Enges Duell in Stuttgart – Leipzig siegt auch beim VfB

Am vergangenen Samstag Abend traf der Aufsteiger VfB Stuttgart gegen den diesjährigen Champions League Achtelfinalisten RB Leipzig, in der heimische Mercedes-Benz-Arena. Beide Trainer signalisierten sich vor der Partie einen großen Respekt für die gegenseitige Arbeit und konnten nur Positives übereinander berichten.  Pellegrino Matarazzo, einst Assistenz-Trainer von Julian Nagelsmann bei der TSG Hoffenheim, konnte den Stuttgartern mit einer überaus interessanten Ausrichtung, einen vorzüglichen Start in die Bundesliga Saison 2020/21 gewähren. 

Dennoch war der Gegner um 20:30 Uhr kein geringerer als RasenBallsport Leipzig, die mit einer fantastischen Saison als Favorit in Bad Cannstatt eintrafen. 
In einer taktisch überaus interessanten Partie, konnten sich die Roten Bullen mit einem 0:1 durch Dani Olmo in der 67. Minute als Sieger zurück nach Sachsen begeben.
Beide Mannschaften erlaubten sich gegenseitig nicht all zu viele Großchancen und trotzdem können die Leipziger als verdienter Sieger den 2. Tabellenplatz  genießen. 

Stuttgarts Pressing stellt Leipzigs Positionsspiel ein

Um gegen technisch brillante Mannschaften mit dynamischen Positonswechsel zu bestehen, könnte man durchaus einen Blick auf Atalanta Bergamo oder Leeds United werfen. Der VfB Stuttgart agierte gegen den Ball zum größten Teil in einer puren Manndeckung. Matarazzos Spieler hafteten im Angriffspressing zu Beginn der Partie an ihre Gegenspieler und erlaubten dem Gegner keinen liquiden Spielaufbau. 
Anhand dieser Herangehensweise, gab es zahlreiche aufreibende Phasen in der Spielentwicklung von RB Leipzig, die oftmals bereits im 2/3 des Spielfeldes endete. 

Durch eine transparente Zuordnung im defensiven Verhalten der Gastgeber, wurde der Spielaufbau der Gäste frühzeitig gestört. RB Leipzig staffelte sich in der ersten Aufbaulinie in einer flachen 4er-Kette, bzw. mit der permanenten Einbindung von Torhüter Peter Gulacsi, in einer 5er-Torwartkette, um dem leicht nach innen gelenkten Forechecking der Stuttgarter zu entfliehen. 

Stürmer Sasa Kalajdzic und Nicolas Gonzalez konnten die beiden IV Dayot Upamecano und Willi Orban in einigen Situationen daran hindern, den Ballvortrag auf die flach gestaffelten AV Tyler Adams und Marcel Halstenberg zu spielen. 
Durch ein dynamisches Abkippverhalten von Dani Olmo, Emil Forsberg und Marcel Sabitzer wollte RasenBallsport den geöffneten Raum hinter der vordersten Stuttgarter Pressinglinie besetzten und profitable für einen vertikalen zentralen Balltransport verwenden.

Doch durch ein aufmerksames Antizipieren von potenziellen Anspielstationen, konnten Orel Mangala, Wataru Endo und Pascal Stenzel stets die wiederholenden Muster von Olmo, Forsberg und Sabitzer erfolgreich verteidigen und den geöffneten Raum rechtzeitig unbrauchbar machen. 

Dank dem nach innen gelenktem Pressing, konnten die Schwachstellen der Stuttgarter der letzten Pressinglinie nicht als nützlich erwiesen werden. Denn sowohl Amadou Haidara, als auch Angelino konnten anhand von Flugbällen nicht in den Außenspuren bedient werden, trotz zahlreichen Überzahlmomenten, durch die hohe Frequenz an mannorientierten Deckungsweisen des VfB Stuttgart. 

Doch mit der Zeit, konnte eben jener Raum, hinter der vordersten Pressinglinie beansprucht werden. Durch die ständige Übergabe und Übernahme der Gegenspieler in der Stuttgarter Manndeckung und der damit verbundenen fluktuierenden Zuordnung, konnten die Spieler von Julian Nagelsmann diese kurzfristigen Unsicherheiten im Pressingverhalten der Gastgeber ausnutzen, in dem der Slowene Kevin Kampl nach Zuspiel auf Upamecano, zügig eine vertikale Anspielstation anbot und dadurch Manndecker Kalajdzic gebunden hat. 

Dieses Verhalten sorgte nach Zuspiel auf den dynamisch abkippenden Olmo, für eine kontrolliertere Ballannahme, da eine effektive Rückwärtsbewegung aus Sicht des VfB Stuttgart nicht möglich war. Der ballnächste Gegenspieler wäre Kalajdzic gewesen, doch dank Kampls Positionswechsel, befand sich Kalajdzic nach Annahme von Olmo, immer wieder im ballfernen Halbraum. 

Befand sich der VfB Stuttgart im manndeckenden Mittelfeldpressing, überlud RB Leipzig die ballferne Außenspur da das Zentrum bis dato vom Gegner kontrolliert wurde. 

Somit bewegten sich Olmo und Kampl situativ in die ballferne Außenspur um mit den breit gestaffelten Adams und Haidara, nach Zuspiel dahin, in ballnähe Überzahl zu kreieren und durch die Außenspur das letzte Drittel zu penetrieren. 

Doch durch die überaus disziplinierte und aggressive Manndeckung wurden sowohl Kalajdzic als auch Mangala durch Kampl und Olmo gebunden und aus dem Zentrum gezogen, was durch ein vertikales Abkippen von Emil Forsberg auch zu produzierten vertikalen Passkanälen in Richtung Forsberg führte. 
Angelino, der an diesem Abend in nahezu jeder Zone präsent war, entwickelte durch Provokationsläufe in den Rücken des auf Sabitzer fokussierten Stenzels, eine hohe Wachsamkeit von IV Waldemar Anton.Doch die wenigen lange Bällen in Richtung Angelino, waren nicht von Erfolg gekrönt. 

Julian Nagelsmann beorderte Halstenberg höher, in den linken Halbraum, um dezenter Dreiecksbildungen zu erschaffen und dadurch mit dem Spiel über den Dritten, leichter geradliniger die Pressinglinien zu überspielen. Leipzig überlud damit das Zentrum und die Halbspuren, was zu weiteren Zuordnungsproblemen der mannorientierten Verteidigung des VfB Stuttgarts führte. 

Denn nun wurde Silas Wamangituka mit jeweils 2 Gegenspieler konfrontiert, was Angelino dazu bewegte situative diagonale Anspielmöglichkeiten für Upamecano herzustellen, um aus einem neuen Winkel anzugreifen. 

Der VfB probierte und probierte….

RasenBallsport Leipzig agierte gegen den Ball in einem flexiblem 4-2-4 und veränderte die Grundordnung situationsbedingt in ein 4-2-3-1. Der gegnerische Spielaufbau wurde nahezu über das komplette Spiel ab dem 3/3 des Spielfeldes attackiert. 
Doch auch Nagelsmann, war wie sein Kontrahent Matarazzo einfallsreich in dieser Spielphase.

Leipzig spielte auch in diesem Pflichtspiel über weite Strecken mit keinem klassischen Stürmer und so fungierten Forsberg und Olmo gegen den Ball als erste Balljäger, während Angelino und Haidara die breiteren Positionen besetzten. 
Als Pressingauslöser galt das erste Zuspiel von einem IV auf den anderen. Dieser Auslöser brachte Forsberg, unabhängig vom ballführenden gegenerischen IV, dazu angriffslustig rauszurücken, gegebenfalls auch weiträumig, um den Ballvortrag zügig nach außen zu steuern. 

Wurde Kempf der ballführende IV, konnte Forsberg durch weiträumiges herausrücken in die linke Außenspur, eine 3 gegen 2 (Forsberg + Olmo + Haidara gegen Kempf + Sosa) Überzahlsituation herstellen, was zu zahlreichen Ballgewinnen und Umschaltmomenten führte. 

Endo und Mangala versuchten durch permanente Positionswechsel die Leiziger halb Mann- halb Raumdeckung vor Schwierigkeiten zu stellen, was durch schnelle Schließungen von freien Räumen seitens Haidara und Angelino nicht überwiegend gelang. 

Durch das Verschieben und exzellente rausrücken der beiden 6er Sabitzer und Kampl, wurde der Spielverlauf der Gastgeber nach erfolgreichem Aufdrehen von Endo oder Mangala schnellstmöglich eliminiert. 

Der VfB verlagerte seinen Ballvortrag nach einer gewissen Zeit, ebenfalls primär im 1/3 des Spielfeldes auf die Außen. 
Anton positionierte sich zentraler, was durch ein situatives abkippen von Stenzel und einer horizontalen Positionierung von Kempf, zu einer pendelnden 3er-Kette leitete. Nun wurden die Pressingwege für Forsberg verlängert. 

Durch die zentrale Staffelung von Endo, wurde Angelino in regelmäßigen Abständen zu weit im Zentrum gebunden, was eine Raummaximierung für AV Stenzel bewirkte. 
Durch die Staffelungen von Silas und Castro, wurden Halstenberg und Sabitzer gebunden und ein weiräumiges rausrücken ihrerseits wurde blockiert. 
Doch die Weiterführung in die oberen Dritteln erfolgten nach erfolgreichem Zuspiel auf Stenzel eher nüchtern. Und so tat sich der Gastgeber bis dato weiterhin schwer im Angriffsspiel Akzente zu setzen. 

Staffelten sich die Gäste in einem statischen 4-2-3-1 in der Balleroberung, gelang es dem VfB die 1. + 2. Pressinglinie, von der 3. und 4. abzukapseln, was durch dynamisches Abkippverhalten, meist von ST Kalajdzic, für überaus vielversprechenden Raumgewinnen sorgte.

Durch Mangalas und Endos „schwimmen“ zwischen den 1. (Forsberg) und 2. (Angelino, Olmo, Haidara) Pressinglinien, wurden beide Linien eng gebunden. Ein identisches Verfahren wurde von Silas, Castro, Kalajdzic und Gonzalez im 2/3 des Spielfeldes praktiziert. 

Dies sorgte für einen großen freien, jedoch meist kurzfristigen Raum mitten im Herz der Leipziger Grundordnung. 

Nach einigen kläglichen Proben das Leipziger Pressing zu überspielen, war diese Methode die Aussichtsreichste, die in den letzten 20 Minuten den VfB Stuttgart gefährlich werden ließ. 

Fazit

Eine taktisch hoch interessante Partie ging mit einem knappen Ergebnis für die Gäste zu Ende. Nichts desto trotz, hat der VfB Stuttgart auch in diesem Spiel wieder einmal gezeigt, dass ein einstelliger Tabellenplatz mit dem jüngsten Kader der Bundesliga am Ende der Saison, fraglos möglich ist. 

RB Leipzig hingegen musste das Spiel ohne Christopher Nkunku, Justin Kluivert, Konrad Laimer, Nordi Mukiele und Ibrahima Konate bestreiten. Und trotzdem war die Leistung mehr als solide.

Wir dürfen über den Saison-Verlauf beider Mannschaft gespannt sein. 

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