Atalanta vs Paris SG

Wenn nicht jetzt wann dann dachte sich wohl Gian Piero Gasperini, Sensationstrainer von Atalanta Bergamo. Mit Hin- Rückspiel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die höhere Qualität durchsetzt – aber im neuen Corona Modus mit der Entscheidung in einem Spiel ist alles möglich. Ein riesiger Vorteil und die perfekte Chance für das Team aus Bergamo. Ein weiterer Vorteil für Atalanta ist dabei, standen die Italiener doch im Gegensatz zu den Franzosen noch voll im Saft, da die Serie A in Italien erst vor kurzem zu Ende ging.  Zum Vergleich hatte PSG ihr letztes Meisterschaftsspiel vor einigen Monaten, was nach dem heutigen Wissensstand im Fußball gefühlt eine halbe Ewigkeit ist. Dieser Umstand erschwerte die Aufgabe von PSG deutlich, ist doch Atalanta auch ohne dieses Handicap ein unangenehmer Gegner.

Sehr großen Anteil am Höhenflug von Atalanta Bergamo hat ihr Trainer Gian Piero Gasperini. Er war es der Atalanta zu einem taktisch herausragenden Team mit kompakter Organisation formte und Atalanta eine spektakuläre Spielweise einhauchte. Die Tormaschinerie aus Bergamo erzielte nicht weniger als 98 Saisontore in der abgelaufenen Saison der Serie A, damit verbuchte das Team von Gasperini 22 Saisontore mehr als der frisch gekürte Meister Juventus Turin.

Was Atalanta so besonders macht ist ihr flexibles 3-4-1-2 System, welches in defensiven Phasen zu einem 5-3-2 umgewandelt wird. Der klare Fokus liegt im Ballbesitzspiel, welches über eine überaus sauberes Positionsspiel vollzogen wird, hierfür werden viele Dreiecke und Rauten bewusst gebildet, und Halbräume bewusst überladen. PSG bekam es also mit einem hervorragend organsierten Gegner zu tun, der in verschieden Bereichen PSG vor erhebliche Schwierigkeiten stellen kann.

In der abgelaufenen Saison konnte ein markantes Muster von Atalanta in den vielen Mannorientierungen erkannt werden, die gerade im Spiel gegen den Ball sehr gut ineinandergreifen. Im Klartext: Jeder Spieler hat einen unmittelbaren und direkten Gegenspieler und muss sich um diesen kümmern. Dieser Umstand ist oft ein Vorteil ist aber auch mit Nachteilen behaftet.

Diese Spielweise und perfekt einstudierte Mechanismen werden in einer solchen Extremität nur von wenigen Teams praktiziert. Der Gradwanderung liegt in den perfekt einstudierten Automatismen sowie in der Kommunikation die klar und verständlich sein muss – etwa bei der Übergabe von Gegenspielern. Dieser Grundsatz wurde auch gegen PSG nicht verändert und so verteidigte die Italiener aus einer 3-4-1-2 Grundformation quasi spiegelgleich der 4-3-3 der Franzosen.

Grundformation von Atalanta

Atalantas Spiel gegen den Ball

Beide Teams begegneten sich in einer Grundformation PSG im 4-3-3 gegen Atalantas 3-4-1-2. Atalanta versuchte, eine 1v1-Position auf dem ganzen Spielfeld zu schaffen. Zapata und Pasalic setzten die beiden Innverteidiger, Silva & Kimpembe, unter Druck. Gomez war auf Marquinhos in Schlagdistanz und Feuler und de Room deckten die beiden PSG-Mittelfeldspieler ab. Weiters wurden die beiden PSG-Außenverteidiger von den Außenverteidigern abgedeckt. Atalanta Abwehrreihe kümmerte sich um die drei Angreifer von PSG. Hintergrund von Bergamo war dem Torhüter von PSG, Keylor Navas Zeit und Raum zu geben, dabei versuchten sie alle Navas-Passoptionen zu blockieren und ihn zu Fehlern zu zwingen.

Kein Druck auf Navas, der mit dem Ball aus der Box kommen darf, und Atalanta versuchen nur, Navas Passoptionen zu blockieren, um ihn zwingen lange Bälle zu spielen oder einen Fehler zu machen.

Eine weitere Besonderheit war in dieser Vorgehensweise war, dass Bergamo damit mit Abwehrlinie gegen die gegnerischen PSG Stürmer, Sarabia – Neymar – Icardi, de facto Mann gegen Mann verteidigte, und sehr gefährlich war. Nur eine Unachtsamkeit oder ein verlorener Zweikampf würde dann nämlich bedeuten, dass man in Schwierigkeiten geraten könnte. Das einzige probate Mittel von Atalanta war das Spiel sie weit wie möglich vom eigenen Tor fernzuhalten und die Franzosen bereits früh zu attackieren bzw. zuzustellen.

Doch auch Paris überlegte sich natürlich einige Dinge, um das besondere Konzept von Atalanta zu biegen. Die Franzosen mussten bekanntlich zunächst auf Mbappe verzichten, da erst seit kurzem im Trainingsbetrieb stand.

Damit hatte der der Superstar die ganze Verantwortung auf seinen Schultern zu tragen. Er sollte im Spiel nach vorne zu den zündenden Ideen sorgen. Tuchel hat ihm in diesem Spiel eine besondere Rolle im 4-3-3 zugeteilt, da er den Brasilianer als entscheidenden Schlüssel gegen Atalanta Defensivkonzept ansah. Neymar musste seine angestammte Position auf der linken Seite verlassen, und lief im Sturmzentrum auf. Icardi der sein angestammte Neuner Position aufgeben musste wich auf die rechte Angriffsseite aus. Eine einfache Überlegung stand hinter Tuches Entscheidung. Neymar sollte sich frei am Feld bewegen, ohne in der Rückwärtsbewegung für Disbalancen zu sorgen. Er sollte schlicht als „Erlöser“ gegen die herrschende Manndeckung fungieren. Der „Freigeist Neymar“ sollte Lücken beim Gegner suchen und für Übergabeprobleme sorgen.

Im Verlauf des Spiels fand PSG durch diesen eingeschlagenen Weg, dieses Pressingmuster von Atalanta zu brechen. Navas, der nicht unter Druck stand, begann mit dem Ball aus der Box zu kommen. Die Mittelfeldspieler öffneten durch ihre Laufwege ohne Ball die Zentrumsspur in dem die Atalanta Spieler in die Halbspuren gezogen wurden um den vertikalen Pass für Navas zu öffnen um Neymar anzuspielen.

Neymar kippte in jenen Raum der Zentrumsspur nach hinten ab, den Herrera und Gueya geschaffen hatten. Caldara versuchte bei Neymar Vorzudecken um die Ablage auf Herrera oder Gueya zu erschweren oder zu verhindern. Neymar kippte ständig tief ab und Atalantas enge Manndeckung bedeutete, dass der Innenverteidiger seinem Lauf tief in der PSG-Hälfte folgte, wenn Neymar tief auch hinten abkippte.

Icardi und Sarabia waren am Sprung den freien Raum in der Zentrumsspur zu attackieren, um das mögliche Anspiel von Herrera oder Gueya die freien Räume in den Halbspuren zu erhalten zu erhalten. Atalanta hatte bis zur Halbzeit weitgehend viele Situation im Griff, diesen Umstand hat das bis dato erfolgreiches Konzept ausgemacht aber auch das Neymar alles versuchte aber keine sonderliche Hilfe von seinen Teamkollegen erhielt, insbesondere von Icardi & Sarabia die an diesem Abend nicht in Höchstform agierten. Dieser Umstand änderte sich zusehends als Mbappe in der 60 min für das Offensivspiel von PSG eingewechselt wurde.

In der zweiten Hälfte ging PSG in einen vollständigen Angriffsmodus über, als sie beschlossen, ihre Außenverteidiger hoch zu ziehen, das sie fast als Flügelspieler agierten. PSG spielte in einer 2-3-5 Formation. Zwei Innenverteidiger, drei Mittelfeldspieler und eine Angriffsfront von fünf Mann in denen ebenfalls auch die beiden Außenverteidigern dazugehörten. Atalanta Bergamo musste nun ihre defensivste Variante wie schon zuvor angemerkt im 5-3-2 oder 5-4-1 auspackten.

Spiel mit Ball von Atalanta

Variante 1:

De Room rückt zentral ein um von Caldera angespielt kann. Weiters kippt Toloj diagonal nach vorne ein, um einen weiteren zentralen Mittelfeldspieler zu stellen. Die Innverteidigung sichert durch steht aktuell sieht sich einer 2vs3 UZ gegenüber. Dies ist der Preis das Gomez höher bleiben kann, und sich nicht die Bälle von hinten abholt.

Variante 2:

Weiters wurden oft gezielt die Halbspuren überladen, um einen sofortigen Spurwechsel vorzunehmen um möglicherweise mit einen gezielten Ball von Gomez auf Pasalic in die Box vorzunehmen.

Variante 3:

Pasalic lässt sich in der Halbspur nach hinten abkippen, um von de Room angespielt zu werden. Dadurch macht Hateboer eine gegenläufige Bewegung und attackiert die Tiefe bzw. Berant. Selbiger muss sich nun entscheiden auf Pasalic vorzurücken und Hateboer den Raum auf der Halbspur zu überlassen, oder bleibt er am Sprung um Hateboer ihn bei einem Anspiel in einem 1vs1 zu stellen. Schwierige Entscheidung!!

Fazit

Mit den beiden Gegentreffern wurde das Überraschungsteam von Atalanta Coach Gasperini in den Abgrund gestürzt. Das war die logische Folge für die Italiener, die in der zweiten Halbzeit für ihre Passivität bitter bestraft wurden. Atalanta Bergamo kam über eine 30 prozentigen Ballbesitzanteil nicht hinaus – völlig gegen jede Regel da Bergamo immer das Gegenteil repräsentierte.

Die verletzungsbedingte Auswechslung der Kreativabteilung von Atalanta, vom Kapitän Gomez lässt die Vermutung zu das mit ihm das Offensivspiel steht und fällt. Eine Halbzeit ist zu wenig für die Italiener im Viertelfinale der UEFA Champions League wo sie sich taktisch hervorragend organisiert präsentierten. PSG muss Neymar eigentliche den roten Teppich ausrollen dank seiner individuellen Klasse hätte es im Spiel für die Franzosen düster ausgesehen. 113 Ballkontakte, 17 erfolgreiche Dribblings, 8 Abschlüsse und fünf Schlüsselpässe beweisen die Spiellaune des Brasilianers.

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