HSV gegen den FC St. Pauli – Kein Sieger im Stadtderby

Am gestrigen Freitagabend traf der Hamburger SV auf den Stadtrivalen FC St. Pauli. Das Spiel endete 2:2, wobei insbesondere am Anfang die Gäste sehr mutig auftraten. Nach und nach kam der HSV besser ins Spiel und übte immer mehr Druck aus. Dennoch schafften es die Braun-Weißen als erste Mannschaft, dem HSV Punkte abzuknüpfen. Diese Analyse fokussiert sich vor allem auf den Spielaufbau beider Mannschaften.

Taktische Aufstellungen

Taktische Aufstellung

Im Vergleich zum 3:1-Heimsieg gegen die Würzburger Kickers veränderte Daniel Thioune auf zwei Positionen. Onana und Vagnoman starteten anstelle von Kittel und Jung. Die Thioune-Elf lief in einem 5-2-3 gegen den Ball auf, mit Ball schoben sowohl Vagnoman als auch Leibold sehr weit hoch.

Nachdem Wood in der 78. Spielminute Vagnoman ersetzte, stellte Thioune auf ein 4-2-3-1, wobei Wood sich oftmals auf die Höhe von Terodde orientierte. Von dort ließ sich der US-Amerikaner allerdings immer wieder fallen.

Auf der Gegenseite ersetzte Benatelli den verletzten Ziereis, weshalb Knoll in die Innenverteidigung rückte und Benatelli neben Becker im defensiven Mittelfeld spielte. Auch Timo Schultz schickte seine Mannschaft mit einer Fünferkette in das Spiel. Hierbei agierten die Paulianer gegen den Ball sowohl im 5-2-3 (Zalazar als Flügelspieler) als auch im 5-3-2 (Salazar im zentralen Mittelfeld).

Schultz veränderte auch im Laufe des Spiels die Position der seinen. Nachdem Daschner und Avevor Dittgen und Salazar ersetzten, lösten die Braun-Weißen die Fünferkette auf und agierten in einem 4-2-3-1.

Andribbelnde Halbverteidiger – Hunt schafft Platz für Gyamerah

Spielaufbau des HSV – Sankt Pauli im 5-2-3

Der HSV baute das Spiel stets über die Dreierkette auf, dabei schoben die beiden Flügelverteidiger stets hoch. Dafür ließen sich Narey und Wintzheimer in die Halbräume fallen, teilweise rückte einer der beiden sogar mit ins Sturmzentrum. Der Spielaufbau des HSV lief vor allem über die rechte Seite, wo Gyamerah oftmals mutig andribbelte. Dies stellte den die Gäste immer wieder vor Probleme.

Diese Szene aus der 18. Spielminute zeigt, wie der HSV bewusst Platz schafft, damit Gyamerah genügend Raum hat anzudribbeln. Hierfür ließ sich Hunt aus dem Zentrum an die rechte Außenlinie fallen. Zunächst reagierten die Gäste nicht auf diese Rotation, da sie vor allem das Zentrum sehr eng hielten.

Ball auf Gyamerah – Sankt Pauli löst das Pressing aus

Der gespielte Ball von Ambrosius auf Gyamerah diente in der Szene den Gästen als Pressingauslöser. Becker orientiert sich zu Hunt, Makienok versucht die Passoption zurück zu Ambrosius zuzustellen und Kyereh übt Druck auf den ballführenden Gyamerah aus. Daraus resultierend entsteht hinter der ersten Pressinglinie allerdings der markierte Raum. Somit muss Gyamerah nur das 1 vs 1 gegen Kyereh gewinnen und kann dann mit Tempo in den Raum andribbeln, welcher zuvor von Aaron Hunt geräumt wurde. So geschah es im Endeffekt aus.

Diese Rotation war immer wieder zu sehen, sodass Gyamerah viel Raum hatte anzudribbeln. Im Allgemeinen versuchten aber sowohl Heyer als auch Gyamerah unabhängig von einer vorausgegangenen Rotation anzudribbeln. Dabei schoben die Flügelverteidiger stets hoch.

Zalazar und Kyereh im Spiel mit Ball

Salazar und Kyereh lassen sich fallen

Auch der FC St. Pauli baute das Spiel über eine Dreierkette auf, wobei die beiden Flügelverteidiger hochschoben. Im Vergleich zum Hamburger SV rückten die Flügelspieler (Kyereh, Zalazar) nicht nur ein, sondern kamen auch regelmäßig in den Halbräumen kurz um das Spiel von dort aus aufzubauen.

Die Beispielszene aus der 9. Spielminute zeigt den FC St. Pauli beim Spielaufbau. Zunächst sollte über Buballa auf der linken Seite aufgebaut werden, weshalb sich Kyereh fallen lässt und so Gyamerah mit aus der Kette gezogen wird. Nachdem Buballa ins Zentrum auf Becker spielt und dieser den Ball auf benatelli weiterleitet lässt sich Zalazar fallen um eine Anspielstation zu schaffen.

Muster wie diese ließen sich im Spielaufbau der Paulianer immer wieder finden. Oftmals stand Buballa etwas höher als Ohlsson. Auch wenn Kyereh über weite Strecken der Partie blass blieb, orientierte er sich immer wieder auf die Höhe der HSV-Innenverteidiger um dann von dort kurz zu kommen und eine Anspielstation zu schaffen.

Gleiches machte Zalazar auf der anderen Seite auch, wobei sich dieser noch deutlich freier bewegte. Der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1 war immer wieder im rechten Halbraum zu finden, bewegte sich dann aber auch immer wieder ins Zentrum hinter Makienok.

Hamburger SV stellt die Gäste früh zu und erzwingt lange Bälle

FC St. Pauli beim Abstoß – HSV Mit Angriffspressing

Der HSV wollte die Gäste von Beginn an nicht ins Spiel kommen lassen und stellte bereits am gegnerischen Strafraum mit Terodde und Narey früh zu.

So auch in der Beispielszene aus der 14. Minute. Die beiden Außenverteidiger von St. Pauli schieben hoch, wobei Dittgen höher steht als Zander. Ohlsson und Knoll bieten sich innerhalb des Strafraums an, Buballa positionierte sich links außerhalb des Strafraums. Himmelmann spielt Knoll an, welcher von Narey ins Zentrum gelenkt wird und so den Querpass auf Ohlsson spielt. Ohlsson dribbelt an und wird von Terodde angelaufen, auch Wintzheimer übt Druck aus. Leibold schiebt Zander zu und Narey macht die Passoption auf die linke Seite zu, so bleibt dem Paulianer nur der lange Ball.

FC St. Pauli in der Anfangsphase mit starkem Angriffspressing

St. Pauli stellt den HSV nach einem Abstoß früh zu

Von Beginn an setzten die Gäste immer wieder auf ein Angriffspressing, so wie auch hier in der 2. Spielminute. Ulreich baut das Spiel über Gyamerah auf und dieser dribbelt etwas nach Außen, da er von Kyereh angelaufen wird. Unmittelbar danach spielt Gyamerah den Ball auf Vagnoman, welcher sofort von Dittgen angelaufen wird.

Onana versucht in Richtung Ball zu verschieben und so eine Anspielstation zu schaffen. Allerdings schiebt Benatelli sofort mit, weshalb ein Pass auf Onana ein großes Risiko darstellt (Rücken zur Spielrichtung, unmittelbarer Gegnerdruck). So bleibt Vagnoman im Endeffekt nur die Möglichkeit den Ball lang entlang der Linie zu spielen, dies versucht er auch, der Ball wird allerdings vom anlaufenden Dittgen geblockt. Diese Szene zeigt ein erfolgreiches Angriffspressing der Gäste.

Zu Szenen wie diese kam es insbesondere in der Anfangsphase immer wieder. Der FC St. Pauli lief hoch an und die Gastgeber schafften keinen Übergang zur Offensive. Aus diesem Grund spielte der HSV in der Anfangsphase gezwungenermaßen viele lange Bälle.

Insbesondere nach der 1:0 Führung durch Terodde zogen sich die Paulianer weiter zurück und erwarteten die Gastgeber erst ab der Mittellinie.

Fazit

Alles in einem geht das 2:2-Unentschieden in Ordnung. Der FC St. Pauli begann stark, wurde dann aber durch die frühe Führung etwas zurück geworfen. Insbesondere in der 1. Halbzeit eine sehr ansehnliche Partie, wobei beide Team bemüht waren die Spielkontrolle an sich zu nehmen. Dabei gingen auch beide Mannschaften ein hohes Tempo. Beide Teams spielten bis zum Strafraum sehr gut, zu vielen guten Torchancen kam es allerdings nicht.

In der 2. Halbzeit war dann das Tempo etwas raus, weshalb es auch dort zu nicht allzu vielen Chancen kam. Erst die Wechsel und die damit verbundenen Umstellungen brachten Dynamik ins Spiel, wobei damit auch etwas Unordnung einherging.

Besonders positiv zu bewerten ist das ständige Andribbeln der Halbverteidiger, was die Gäste immer wieder vor Probleme stellte. Die Gäste traten allgemein sehr mutig auf und weitergehend auch sehr konzentriert gegen den Ball. So konnten sie den Hamburger SV vor Probleme zu stellen und den Gastgebern im Endeffekt auch die ersten Punkte abnehmen.

Kategorie Allgemein

Jonas Schaar (19) trainiert aktuell die U12 des Eimsbütteler TV. Seit knapp fünf Jahren ist er als Jugendtrainer tätig. Insbesondere interessiert er sich für den Spielaufbau, Standardsituationen und die individuelle Weiterentwicklung jeder seiner Spieler. Auf Twitter findet ihr Jonas unter @TaktikLiebe.

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