FC Brentford unter Thomas Frank

Nach dem im Oktober 2018 bekannt wurde, dass Dean Smith den FC Brentford Richtung Aston Villa verlässt, zögerten die Verantwortlichen nicht lange und beförderten den damaligen Assistenz-Trainer Thomas Frank zum neuen Chef-Trainer der West-Londoner. Thomas Frank, der nur einen geringen Zeitraum als Mittelfeldspieler auf Amateurniveau in Dänemark verbracht hatte, begann seine Trainerlaufbahn in der U8 seines Heimatvereins, ehe er sich über die Nachwuchsleistungsbereiche von Lyngby BK und der dänischen Auswahl in den Profibereich hinein gearbeitet hatte. 

Von 2013 bis 2016 bekam er die Möglichkeit den dänischen Top-Klub Bröndby IF als Chef-Trainer zu betreuen und machte sich in seinem Heimatland einen Ruf zum erstklassigen Taktiker. Trotz einer Punkteausbeute von 1,62, wurde Frank frühzeitig am 09.03.2016 von seinen Aufgaben entbunden. Nach kuriosen Gerüchten, dass einer der damaligen Vereinsverantwortlichen von Bröndby IF unter Anonymität negative Informationen über Thomas Frank an die dänische Presse weitergab. 

Frank hatte in den darauffolgenden Monaten einige Angebote aus der heimischen Superliga, entschied sich jedoch im Dezember 2016 den Co-Trainer Posten beim Championship-Kandidat Brentford Football Club anzunehmen.Er sah das Angebot der Engländer als Chance, etwas neues zu entdecken und seine eigene Fachkompetenz dadurch zu erweitern. Vorerst verlor er das Bedürfnis mit den Medien zu kommunizieren und bekam den Antrieb sich voll und ganz auf seine Hauptaufgabe zu konzentrieren. Das Angebot kam ihm daher gelegen, als Assistenz-Trainer von Dean Smith zu arbeiten. 

Seit seiner Beförderung zum Chef-Trainer entwickelte sich die Mannschaft immer mehr zum ernstzunehmenden Aufstiegskandidaten. Der Verein arbeitet strukturiert und abgestimmt, mit ganz klaren Plänen in den verschiedenen Abteilungen. Dies wird permanent von der Vereinsführung um Besitzer und Wettunternehmer Matthew Benham erwähnt. Der Zweitligist gilt in England als einer der interessantesten und am besten geführten Vereinen der Sky Bet Championship, was auch ein immens großer Anteil von Thomas Frank und seinem Assistenz-Trainer und Landsmann Brian Riemer ist. 

Kontrolliert aber Effektiv

9,4 Schüsse pg und ein durchschnittlicher Ballbesitzwert von 55,5 % pg, veranschaulichen das Thomas Frank zwar einen kontrollierten Ballbesitzfußball spielen lassen möchte, jedoch mit dem nötigen Zug zum gegnerischen Tor. Mit 70 Toren in 40 Ligapartien, gelten „the bees“ als torgefährlichste Mannschaft der Championship. Die daraus resultierende Tordifferenz von +37 ist ebenfalls Liga Bestwert. 
2 Siege aus den beiden Partien gegen die direkten Ligakonkurrenten Fulham FC (2:0) und West Bromwich Albion (1:0), zeigen darüber hinaus den totalen Fokus von Spiel zu Spiel. Kapitän und Innenverteidiger Pontus Jansson verriet der englischen Presse, dass die Mannschaft den Aufstieg sehr gerne in Kauf nehmen möchte, jedoch die Konzentration von Spiel zu Spiel ausgelegt ist. Das macht sie laut Jansson so stark. Während die anderen Aufstiegskandidaten die absolute Priorität und Pflicht haben ins englische Oberhaus aufzusteigen und diese auch offen gegenüber Anhänger und Medien kommunizieren, bleibt der FC Brentford fokussiert auf das nächste Pflichtspiel. 

Spielaufbau

Brentford bevorzugt einen flachen und kontrollierten Spielaufbau aus einem flexiblen 4-3-3 heraus. Dabei möchten sie die erste Pressinglinie des Gegners so schnell wie möglich überspielen. Um keine trübe und ideenlose Passstafetten praktizieren zu müssen, animieren sie die erste Pressinglinie des Gegners zum Angriffspressing, um diese somit schnell zu überspielen.Die Stammformation wird mit Pontus Jansson und Ethan Pinnock in der Innenverteidigung gebildet. Beide positionieren sich absichtlich im Strafraum, um den Torraum, um ein Angriffspressing seitens der gegnerischen Mannschaft zu animieren. Durch eine Positionierung außerhalb des Strafraums, werden Pressinglaufwege für die vorderste Reihe maximiert, was viele dazu veranlasst erstmal die Ordnung zu halten und den Gegner „kommen zu lassen“. Brentford bevorzugt aber eben dieses hohe Pressing der Gegner, um die erste Linie schnell überspielen zu können.

Durch die enge Staffelungen der 6er und 8er im Spielaufbau, werden Gegner oftmals gezwungen eine Seite zu überladen. Christian Nörgaard, Emiliano Marcondes und Josh Dasilva besetzen den ballnahen Halbraum und Zentrum, während der Gegner daraufhin die ballnahe Seite überlädt. Bewusst wird die ballferne Seite ignoriert, um nach einer schnellen Spielverlagerung die ballferne Seite zu bespielen und die dort gegebenen Räume aggressiv zu penetrieren. Durch das abkippen des ballnahen 8ers, entstehen in Verbindung mit ballführenden IV, ballnahen AV und ZDM, eine Rautenbildung die eine gute Passkombination ermöglicht, falls der Gegner die Passkanäle für geeignete Verlagerungen blockiert. Die AV schieben daher nicht hoch in das 2/3, sondern bleiben tief gestaffelt um die Meter der Passwege zu minimieren, um aus dem Angriffspressing und dem damit verbundenen hohen Druck leichter zu entkommen. 

Blockiert der Gegner mögliche Verlagerungswege, wird anhand von Druckpässen und dem Spiel über den Dritten, Befreiungsaktionen gestartet, die das Überspielen der lokalen Überzahl des Gegners vereinfacht. Das binden von Gegenspielern aufgrund das Besetzen der ballnahen Zonen von 6er und 8er, sorgt dennoch häufig dazu, dass kurze und druckvolle Ballstafetten über Jansson, Pinnock und dem spanischen Torwart David Raya die ballfernen AV erreichen und eine schlagartige Penetration in die gegnerische Spielfeldhälfte möglich ist. Funktioniert dieser Effekt, sorgen die Flügelspieler Said Benrahma, Bryan Mbuemo oder Tarique Fosu durch dynamisches Abkippen für Steil-Klatsch-Steil Optionen mit den AV Henrik Dalsgaard / Rico Henry und dem schnellen Anbieten der ballnahen 8er. Durch das bewusste präferieren eines erhöhten Zahlenverhältnisses auf der ballnahen Seite, öffnen sich große Räume auf der ballfernen Seite, die durch diese schnellen Verlagerungen profitabel genutzt werden können. 

Nach einer erfolgreichen Verlagerung gilt es für Brentford zügig über die Außenspuren und Halbspuren den Weg in die tiefen Zonen zu suchen. Die Mannschaft von Thomas Frank praktiziert ein äußerst flügellastiges Angriffsspiel, was sie nach erfolgreichen Verlagerungen mit hoher Geschwindigkeit ausüben, um ein Verschieben des gegnerischen Defensivblocks zu entkommen. Das hohe erforderliche Tempo für dieses Überspielungsschema, werden von den AV und FS bereitgestellt. 

Durch den Kurzpass von Raya auf Pinnock, wird das Angriffspressing des Gegners ausgelöst. Dank der engen Staffelung in der Raumaufteilung von Nörgaard, Marcondes und Dasilva, wird der Gegner gezwungen die ballnahe Seite zu überladen um dem Zahlenverhältnis nicht zum Opfer zu fallen. Nach der erfolgreichen Verlagerung zu Dalsgaard, kippt Fosu dynamisch ab, um über Marcondes den Ball mit wenig Kontakten in die Tiefe zu transportieren, bevor der Gegner rechtzeitig im Verbund verschiebt. 

Anhand eines „lockenden“ Ballbesitzes werden gegnerische Spieler bewusst dazu gereizt, den Druck gegen den Ball zu erhöhen. Eine bewusste Überladung der ballnahen Zonen seitens des Gegners ist das Ergebnis einer solchen taktischen Vorgabe im Ballbesitz. RB Leipzig unter Julian Nagelsmann macht ebenfalls Gebrauch dieser effektiven „Falle“. Dabei spielt die Mannschaft von Thomas Frank auf engstem Raum mit mehreren Spielern, unmittelbar in eigener Tornähe, kurze und schnelle Passkombinationen um den Gegner anzulocken. Infolgedessen verlassen gegnerische Spieler die ballfernen Außen-/Halbspuren und das immer wiederkehrende Prinzip der Spielidee von Frank und Riemer kommt zur Geltung. Durch die davor erzeugte enge Raumaufteilung aller Spieler die am Spielaufbau beteiligt waren, sind direkte Spielverlagerungen anhand von „Laserpässen“ oder Flugbälle indiskutabel. Daher ist Brentford gezwungen über kurze Ballstafetten und zügigen Spurenwechsel Spielverlagerungen zu praktizieren. Eine gute technische Ausführung von Torwart Raya ist daher ein wichtiger Aspekt im Spielaufbau. 

Nach einer erfolgreichen „lockenden“ Ballbesitzphase im Spielaufbau von FC Brentford, kann der Ballvortrag von Jansson über Raya und Pinnock zum ballfernen AV Henry geleitet werden. Dieser penetriert schlagartig nach direkter Ballmitnahme das 2/3 des Spielfeldes, um dem Verschieben des gegnerischen Defensivverbundes zu entkommen. Durch das andribbeln von Pinnock im rechten Halbraum, können weitere Überzahlsituation in den frei gewordenen Zonen erstellt werden. Darüber hinaus sorgt ein andribbeln der IV für großen Fokus der Gegenspieler. Dadurch werden in Spielen der Londoner, die breitgestaffelten Spieler oftmals nicht beachtet. 

Die Kreativität und das Erkennen von Räumen ist eine hohe Kompetenz der „bees“. Jedoch gab es in der laufenden Sky Bet Championship Saison eine Mannschaft, die das Leben von Thomas Frank und seinem Trainerstab strapaziert hat. Die Rede ist von Marcelo Bielsas Leeds United. Die Mannschaften des argentinischen Trainers sind bekannt, für ihre eher unübliche Art und Weise in der Arbeit gegen den Ball. Während nahezu alle Mannschaften der zweit höchsten englischen Spielklasse eine Mischung aus Raum und Manndeckung anwenden, sind die Spieler von Leeds United darauf angewiesen, eine höhst disziplinierte mannorientierte Balleroberung einzusetzen. 
Während der FC Brentford seine Gegner dazu animiert ein hohe ballorientierte Raumdeckung anzuwenden, um anhand von schnellen Verlagerungen die ballfernen offenen Räume bespielen zu können, funktioniert diese Herangehensweise gegen Bielsas Mannschaft nicht. 

Durch die angewandte Mannorientierung bleibt den Aufbauspielern keine Zeit übrig, um schnelle Passkombinationen die zu Spielverlagerungen folgen, auszuüben. Darüber hinaus enstehen keine ballfernen offenen Räume. Bielsa nahm im Spiel gegen Frank nahezu alle Londoner Spieler auf dem Spielfeld in Manndeckung, was eine Verlagerung ohnehin schon nicht möglich gemacht hat. 
Thomas Frank wird von der Yorkshire Evening Post wie folgt zitiert:

„Leeds macht die Dinge in dieser Liga ganz anders. Die Art und Weise, wie sie Druck ausüben, hat nichts mit Intensität zu tun, aber das ist natürlich gut.Weil sie Mann gegen Mann gehen und drücken und es ständig tun, um auf den Mann zuzugehen. Du hast also keine Zeit am Ball oder weniger Zeit am Ball.
Viele Teams machen vielleicht eine kleine Mann gegen Mann Deckung und es ist weniger intensiv. Normalerweise spielen sie mehr in einer Zone (Raum), so dass du immer Zeit hast, Passempfänger zu finden. Wenn wir gegen solche Teams spielen, wissen wir, dass wir extrem gut sind, an gewöhnlichen Tagen.Aber heute war es sehr schwer. Wir wussten, dass das Spiel beeinflusst wird. Sie konnten sehen, wie wir unseren Spielaufbau gestaltet haben. Es war Mann gegen Mann. Wenn du das machst, gibt es keinen Grund kurz zu spielen, weshalb wir heute die Bälle lang gekickt haben.“

Eigene Stärken zur Geltung bringen

Eines der obersten Prinzipien in der Spielidee von Thomas Frank ist die eigenen Stärken zur Geltung zu bringen. Die Londoner besitzen im Kader einige Spieler, die das Beherrschen von sauberen und temporeichen Dribblings in sich haben.Unter anderem Spieler wie der algerische Topspieler Said Benrahma, das französische Talent Bryan Mbuemo, Tariq Fosu, Ollie Watkins, Rico Henry oder Emiliano Marcondes, zeigen große Stärken in 1 gegen 1 Situationen auf. Diese gilt es auszunutzen und den Gegner dadurch vor große Probleme im individualtaktischen Defensivverhalten von 1 gegen 1 Situationen zu stellen. Um das zu bewerkstelligen, sind die Prinzipien des Spielaufbaus abzuleiten. Im Spielaufbau wird wie schon erwähnt versucht, ballferne Räume zu öffnen und dadurch mit hoher Geschwindigkeit die ersten Pressinglinien zu überspielen. Identisches wird auch im weiterfolgenden Abschnitt umgesetzt.
Die Außenspuren und Halbräume werden stets von den erwähnten Spielern besetzt und für Dribblings verwendet. Um aber die Stärken in den 1 gegen 1 Situationen auch wirklich demonstrieren zu können, versucht Brentford diese Räume so gut es geht zu maximieren und dafür zu sorgen, dass vereinzelnde Gegenspieler in 1 gegen 1 Isolierungen gelockt werden. Dadurch haben die erwähnten Spieler mehr Freiheiten und vor allem mehr Zeit um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Wenn eine Verlagerung im 2/3 des Spielfeldes stattfinden soll, verschiebt der Gegner automatisch kompakt Richtung Ball. Um das Verschieben aber zu manipulieren und dadurch die Außenspuren zu maximieren, starten Spieler aus den Halbräumen gegenläufige Bewegungen mit den ballführenden Mitspielern. In diesem Fall dribbelt Marcondes in Richtung linken Halbraum. Benrahma erkennt potenziellen Passempfänger Henry in der linken Außenspur. Daraufhin wechselte er seine Positionierung vom linken Halbraum in das Zentrum um das Verschieben des gegnerischen Defensivverbunds in Richtung Henry zu stoppen. Letztendlich wurde diese hohe Intelligenz für das Erschaffen von Räumen, Zeit/-Raumerbringend belohnt und Henry konnte nach Zuspiel von Marcondes explosionsartig das 3/3 des Spielfeldes penetrieren. 

Um den temporeichen Spielern die notwendigen Dribblings zu vereinfachen, verwendet Brentford 1 gegen 1 Isolierungen. Damit ist gemeint, dass die Mitspieler um Benrahma, Mbuemo & Co stets versuchen, ihre Stärken nicht zu überlasten. Eine 1 gegen 1 Situation ist bekanntlicht machbarer, als eine 1 gegen 2 oder gar 1 gegen 3 Situation. Daher ist das Binden von Gegenspielern ein essenziell wichtiger Punkt, um den Dribbling-Spielern die Aktionen zu erleichtern. Die eigene Staffelung in der gegnerischen Spielfeldhälfte ist daher entscheidend, gegen wie viele Gegenspieler Brentfords „Waffen“ kämpfen müssen. 

Durch Mbuemos Positionierung in der rechten Außenspur und Watkins Positionierung im ballfernen Halbraum, konnte die Schnittstelle zwischen ballnahen gegnerischen AV und IV aufgerissen werden. Mbuemo hat den gegnerischen ballnahen AV gebunden und in die ballnahe Außenspur gezogen, während Watkins den ballfernen IV im ballfernen Halbraum gebunden hat. Dadurch musste der ballnahe IV die zentrale Ordnung halten und es entstand die Schnittstelle die zum Torerfolg gegen Sheffield Wednesday führte. Durch den überragenden Steckpass von Nörgaard konnte der Franzose Mbuemo einen diagonalen Lauf von Außenspur in Halbspur starten um den Ball beim durchqueren der Schnittstelle zu empfangen. Mit einer überaus hohen Schnelligkeit kreuzte Mbuemo den Laufweg des gegnerischen IV und stellte dementsprechend seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler. Der IV entschied sich gegen eine Notbremse und ließ Mbuemo frei auf das Tor schießen.Der ballferne IV entschied sich zu spät, sich von der Bindung von Watkins zu lösen und Mbuemo aktiv beim Torschuss zu stören.Damit konnte eine 4 gegen 2 Unterzahl-Situation im 3/3 des Spielfeldes profitabel genutzt werden. 

Um Gegenspieler überall und jederzeit erfolgreich zu binden ist es oftmals notwendig die eigene Position zu verlassen und eine andere zu besetzen. Schließlich ist das Ziel vom FC Brentford seinen 1 gegen 1 Spielern stets die Arbeit zu erleichtern. Daher ist das torgefährlichste Offensivtrio der Liga Benrahma+Mbuemo+Watkins (BMW), nahezu in allen Zonen im 3/3 des Spielfeldes während eines Spiels vertreten. Alle 3 Spieler verfügen über exzellente Fähigkeiten im Dribbling und daher können sie jede x-beliebige Position in Halb/-Außenspur besetzen. 9,6 Dribblings pg zeigen die Freude der Brentford Spieler an Dribblings. 

Ballführer Henry wechselte seinen Laufweg in die Halbspur hinein, was Watkins dazu veranlasste eine Passoption in der ballnahen Außenspur anzubieten. Dadurch das Watkins seine eigentliche zentrale Position verlassen musste, wurde diese vom LF Benrahma besetzt. Benrahma bindet den ballnahen IV zentral in der Tiefe und blockiert ein mögliches herausrücken in Richtung Ballführer Henry. Durch die weitere Anspielstation im Halbraum durch ZM Dasilva, wird der ballnahe gegnerische ZDM gezwungen sich auf Dasilva zu konzentrieren. Eine mögliche Doppelung mit dem gegnerischen ballnahen AV auf Henry ist dadurch nicht möglich. Somit kreierten alle 4 Spieler im kollektiv eine 1 gegen 1 Isolierung für den dribbelstarken Henry und dem gegnerischen AV. Das Prinzip erfüllte seinen Zweck. 

Thomas Frank beordert seine Offensiv-Spieler nach Umschaltmomenten zu einer eher breiteren Staffelung im 2/3 und 3/3 des Spielfeldes. Da der Gegner ohnehin desorganisiert nach einem Ballverlust ist, sind die Staffelungen der gegnerischen Mannschaften grundsätzlich breit. Brentford muss bei Kontern daher nicht zwingend den Fokus auf das Räume erschaffen legen, denn die Restverteidung der Gegner ist ohnehin schon dünn besetzt und meistens in Unterzahl aufgrund der schnellen Brentford-Spielern. Das Prinzip mit den 1 gegen 1 Isolierungen gilt aber nach wie vor. 
Die West-Londoner versuchen im Umschaltspiel daher jede Spur zu besetzten, um die Restverteidung entweder aufzulösen und zum rausrücken zu animieren, oder die Restverteidigung fallen zu lassen um mehr Meter machen zu können und dadurch ein noch höheres Tempo aufzunehmen. 

Brentford ist in solchen Situationen daher nicht unbedingt gewilligt anhand von schnellen Spurenwechsel die Restverteidigung in Bewegung zu setzen und Schnittstellen aufzureißen, sondern sie sind ganz klar darauf angewiesen die Gegenspieler zum rausrücken zu reizen und durch Benrahma, Mbuemo, Watkins & Co diese rausrückenden Gegenspieler anhand von Dribblings aus dem Spiel zu nehmen. 

Dasilva (linker ZM) und Nörgaard (ZDM) sind in dieser Spielsituation rechtslastig aufgrund den Prinzipien im Spielaufbau. Henry wechselte wieder einmal die Spuren und ging ins 1 gegen 1 im linke Halbraum gegen den gegnerischen ZDM. Der ballferne gegnerische ZDM wurde von Dasilva gebunden, der ballnahe gegnerische IV wurde von Benrahma gebunden und auf die linke Außenspur gezogen. Henry war erfolgreich im Dribbling und brachte sich und Stürmer Watkins in eine komfortable 1 gegen 2 Überzahl-Situation gegen den gegnerischen IV. 

Dynamische Positionswechsel

Brentford legt viel Wert auf ein ballbesitzorientiertes Spiel, jedoch stets mit der nötigen Vertikalität zum gegnerischen Tor. Daher ist es ungemein wichtig, ein gutes Positionsspiel, basierend auf Zug zum gegnerischen Tor, zu praktizieren. Um die eigenen Spieler nicht in Unterzahl-Situationen zu bringen, ist es wie schon erwähnt wichtig, genug Anspielstationen zu kreieren und den Gegner vor Defensiv-Entscheidungen zu stellen. Brentfords Spieler agieren weiträumig und legen sich nicht auf bestimmte Positionen oder Zonen fest. Je nach Bedarf, verlassen Spieler ihre Positionen um andere zu besetzen und ein vertikales Angriffsspiel umzusetzen.
Diese Räume werden dynamisch und meistens mit hohem Tempo besetzt, um den Gegner keine Zeit zum analysieren des Umfelds zu geben. 

In dieser Spielsituation erhält Flügelspieler Fosu einen Steilpass von Dalsgaard der sich ebenfalls wie Fosu im rechten Halbraum befindet. Marcondes sprintete als ballnaher 8er unmittelbar nach Zuspiel auf Fosu, auf die freie Position in der rechten Außenspur. Da Dalsgaard die Außenspur nach überspielen der ersten Pressinglinie verlassen hatte und Fosu aus einer tieferen Staffelung abgekippt ist um den Ball von Dalsgaard zu erhalten, sprintete wiederum der Däne in höhere Zonen, die von Fosu verlassen wurden. Somit sind alle ballnahen Spuren besetzt und das Positionsspiel erfüllte seinen Zweck, denn Fosu leitete den Ball auf Marcondes weiter, der Raum und Zeit hatte das vertikale flügellastige Angriffsspiel fortzusetzen. 

Beide AV von FC Brentford beteiligen sich permanent am Angriffsspiel der Engländer und sorgen für Überzahl-Situationen und großen Drang nach Tiefenläufe, für gefährliche Abschlussaktion. AV, FS und ZM bewegen sich frei in den Halb/-Außenspuren und sorgen dafür, dass alle Spuren dynamisch besetzt werden und 1 gegen 1 Isolierungen möglich sind. Thomas Frank verabscheut Doppelungsversuche von Gegenspieler, was immer mal wieder aus der technischen Zone zu hören ist. Merkt der Chef-Trainer das seine Spieler dabei sind in 1 gegen 2 Situationen zu verfallen, fordert er schnelle Kreierungen von ballnahen Anspielstationen.

Da Dalsgaard in den rechten Halbraum gedribbelt ist, wird die verlassene rechte Außenspur wieder einmal dynamisch von ZM Marcondes besetzt. RF Fosu hält seine Positionierung vorerst zentral, um den gegnerischen ballnahen IV zentral zu binden und ein Durchsichern Richtung rechten Halbraum zu unterbinden. Sowohl Watkins als auch Benrahma sind für diese Aufgabe für den Moment zu weit weg. Der gegnerische ballnahe AV rückt raus auf Marcondes und begibt sich in eine 1 gegen 1 Isolierung. Nur wenige Augenblicke später besetzte Watkins die zentrale Position, dass durch Fosu anhand eines Schulterblicks erkannt wurde. Dieser wiederum sprintete unverzüglich in die rechte Außenspur, da Marcondes den Ball in den rechten Halbraum geführt hatte und er Gefahr auslief, vom ballnahen gegnerischen AV und ZDM gedoppelt zu werden. Durch die unverzügliche Besetzung der Außenspur von Fosu, war der gegnerische AV gezwungen in die Ordnung zu fallen, um den entstandenen Raum hinter ihm nicht für Fosu noch weiter zu öffnen. Marcondes suchte dadurch das 1 gegen 1 gegen den gegnerischen ZDM.  

Anhand von intelligenten Positionswechseln, können Mannschaften in Ballbesitzphasen Gleichzahl-Situation oder sogar Unterzahl-Situationen vielversprechend ausspielen. Thomas Frank und Brian Riemer erlauben wie erwähnt, ihren AV, FS und ZM weiträumige Raumbesetzungen, vor allem im 2/3 und 3/3 des Spielfeldes. 

Um nicht in Unterzahl-Situationen zu geraten, dienen diese Positionswechsel als Hilfestellung. Jedoch sind sie auch für das andauernde aufreißen von Schnittstellen in den torgefährlichen Zonen von Nutzen. 

Ein gegen den Uhrzeigersinn ausgeführter Positionswechsel in einer Gleichzahl von 3 gegen 3 zwischen Dasilva, Mbuemo und Dalsgaard, sorgte für mächtige Zuordnungsprobleme in der Abwehr von Sheffield Wednesday. Alle ballnahen Spuren müssen bekanntlich besetzt sein. Da Mbuemo aus der Halbspur heraus abkippt um sich aus dem Deckungsschatten und befreien und somit eine kurze Anspielstation für Dasilva anzubieten, besetzt dieser nach Zuspiel auf Mbuemo die freigewordene rechte Außenspur. Dalsgaard überlief nur kurze Zeit vorher den ballführenden Dasilva und besetzte die verlassene Position Mbuemos. Da eine Gleichzahl im und um den rechten Halbraum vorhanden war, sorgte dieser effektive Positionswechsel für Unsicherheiten in der Zuordnung der Abwehr von Sheffield Trainer Garry Monk. Eine Schnittstelle wurde infolgedessen zwischen gegnerischen ballnahen IV und AV aufgerissen, die von Mbuemo anvisiert wurde und nach einem Steckpass zu Dalsgaard zu einem gefährlichen Torabschluss führte. Auch in diesem Fall wird die äußerst offensive Ausrichtung der AV von Brentford deutlich. 

Flexibel und zielstrebig gegen den Ball

Thomas Frank ist nicht nur im Zusammenhang mit dem Angriffsspiel seiner Mannschaft ein einfallsreicher Trainer, sondern was auch die taktische Ausrichtung gegen den Ball betrifft. Bevorzugt wird ein hohes Angriffs/-Mittelfeldpressing. So versucht Brentford bewusst die Intensität in den zentralen Spuren gering zu halten und möglichst durch kompakte Pressinglinien, den Gegnern das Bespielen von Halbräumen und Zentrum schwer zu machen. Durch intelligentes Herausrücken der zentralen Spielern, versucht das Team den Ballvortrag je nach „Matchplan“ entweder nach außen oder nach innen zu lenken. 

Besonders wenn sich der Gegner während Ballbesitz im obersten Drittel des Spielfeldes befindet, formieren sich die Londoner in ein 4-5-1, mit klarem Ziel das Zentrum in Überzahl zu blockieren und den Ballvortrag schnellstmöglich nach Außen zu steuern. Sobald der Gegner den Ball in einer der Außenspuren transportiert hat, starten alle ballnahen Spieler eine aggressive Balljagd und erschaffen Überzahl-Situationen. 
Ist ein direkter Ballgewinn nicht möglich, ist das darauf aufbauende Ziel im Defensivverhalten, den Gegner in seine eigene Spielhälfte, möglichst ins 1/3 des Spielfeldes zu drücken. Dabei rücken die zentralen Spieler Brentfords weiträumig raus und attackieren die Gegenspieler, während diese mit dem Rücken zu ihnen stehen und zu Rückpässe gezwungen werden. 

Das 4-5-1 formiert sich dabei im 2/3 des Spielfeldes zu einem 4-1-4-1 und im 3/3 des Spielfeldes aus Sicht Brentfords zu einem 4-3-3. Je nach „Matchplan“ wird dann der Gegner im obersten Drittel entweder zur Mitte oder auf die Flügel gelenkt.

Im 4-5-1 Abwehrpressing wird der Ballvortrag auf die Außen gelenkt bevor dann die aktive Balljagd gestartet wird. Das bewusste weiträumige Durchsichern von Kapitän Jansson und ZDM Nörgaard sorgen für eine lokale Überzahl in Ballnähe, während der ballferne IV Pinnock die Ordnung hält um eine mögliche hohe Spielverlagerung des Gegners aus der Drucksituation heraus abzufangen. Das Durchsichern der Akteure sorgt für eine totale Blockierung von diagonalen Passkanälen für Gegner West Bromwich Albion. Daraufhin wurden die Spieler von Trainer Slaven Bilic gezwungen den Angriff vorerst abzubrechen und von hinten neu aufzubauen. Die Pressingitensität von Dalsgaard, Jansson, Marcondes, Nörgaard und Fosu war aber sehr hoch, was zu einem direkten Ballverlust in der Außenspur führte. 

In dieser Spielsituation agiert der FC Brentford aus einem 4-1-4-1 Mittelfeldpressing im 2/3 des Spielfeldes, mit Fokus den Ballvortrag erstmal ins 3/3 des Spielfeldes hoch zu drücken um danach in einem 4-3-3 Angriffspressing umzustellen. Der ballführende gegnerische AV spielt einen Kurzpass zum ballnahen IV. Anstatt den Gegenr in der Außenspur zu isolieren in dem Watkins einen Bogenlauf anwendet, den gegnerischen IV in den Deckungschatten nimmt und zusammen mit Benrahma den gegnerischen AV unter Druck setzt, möchte Brentford wie erwähnt den Ballvortrag in das 3/3 des Spielfeldes drücken um nach Ballgewinn, eine kurze Distanz zum gegnerischen Tor zu haben. Um dieses Prinzip zu pflegen, sichert Franks Mannschaft durch und blockiert alle vertikalen und diagonalen Passwege. Im selben Moment des Zuspiels auf den ballnahen gegnerischen IV, rückt Dasilva als ballnaher ZM weiträumig heraus und drängt mit Hilfe eines Deckungsschattens den IV in das 3/3 des Spielfeldes. Dasilva übernimmt dabei die Defensivrolle von Benrahma und presst durch, während Benrahma die Rolle von Dasilva als 8er übernimmt und auf den Querpass zum ballnahen gegnerischen AV lauert. Brentford schaffte es den Gegner erfolgreich in das 3/3 des Spiefeldes zu drücken und formierte sich in ein 4-3-3 mit Vorgabe aggressiv den Ballvortrag auf die Außen zu steuern. Dabei schneidet Watkins die Verbindung beider gegnerischer IV ab, um ein steuern auf die Außen zu provozieren. 

Ausblick 

Der Brentford Football Club ist einer der interessantesten Mannschaften der aktuellen Sky Bet Championship Saison und ist auf einem guten Weg, den Aufstieg in die finanzstarke englische Premier League zu erreichen. Mit einer klaren Spielidee, einer klaren Strategie der Vereinsführung und einem besonderen Scoutingsystem, träumen die Fans von Gästen wie Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea oder Tottenham Hotspur in ihrem neu erbauten Stadion, dass ab der nächsten Saison eröffnet wird. 
Mit einer Kapazität von 17.250 Sitzplätzen wäre es ein relativ kleines Stadion in der Premier League. Doch bekanntlich hat die Hauptstadt Englands mehrere Profivereine, von denen alleine schon 5 Vereine erstklassig spielen und absolute Zuschauermagnete sind. Selbst in der 2.Liga werden exakt 5 Vereine aus London aufgezählt. 
Thomas Frank ist dabei Geschichte zu schreiben, den Brentford wäre seit dem Abstieg 1946/47 erstmals wieder in der höchsten Spielklasse vertreten. 
Durch tollen Offensiv-Fußball und einem effektiven Forechecking, erreicht seine Mannschaft immer mehr Aufmerksamkeit auf der Insel. 

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