Die Dreieck- Spielform und ihre Anwendungsmöglichkeiten

Vor einigen Wochen habe ich auf Twitter eine Spielform geteilt, die ich mittlerweile dank großartiger Tipps weiterentwickeln konnte (teilt deshalb eure Arbeit auf Twitter – nirgendwo bekommt man so einfach so viel gutes Feedback 😉).

Werfen wir einen kurzen Blick auf die Spielform und den Ablauf, bevor wir uns um die Coachingpunkte und die Gedanken dahinter kümmern.

Dreieck Spielform

Grundsätzlich ist die Spielform wie folgt aufgebaut. Die Feldform ist ein Dreieck, kann aber variabel variiert werden, je nachdem wie viele neutrale Spieler man außen nutzen möchte und welche Schwerpunkte man setzen möchte. Das Dreieck schränkt beispielsweise die Nutzung des gesamten Feldes ein, da die Ecken für die Mannschaft in Ballbesitz von Nachteil sind. Im Gegenteil zur defensiven Mannschaft, die einen Anreiz hat, den Gegner in den Ecken des Dreiecks zu isolieren.

Ein Bild, das Uhr enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Alternativ lässt sich die Spielform auch in einem Kreis ohne Bewegungseinschränkungen für die neutralen Spieler außen.

Im Feld werden drei Minitore genutzt, die jeweils mit einer Farbe markiert werden (farbiges Hütchen oder Leibchen als Markierung reichen aus). Innerhalb des Feldes wird 4vs4+1 gespielt.

Ablauf

Grundsätzlich spielt die Mannschaft in Ballbesitz auf Ballhalten und erhält einen Punkt für 10 erfolgreiche Pässe in Folge. Durch den neutralen Spieler im Zentrum und den neutralen Spielern auf außen, ergibt sich eine 8vs4 Überzahl. Wir werden im Coachingteil später sehen, dass die Mannschaft in Ballbesitz jedoch unsere Prinzipien einhalten muss, um effektiv auch diese Überzahl zu besitzen.

Die Mannschaft, die verteidigt versucht den Ball zu gewinnen, um dann ebenfalls 10 Pässe in Folge zu spielen. 10 Pässe in Folge ergeben einen Punkt. Diese Regel kann selbstverständlich an das Niveau der Spieler angepasst werden. Weitere Regeln, wie eine Begrenzung der Kontakte oder dem Verbot von Doppelpässen, sind möglich, um neue Trainingsreize zu setzen.

Neben den 10 Pässen, kann ein Team auch die Mini-Tore attackieren. Allerdings ist dies nur möglich, wenn zuvor der äußere Spieler angespielt wurde, der die entsprechende Farbe trägt. Möchten wir also das grüne Tor attackieren, muss zuvor der grüne neutrale Spieler angespielt werden. Eine Mannschaft kann dann sofort das grüne Tor attackieren, oder weitere Tore freischalten, indem die anderen neutralen Spieler angespielt werden. Verliert ein Team den Ball, verfallen natürlich die freigespielten Tore und nach einem Ballgewinn müssen zuerst wieder die entsprechenden neutralen Spieler angespielt werden.

Ich wählte das Dreieck als primäres Feld aufgrund der Nutzung von drei neutralen Spielern. So entsteht weniger Chaos und die neutralen Spieler dürfen sich nur an ihrer jeweiligen Außenlinie bewegen. Mit mehr neutralen Spielern ergeben logischerweise andere Feldformen mehr Sinn. Das reizvolle an der Spielform im Kreis sind die wegfallenden Orientierungspunkte für viele Spieler. Wir möchten, dass sich unsere Spieler im Raum auf Basis der verschiedenen Referenzpunkte positionieren. Zwar hilft die Seitenlinie natürlich als Orientierungspunkt und kann als Raum-Referenzpunkt gesehen werden, jedoch klammern sich viele Spieler an genau diesem Orientierungspunkt fest. Durch das Wegfallen müssen die Spieler nun den Kontext der Situation erkennen, das Feld regelmäßig scannen und ohne die Hilfe der Außenlinie ihre Position finden.

Coachingpunkte

Welche Spielprinzipien möchten wir mit der Spielform trainieren, bzw. welche Möglichkeiten ergeben sich überhaupt? Primär möchte ich mit dieser Spielform den Fokus auf das Spiel mit dem Ball legen. Folglich ergeben sich Prinzipien, wie das Herstellen von zwei Anspielstationen für den Ballführenden. Die Suche nach dem tiefsten Spieler oder der Verlagerung in den freien Raum.

Folgende Spielprinzipien oder Sub-Prinzipien habe ich im Kopf:

  • Druck erzeugen (Prinzip)
  • Suche den tiefsten Spieler (Sub-Prinzip)
  • Wenn du nicht angegriffen wirst, dribble an (Sub-Prinzip)
  • Spiele in den Druck, um Raum zu schaffen (Sub-Prinzip)
  • Locken und Verlagern (Prinzip) -> in Kombination mit dem Prinzip Druck erzeugen
  • Der Ballführende hat stets zwei Anspielstationen (Sub-Prinzip)
  • Wir besetzen vertikal alle Räume (Sub-Prinzip)
  • Wir suchen den freien Spieler mittels einer Verlagerung (Sub-Prinzip)
  • Wir sind auf der Suche nach dem freien Spieler (Prinzip)

… die Liste kann mit weiteren Ideen erweitert werden, speziell mit Prinzipien für die Defensive.

Selbstverständlich werden die Spieler in die Form vor allem kognitiv extrem gefordert und müssen sich ständig umschauen und neue Informationen aufnehmen, um sich in diesem Spielfeld und mit den Aufgaben zurechtzufinden.

Nun möchte ich kurz auf verschiedene Coachingpunkte eingehen, die in dieser Spielform sehr wertvoll sein werden. Zum einen ist es der Versuch Druck zu erzeugen, speziell mit einem Pass ins Zentrum. Da die Tore im Feld stehen, muss über kurz oder lange der Ball sowieso ins Zentrum gespielt werden. Allerdings sollte die Mannschaft in Ballbesitz darauf auch beim Freispielen der neutralen Akteure außen achten.

Dreieck Spielform

Zu aller erst ist hierfür wieder die Struktur entscheidend. Auf Basis des Prinzips, dass wir stets zwei Anspielstationen schaffen, ist es sinnvoll, dass die Mannschaft in Ballbesitz ein Dreieck mit dem Neutralen außen bildet. Die äußeren Spieler der roten Mannschaft, die sich an den „Ausgängen“ positionieren werden wahrscheinlich Druck aus der Mitte des Feldes erhalten. Nun muss das Team in Ballbesitz darauf achten Druck zu erzeugen und die entsprechende Struktur zu haben, um sich daraus wieder zu lösen. Durch das Erzeugen von Druck ergeben sich offene Räume an anderen Punkten im Feld. Damit dieser Druck erzeugt wird, sind Werkzeuge wie das Spiel über den Dritten von enormer Bedeutung.  

Als einfaches Prinzip können wir sagen, dass einer der Spieler mit dem Neutralen und den anderen beiden Akteuren außen eine Raute bildet. Am besten so, dass er mit wenigen Kontakten in das entsprechende Tor schießen könnte. Außerdem sollte eine Verlagerung durch das Zentrum nach außen möglich sein, um sofort das nächste Tor freizuschalten. Des Weiteren sollte sich der zweite zentrale Akteur der Mannschaft in Ballbesitz als Klatschoption anbieten. Die äußeren Akteure von rot müssen folglich ihre Position so anpassen, dass regelmäßig eine Verlagerung aus dem Zentrum zurück nach außen möglich ist und sie gleichzeitig Torgefahr ausstrahlen. So gelingt es der ballbesitzenden Mannschaft auch alle vertikalen Linien zu besetzen.

Weitere Coachingpunkte sind hier vor allem die Vororientierung und die offene Stellung, um alle verschiedenen Möglichkeiten mit wenigen Kontakten nutzen zu können.

Darüber hinaus spielt auch die Balance eine wichtige Rolle. Nur, wenn ein Spieler nicht auf der gleichen Position wie ein Mitspieler steht und den Passweg dadurch schließt, ist eine fließende und schnelle Kombination möglich.

Mit dieser Struktur kann das Defensivteam stets zwei Spieler mit einem Mann verteidigen und mittels Deckungsschattens und geschickten Anlaufens die Unterzahl ausgleichen.

Verschieben die Spieler in Ballbesitz zu sehr mit dem Ball, fehlen vor allem die Wechseloptionen für die anderen beiden Seiten. Folglich muss auch die defensive Mannschaft weniger Raum verteidigen und kann die Unterzahl ausgleichen.

Fazit

Spielformen wie diese, in abstrakteren Feldern und mit verschiedenen Farben, bieten viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Wie bereits oben gezeigt lassen sich verschiedene Prinzipien trainieren und die Spieler werden durch die Spielform vor allem in ihrer Positionierung und Orientierung geschult.

Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte und Rückmeldungen 😊


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