Interview mit Susanne Amar

Susanne Amar
©Martin Rottenkolber

Susanne Amar (53), Autorin des Buches „Ins Netz gegangen“ und Betreiberin des gleichnamigen Podcasts zum Thema Kommunikation zwischen Trainern und Eltern, spricht im Interview mit „Thefalsefullback“ Autor Cedric Spielhoff über die alltäglichen Probleme der Kommunikation im Kinder- und Jugendfußball, kritisiert das fehlende Engagement vieler Vereine zu diesem Thema und zeigt Handlungsalternativen und Kommunikationspotenziale für Trainer und Eltern auf.


“Mit den Eltern braucht man als Trainer nicht zu reden, die stiften nur Unruhe.“ Was würdest du jemandem mit so einer Haltung entgegnen?
Diese Haltung ist seit Jahrzehnten weit verbreitet im Jugendfußball. Das hat sicherlich eine Zeit lang ganz gut funktioniert. Nur mit der Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendfußballs, der die Unterstützung der Eltern benötigt damit die Kinder auch Fußball spielen können, ist das natürlich eine Aussage, die schwierig umzusetzen ist. Denn Eltern sind ein Teil des Kinder- und Jugendfußballs. Genauso wie es in einem erfolgreichen Fußballteam nicht nur die Spielerin und Trainerin, sondern auch den Zeugwartin und den Greenkeeperin braucht um erfolgreich zu sein, braucht es im Kinder- und Jugendfußball die Eltern.

Wie häufig ist so ein Meinungsbild heutzutage noch präsent, dass Trainer oder Verantwortliche versuchen, die Dinge so strikt voneinander abzugrenzen?

Das ist nach wie vor noch ein Thema. Es gibt bei den Trainern, wie auch bei den Eltern die eine oder andere Seite. Es gibt nervige wie auch unglaublich toll unterstützende Eltern, und genauso gibt es auch wahnsinnig schwierige Trainer*innen und solche, die super in der Kommunikation und im Umgang mit ihren Spielern sind.

Die Professionalisierung in Nachwuchsleistungszentren wird immer weiter vorangetrieben. Die Vereine möchten zwar eine bessere Ver-bindung zu den Eltern aufbauen, aber der Schritt dahin gelingt nicht. Warum wird eine Willkommenskultur den Eltern gegenüber bei den Vereinen immer noch als Schritt weg von der Professionalisierung gesehen?

Es gibt bei vielen Vereinen noch kein Bewusstsein dafür, wie hilfreich Informationen für Eltern sind. Es gibt sehr viele Eltern, die nicht so viel Wissen über Kinder- und Jugend-fußball haben. Fußball ist ein Gesellschaftssport für alle, und es gibt immer Eltern, die auch zu allem was zu sagen haben. Aber was es für Anforderungen und Herausforderungen an die Familie sind, wenn ein Kind in einen Fußballverein eintritt, das können die wenigsten Eltern einschätzen. Ich glaube es ist ein Grundproblem, dass beide Seiten der Tätigkeit, die der Gegenüber ausführt, wenig wissen.

Wird das Verständnis beim anderen fälschlicherweise vorausgesetzt?

Es wird vorausgesetzt, dass jeder Ahnung von Fußball hat. Klar weiß jeder, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, aber die wichtigen Skills, wie zum Beispiel Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, sind vielen gerade zu Beginn eines Sports nicht klar. Und da braucht es eigentlich bei jedem Verein einen ‚One Pager‘, auf dem alle Infos und Erwartungen über die Zusammenarbeit mit den Eltern klar dargestellt sind. So sichern sich beide Seiten besser ab und können unmittelbar prüfen, ob man das überhaupt leisten und bewältigen kann, oder ob man vielleicht Unterstützung benötigt. Umgekehrt stellt der Trainer*in sicher, dass ein Neuzugang genau weiß, was der Trainer*in von ihm erwartet. Der Leistungsanspruch von Trainern, Eltern und Spielern sollte frühzeitig kommuniziert werden. Habe ich ein Kind, dem es vordergründig um den Spaß mit den Mitspielern geht, aber die Mannschaft wird leistungsorientiert betrieben, dann sind Konflikte vorprogrammiert. Und umgekehrt ist es genauso. Wenn ein Spieler*in ambitionierte Ziele hat und in einer Mannschaft spielt, die weniger ambitioniert ist als er selbst, dann wird es ebenso problematisch. Genau diese Punkte sind relativ einfach im Vorfeld zu klären. Informationen, Transparenz, Akzeptanz. Das ist die Linie. Dann fällt es viel einfacher, Handlungen nachzuvollziehen.


Dieses Interview ist Teil unserer neuen Ausgabe des TFF-Magazins, in dem wir auf alle relevanten Themen für einen Trainer*in, wie richtige Kommunikation, Trainingsplanung und Spielidee Entwicklung eingehen.

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Wie regelmäßig muss man solche Themen und Inhalte aufgreifen und auffrischen?

Was ich ganz wichtig finde, ist ein Elternabend zu Beginn einer Saison. Ganz egal, ob es keinen, einen oder zehn neue Spieler in der Mannschaft gibt. Das ist ein ganz wichtiger Auftakt, den es braucht, um zu demonstrieren, dass man eine Gemeinschaft ist. Der Trainer*in kann alles vorstellen was dazu gehört und kommunizieren, dass Elternabende verpflichtend sind, weil wichtige Informationen geteilt wer-den. Zwei Mal im Jahr, zu Beginn der Saison und um Ostern herum, wäre das wichtig, um auch die Zukunft der Mannschaft und der Spieler über die Saison hinaus zu klären. Da geht es dann aber auch darum, wie viel Vorarbeit man als Trainer*in bis dahin geleistet hat. Man kann auch andere Formen der Kommunikation wählen, schließlich erfordert ein Elternabend verhältnismäßig viel Organisation. Eine WhatsApp-Gruppe oder ein Elternvertreter, der als Vermittler zwischen Eltern und Trainerteam fungiert, kann ebenfalls Sinn machen. Da muss das Trainerteam schauen, was für sie am besten passt und umsetzbar ist, aber auch was der An-spruch ist. Was möchte ich über diese Treffen oder über die-se Kommunikationswege erreichen? Regelmäßige Eltern-schulungen sind eine hervorragende Idee, wenn es umsetz-bar ist. Gibt es ein wichtiges Thema und die Kapazitäten geben es her, signalisiert sowas den Eltern, dass man sie wertschätzt und unterstützen will. Im Leistungssport lässt sich sowas aber sicherlich einfacher umsetzen als im Breitensport.

Wie entwickelt ein Trainer*in das Gespür dafür, mit welcher Motivation Eltern hinter der Sache stehen? Schließlich gibt es sowohl Eltern, welche sich eine intensive Betreuung wünschen und solche Angebote annehmen, als auch welche, die sich komplett zurücknehmen. Wie wichtig ist die individuelle Art der Kommunikation des Trainers mit beiden Elterntypen?

Sehr wichtig! Allgemeine Infos sind gut, doch die einzelne Umsetzung ist vom Trainertyp abhängig. Entscheidend ist, dass man authentisch bleibt. Wir wollen alle wahrgenommen werden, und in der Kommunikation vertrauen wir dem, der uns auf Augenhöhe begegnet und uns wertschätzt. Das sind einfache Regeln der Kommunikation. Das kann im Fußball genauso funktionieren, bedarf aber einer Vorarbeit.

Schenken die Vereine der Schulung der richtigen Kommunikations-techniken ihrer Trainer zu wenig Aufmerksamkeit? Kann man sowas überhaupt erlernen?

Ich glaube, dass das in wenigen Trainerfortbildungen thematisiert und unterfüttert wird. Viele Trainer bekommen nichts an die Hand, um eine Gruppe kommunikativ zu führen. Ge-rade bei jungen Trainern, welche gar nicht diesen Erfahrungsschatz haben können, zu wissen was es bedeutet, eine Familie zu gründen und ein Kind zu haben, wäre das aber nötig. Denn die sind ganz wichtig, um das Gegenüber zu verstehen. Wenn man als junger Trainer*in nicht weiß wie ein Familienkonstrukt aussieht und dass es bei einer Familie nicht immer auf Wohlwollen stößt, wenn man kurzfristig die Trainingstage und -zeiten umlegt oder Spiele ansetzt und dass die Konsequenzen von Entscheidungen des Trainers, positiv wie negativ, in der Familie weitergelebt werden. Ein Beispiel: Ist der Sohn in der Startelf und Kapitän, dann bringt er Freude mit. Sitzt er jedoch als Innenverteidiger auf der Bank und kommt nur unwahrscheinlich zum Einsatz, dann kommt er verärgert nach Hause und es fließen viel-leicht auch Tränen, die ein Elternteil auffangen muss. Das sehen nur wenige Trainer. Wenn das Elternteil dann viel-leicht nur wenig Ahnung von Fußball hat und nicht weiß, dass es auch solche negativen Erfahrungen gibt, kann es damit nur schwer umgehen. Dann suchen Eltern Lösungs-modelle, die für sie und ihr Kind gut sind. Dann kann es sein, dass das Elternteil hintenrum auf den Trainer*in meckert und ihn kritisiert – es kann aber auch dazu führen, dass sofort zum Hörer gegriffen und der Trainer*in zur Rede gestellt wird. Diese Verhaltensmechanismen nutzen Eltern um das Wohlbefinden des Kindes, was oft dem eigenen Wohlbefinden entspricht, wieder gerade zu rücken. Und das ist der Punkt, weshalb es Konflikte zwischen Trainern und Eltern gibt.

Wie findet man als Trainer*in in Feedbackgesprächen mit den eigenen Spielern die richtige Balance aus positiver Bestärkung und nötiger Kritik?

Der Spieler*in sollte wirklich verstehen, worum es geht. Der Trainer kann die Dinge bestenfalls konkret benennen, der Spieler*in ist aber vielleicht noch nicht so weit und kann das noch nicht einordnen. Hier muss der Trainer*in herausfinden, wie der Spieler die Situation sieht. Sieht er die Problematik? Die Jungs haben meist unabhängig vom Alter ein gutes Gespür, wie sie im Vergleich zu ihren Mitspielern stehen, auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt. Der Trainer*in ist schließlich nicht der Einzige, der den Spielern Feedback gibt. Eltern und das familiäre Umfeld spielen da-bei eine entscheidende Rolle. Ein Feedbackgespräch muss sich auch nicht immer in erster Linie um eine Beurteilung oder Einordnung der Leistung drehen, sondern vor allem ein Meinungsaustausch sein. Der Trainer*in sollte heraus-finden, wie der Spieler, aber auch die Eltern, seine Leistung und die Situation einschätzen. Dann sollte der Trainer*in auch immer nachfragen, wie sie zu der Beurteilung kommen, woran sie Verbesserungen oder Verschlechterungen festmachen. Danach muss man gemeinsam überlegen, wie man sich weiterentwickeln kann und ein Konzept aufstellen, wie man dorthin kommt.

Das Entscheidende ist also Verbindlichkeit?

Genau. Die Verbindlichkeit und eine gemeinsame Entscheidung unter Einbeziehung des Spielers zu treffen, wo man in einem bestimmten Zeitraum hinkommen möchte. Falsch und Richtig gibt es bei solchen Gesprächen aber prinzipiell eigentlich nicht. Kommunikation ist immer individuell, und man kann nicht alle erreichen. Wenn man die Hälfte der Eltern erreicht, oder zumindest ein Drittel eingenordet bekommt, können die Eltern auch als Multiplikatoren fungieren. Mit einer Veränderung in der Trainer-Eltern Kommunikation wird man nicht plötzlich die gesamte Mannschaft erreichen. Eins sollte klar sein: Wir wollen nicht die Welt retten. Wir wollen eine neue Kommunikationsart wählen, die es so bislang noch nicht gab.

Dazu müssen aber beide Seiten ihre gegenseitige Wertschätzung und Aufmerksamkeit bekommen. Das funktioniert bei dem einen Spieler oder Elternteil schneller, bei dem anderen langsamer oder gar nicht. Am Ende müssen beide Seiten da-für offen sein.

Viele Trainer*innen assoziieren mit dem Thema ‚Kommunikation zwischen Trainer und Eltern‘ die Probleme und Problemfälle, die man bereits erlebt hat. Was würdest du für solche Situationen empfehlen?

Es ist schwierig dadurch, dass man sich schon im Konflikt befindet. Wenn man die vorhin angesprochene gute Vorarbeit geleistet hat, sind solche Konfliktthemen oft einfacher zu lösen. Ist das nicht der Fall, verhärten sich die Fronten. Hat man ein Thema, sollte man versuchen, es auf einen neutralen Boden bringen. Ein Beispiel: Das Kind spielt zu wenig oder ist im Spiel zu früh ausgewechselt worden. Würde ich als Elternteil sofort nach dem Spiel auf den Trainer zugehen, würde ich mit ihm nicht auf einen grünen Zweig kommen. Der Trainer hat unmittelbar nach dem Spiel andere Gedanken, und der Elternteil ist wahnsinnig emotional. Was man nicht vergessen darf: Da treffen zwei verschiedene Ebenen aufeinander.

Beim Trainer geht es um die Sachebene, um den Sport im Vorrang. Bei den Eltern ist die emotionale Ebene im Vordergrund. Beim einen geht es ums Kollektiv, beim anderen rein ums Individuum, um das eigene Kind. Viele Eltern können es nicht aushalten, dass das eigene Kind unglücklich ist, und versuchen dementsprechend alles, um sicherzustellen, dass es wieder glücklich ist. Damit stillen sie auch das eigene Bedürfnis. Doch man sollte als Elternteil immer im Hinterkopf haben, dass der Trainer*in nicht nur für den Einzelnen, sondern immer auch für die Mannschaft entscheiden muss. Wenn man darüber reden möchte, sollte man das also vielleicht am Montagabend nach dem Training machen, und nicht unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Dann legen sich die Emotionen und man kann eine Nacht darüber schlafen.

Außerdem ist es entscheidend, sich als Elternteil folgende Fragen zu stellen: Warum ist mir dieses Thema so wichtig? Warum möchte ich handeln? Die Ansicht des Kindes sollte man unbedingt anhören. Man sollte das Kind fragen, wie es die Situation empfunden hat. Schließlich muss das Kind dem elterlichen Gespräch mit dem Trainer zustimmen. Denn Spieler empfinden Situationen oft gar nicht so dramatisch wie man glaubt. Und dann ist es ganz wichtig, dass die Kinder entscheiden, ob die Eltern eingreifen dürfen oder nicht. Wenn sie eingreifen dürfen, sollte man gemeinsam vorher überlegen, was bei dem Gespräch überhaupt rauskommen soll. Einmal im Sinne des Spielers: Was will der Spieler mit dem Gespräch bewirken? Zum anderen, was für das Eltern-teil dabei rumkommen soll.

Oftmals geht es bei Eltern nicht um den Sport, sondern es geht um vergangene Dinge, die getriggert werden. Sei es, dass man vielleicht selbst im Sport oftmals ausgewechselt wurde und das Gefühl kennt, damit schwer zurecht zu kommen und sich ungerecht behandelt zu fühlen. Wenn das dann dem eigenen Kind passiert, ist das wie ein Lichtschalter, der umgelegt wird. Und auf der anderen Seite ist es bei Trainern genauso. Sie sollten sich überlegen: Wie ist die Situation? Inwiefern hat man das Thema bereits im Vorfeld mehrfach erörtert, sodass man sich darauf berufen und sagen kann: “Pass auf, wir können gerne darüber sprechen, aber auf die Situation habe ich bereits beim Elternabend zu Saisonbeginn hingewiesen”. Sich ebenso auf das Gespräch vorzubereiten und zu überlegen: Wie war die Situation? Das zu reflektieren, bei den Eltern nachzufragen, was die Beweggründe für das Gespräch sind, und zu schauen ob das noch deckungsgleich ist. Wenn es das nicht ist, nicht sofort in dieses “Aber” zu verfallen, sondern hinzuhören und zu akzeptieren, trotzdem aber die Entscheidung zu begründen – ohne sich zu rechtfertigen. Klar zu machen, dass solche Situationen wieder vorkommen können. Schließlich ist das die eigene Art des Trainers zu kommunizieren und die Mannschaft zu führen. Denn diese wird sich nicht verändern.

Wenn man bei den Spielern nachfragt, dann empfinden sie das Thema oftmals ganz anders. Dann wird sich mehr über sich selbst als über den Trainer geärgert. Eltern kritisieren viele Dinge auf Hörensagen, ohne die Situation überhaupt selbst wahrgenommen und beim Training oder Spiel zugeschaut zu haben. Das ist eben-falls gefährlich. Der Vater würde schließlich auch nicht zur Mutter ins Büro fahren, weil sie sich ungerecht behandelt fühlt, da Frau Müller bevorzugt wurde und nicht sie. Er würde genauso wenig zu Herrn Meyer gehen und sich beschweren, weil eigentlich seine Frau dran gewesen wäre. Als Elternteil sollte man genau hinhören und die Emotionen des Kindes einschätzen können. Es sind mehrere Schritte, die man als Elternteil oder Trainer gehen kann, um solche Situationen zu vermeiden. Man braucht eine gemeinsame Basis. Man muss sich nicht mögen, aber man sollte sich gegenseitig wertschätzen und das auch dem Gegenüber zeigen. Ein kritisches Gespräch kann gut verlaufen, kann aber auch eskalieren. Diese Bandbreite hat man weiterhin. So etwas kann passieren – doch nicht in dieser Häufigkeit, wie es momentan der Fall ist.

Ist es, gerade um die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Trainern und Eltern zu verbessern, auch wichtig, dass die Trainer sich mehr öffnen, transparenter sind und den Eltern auf Augenhöhe begegnen? Sollten sich Trainer auch im Leistungssport nicht zu wichtig nehmen und ihre private Seite zeigen, Einblicke gewähren und Menschlichkeit zeigen?

Auf jeden Fall. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, wie viel man bereit ist preiszugeben. Aber es hilft den Eltern immens, etwas über den Trainer*in zu wissen. Da reicht es schon, den grundlegenden Lebenslauf zu kennen, die Handynummer des Trainers zu haben und diesen bei Bedarf erreichen zu können. Es gibt immer noch viele Mannschaften, bei denen die Eltern keine Telefonnummer vom Trainer haben. Diese Eltern wissen nicht einmal, ob es der Chef- oder Torwarttrainer*in ist, welcher gerade vor der Mannschaft steht. Deswegen finde ich es wichtig, dass man das transparent macht.

Denn Vereine wollen, dass die Eltern ihre Kinder vertrauensvoll in den Verein geben. Wenn Eltern ihre Kinder in eine Schule geben oder eine Tagesmutter gesucht wird, werden auch alle möglichen Informationen mit-einbezogen. Denn das brauchen Eltern um ihre Kinder guten Gewissens abzugeben. Das würde Vereinen ebenfalls guttun. Dass man den Eltern Informationen zu allen Verantwortlichen und Ansprechpartnern gibt, und eine persönliche Ebene herstellt.

Der erste Vertrauensvorschuss geht schließlich von den Eltern aus, die dem Verein bzw. dem Trainer*in das Kind in einem beträchtlichen Zeitumfang einer prägenden Lebensphase anvertrauen.

Richtig. Deswegen wundert es mich immer, wieso es auf Vereinswebsites keine Informationen zum Trainer*in und zum Umfeld für die Eltern gibt. Mit einem guten Trainer *in kann man schließlich auch bei den Eltern und Spielern für den eigenen Verein werben.

Wie kann man als Elternteil dem Konkurrenzdenken innerhalb der Elterngemeinschaft entgegenwirken? Wie verhält man sich, wenn man mitbekommt, dass andere Eltern querschießen? Und wie kommuniziert man das dann gegenüber dem Trainer*in? Geht man dar-auf ein, oder ignoriert man das? Und wie kann ein Trainer*in reagieren?

Aus eigener Erfahrung gibt es eigentlich in jeder Mannschaft Menschen bzw. Eltern, die stark leistungsorientiert sind und sich permanent über den Trainer*in und andere Spieler auf-regen. Ich denke aber, dass das Menschen sind, die sich generell über vieles aufregen und nie zufrieden sind. Ich kann mich entsinnen, dass die meisten Trainer darüber hinweg gegangen sind und das nicht beachtet haben. Da ist es ein wenig so wie bei Kindern: Wenn Kinder Aufmerksamkeit haben wollen, legen sie ein Verhalten an den Tag, das ein-fach nicht angemessen ist. Weil sie damit eine Reaktion provozieren, ganz egal ob positiv oder negativ.

Das ist auch bei manchen Eltern so. Das sind meistens Elterntypen, die der Meinung sind, dass sie wahnsinnig viel Ahnung vom Fußball haben, nach eigener Auffassung sogar deutlich mehr Ahnung als der Trainer*in. Wenn es darum geht, cholerische Eltern am Spielfeldrand zu beruhigen, muss man auch feststellen, dass das ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist, und es solche Typen auch abseits des Fußballs gibt.

Diese Menschen fühlen sich nicht gesehen und wollen wertgeschätzt werden. Doch auch für solche Fälle muss bereits zu Beginn einer Saison festgelegt werden, dass bei solch einem Verhalten sofort an den Trainer*in herangetreten werden soll. Der Trainer*in sollte auf der einen Seite signalisieren, dass er weiß, dass es sowas geben kann, aber demjenigen, der dafür anfällig ist, gleichzeitig Kommunikationsmöglichkeiten an-bieten. Gegebenenfalls monatlich feste Gesprächsoptionen im kleinen Rahmen offerieren, für die sich Eltern im Vorfeld anmelden können. Oft reicht vielen Eltern schon das Ange-bot und die Gewissheit, dass man sprechen kann falls man Bedarf hat.

Häufig beobachtet man, dass gerade Mannschaften im Breitensport eigene öffentliche Social Media Auftritte und Mannschaftsseiten betreiben, auf welchen Trainer Spielberichte veröffentlichen und das Spielgeschehen aus ihrer Sicht darstellen. Für wie sinnvoll hältst du sowas?

Das ist aus verschiedenen Gründen ganz hilfreich. Da möchte ich ein Beispiel eines Jugendleiters geben, der es als aktiver Trainer so gemacht hat, dass er, während die Mannschaft nach dem Spiel geduscht und nachdem er kurz mit der Mannschaft gesprochen hat, sich vor die wartenden Eltern gestellt und kurz und knapp in fünf Minuten seine Ein-schätzung zum Spiel gegeben hat, ohne dabei auf einzelne Spieler einzugehen. Das finde ich klasse, denn alle Eltern haben die gleichen Informationen erhalten. Eltern mit weniger Ahnung vom Fußball bekamen eine Einschätzung der Geschehnisse, um nach dem Spiel dem eigenen Kind ein Feedback geben zu können, wenn es auf dem Weg nach Hause Redebedarf hat. So wird auch der Druck rausgenommen, dass Eltern untereinander über das Spiel kommunizieren und dieses einordnen müssen, ohne alle relevanten Informationen und Aufgaben zu kennen, welche der Trainer vor dem Spiel der Mannschaft mitgegeben hat. Gleichzeitig kann man dadurch auch wieder die Beziehung zwischen Trainer und Eltern stärken.

Das sind fünf Minuten, die viel bewirken können. Sich diese Zeit zu nehmen, kann für den Trainer*in immens wertvoll sein. Ein persönlicher, unmittelbarer Spielbericht an die Eltern fängt die Emotionen gut ein und setzt genau an der Schnittstelle vor dem Rückweg ein – dem Zeitpunkt, wo die meisten Spieler mit ihren Eltern das Spiel besprechen wollen. Ein schriftlicher Spielbericht ist besser als nichts, kann jedoch bereits zu spät kommen. Die Grundlage muss aber unbedingt sein, dass der Trainer*in zuerst den Spielern nach dem Spiel ein Feedback gibt. Man arbeitet schließlich unter der Woche auf etwas hin, und versucht es am Spieltag umzusetzen. Dann braucht man auch eine unmittelbare, kurze Rückmeldung darüber, wie erfolgreich diese Umsetzung war.

Welche grundlegenden Kommunikationsprinzipien und Tipps für Trainer, Eltern und Spieler hast du?

Für Trainer: Grundlegende Basisinformationen aufschreiben und allen mitteilen, egal wie selbstverständlich sie einem selbst erscheinen. Wenn man die Möglichkeit hat, diese In-formationen auf einer Website darzustellen, ist das umso besser. In jedem Fall sollte man aber bereits alle wichtigen Dinge offenlegen, bevor ein Spieler zur Mannschaft hinzu-stößt. Des Weiteren muss man klar formulieren, was man von einer Zusammenarbeit erwartet. Viele Trainer befürchten, dass die Eltern einem die Tür einrennen, wenn man sie soweit mit ins Boot holt.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Denn wenn man die Rahmenbedingungen klar definiert, ist man der aktive Part, und nicht der Reaktive. So behält man seine Kompetenz und seine Handlungsmöglichkeiten. Junge Trainer sollten sich Tipps bei älteren Kollegen einholen. Nachfragen, wie das denn so mit dem Familienleben ist. Einen Perspektivwechsel durchführen, bevor man sich über das Verhalten von Eltern beschwert. Sich fragen: Wie wäre das, wenn ich in dieser Situation wäre? Für Eltern: Ganz klar zu akzeptieren, dass das der Sport des Kindes ist. Die eigenen Emotionen und Erwartungen her-ausnehmen und hinterfragen. Warum möchte ich, dass mein Kind Fußball spielt? Warum ist mir das wichtig? Warum möchte ich unbedingt, dass mein Kind spielt und nicht aus-gewechselt wird? Die Wertschätzung dem Trainer*in gegen-über ist ebenfalls wichtig.

Die sollte der Trainer*in logischerweise umgekehrt auch zeigen. Gerade wenn Emotionen im Spiel sind, sollte man auch mal tief durchatmen, eine Nacht darüber schlafen und gucken, was dahintersteckt, wenn man unzufrieden ist. Wenn man Dinge dann noch nicht weiß oder nachvollziehen kann, unbedingt nach-fragen, und nichts in sich hineinfressen.

Für Spieler: Da gibt es gar nicht so viel. Ich denke, das machen die Jungs schon sehr gut. Natürlich gehören dazu auch die Eltern und Trainer, aber man sollte die Jugendlichen dazu anleiten, die Dinge erstmal in die eigene Hand zu nehmen, oder falls nötig, persönlich das Gespräch mit dem Trainer*in zu suchen, damit sie selbstständiger werden. Das kann auch mal schmerzhaft und enttäuschend sein, gehört aber zur Entwicklung dazu.

Vielen Dank für das Interview

Sehr gerne

Zur Person

Susanne Amar ist Expertin für Kommunikation im Kinder- und Jugendfußball. Als systemischer Coach hilft sie Fußballer-Eltern und Trainer*innen dabei auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren, damit sie ein Team werden. Denn nur als Team kann man gewinnen!Dazu halt sie Vorträge, gibt Workshops für Trainer*innen und Eltern in Amateurvereinen und Nachwuchsleistungszentren, u.a. für das Projekt „Jugend – Trainer – STÄRKEN“, der DFL Stiftung gefördert durch die Robert Bosch Stiftung.In ihrem Podcast und auf ihrem Blog spricht und schreibt sie darüber, wie Eltern, Trainer*innen, Jugendleiter*innen & Betreuer*innen zu einem respektvollen Miteinander gelangen, um stressfrei und mit Spaß den Kinder- und Jugendfußball zu erleben. In ihrem Buch „Ins Netz gegangen Mein Leben mit einem Nachwuchskicker zwischen Schulbank und Torjubel“ begleitet sie ihren Sohn mehr als zehn Jahre im Jugendfußball, gibt Einblicke in seine und ihre eigene Veränderung und beschreibt die Höhen und Tiefen des Ballsports. Mehr zu ihr und ihrer Arbeit unter https://www.susanne-amar.de/

Kategorie Kleine Einblicke, Magazin, Sonstiges

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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