überspielen aber im Vergleich zu den ersten 20 Minuten war dies viel seltener der Fall.

Sehr effektiv war das tiefe Fallen der Austria im 4-4-2 mit Sax neben Monschein in der vordersten Linie. Altach fand auf diesen tieferen Block kaum Antworten und verlagerte zwar gut von der einen Seite zur anderen und wieder zurück, aber selten wurde die Tiefe attackiert.

Abbildung 5: Austria Wien’s tiefes 4-4-2. Tartarotti war zumeist neben Nussbaumer der einzige, der sich in diesem Block bewegte

Ein zentraler Grund für die Harmlosigkeit von Altach war, dass zum einem zu viele Spieler außerhalb des gegnerischen Blocks standen und zu wenige die Räume im gegnerischen 4-4-2 besetzten (siehe obige Abbildung) und zudem ist Nussbaumer kein Stürmer, der mit Läufen den Raum hinter der Abwehr attackiert.

Vertikalität und Tiefe führen zum Sieg

Der womöglich größte Vorteil am tieferen Verteidigen der Veilchen nach den ersten 20 Minuten wird in diesem letzten Abschnitt der Analyse besprochen. Durch den tiefen Block rückte die gesamte Mannschaft der Altacher immer wieder vor und auch die beiden Außenverteidiger standen höher. Dadurch entstanden mehr Räume für die Austria im Konter und sie konnten die Schnelligkeit von Sax, Wimmer, Monschein und Sarkaria besser ausspielen. Auch während den normalen Ballbesitzphasen versuchte die Austria immer vertikal und schnell zu spielen, um mit Steilpässen hinter Altachs Abwehr zu gelangen.

Allerdings hatten sie dafür während den Kontern unglaublich viel Platz und nutzten diesen auch wie vor dem einzigen Tor der Partie durch Wimmer. Monschein und Sax versuchten nach Ballgewinn entweder sofort in die Tief zu gehen oder den Ball zu fordern, um dann den beiden Flügelspielern Zeit zum Nachrücken zu geben.

Die anvisierten Zonen waren jene hinter den aufgerückten Außenverteidigern Karic und Thurnwald und der Raum hinter Gouet, der als Abfangjäger in Altachs Gegenpressing agierte. Der Großteil der Konter der Violetten führte in diese Bereiche. In der nachstehenden Grafik können wir die typischen Laufwege der Wiener sehen. Während Sarkaria den Weg mehr ins Zentrum suchte da er sehr stark mit dem Ball am Fuß ist, blieb Wimmer zumeist breit und forderte die tiefen Pässe, um seine Schnelligkeit uaszuspielen.

Abbildung 6: Die von Austria Wien attackierten Räume aus dem 4-4-2

Zusammenfassung

Die ersten 20 Minuten konnte Altach durch das gute Positionsspiel von ihrer Seite und das schlechte und halbherzige Pressing der Wiener das Spielgeschehen dominieren. Dann entschieden sich die Veilchen dazu, entweder aggressiver zu pressen oder sich tiefer fallen zu lassen und mit beiden Varianten bereiteten sie den Gegner Schwierigkeiten und das Tor war nur eine logische Folge.

Die zweite Hälfte begann gleich wie die erste mit einem schwachen Pressing der Austria gemischt mit einem zeitweise guten und tiefen Block. Nach ca. einer Stunde Spielzeit wurden die Altacher direkter und offensiver aber nach wie vor wurde mehr um den Block der Austria herumgespielt und nicht der Raum darin und dahinter bespielt. Ilzers Mannschaft hatte unzählige Möglichkeiten durch die beschriebenen Prinzipien im Konter, aber die Veilchen nutzten keine ihrer Chancen und daher endete die Partie mit einem verdienten und knappen 1-0 für die Wiener Austria.

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