Transfereinordnung – Timo Werner

In dieser neuen Serie wird Tobias sich die wichtigsten Transfers dieser Transferperiode noch einmal für euch anschauen und kurz und knackig erklären was der Spieler mitbringt und wie er seinem neuen Team helfen kann.

Eine Erklärung zu den hier genutzten Radar-Charts findest du hier

Weiter geht’s mit unserer kleinen Serie zu den Toptransfers der Topteams. Bereits relativ früh wurde Chelseas Verpflichtung von Timo Werner eingetütet. Für 53 Millionen € wechselte der deutsche Nationalspieler an die Stamford Bridge und wird ab nächste Saison in der Premier League auf Torejagd gehen.

Mit Werner sicherten sich die Blues einen der talentiertesten Stürmer im Weltfußball, an dem offenbar auch die Bayern und Klopps Liverpool Interesse zeigten. Und das zu Recht. Der Nationalspieler aus der Jugend des VfB Stuttgart machte eine rasante Entwicklung durch. Vor zwei Jahren bei der WM 2018 wirkte er oft noch wie ein recht eindimensionaler Stürmer, der eigentlich nur durch Tiefenläufe zum Abschluss kommen konnte. Mittlerweile ist Werner wesentlich kompletter, auch wenn sein Tempo immer noch zentraler Bestandteil seines Spiels ist.

Nichtsdestotrotz entwickelte er sich in den letzten beiden Jahren extrem weiter, weiß nun noch besser wie er sich bewegen muss, um Defensiven vor Probleme zu stellen und machte auch in Aspekten wie seinem Dribbling und Passspiel wichtige Fortschritte.

Ein Blick auf seine Werte genügt, um zu sehen, dass Timo Werner bereits jetzt zu den besten Stürmern Europas zählt. Insbesondere wenn es darum geht für Tore zu sorgen, ist Werner Spezialist. Auch sonst zeichnen die Daten ein Bild eines recht kompletten Stürmers, der sich vor allem neben einem zweiten eher zentralen Knipser wunderbar entfalten kann. Bei Leipzig bekam waren dies meist Yussuf Poulsen oder Patrick Schick.

Auch bei den Blues könnte Werner zusammen mit Tammy Abraham ein junges und dynamisches Sturmduo bilden, dass viele Defensiven in der Premier League vor große Probleme stellen könnte.

Während Werner eher den dynamischen zweiten Stürmer mit seinen ausweichenden Bewegungen nach links und den intelligenten Tiefenläufen darstellt, ist Abrahams Aktionsradius eher kleiner und mehr auf den Sechzehner fokussiert. Der Engländer legte zu Beginn der Saison fulminant los, erzielte 15 seiner insgesamt 18 Saisontore vor dem Jahreswechsel, fiel danach aber in ein kleines Loch. Insbesondere an seiner Chancenverwertung kann Abraham sicherlich noch arbeiten, erhielt er immerhin gute Chancen, wie der höhere Wert bei den Non Penalty xG/Shots zeigt.

Generell würden die beiden Angreifer sehr gut harmonieren. Abraham könnte mit seinem geringen Aktionsradius das Zentrum besetzen und Werner die Möglichkeit geben auszuweichen und sich die Bälle auch mal am Flügel abzuholen.

Abraham, dessen Schüsse primär aus der Nähe des Elfmeterpunkts bzw. der rechten Seite des Fünfmeterraums stammten, könnte hier das passende Gegengewicht zu Timo Werner darstellen.

Interessant wird zu beobachten sein, wie Frank Lampard sein System an den deutschen Nationalspieler anpasst. Primär agierten die Blues in dieser Saison im 4-2-3-1 oder einem recht offensiven 4-3-3. Vereinzelt schickte Lampard seine Mannschaft auch mit einer Dreierkette im 3-4-2-1 aufs Feld.

Für Lampard könnten die vielen Neuverpflichtungen insofern zum Problem werden, dass es mit Hakim Ziyech einen weiteren Offensivspieler zu den Blues zog, der sich nun mit den Talenten Christian Pulisic und Callum Hudson-Odoi um die Plätze auf den Flügeln streiten wird. Sollte Lampard wirklich nur mit einem Stürmer spielen wollen, würde sich Timo Werner wahrscheinlich diesem Dreikampf anschließen.

Sollte Lampard das System zu Gunsten von Timo Werner umbauen, könnte der deutsche Nationalspieler zusammen mit Ex-BVB Angreifer Christian Pulisic ein dynamisches und dribbelstarkes Duo bilden. Der Amerikaner machte nach seinem Stotterstart große Fortschritte und wusste vor allem gegen Ende der Saison absolut zu überzeugen. Im Gegensatz zu Favre lässt Lampard den Amerikaner nicht als rechter, sondern als linker Flügelspieler auflaufen. Pulisic – eigentlich Rechtsfuß – hat so die Möglichkeit mit seinem schnellen und wendigen Dribbling diagonal ins Zentrum zu ziehen und für Torgefahr zu sorgen.

Timo Werner könnte den freien Raum durch Pulisics Dribblings nutzen und nach links ausweichen. Die Anziehungskraft des Dribblers würde darüber hinaus die Aufmerksamkeit weg von Werner ziehen und diesem so im Rücken der Abwehr Möglichkeiten ermöglichen. Hakim Ziyech hingegen würde die rechte Seite alleine besetzen und dabei von einem offensiven Außenverteidiger unterstützt werden können. Folglich hätte Chelsea im 4-4-2 eine dynamische und variable Offensive, in der jeder Spieler für Torgefahr sorgen könnte. Mit Mittelfeldspielern wie Ngolo Kanté, Jorginho oder Mateo Kovacic gibt es dazu noch spielstarke Sechser, die gleichzeitig für die nötige Absicherung sorgen würden.

Ein weiteres Talent, das dieses Jahr den Durchbruch schaffte, würde in dieser Besetzung auf der Strecke bleiben. Zwar spielte Mason Mount eine ordentliche Saison, spielt aber noch längst nicht auf dem Niveau wie die anderen Offensivakteure.

Insbesondere die fehlenden Spielmacherfähigkeiten sprechen wohl eher gegen Mason Mount. Der Engländer ist schlicht noch nicht konstant genug, um die Offensivreihe regelmäßig perfekt in Szene zu setzen. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, ob Mount in der nächsten Saison einen weiteren Sprung nach vorne macht und in einer besseren Offensive seine Fähigkeiten vielleicht doch zum Tragen bringt.

Ein Problem ergibt sich dann aber, entweder Werner spielt auf dem Flügel und Pulisic oder Ziyech müssen weichen, oder der Nationalspieler läuft als einzige Spitze auf, während Abraham zuerst auf der Bank Platz nimmt.

Allerdings zeigte die WM 2018, dass Werner als einzige Spitze seine Stärken nicht perfekt zur Geltung bringen kann, ohne dass sein Team darunter leidet, dass das Sturmzentrum verwaist. Hier würde eine mögliche Verpflichtung von Kai Havertz weitere interessante Türen öffnen.

Die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass es auch Kai Havertz nach London zu den Blues ziehen könnte. Das deutsche Ausnahmetalent wäre eine interessante Ergänzung und könnte durchaus dafür sorgen, dass Lampard Werner als einzige Spitze auflaufen lässt.

Im Vergleich zu Mount ist Havertz wesentlich torgefährlicher, agierte bereits bei Leverkusen als Stürmer und ist besonders durch seine intelligenten nachstoßenden Bewegungen eine Gefahr für jede Defensive. Entsprechend könnte sich Werner wesentlich freier bewegen und zur Seite ausweichen, während Havertz als Anspielstation zwischen den Linien mit Pulisic und Ziyech kombinieren, für Werner auflegen oder selbst zu Abschluss kommen könnte. Die Intelligenz von Havertz in Ballbesitz würde mit einem Schlag das Spiel von Lampard und seinen Blues auf eine neue Stufe stellen.

Neben den angesprochenen Akteuren bietet der Kader von Chelsea noch weitere Optionen in der Offensive. Beispielsweise hat man mit Hudson-Odoi noch einen dribbelstarken Außenspieler, der über die Flügel für jede Menge Gefahr sorgen kann. Dazu gibt es im Mittelfeld noch Akteure wie Ruben Loftus-Cheek oder Ross Barkley, die eine Offensive aus der Tiefe unterstützen können. Mit James und Alonso stehen des Weiteren offensive Außenverteidiger zur Verfügung.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Verpflichtung von Timo Werner definitiv sinnvoll war, Kai Havertz das Spiel der Blues aber nochmal auf eine ganz andere Ebene bringen würde. Neben der Kaderzusammenstellung werden aber auch mannschaftstaktische Aspekte eine wichtige Rolle in der nächsten Saison spielen. Gelingt es Lampard ein funktionierendes Ballbesitzspiel zu implementieren, dass die einzelnen Stärken der Akteure zum Vorschein bringen, ist mit den Blues wieder zu rechnen. Ob der Abstand zu City und Liverpool signifikant kleiner wird, bleibt abzuwarten. Alles in allem zählt Chelsea aber zu den jungen aufstrebenden Teams, die eventuell in der Defensive und im Tor noch einmal nachlegen müssen, um langfristig in der Champions League und Premier League wieder oben anzugreifen.

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