Neuer und Navas im Finale – Ein Vergleich

Manuel Neuer ist zurück. Dort wo er hingehört, in den Kreis der besten Torhüter der Welt. Spätestens nach seiner Performance gegen Paris sollte sich jeder bewusst werden, dass er auch noch mit 34 Jahren sein Team auf spektakuläre Art und Weise einen Champions-League Titel bescheren kann. Doch auch seinem Gegenüber, Keylor Navas, 33 Jahre jung, gebührt Respekt für seine Leistung am vergangenen Sonntag. Beide Torhüter lieferten sich über 90 Minuten einen Zweikampf auf höchstem Niveau, in welchem sich Neuer schlussendlich erfolgreich durchsetzen konnte.

Das Offensivspiel

Mit einer Passgenauigkeit von 89% ist Manuel Neuer der stärkste Torhüter in dieser Kategorie der diesjährigen Champions-League Saison. Bis zum Finale konnte er 429 seiner 482 gespielten Pässe erfolgreich an den Mann bringen, was er eindrücklich gegen Paris weiterhin bestätigte. Von seinen 28 Offensivaktionen verfehlte lediglich ein Ball sein Ziel. Da Paris über weite Strecken ein hohes Pressing spielte und den Spielaufbau der Bayern früh störten, war es immer wieder Neuer, welcher solche Situationen geschickt löste. Ein probates Mittel war dabei das Überspielen der Innenverteidiger, welche früh angelaufen wurden. Dabei standen Kimmich oder Davies möglichst breit, wodurch Neuer durch seine präzisen Flugbälle immer wieder seine Mitspieler finden konnte.

Mehrfach agierte Neuer in typischer Manier als „Sweeper-Keeper“, welcher im Angriffsspiel der Bayern sehr hoch stand. Gegen die dynamische Offensive von PSG unterband er so zweimal einen Konter. Auffallend ist dabei die Verteilung seiner Offensivaktionen (42%), welches nochmals verdeutlicht, wie offensiv Neuer seine Rolle als Torhüter interpretiert.

Pronzentuale Verteilung der Offensivaktionen (Links: Neuer; Rechts: Navas)

Keylor Navas stellte im Finale das Gegenpendant zu Neuer dar. Sein Offensivspiel war stark auf Sicherheit und auf Risikominimierung bedacht, was durch die Aktionsverteilung ersichtlich wird. Oftmals bediente sich Navas einfachen, sicheren Druckpässen zu seinen Mitspielern, wodurch er besonders im Spielaufbau eine wichtige Rolle im System von Thomas Tuchel einnimmt. In diesem Zusammenhang konnte man jedoch feststellen, dass Flugbälle eher ungern von Navas gespielt wurden. Hohe Abstöße fanden häufig dabei häufig einen Spieler in Rot und sorgten für wenig Entlastung. Des Weiteren konnten bei Navas im Offensivspiel weniger Fußwechsel ausgemacht werden, was seine technische Limitierung hinsichtlich der Beidfüßigkeit offenlegte.

Die Ziel- und Raumverteidigung

Das Spiel bot seinen Zuschauern auf beiden Seiten kein Offensivfeuerwerk, was jedoch für beide Torhüter eine noch höhere Fokussierung auf das Spiel abverlangte. Die Momente, in welchen sie dann im Mittelpunkt standen, lassen sich an einer Hand abzählen. Trotzdem zeigten sie, dann wenn es drauf ankam, dass sie zu Recht in diesem Finale stehen. Aber der Reihe nach.

In der 18. Minute konnte sich Neuer zum ersten Mal gegen Neymar auszeichnen. Aus spitzem Winkel entschied er sich gegen den Flachschuss für eine Abwehraktion mit dem linken Bein. In seiner Grundstellung stand er dabei etwas breiter, wodurch er in der Anschlusskation sein rechtes Bein nicht näher zum Ball positionieren konnte. Durch seine schnelle Bewegungsausführung schaffte er es dennoch, seinen Körperschwerpunkt so abzusenken, dass das Gesäß den Ball noch entscheidend ablenkte. Bei einem schärferen Ball wäre er mit hoher Wahrscheinlichkeit chancenlos gewesen. Herausragend ist dagegen sein Umschalten nach dieser Aktion, indem er durch einen Hechtsprung und Körperstreckung den Pass in den Rückraum verhinderte.

Bis auf einen einfachen Korbball von Mbappé hatte Neuer in der ersten Halbzeit wenig zu tun. In seiner zweiten Blockaktion gegen Marquinhos erkannte er die Situation sehr gut und antizipierte einen Schuss in die lange Ecke. Auffallend ist dabei, wie er neben seiner typischen „Grätsche“ den Oberkörper aufrecht und die Arme mobil neben dem Körper positionierte. Durch diese Vergrößerung seiner Fläche wirkt das Tor für den Schützen kleiner, was an diesem Abend die Schützen zum Verzweifeln brachte.

Keylor Navas hatte seine erste Aktion in der 31. Spielminute gegen Robert Lewandowski. Bei der Flanke von Rechtsaußen zeigte er eine mobile Beinarbeit und gutes Stellungsspiel, wodurch er es in Kürze schaffte, seine Position vom kurzen Pfosten in die Tormitte zu verlagern. Hervorzuheben ist dabei der letzte, schnelle Zwischenschritt, durch welchen Navas in die Abwehraktion kommt. Durch seine hohe Reaktionsfähigkeit konnte er den Ball noch rechtzeitig abwehren, was in der Bewegungsausführung jedoch etwas unkonventionell aussieht.

In der Entstehung des Gegentors trifft Navas keine Schuld. Zwar ist seine Grundstellung zum Ball nicht optimal, jedoch trifft Coman den Ball aus kurzer Distanz mit viel Druck, wodurch dieser sehr schnell wird. Es ist zu erkennen, dass Navas durch ein Abtauchen noch versucht den Ball zu erwischen, ihm fehlt aber, aufgrund des schnellen Abschlusses die Zeit, um eine maximale Körperstreckung zu entwickeln. Abgesehen vom Gegentor machte Navas einen sehr sicheren Eindruck in der Ziel- und Raumverteidigung. Gerade bei scharfen Hereingaben der Bayern vermittelte er seiner Mannschaft eine gewisse Stabilität und hielt sie bis zum Ende im Spiel.

Fazit

Beiden Torhütern gilt es Respekt zu zollen, dass sie es mit ihren Mannschaften bis in das Finale der Champions-League geschafft haben. Sowohl bei Neuer als auch bei Navas konnte man von außen erkennen, dass sie in solch wichtigen Spielen ihre Leistung abrufen können und ihr Torhüterspiel nahezu fehlerfrei ist. Trotzdem, auch abgesehen vom Resultat, vermittelte Manuel Neuer einen stabileren Eindruck. Durch sein einzigartiges Spielverständnis, die saubere Technik mit Fuß und Hand sowie seine ungemein hohe mentale Stärke, hob er schlussendlich zurecht den Pokal in den Lissaboner Nachthimmel.

2 Kommentare

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