Manchester City vs Real Madrid vor dem Rückspiel

Große Vorfreude auf den  07.August 2020. Die Champions League kehrt zurück. Zwar unter den gewohnten Vorkehrungen aufgrund Covid-19, jedoch dürfen die Fußballfans Europas das größte Turnier auf Vereinsebene noch zu Ende erleben. 
Besonders das Spiel zwischen Manchester City und Spaniens Meister Real Madrid, dürfte große Aufmerksamkeit erhalten. Das Hinspiel verlief zwar unspektakulär, mit wenigen Großchancen auf beiden Seiten, jedoch war das Spiel von immens hoher taktischer Intelligenz geprägt. Sowohl Zinedine Zidane, als auch Josep Guardiola versuchten ihre Mannschaften bestmöglich vorzubereiten und gaben ihren Spielern während dem CL-Spiel immer mal wieder neue Ideen mit auf dem Weg. 
Mit 48 % zu 51 % Ballbesitz konnte keine der beiden Mannschaften über einen längeren Zeitraum Ballstafetten praktizieren. 

Man Citys Pressing Defizite

Manchester City agierte gegen den Ball in einem 4-4-2. Mit Kapitän Kevin De Bruyne und dem Portugiesen Bernardo Silva. Real Madrid wollte im Spielaufbau mehr Zeit und Raum um die genauen Abläufe in die beiden oberen Drittel des Spielfelds möglichst sicher zu gestalten. Durch die breite Staffelung im Spielaufbau von Sergio Ramos und Raphael Varane, musste die vorderste Pressinglinie der Engländer weite Pressingwege hinlegen, um ansatzweise Zugriff auf die beiden IV zu erhalten. 
Torwart Thibaut Courtois erzeugte durch aktives Mitspielen für eine 1-2 Staffelung im Spielaufbau, um eine zusätzliche Überzahl gegenüber De Bruyne und B.Silva herzustellen. Courtois brillierte besonders in der ersten Halbzeit mit seinen technische Fähigkeiten und spielte präzise Druckpässe auf den vorderen Fuß und konnte durch schnelle Mitnahmen für Spielverlagerungen sorgen, nach dem Man City eine Seite vollständig blockierte. 

Oftmals erfolgte der erste Pass im Spielaufbau zu dem linken IV Ramos, der geduldig auf das Forechecking wartete, bevor eine Verlagerung zum ballfernen IV Varane erfolgte, der überaus häufig ins 2/3 des Spielfeldes andribbelte. Durch die 2 gegen 1 Überzahl (Varane + Carvajal gegen Jesus) auf der ballfernen Seite, konnte Carvajal Jesus binden und die Räume für Varane schaffen. 

Dank Casemiros Bewegungen zwischen B.Silva und De Bruyne beim Verschieben, wurde der ballferne Angreifer nach raus rücken des ballnahen Angreifer, stets gezwungen versetzt zu fallen, um Casemiro in Manndeckung zu nehmen. Dadurch das eine situative Manndeckung angewandt wurde, wurden die Pressingwege für den fallenden Angreifer nach erfolgreichen Spielverlagerungen noch weiter maximiert. 

Beide Madrider ZM (Luka Modric & Federico Valverde) positionierten sich im Spielaufbau in tieferen Zonen des 2/3 des Spielfelds. Durch ihre relativ hohe Staffelung, wurden Rodri und Ilkay Gündogan gezwungen tiefer zu stehen und verloren den Anschluss zur vordersten Pressinglinie im Angriffspressing. Dies folgte dazu, dass dem Andribbeln von Varane, der nötige Raum zugesichert wurde (siehe obere Skizze).
Erst durch situatives abkippen in den erzeugten Raum durch Modric oder Isco, sind Citys 6er rausgerückt. Durch das jedoch weiträumige Rausrücken von Rodri und Gündogan, hatte der abkippende Spieler dank notwendiger Dynamik und gutem Timing viel Raum und Zeit zum aufdrehen und entscheiden (siehe obere Skizze).

Madrider Pressing stellte Man City vor Probleme 

Zidane ließ sein Team in einem 3-5-2 / 4-Raute-2 Angriffspressing gegen den Ball agieren um Guardiolas Spielaufbau frühzeitig zu stören und Positionsspielabläufe erst gar nicht zu erlauben.Durch die hohe Mann gegen Mann Deckung, konnte Manchester City ihr gewohntes Kurzpassspiel nicht zu Geltung bringen. 17 lange Bälle musste der brasilianische Torwart Ederson spielen. Was sehr ungewöhnlich für den englischen Vizemeister ist. 

Durch das weiträumige rausrücken von Ferland Mendy und Daniel Carvajal nach Flugbällen auf Citys AV Kyle Walker und Benjamin Mendy, entstanden Räume hinter den beiden erstgenannten, die von Gabriel Jesus und Riyad Mahrez besetzt wurden. Ederson visierte diese beiden Zielspieler an und spielte den langen Ball meistens in diese Räume. Durch die ziemlich hohe Staffelung der Madrider AV, waren Citys AV selten anspielbar. 

Die sehr kompakte Positionierung beider 8er der Raute und das halten dieser Zonen, schloss die diagonalen Passkanälen nach erfolgreichem Zuspiel auf Walker oder Mendy. Beide 8er Reals, sind dabei nie rausgerückt um diese Passwege jederzeit geschlossen zu halten. 

Der Vorteil des andribbelnden Innenverteidigers 

Zinedine Zidanes „Matchplan“ basierte in diesem Abendspiel auf ein flügellastiges Spiel, geprägt mit Überzahlkreierungen im 2/3 des Spielfelds. Manchester City verteidigte die zentralen Zonen mit hoher Disziplin und Entschlossenheit, was das Entwickeln von gefährlichen Torchancen für Real Madrid erschwerte. 
Durch das Überladen der Außenspuren, wollten die Spanier die Gäste zum weiten durchschieben reizen, um nach einer Spielverlagerung auf den dribbelstarken Varane die zentralen Zonen zu penetrieren. 

Valverde erstellt durch ein diametrales abkippen in die linke Außenspur eine 3 gegen 3 Gleichzahl.Dadurch wurde Gündogan dazu animiert, weiter durchzuschieben um eine Überzahl für seine Mannschaft herzustellen. Dafür musste De Bruyne weiter zentral einrücken um Gündogans Lücke im Zentrum zu schließen.
Durch De Bruynes einrücken, hatte Varane wieder einmal den nötigen Raum um nach Verlagerung von Ramos mit Tempo anzudribbeln. Diese Vorgehensweise nutze der französische Innenverteidiger oftmals aus um die gegnerische Spielfeldhälfte zu penetrieren und den Fokus der Gegenspieler auf sich zu fixieren. Dadurch konnten die ungedeckten Breitengeber meistens ungestört Läufe in die Tiefe machen. 

Das Spielchen mit Gabriel Jesus 

Real Madrid merkte frühzeitig das ein Durchbruch durch das Zentrum nur schwer umsetzbar war. Manchester City stabilisierte sich im Laufe der ersten Halbzeit gegen den Ball und konnte die Zwischenlinienräume frühzeitig gut besetzen.Daher war der Plan Zidanes das Spiel auf die Außen zu verlagern und durch Überzahlsituationen und Bindungsabläufe die Außenspuren zu bestimmen. 
Gabriel Jesus wurde der ins Visier genommene Leidtragende der „Königlichen“ und musste permanent zügige Entscheidung treffen. 

Durch das weite hoch schieben von Carvajal und dem Besetzen des rechten Halbraum in der letzten Linie durch Isco, wurden B.Mendy und Jesus in ihrer eigenen Spielfeldhälfte gebunden. Jesus einrücken in die Abwehrkette formte situativ ein flaches 5-3-2.Diese Abläufe ermöglichten Modric durch dynamisches diametrales Abkippen links von De Bruyne in den freigewordenen Raum, die rechte Außenspur zu besetzen und Guardiolas Forechecking noch weiter zu belasten. Aufgrund De Bruynes 1 gegen 2 Pressingsituationen gegen Varane und Modric, entschied sich das Trainer-Team der Nord-West Engländern ihre Mannschaft ins Mittelfeldpressing zu beordern und für weitere Kompaktheit zwischen den Linien zu sorgen. Entschied sich Jesus für ein rausrücken und stellen von Modric, befand sich Mendy in tiefen Zonen des 2/3 des Spielfeldes in einer 1 gegen 2 Unterzahlsituation gegen Isco und Carvajal. Diese Momente wurden von den beiden IV der Hauptstädter und Casemiro anhand von langen Bällen hinter Mendy ausgenutzt. Mendy konnte jedoch die Meisten dieser Bälle gut verteidigen. 

Mit der Zeit entwickelte sich dieser Ansatz Zidanes zu einen reinen Gewohnheit im Spiel der Gastgeber. Beide 6er Man Citys inklusive Mahrez sicherten deshalb nach einer Weile weit bis in den ballnahen Halbraum, fast schon Außenspur durch, um die freiwerdenden Räume die durch Jesus Einrücken in die Abwehrkette angefertigt wurden, bestmöglich zu schließen. 

Dies brachte das Trainer-Team von Real Madrid auf den Gedanken, den Ballvortrag nun ins Zentrum zu verlagern. Zu Beginn des Spiels staffelten sich beide 8er wie schon erwähnt, weit oben um den Anschluss der gegnerischen 6er zur ersten Pressinglinie abzukapseln. 

Zidane änderte jedoch genau diese Herangehensweise und ließ Valverde absichtlich in deutlicher lokaler Unzerzahl die zentralen Zonen hinter B.Silva und De Bruyne besetzen, während Modric und Casemiro nun beide seitlich raus kippten um Jesus breit zu halten. 

Rodri, Gündogan und Mahrez fokussierten sich aggressiv auf die Verhaltensmuster von Valverde und versuchten immer wieder die Pässe auf ihn rechtzeitig zu antizipieren und zu attackieren. 

Durch das diagonale Zuspiel auf Federico Valverde, rückten sowohl Gündogan als auch Mahrez aggressiv auf Valverde raus, der aufgrund der Wachsamkeit der beiden Gegenspieler mit dem ersten Kontakt den Ballvortrag ins 2/3 weiterleitete, wo Benzema und Isco dynamisch die zentralen Zonen des 2/3 besetzten und zügig aufdrehten. 

Guardiola reagiert mit Sterling

Das Champions League Achtelfinal-Hinspiel zwischen diesen beiden hochklassigen Mannschaften verlief wie zu Beginn erwartet sehr ausgeglichen ohne zahlreiche Großchancen. Aufgrund dem 1:0 durch Isco nach einem hervorragenden Umschaltmoment nach Ballgewinn, musste sich die Gäste jedoch etwas einfallen lassen. Die Einwechslung von Raheem Sterling war der ausschlaggebende Grund für das gedrehte Spiel und dem damit wichtigen Vorteil für das Rückspiel in der Industriestadt Manchester am kommenden Freitag. 

Vor der Einwechslung von Sterling hatten B.Silva, De Bruyne und Jesus weites gehende Probleme in der Raumaufteilung im 2/3 und 3/3 des Spielfelds. Jesus, der meistens auf die Flügel auswich während B.Silva die Tiefe besetzte um die Madrider IV zu binden und De Bruyne sein grandioses Spiel zwischen den Linien durchführen konnte, fehlte jedoch die notwendige Durchschlagskraft und Raffinesse im Strafraum der Gastgeber. 

Sterling besetzte die Außen/-Halbspuren der linken Seite und ermöglichte Jesus das aufrücken in die Spitze, um seine größten Qualitäten zur Geltung zu bringen. Durch Sterlings Präsenz, fokussierten sich ihm alle nahestehenden Gegenspieler mit höchster Bereitschaft. Konnte Sterling Geschwindigkeit aufnehmen um seine gefährlichen Tempodribblings zu machen, waren ständige Doppelungen von Nöten um ihn aufzuhalten. 

Durch die hohe Aufmerksamkeit der „Königlichen“ für den englischen Nationalspieler, konnte Jesus die torgefährlichen Zonen besetzen, während De Bruyne und B.Silva kurze Anspielstationen für Sterling jederzeit anboten, um noch weitere Möglichkeiten für das Entkommen der Drucksituationen zu erschaffen. 
Nach diesem Schemata holte Sterling den vielleicht mit Abstand wichtigsten Elfmeter in dieser Saison für die „Sky Blues“ raus. 

Durch das weite Durchsichern der Madrider Spieler aufgrund der Präsenz von Sterling in der Außenspur, konnte De Bruyne nach Zuspiel von Sterling zum Dribbling in den Strafraum ansetzen und nach Hereingabe auf Jesus, die Vorlage zum Ausgleich geben. Dank Sterlings Anziehungskraft von mehren Gegenspielern, durfte sich Jesus in einer Gleichzahl gegen Ramos vor seinem Treffer befinden. Dieses Szenario hätte ohne eine Einwechslung von Sterling, höchstwahrscheinlich nicht zum Torerfolg geführt. 

Sterlings Ballführung sorgt dafür, dass Lucas Vazquez, Federico Valverde und Luka Jovic weit durchschieben um mögliche Pass/-Dribbelwege ins Zentrum zu blockieren. Dabei wird die strategisch torgefährliche „Zone 14“ komplett außer Acht gelassen. Dieser taktische Schwachpunkt im Madrider Spiel, bescherte Mahrez und Jesus oftmals viel Raum in und um die „Zone 14“. 

Ausblick auf das Rückspiel

Es war kein Spektakel beider Mannschaften, jedoch lag der Vorteil bei Josep Guardiola. Mit einem besseren xG-Wert von 3,17 zu 1,14 und eine besseren Torschuss-Statistik von 21 zu 13 Torschüssen, können sich die „Sky Blues“ leichte Hoffnungen für das Rückspiel im Etihad Stadium machen. 

Doch Real Madrid ist stärker aus der Corona-Pause zurück gekommen und wurde verdient zum 34. mal spanischer Meister. Zinedine Zidane darf sich darauf gefasst machen, einen Raheem Sterling von Beginn spielen zu sehen, während Pep Guardiola ein Madrid sehen wird, dass seinen dribbelstarken Flügelspieler mit aller Macht versuchen wird aus dem Spiel zu nehmen. 

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