Lyons guter Defensivplan macht Bayern das Leben schwer

Am Mittwoch war es soweit. Nach dem fulminanten 8:2 gegen den FC Barcelona, ist der FC Bayern der Topfavorit auf den Champions-League-Titel. Olympique Lyon mit Coach Rudi Garcia, die überraschend gegen Manchester City gewannen, wurden von vielen Fans und Experten in der Öffentlichkeit als Durchlaufstation auf dem Weg ins Finale gesehen. Zwar siegten die Bayern letztlich dann doch mit 3:0, jedoch war es ein hartes Stück Arbeit gegen die Franzosen. Olympique Lyon hatte nämlich einen cleveren Plan gegen den Ball, der die Bayern vor größere Probleme stellte.

Rudi Garcia mit Fünferkette – Hansi Flick wie gewohnt

Aber alles der Reihe nach. Im Vergleich zum Spiel gegen die Katalanen entschied sich Hansi Flick keine Wechsel vorzunehmen. Das bedeutete, dass Joshua Kimmich wieder als Rechtsverteidiger startete. Benjamin Pavard durfte gegen Ende der Partie nach seiner Verletzung wieder etwas Spielpraxis sammeln. Mit Kimmich auf rechts blieb auch im Zentrum alles beim Alten. Leon Goretzka spielte den höheren Part, ließ sich gelegentlich in die erste Aufbaulinie fallen, während Thiago im Zentrum die Fäden zog. Gemeinsam mit David Alaba und Jerome Boateng stellte er eine 3vs2 Überzahl gegen Olympique Lyons zwei Mann-Sturm her.

Rudi Garcia, der Coach von Lyon, ließ sich nämlich einen interessanten Plan gegen die offensiven Münchner einfallen. Gegen den Ball agierten die Franzosen im 5-3-2, mit vielen situativen Mannorientierungen im Zentrum, so dass man des Öfteren ein 5-1-2-2 oder 5-2-3 beobachten konnte. Während sich Memphis Depay etwas zentraler positionierte und vor allem versuchte den linken Halbraum zu schließen, hatte sein Nebenmann Ekambi die Aufgabe David Alaba von außen anzulaufen.

David Alaba ist normalerweise der Fixpunkt im Münchner Aufbauspiel mit seinen intelligenten Pässen und dem dynamischen Andribbeln durch den linken Halbraum der Münchner. Gepaart mit dem pfeilschnellen Alphonso Davies bildet der Österreicher ein dynamisches Duo, das extrem wichtig für das Münchner Spiel ist. Rudi Garcia versuchte mit Hilfe des Anlaufens von Ekambi den Münchnern diese Stärke zu rauben. Indem der Stürmer Alaba von außen anlief, versperrte er nicht nur den Passweg zu Davies, sondern verhinderte, dass sich Alaba den Ball auf seinem linken Fuß zurechtlegen konnte. In der Folge musste Alaba seine Körperposition verändern und häufiger die Lösung auf der rechten Seite suchen. Effektiv konnte so das Spiel des deutschen Rekordmeisters über die linke Seite verhindert werden.

Rudi Garcia

Gleichzeitig schoben die beiden äußeren Spieler der Mittelfelddreierreihe von Lyon auf Goretzka und Thiago, um diese bei Bedarf unter Druck zu setzen. Der zentrale Spieler hatte währenddessen die Aufgabe das Zentrum zu sichern und Anspiele auf Müller zu unterbinden. Die Flügelverteidiger hatten des Weiteren die Aufgabe Davies und Kimmich unter Druck zu setzen.

Speziell wenn der Ball auf den Flügel gelangte versuchte das Team von Coach Rudi Garcia die Räume eng zu machen und den Bayern den Zugang zum Zwischenlinienraum zu versperren. Der ballnahe Achter versuchte meist die diagonalen Passwege in den Halbraum zu schließen, während der Flügelverteidiger presste. Der Rest der dreier Mittelfeldkette schob mit, so dass zwar ballfern Räume offen waren, jedoch ballnah die Bayern nicht den Weg zwischen die Linien fanden. Der primäre Plan von Hansi Flick wurde so erschwert. Zwar haben die Münchner unter Flick ein deutliches besseres Positionsspiel als unter Niko Kovac, tun sich aber nach Verlagerungen im Mittelfeld schwer sofort wieder Druck auszuüben, da meist Lewandowski und Müller weit auf die ballnahe Seite schieben.

Bayern und die Suche nach Lösungen

Die Bayern taten sich lange mit dem Pressing von Lyon schwer, dass zwar nicht sonderlich aggressiv, jedoch sehr kompakt war. Insbesondere die fehlende Aggressivität von Lyon sobald der Ball sich am Flügel befand, ermöglichte den Bayern sich aus diesen Situationen wieder herauskombinieren zu können. Meist fehlte es bei den Bayern an der nötigen Anbindung, da beide Sechser recht weit auf eine Seite schoben.

Die Grafik zeigt es sehr schön. Davies hatte enorm viel Platz auf der ballfernen Seite, da Lyon mit einer pendelnden Viererkette agierte, während die Bayern mit ihren vielen Offensivspielern des Öfteren Überzahl in letzter Linie herstellten. Darüber hinaus war Ivan Perisic häufiger der offene Akteur im Halbraum, die bayrische Ballbesitzstruktur ist allerdings seltener für einen solchen Wechsel in den ballfernen Halbraum ausgelegt.

Nichtsdestotrotz sollte die Staffelung von Garcias Team am Flügel Hansi Flick dazu verleiten die Struktur seiner Mannschaft anzupassen, um bei Lyon für Übergabeprobleme zu sorgen. Um Joshua Kimmich mehr Platz zu verschaffen, agierte Gnabry nach kurzer Zeit wesentlich breiter und die Bayern besetzten den Flügel situativ doppelt.

Dies hatte zur Folge, dass Maxwell Cornet vor einem Problem stand. Soll er auf Joshua Kimmich schieben und den Raum hinter sich öffnen, in den Serge Gnabry stoßen kann, oder soll er seine Position halten und dem Rechtsverteidiger der Münchner mehr Platz geben. Genau diese Problematik konnten die Münchner beim Führungstreffer perfekt nutzen. Müllers Laufweg zog den Halbverteidiger mit, während Cornet sich nach vorne orientierte, Kimmich aber nicht unter Druck setzen konnte, da dieser noch zu tief stand. Der Chipball in den freien Raum war die Folge und die Münchner gelangten so in den Zwischenlinienraum – der Rest ist dann die individuelle Klasse von Serge Gnabry und die cleveren Laufwege der Angreifer.

Im Laufe Partie war es dann Aouar, der vermehrt nach außen schob, um Kimmich zu pressen, während Cornet tiefer blieb, um Gnabry zu bewachen. Zwar stand Lyon dann wieder sicherer, konnte aber nur noch selten Druck ausüben und kam so weder in Ballbesitz noch zu einer gefährlichen Konterchance.

Eine weitere Anpassung der Bayern betraf die Positionierung von Müller und Lewandowski. Damit die Achter von Lyon nicht mehr blind auf Thiago und Goretzka schieben konnten, ließ sich entweder Müller oder Lewandowski, vereinzelt auch Serge Gnabry, in den Halbraum fallen, um beim Achter für Zuordnungsprobleme zu sorgen. Da weiterhin drei Offensivspieler die Fünferkette beschäftigten, konnte auch keiner der Halbverteidiger aus der Kette schieben, um Müller oder Lewandowski zu pressen. Bayern bekam in der Folge mehr Platz im Mittelfeld und gelang besser zwischen die Linien.

Lyon zwar defensiv gut, allerdings ohne Ballbesitz

Letztlich kontrollierten die Bayern das Spiel trotzdem nach Belieben, auch wenn sie nicht die drückende Chancenüberlegenheit wie gegen Barcelona vorweisen konnten. Ein Grund für die Dominanz und Kontrolle der Bayern war der hohe Ballbesitzanteil. Lyon konnte sich selten über einen längeren Zeitraum mit dem Ball in der Münchner Hälfte festsetzen. Dafür war das Pressing der Münchner deutlich zu stark, die 1-2 Staffelung im Mittelfeld von Lyon sorgte bei den Bayern für die perfekte Zuordnung und die Dreierkette wurde konsequent durch aufrückende Flügelspieler und den lenkenden Stürmer gepresst.

Wie bereits gegen Barca sorgte vor allem das starke Pressing des FC Bayern dafür, dass sie über 90 Minuten das Spiel kontrollierten, jedoch immer wieder anfällig für gefährliche Konter waren. Insbesondere wenn ein Gegner schnell in die Räume vor der Abwehr gelangen kann und dann sofort die Tiefe sucht, wirken die Bayern anfällig.

Fazit

Letztlich mühten sich die Bayern zu einem am Ende doch deutlichen 3:0 Sieg, allerdings offenbarten sie wie gegen Barca Schwächen, die PSG mit ihren Spitzen sicherlich zu nutzen wissen. Das Spiel am Sonntag wird sicherlich spannend. Für mich sind die Bayern nach ihrer Leistung gegen Lyon keineswegs der deutliche Favorit, vielmehr wird es gegen PSG ein Spiel auf Augenhöhe.

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