3 Gedanken Newsletter 02.09

Hi 😊

Nachdem wir letzte Woche wieder mit dem Newsletter gestartet sind, geht es nun weiter. Zu aller erst einmal, vielen Dank fĂŒr eure netten RĂŒckmeldungen. Ich hatte spannende Diskussionen zu der Frage, wie man die Vorbereitung gestalten könnte. Gerne weiter so, der Austausch macht mir einfach richtig Spaß.

Die Ausbildung ĂŒberdenken – Spieler benötigen Werkzeuge

Bei der Arbeit mit meiner neuen Mannschaft ist mir wieder einmal aufgefallen, welche Stellschrauben wir in der Ausbildung dringend drehen mĂŒssen, um intelligente und gut ausgebildete Spieler hervorzubringen.

Kurz zum Kontext. Wir haben letzte Woche im Training sehr viel am Thema Spielverlagerung gearbeitet, da uns diese Komponente im Spiel bisher komplett abgeht. Dabei taten sich die Spieler enorm schwer die richtigen Entscheidungen zu treffen, wann eine Verlagerung Sinn ergibt und wann der Pass in die Tiefe kommen sollte. WĂ€hrend der Spielformen haben wir Trainer natĂŒrlich versucht mittels Coachings die Spieler zu unterstĂŒtzen, allerdings wurde es nur marginal besser. Bisher erlebte ich Spieler, die enorm lernfĂ€hig sind und neue Ideen recht schnell umsetzen können, nicht so beim Thema Spielverlagerungen.

Allerdings scheint weniger die Spielverlagerung selbst, sondern das Spiel in Ballbesitz generell den Spielern Schwierigkeiten zu bereiten. Es fehlt hĂ€ufiger das VerstĂ€ndnis und vor allem die Werkzeuge, um eine gegnerische Defensive in Bewegung zu bringen. Beispielsweise werden selten kurze DoppelpĂ€sse gespielt, um den Gegner anzulocken, aus Angst man könnte den Ball verlieren. Es ist auffallend, wie die Spieler es nicht gewohnt sind Drucksituationen herzustellen, um Raum zu schaffen. Vieles hĂ€ngt wohl mit der Angst vor einem Ballverlust zusammen. Kein Spieler hat in der Jugend gelernt Risiken einzugehen, um RĂ€ume zu schaffen. Wichtig ist zu wissen, dass wir Spieler in der Mannschaft haben, die frĂŒher in Nachwuchsleistungszentren oder Jugendmannschaften von Topmannschaften spielten.

Diese Spieler sind zwar alle technisch stark, verstehen aber den tieferen Sinn vieler Aktionen nicht. So kommt es, dass sie nur darauf achten sich freizulaufen, aber Probleme damit haben eine offene Stellung einzunehmen, da das Spiel nicht einen Schritt weitergedacht wird. NatĂŒrlich haben wir hier auch Ausnahmen, Spieler, die einfach ĂŒber eine tolle Spielintelligenz verfĂŒgen. Da den Spielern das VerstĂ€ndnis fĂŒr die Werkzeuge des Ballbesitzspiels fehlen, reagieren sie auch oft schlecht auf Bewegungen der verteidigenden Mannschaft oder Aktionen der eigenen Mitspieler. Dies spiegelt sich dann wider, dass viele entgegenkommen, um sich freizulaufen, obwohl der BallfĂŒhrende nicht unter Druck steht. Entsprechend sollten sie eher mehr Distanz zwischen sich und dem BallfĂŒhrenden schaffen, um Raum zu kreieren.

Das VerstĂ€ndnis fĂŒr simple Bewegungen und Aktionen sollten wir dringend in die Ausbildung unserer Jugendspieler integrieren. Es reicht nicht, wenn die Spieler nur eine gute Technik haben. Sie mĂŒssen wissen, wie sie mittels ihrer Aktionen oder ihrer Bewegungen ohne Ball den Gegner manipulieren, RĂ€ume freiziehen und Anspielstationen schaffen können.

Ich arbeite gerade an einer Liste, die verschiedene Werkzeuge beinhalten wird, wie sich die Spieler individuell oder als Gruppe in Ballbesitz verhalten sollten, um sich einen Vorteil zu erarbeiten.

Gerne freue ich mich hier ĂŒber euren Input. Aktuell befinden sich auf der Liste Prinzipien wie:

  • Das Anbieten zwischen den Linien des Gegners
  • Hat mein Mitspieler keinen Druck, versuche ich mehr Raum zu schaffen
  • Ich positioniere mich so, dass ich stets zwei Anspielstationen habe, die ich mit einem Kontakt erreichen kann

Auch dieses Mal haben wir wieder eine Spielform fĂŒr dich, die Teil der neuen Ausgabe des TFF-Magazins ist.

Spieler zu Àndern ist schwer

Meine zweite Beobachtung knĂŒpft an das Problem von oben an. Mir ist wieder einmal bewusst geworden, wie stark Angewohnheiten sind. Angewohnheiten im Sinne von Mustern, in die Spieler verfallen. Was meine ich damit? Ich meine damit, dass Spieler regelmĂ€ĂŸig die gleichen Aktionen durchfĂŒhren, egal ob sie erfolgsversprechend sind oder nicht.

Die geschlossene Körperstellung und das eingeschrĂ€nkte Sichtfeld sind gute Beispiele. Ich habe die Hypothese, dass viele Spieler fĂŒr FehlpĂ€sse stets kritisiert wurden. Aus diesem Grund hat sich bei vielen Spielern eingebrannt, die sichere Karte zu spielen. Deshalb haben wir Spieler, die einen Ball erhalten und statt die Seite zu wechseln, den Ball wieder in den gleichen Raum spielen, aus dem er kam. Folglich passt selten ein Spieler seine Körperposition an, weil eine Verlagerung oft mit mehr Risiko behaftet ist.

Ein anderes Beispiel ist der Drang von Spielern immer den Pass nach vorne zu suchen. Viele erhalten den Ball und wollen direkt den heroischen Pass in die Tiefe spielen. Meist als langer hoher Ball ĂŒber die Abwehrkette. Meiner Meinung nach wurden diese Angewohnheiten durch zwei verschiedene Effekte geschaffen. Zum einen wird in den unteren Ligen meist der Pass nach vorne prĂ€feriert. Lieber lang nach vorne, statt den RĂŒckpass zu spielen, schließlich ist dieser mit mehr Risiko behaftet. Zumindest denken dies viele Trainer in den unteren Ligen. Der Spieler suchte sein Leben lang immer den Weg nach vorne, um nicht kritisiert zu werden. Dann wiederrum werden viele Spieler eben nur fĂŒr den gefĂ€hrlichen Pass in die Tiefe gelobt, der direkt zum Tor fĂŒhrt. Ging dieser Pass schief, war es immerhin ein guter Versuch. Nur wenige Trainer lobten eine kurze Verlagerung ins Zentrum, die eventuell eine Chance auf der anderen Seite zur Folge hatte. Diese Aktion ist natĂŒrlich weniger spektakulĂ€r, weswegen das Lob ausblieb.

Gleiches gilt auch fĂŒr das heroische, aggressive Tackling. Statt clever zu ĂŒbergeben oder den Gegner zu stellen, sollten die Spieler aggressiv attackieren und wurden wahrscheinlich wieder fĂŒr das Tackling gelobt. Egal, ob die Aktion eigentlich sinnvoll war oder nicht – viele Trainer bewerten leider nur das Ergebnis, nicht aber die Sinnhaftigkeit oder Intention.

So kommt es, dass Spieler in diesen Angewohnheiten bestĂ€rkt werden. SelbstverstĂ€ndlich muss das nicht immer negativ sein, sondern es können auch positive Aktionen verstĂ€rkt werden. Aktionen allerdings nur auf Basis des Ergebnisses zu bewerten, ist im Fußball leider keine sonderlich gute Idee. Deshalb ist es entscheidend, dass wir versuchen die Spieler von klein auf loben, wenn sie sich fĂŒr eine intelligente und clevere Lösung entschieden haben, unabhĂ€ngig ob es am Ende geklappt hat. Auf lange Sicht werden nĂ€mlich nur diese Lösungen einen Spieler auch auf höherem Niveau bestehen lassen.

Jeder Trainer, vor allem Jugendtrainer, sollte sich bewusst machen, dass es viel schwieriger ist, einen Spieler aus seinem gewohnten Muster herauszuholen. Es ist schlicht einfacher, ihm die richtigen Angewohnheiten in seiner Jugend anzutrainieren. Hier schließt sich wieder der Kreis zum meinem ersten Punkt. Wenn die Spieler bereits in der Jugend vermittelt bekommen, warum sie eine Verlagerung spielen sollen oder wie sie sich richtig anbieten mĂŒssen, dann werden sie es im Erwachsenenfußball wesentlich einfacher haben.

Abschließende Frage

Heute möchte ich mal keine Diskussionsfrage stellen, sondern deine Meinung zu einem neuen Projekt von mir zu hören bekommen. Ich plane aktuell einen Onlinekurs. Ein Einsteigerkurs fĂŒr jeden, der sich nĂ€her mit Taktik und Fußballanalyse beschĂ€ftigen möchte.

Der Kurs ist aktuell noch nicht fertig, allerdings wĂŒrde ich gerne wissen, ob er fĂŒr dich interessant ist. Unter diesem Link findest du weitere Informationen zum Kurs inklusive des Syllabus, Dauer und des Preises. Ich wĂŒrde mich freuen, wenn du an der kurzen anonymen Umfrage teilnimmst. Damit hilfst du mir und dem ganzen TFF-Team 😊 vielen Dank

Ich freue mich ĂŒber dein Feedback.

Bis nÀchste Woche

Tobias

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Kategorie Newsletter, Sonstiges

Interessiert sich fĂŒr Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstĂŒtzen möchtest, kann du dies fĂŒr 1€/Monat auf Patreon machen und erhĂ€lst exklusive BeitrĂ€ge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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