Transfereinordnung – Patrik Schick

In dieser Serie schauen wir uns die wichtigsten Transfers dieser Transferperiode noch einmal für euch an und erklären kurz und knackig was der Spieler mitbringt und wie er seinem neuen Team helfen kann.

Bayer 04 Leverkusen steht vor einem großen Umbruch in der Offensive. Neben dem Top-Scorer der letzten beiden Jahre Kai Havertz (für ca. 80 Mio. € zum FC Chelsea), muss die “Werkself” künftig auch auf die Dienste von Stürmer Kevin Volland (für ca. 15 Mio. € zu AS Monaco) verzichten. Ein Spieler der dabei helfen soll diese Abgänge zu kompensieren ist der tschechische Nationalspieler Patrik Schick. Leverkusen überweist für Schick ca. 24 Mio. € an den AS Rom. Damit ist er nach Kerem Demirbay der zweitteuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte.

Patrik Schick verbrachte die Saison 2019/20 auf Leihbasis bei Ligakonkurrent RB Leipzig. Da er erst gegen Ende der Transferperiode wechselte, hatte er mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Am 13. Spieltag stand er das erste Mal in der Startelf. Mit der Zeit gelang es ihm jedoch das “RB-Urgestein” Yussuf Poulsen aus der Startelf zu verdrängen. Bei RB spielte er entweder als eine von 2 Spitzen neben Timo Werner im 4-2-2-2 oder als alleinige Spitze im 3-4-2-1 vor Timo Werner und Christopher Nkunku/ Dani Olmo. Dabei gelangen ihm in der Bundesliga 10 Tore in 22 Einsätzen (0,69 Tore/Min.) sowie 1 Tor im DFB-Pokal. Zudem konnte er 2 Vorlagen beisteuern. Es ist weitestgehend bekannt, dass Chef-Trainer Julian Nagelsmann gerne weiterhin auf die Dienste des wuchtigen Stürmers zurückgreifen würde. Ein fester Transfer scheiterte jedoch an den Ablöseforderungen der Römer. 

Bei Bayer 04 soll er vor allem den Abgang von Kevin Volland kompensieren, der nach 4 Jahren unter dem Bayer-Kreuz nach Monaco weiter zieht. Peter Bosz setzte in der letzten Saison zumeist auf ein System bestehend aus nur einem Stürmer. Es ist daher zu erwarten das Schick zumeist als alleiniger Stürmer auflaufen wird. Eine Doppelspitze mit beispielsweise Lucas Alario oder Leih-Rückkehrer Joel Pohjanpalo ist eher unwahrscheinlich, könnte aber vor allem bei Rückständen eine Option für den ehemaligen Ajax-Trainer Peter Bosz darstellen.  

Patrik Schick
Quelle: footballslices Saison 19/20

Beim Blick auf seine Werte fällt direkt seine Kopfballstärke auf. Mit 52,7 % gewonnen Kopfballduellen gehört er in dieser Kategorie zu den besten Stürmern. Seine Kopfballstärke macht Schick zu einem geeigneten Zielspieler für lange Bälle seiner Mannschaft. Zudem ist er ein starker Abnehmer für Flanken aus dem Spiel oder Hereingaben nach Standardsituationen. Mit Moussa Diaby besitzt Bayer einen Flügelspieler dem es durch seine Geschwindigkeit und Stärke im Dribbling immer wieder gelingt in aussichtsreiche Positionen für Flanken zu gelangen. Zudem besitzt die “Werkself” mit Nadiem Amiri und vor allem Kerem Demirbay starke Standardschützen die mit Schick nun eine weitere Option für ihre Hereingaben vorfinden.

Bei RB Leipzig wich Timo Werner häufig auf die linke Seite aus und startete von der Außenlinie diagonale Dribblings Richtung Zentrum und suchte selbst den Abschluss. Dabei positionierte sich Schick oft auf der linken Seite um diese zu überladen. Anschließend startete er ausweichende Läufe, um Gegenspieler zu binden und Raum für Werner zu öffnen. Mit Diaby hat Schick nun einen Mitspieler der öfters den Weg zur Grundlinie sucht und seltener den eigenen Abschluss.

Schick ist jedoch kein Spieler der lediglich als Zielspieler für lange Bälle funktioniert. Er ist durchaus in der Lage seine Mitspieler in aussichtsreiche Situationen zu bringen. Dies demonstrieren 0,19 xA/90 Min. eindrucksvoll. Schick geht für einen zentralen Stürmer überdurchschnittlich oft ins Dribbling (2.85/90 Min.). Dabei verzichtet er auf spektakuläre Tricks, sondern belässt es zumeist bei simplen Körpertäuschungen und nutzt primär seinen wuchtigen Körper um Verteidiger zu überwinden. 

Patrik Schick vs Kevin Volland
Quelle: footballslices.com Saison 19/20

Der Vergleich mit Volland zeigt wenig überraschend direkt, dass der Tscheche der deutlich bessere Kopfballspieler ist. Bayer wird nun also eine starke Option für lange Bälle haben. Vor allem wenn Gegner die Mannschaft von Peter Bosz aggressiv anlaufen kann der lange Ball auf Schick eine sinnvolle Option sein um gefährliche Ballverluste zu vermeiden und trotzdem in Ballbesitz zu bleiben.

Wie Schick versteht es auch Volland seine Mitspieler einzusetzen und beide weisen einen ähnlichen xA/90 Min-Wert auf. Im Vergleich zu Schick hat Volland den deutlich größeren Aktionsradius. Während Schick sich meistens zentral im Strafraum aufhält bzw. in unmittelbarer Nähe des Strafraums aufhält, weicht Volland öfters auf den Flügel aus und kombiniert dort mit den Flügelspielern. Dies erklärt auch die höhere Anzahl an Ballkontakten im Strafraum von Schick, sowie die höhere Anzahl an Pässen in den Strafraum von Volland.

Gegen den Ball ist Volland der deutlich aktivere Spieler. Er setzt den Gegner durchschnittlich 5,59/90 min. unter Druck und gehört damit zu den Stürmern die am aktivsten gegen den Ball arbeiten. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für das System von Peter Bosz. Unter dem Niederländer gehört Bayer zu den Teams in der Bundesliga, welche ihre Gegner am frühesten unter Druck setzen. In der Saison 2019/20 lies Bayer gerade einmal 7,1 gegnerische Pässe (Quelle: Statsbomb) pro eigener Defensivaktion zu was ein Top-Wert in der “Pressing-Liga” Bundesliga bedeutet. Mehr über den Wert “Passes per Defensive Action” (PPDA) erfahrt Ihr hier. An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass Schick keinesfalls ein Spieler ist der sich für Defensiv-Arbeit zu schade ist. Sein Wert in dieser Kategorie ist immer noch überdurchschnittlich gut. Dem Vergleich mit “Arbeitsbiene” Volland kann er jedoch nicht ganz Stand halten.

Schick und Volland suchen ungefähr gleich oft den Abschluss. Der Tscheche ist dabei etwas effizienter im Abschluss und konnte seinen xG Wert für die Saison 2019/2020 leicht übertreffen (10 Tore bei 8,02 xG, Quelle: Understat), während Volland seinen xG leicht unterschritt (10 Tore bei 11,83 xG, Quelle: Understat). Anzumerken ist hierbei das Volland sich öfter fallen lässt und somit häufiger von außerhalb des Strafraums abschließt während sich Schick auf Abschlüsse aus dem Strafraum konzentriert. 

Patrik Schick vs Lucas Alario
Quelle: Footballslices.com Saison 19/20

Lucas Alario konnte sich seit seinem Wechsel im Jahr 2016 keinen Stammplatz erkämpfen. Immer wieder kursieren in den Medien Wechselgerüchte um den 27-jährigen Argentinier. Als Kevin Volland gegen Ende der letzten Saison verletzt ausfiel, verschob Peter Bosz lieber Kai Havertz ins Sturmzentrum, als auf den unter Heiko Herllich verpflichteten Stürmer zu setzen. Stand jetzt steht er Peter Bosz aber auch in der kommenden Spielzeit zur Verfügung.

Dem ehemaligen Rekord-Transfer der Werkself gelangen in der abgelaufenen Spielzeit 7 Treffer (0,59/90 Min.), womit er einen leicht besseren Schnitt als Patrik Schick aufweist. Alario’s Haupteinsatzgebiet ist im Gegensatz zu Volland klar der gegnerische Strafraum. Der Argentinier versteht es sich durch clevere Freilaufbewegungen von den Verteidigern abzusetzen.  4 seiner 7 Treffer erzielte er aus dem Fünfmeterraum.

Schick ist der bessere Kopfballspieler, sowie der deutlich aktivere Spieler gegen den Ball. Alario fällt in dieser Kategorie in der Saison 2019/20 gegenüber anderen Stürmern deutlich ab. Im Gegensatz zu Alario bringt der Tscheche häufiger seine Mitspieler in aussichtsreiche Positionen, wobei es der Argentinier häufiger selbst einmal aus der Distanz probiert. In Sachen Dribbling war Alario vergangene Saison der effizientere Spieler von beiden, jedoch sollte beachtet werden das er deutlich seltener das 1 vs. 1 sucht und sich meistens auf wenige Ballkontakte beschränkt.

Ob und wie oft beide Spieler nächstes Jahr gemeinsam auf dem Platz stehen werden hängt neben einem möglichen Abgang des 7-maligen argentinischen Nationalspielers auch davon ab ob  Bayer noch einen weiteren offensiven Mittelspieler  verpflichtet. Sollte dies nicht der Fall könnte Schick auch im 4-2-3-1 die Position hinter Alario besetzen. Bei Hereingaben von außen könnten sie zusammen den Strafraum besetzen und so für gehörig Unruhe beim Gegner sorgen. 

Fazit

Mit Patrik Schick gelang es Leverkusen einen sehr kompletten Stürmer zu verpflichten. Mit ihm ergeben sich für Leverkusen neue Möglichkeiten im Offensivspiel. Man verfügt nun über einen Spieler der sowohl als Anspielstation für lange Bälle verfügbar ist aber auch seine Mitspieler gekonnt in Szene setzen kann. Zudem besitzt man einen starken Abnehmer für hohe Flanken. Mit 24 Jahren ist auch zu erwarten das Schick seine beste Zeit noch vor sich hat.  Aufgrund seiner technischen Fähigkeiten wäre Patrik Schick auch in der Lage als hängende Spitze hinter beispielsweise einem Lucas Alario zu agieren. Ob Peter Bosz sich für diese Option entscheidet, bleibt jedoch aufgrund des in der vergangenen Saison genutzten Systems fraglich. Zudem ist es abhängig von möglichen weiteren Neuzugängen. Alleine wird es Schick nicht gelingen den offensiven Output von Havertz und Volland zu ersetzen, jedoch bringt er vieles mit um ein wichtiger Baustein der neuen Bayer-Offensive zu werden. 

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