Hertha BSC macht es RB Leipzig lange schwer

Am gestrigen Samstagnachmittag traf RB Leipzig in der heimischen Red Bull Arena auf Hertha BSC. Die Berliner arbeiteten sehr konzentriert gegen den Ball und konnten die Leipziger Kombinationsmaschine lange in Zaum halten. Erst ein verwandelter Elfmeter in der 77. Minute lieferte den 2:1-Siegtreffer für Leipzig. Warum tat sich RB Leipzig so schwer gegen den Hauptstadtklub?

Taktische Aufstellung

Die Startaufstellungen

 Unter der Woche waren die Sachsen in der Champions League aktiv, weshalb Julian Nagelsmann seine Startaufstellung auf drei Positionen änderte. Sörloth, Henrichs und Kluviert starteten anstelle von Poulsen, Halstenberg und Olmo. Taktisch sah es gegen den Ball ähnlich aus wie in der Abbildung dargestellt, mit Ball schob Angelino hoch und Nkunku rückte ein, weshalb es in der Offensive eher ein 3-4-1-2 war. 

Auf der Gegenseite schickte Bruno Labbadia in einer Art 4-1-2-1-2 auf das Feld. Im Vergleich zur 0:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart tauschte der Berliner Coach auf zwei Positionen. Alderete und Lukebakio starteten anstelle von Plattenhardt und Leckie.

Anlaufverhalten RB Leipzig

Leipziger Anlaufverhalten

Die Berliner waren in der ersten Halbzeit immer wieder um einen ruhigen flachen Aufbau über die Innenverteidiger bemüht. RB versuchte dies stets durch gezieltes Anlaufen zu verhindern und die Berliner zu langen Bällen zu zwingen. Die Beispielszene aus der 12. Minute zeigt ein geglücktes Anlaufen von RB Leipzig gegen Hertha BSC.

Boyata erhält nach dem Anstoß den Ball und wird von Sörloth angelaufen. Boyata spielt Alderete flach an, welcher sich etwas nach hinten abgesetzt hat. Nun rückt Forsberg vor und läuft Alderete an, wobei er den Passweg zu Boyata schließt. Zeitgleich lässt sich Sörloth hinter die Spitze fallen und orientiert sich zu Niklas Stark. Alderete spielt nun Mittelstädt an, Kluivert läuft ihn an, mit diesem Weg verhindert der Niederländer den Pass ins Zentrum und übt Druck aus. Zusätzlich setzt Forsberg seinen Lauf fort und übt auch Druck auf den Berliner Linksverteidiger aus.

Tousart bietet sich entlang der Außenlinie an, wird aber direkt von Henrichs zugestellt. Im Zentrum verpasst Niklas Stark den Moment sich freizumachen und somit zwingt RB Leipzig Hertha BSC zu einem langen Ball entlang der Außenlinie, welcher dann von Leipzig ins Aus geklärt werden kann.

Hertha BSC konzentriert in der Arbeit gegen den Ball

Hertha BSC macht das Zentrum zu

Gegen den Ball versuchten die Berliner stets das Zentrum zu schließen und in diesem Bereich Leipzig nicht in die Kombinationen zu lassen.

In der Beispielszene versucht RB Leipzig das Spiel über eine Dreierkette aufzubauen, Angelino steht deutlich höher steht und Nkunku rückt ins Zentrum. Wie bereits erwähnt versuchte Hertha BSC in solchen Situationen das Zentrum zu schließen. Hierfür wurden die zentralen Mittelfeldspieler von Leipzig (Kampl, Forsberg, Henrichs, Nkunku) oftmals in Manndeckung genommen. In dem Beispiel erschweren Cunha und Cordoba den Aufbau über die Halbverteidiger. Kampl wird von Stark in Manndeckung genommen, ebenso wie Henrichs von Lukebakio und Forsberg von Tousart. Nkunku wird in diesem Fall frei gelassen, da er in dieser Situation nicht direkt am Spielaufbau beteiligt ist. Daraus resultierend kann Leipzig das Spiel nicht flach aufbauen, daher spielt Upamecano einen Diagonalball auf Angelino.

Grundsätzlich orientierte sich einer der drei Offensivkräfte hinter die anderen beiden. Spielten die Leipziger den Ball allerdings auf den Außenverteidiger so attackierten die Berliner situativ auch mit drei Stürmern auf einer Höhe. Allgemein versuchte die Labbadia-Elf gerade in der ersten Halbzeit hoch zu attackieren.

Leipziger Anfälligkeit bei Kontersituationen

Basierend auf dem konzentrierten Defensivspiel, versuchten die Gäste nach Ballgewinn sehr schnell in die Tiefe zu spielen. Eben jene Vertikalpässe stellten die Leipziger Defensive immer wieder vor Herausforderungen. Auch der Gegentreffer 0:1 resultierte aus einem schnellen Konter der Berliner.

Entstehung des Berliner Treffers

Nach einer Ecke bewegt sich Darida in Richtung Mittellinie auf den Flügel. Nachdem der Ball erobert wurde, kann sich Mittelstädt mit einem Diagonalball auf Darida aus dem Druck der Leipziger befreien. Nach diesem Pass starten Lukebakio und Cordoba sofort in die Tiefe.

Kampl schafft es nicht genügend Druck auf Darida auszuüben, sodass dieser den Ball in die Tiefe auf den startenden Lukebakio spielen kann. Dieser wird von Upamecano verfolgt und auch Kluivert orientiert sich aus dem Zentrum zu Lukebakio. Daraus resultierend steht Cordoba in der Mitte vollkommen frei, Lukebakio legt quer und Cordoba trifft in der 8. Minute zur frühen Führung für Hertha BSC. Nur drei Minuten später glichen die Leipziger nach einer Standardsituation in Person von Upamecano aus.

Es ergaben sich immer wieder ähnliche Umschaltsituationen für die Hertha. Diese wurden dann aber meist von Upamecano weg verteidigt. Fehlte Upamecano in der Konterabsicherung, so wurde es stets gefährlich.

Neuzugang im Blickpunkt: Justin Kluivert

Kluivert wird im Halbraum freigespielt

Gegen Hertha BSC feierte Justin Kluivert sein Startelfdebüt in der Bundesliga für RB Leipzig. In Ansätzen war immer wieder zu erkennen wie wertvoll der junge Niederländer für die Leipziger sein kann.

Besonders auffällig war seine Stärke in. 1 vs 1-Situationen, so hatte Mittelstädt gegen den trickreichen Flügelspieler oftmals das Nachsehen. Logischerweise war Kluivert noch nicht immer optimal in das komplexe Kombinationsspiel der Leipziger eingebunden, dennoch schafften es die Leipziger einige Male Kluivert freizuspielen. So auch in der Beispielszene.

In der Szene spielt Mukiele den Ball ins Zentrum auf Sörloth, welcher den Ball sofort auf Henrichs klatschen lässt (Spiel über den Dritten). Henrichs spielt den Ball in die Tiefe auf Kluivert, welcher klug im Bogen zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger in die Tiefe startet. Den Torabschluss kann Schwolow gerade so parieren. Im weiteren Verlauf des Spiels kam es zu einer ähnlichen Szene, wo Kluivert freigespielt wurde.

Dennoch war es kein makelloser Auftritt des jungen Niederländers. Insbesondere in der Arbeit gegen den Ball wirkte er teilweise sehr passiv, was aber durch Mukiele aufgefangen wurde. Dabei darf man nicht vergessen, dass Kluivert erst dem 05. Oktober bei RB Leipzig unter Vertrag steht. Welche Offensivqualitäten der Flügelspieler besitzt, konnte er in der gestrigen Partie schon präsentieren!

Fazit

RB Leipzig tat sich über weite Strecken der Partie sehr schwer gegen Hertha BSC. Insbesondere in der 1. Halbzeit arbeiteten die Berliner sehr konzentriert gegen den Ball und konnten ein paar gefährliche Konter fahren. Schafften es die Leipziger den kompakten Berliner Defensivblock zu knacken, so scheiterten sie an Schwolow. Nach dem Platzverweis in der 50. Minute gegen Zeefuik boten sich natürlich immer mehr Räume für Leipzig, auch wenn Labbadia zunächst auf ein 4-4-1 und später auf ein 5-3-1 umstellte.

Der Druck stieg merklich an, da Leipzig sehr hoch stand. In der 77. Minute dribbelte Orban dann mutig an und die Berliner ließen ihn bis in den Strafraum gewähren, ehe Cordoba ihn foulte. Sabitzer verwandelte den folgenden Elfmeter und sicherte den Leipzigern den Heimsieg.

Es war zwar nicht das schönste Spiel Leipzigs, allerdings war Berlin in diesem Spiel ein echt guter Gegner. Dennoch muss man am Ende sagen, Leipzig gewann diese Partie verdient.

Kategorie Bundesliga, Spielanalysen

Jonas Schaar (18) trainiert aktuell die U14 des TSV Meine, wo er bereits seit 4 Jahren aktiv ist. Insbesondere interessiert er sich für den Spielaufbau und die individuelle Weiterentwicklung jeder seiner Spieler. Auf Twitter findet ihr Jonas unter @TaktikLiebe.

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