Bayern siegt deutlich zum Saisonauftakt

Am Freitag empfing der amtierende Champions League Sieger Bayern München den FC Schalke 04 zum Eröffnungsspiel der Bundesligasaison 2020/2021. Für die Gäste aus Gelsenkirchen verlief der Besuch in der Allianz Arena nicht sonderlich erfolgreich – am Ende stand eine 8:0 Demontage zu Buche.

Wie die Bayern die Schalker Schwächen nutzten, welche Mittel sie im Spiel mit dem Ball fanden und warum der Sieg am Ende auch in dieser Höhe verdient war, möchte ich im folgenden Text kurz erläutern.

Die Grundordnung

Ein Bild, das Essen enthält.

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Grundformationen der Teams

Schalke Coach David Wagner stellte seine Mannschaft in einer 4-4-2 Formation auf. Insbesondere die beiden Flügelspieler Matondo und Harit positionierten sich im Spiel gegen den Ball sehr eng, um den Bayern den Weg durch den Halbraum (wiederrum auf deren eingerückte Flügelspieler) zu versperren. Auch die beiden Stürmer Uth und Paciencia standen sehr eng zueinander. Ihre Hauptaufgabe war es, den Passweg ins Zentrum zuzustellen, um die Münchner Doppelsechs Goretzka und Kimmich nicht auf diesem Weg ins Spiel kommen zu lassen.  Weiterhin stellte Wagner Sebastian Rudy als rechten Außenverteidiger auf – eine zumindest fragwürdige Wahl. Rudy zeigte sich zwar im Spiel mit dem Ball etwas gefestigter als seine Mitspieler, hatte aber insbesondere gegen Sane und Gnabry extreme athletische Nachteile, die nicht zu kompensieren waren.

Die Bayern spielten im gewohnten 4-2-3-1 etwas überraschend mit Lucas Hernandez an Stelle von Alphonso Davies auf der Linksverteidigerposition. Auf dem Flügel feierte Leroy Sane sein Debüt für den FCB. Direkt nahm er eine wichtige Rolle im Angriffsspiel seiner Mannschaft ein, wechselte innerhalb der Offensivreihe immer wieder die Position und zeigte sich insgesamt sehr agil. Besonders die Tiefenläufe der beiden Flügelspieler Sane und Gnabry stellten die Schalker Hintermannschaft immer wieder vor Probleme. Wie man diese (nicht) verteidigt, schauen wir uns später noch etwas detaillierter an.

Da die Münchner wie immer sehr dominant auftraten und Schalke diesem aggressiven Ansatz wenig (spielerisches) entgegenzusetzen hatte, bestand das Spiel über weite Strecken daraus, dass die Bayern über Ballbesitz und Gegenpressing zu Torchancen kommen wollten. Schalke wirkte selten daran interessiert, am Spiel teilzunehmen. Der gesamte Auftritt der Königsblauen wirkte eher wie Schadensbegrenzung – mit wenig Erfolg.

Ballbesitzspiel der Bayern

Wie bereits angesprochen war Bayern die dominantere Mannschaft. Schalke wirkte nicht daran interessiert, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und so kam der FCB auf knappe 70% Ballbesitz. Das dieser nicht nur Mittel zum Zweck war, sondern äußerst produktiv genutzt wurde, zeigt zum einen der Spielstand als solcher, zum anderen die Bilanz von 21:5 Torschüssen für die Münchner.

Im Laufe des Spiels erarbeiteten sich die Bayern viele verschiedene Wege, um die beiden Viererketten der Schalker zu überspielen. Ich möchte mich in diesem Abschnitt auf drei Wege beschränken, da diese auffällig oft genutzt wurden und diese Ansätze in jedem Bayern-Spiel erkennbar sind. Es wird also deutlich, dass sich der Rekordmeister gar nicht so viele neue Lösungen einfallen ließ (bzw. einfallen lassen musste). Vielmehr spielten sie Ihre schon bestehenden Ansätze nahezu perfekt aus.

Ein erster Ansatz, der auch zu Toren führte, war das situative Bilden einer Dreierkette mit einem der Außenverteidiger. Hier kam den Bayern zugute, dass sowohl Hernandez als auch Pavard Erfahrungen in der Innenverteidigung haben. So war es hauptsächlich der Rechtsverteidiger des FCB, der immer wieder tiefere Positionen einnahm. Aufgrund der folglich breiteren Positionierung der Dreierkette entstandenen bessere vertikale Passwege für die Münchner, die sie auf verschiedene Weisen nutzten.

Bestenfalls wurden Offensivspieler zwischen den Linien im Halbraum gefunden, um von dort das Spiel in das letzte Drittel zu verlagern. Hier war auffällig, dass Bayern bewusst mehrere Spieler im Halbraum positionierte. Wer diese Räume besetzte, war weniger wichtig. So ließ sich auch Robert Lewandowski immer wieder aus der letzten Linie in diesen Raum fallen.

Aufgrund der engen Schalker Grundordnung und dem cleveren Verhalten der beiden Flügelspieler (später mehr dazu) war der Weg durch die Mitte oder eine der Halbspuren oft versperrt. Bayern spielte infolgedessen um die Defensivformation herum.  Hier passten die Sechser aber auch Thomas Müller Ihre Positionierungen sehr gut an. Oft traten sie aus der Mitte heraus aus der Defensivformation, um mit kurzen Pässen die Zwischenstation auf dem Weg zu Gnabry oder Sane zu bilden. Da viele Spieler den Halbraum besetzten, waren sowohl Flügelspieler als auch Außenverteidiger der Schalker gebunden. Dementsprechend konnten die Flügelspieler des Rekordmeisters immer wieder freigespielt werden, um von außen in Dribblings gegen den gegnerischen Außenverteidiger zu gehen. Häufig wurde der Ball dann schnell in die Spitze auf Lewandowski, Müller oder den ballfernen Flügelspieler gespielt. Mit diesen Bällen hatte Schalke große Probleme. Es zeigten sich klare athletische Nachteile, aber auch die Positionierung der Viererkette war oft ungünstig. Schnell rückte diese weit zurück, während die Mittelffeldreihe in höheren Positionen blieb. Starteten dann einzelne Offensivspieler der Bayern in die Schnittstellen, konnten diese entweder sofort angespielt werden oder schufen Raum für die nachrückenden Spieler im Zwischenlinienraum (in der Regel Sechser).

Einfache Besetzung von Flügel und Halbraum, drei Optionen für Boateng

Im Verlauf des Spiels ließ sich dann einer der Sechser zwischen die beiden Innenverteidiger fallen. Es entstand abermals eine Dreierkette, die aber für eine andere Statik in tieferen Zonen sorgte. Der verbliebene Sechser positionierte sich hinter den Schalker Stürmern in einer recht klaren 3-1 Struktur. Damit konnten beide Außenverteidiger hochschieben, die Flügelspieler rückten wiederrum ein. Schalkes Defensivformation wurde wieder in die Breite gezogen, es ergaben sich Zuordnungsprobleme durch die Besetzung der Halbräume und die Bayern konnten Angriff um Angriff initiieren. Auch hier ergaben sich für die Dreierkette der Bayern sehr günstige Passwinkel.

Auffällig bei dieser Variante der Dreierkettenbildung war, wie konsequent die Bayern beide Halbräume besetzen. Der Weg nach vorn sollte klar durch die Spielfeldmitte gesucht werden, es agierten stets zwei Spieler in jedem Halbraum.  

Auch das Spiel über die Flügel wurde recht variabel gestaltet. Diese Zone des Feldes wurde vom Rekordmeister stets nur einfach besetzt – vom Außenverteidiger oder dem Flügelspieler. Hier tauschten die beiden Pärchen oft die Positionen, sodass auch die beiden Außenverteidiger zeitweise relativ offensiv im Zwischenlinienraum agierten und von dort ähnlich wie Sane und Gnabry hinter die letzte Linie gingen.

Der dritte und an diesem Abend wohl spektakulärste Weg waren die langen Bälle hinter die Schalker Viererkette. Immer wieder gingen die Offensivspieler der Bayern durch die Schnittstellen in die Tiefe und wurden dabei entweder selbst bedient oder schufen Raum für die Spieler im Rücken. Besonders Boateng und Kimmich spielten überragende Bälle, die dann auch zu Toren führten. Hier wurde deutlich, wie wichtig schnelle Offensivspieler sind. Auch diagonale Bälle auf die ballferne Seite wurden gern genutzt. So überlud der Rekordmeister eine Seite, um dann das Spiel diagonal meist auf den jeweiligen Außenverteidiger zu verlagern.

Schalkes Spiel gegen den Ball

An dieser Stelle wäre ich gern näher auf Schalkes Ballbesitzspiel eingegangen. Wie schon erwähnt, fanden diese Phasen aber so selten statt, dass ich stattdessen einen kurzen Blick auf die Arbeit der Knappen im Spiel gegen den Ball werfen möchte.

Wie schon erwähnt, formierte Schalke zwei enge Viererketten vor der Doppelspitze aus Uth und Paciencia. Das Spiel sollte bewusst auf die Außenverteidiger der Münchner gelenkt werden, von dort erhoffte man sich wohl Ballgewinne durch das Verschieben des Flügelstürmers inklusive Unterstützung vom Stürmer.

Somit wurden die Aufbauspieler der Bayern eigentlich immer in Ruhe gelassen. Schalke ging sehr selten und wenn, dann nur vereinzelt bzw. unkoordiniert ins Pressing. Stattdessen ließ man den Gegner den Ball sehr ruhig zirkulieren. Diese These wird von 25 PPDA belegt.

Meiner Meinung nach waren zwei Sachen für die Gelsenkirchener problematisch. Zum einen fand der Gegner Mittel und Wege (siehe oben) um diese Herangehensweise mühelos zu umspielen, einen Plan B gab es nicht. Zum anderen schien Schalke jedem Gegenspieler körperlich unterlegen. So konnten die Bayern ganz bewusst Laufduelle mittels Steckpässen oder Diagonalbällen provozieren, die Schalker konnten dieses Tempo nicht mitgehen. Der Fakt, dass sich Schalke nie aufraffen und zumindest auf Abwehrpressing spielen konnte, erschwerte diese Situation noch.

Fazit

Das Ergebnis spricht in diesem Spiel für sich. Die Bayern waren dem Gegner in allen Belangen überlegen und fanden gegen die Herangehensweise von David Wagner viele Wege, um sauber vor das gegnerische Tor zu kommen. Die kurze Analyse zeigt, dass sich der Rekordmeister hier sowohl auf die individuelle Qualität seiner Spieler als auch auf gruppen- bzw. mannschaftstaktische Lösungen verlassen kann. Gegen jeden anderen Gegner der Liga werden die Bayern allerdings andere Wege finden müssen – hier wird der simple (wenn auch überragend gespielte) lange Ball wahrscheinlich nicht ausreichen.

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