Wolfsburg und die Champions League? Mit langen Bällen und hoher Intensität im Pressing in die Königsklasse

Der Vfl Wolfsburg mit Cheftrainer Oliver Glasner ist zurzeit neben Eintracht Frankfurt und Union Berlin eines der Überraschungsteams der bisherigen Bundesligasaison. Nach einem eher mäßigen Start mit vier Unentschieden kamen die Wölfe ins Rollen und blieben bis zum 12. Spieltag gegen den FC Bayern München ungeschlagen. Zwar verloren sie zwei Spieltage später gegen Borussia Dortmund, ließen aber in den darauffolgenden sechs Runden nur vier Punkte liegen. Nun stehen die Wölfe vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach auf den 3. Tabellenplatz und spielen plötzlich um die Champions League-Plätze. Was macht jedoch die Mannschaft von Glasner so erfolgreich?

In den letzten Spieltagen kristallisierte sich eine klare Startelf bei den Wolfsburgern heraus. Zu Beginn der Saison gab es noch einige Experimente mit Spielern und Formationen, jedoch setzte sich nun der österreichische Trainer auf eine 4-2-3-1-/4-4-2- Formation fest.

Abbildung 1: meisteingesetzte Startaufstellung von Wolfsburg in den letzten 6 Partien

Der Spielaufbau der Wolfsburger

Wer Oliver Glasner bereits beim LASK verfolgt hat, weiß, dass seine Mannschaften nicht für schönes Passspiel oder dominierenden Ballbesitz bekannt waren. Hier eine alte Analyse von mir vom LASK unter Glasner. (Glasner-Reloaded bei LASK vs Altach [Spiel-Analyse]) Auch bei Wolfsburg bleibt er seine Linie treu. Das heißt, dass der Fokus vor allem auf dem Flügelspiel und hohen Bällen gelegt wurde.

Die Wölfe agierten in einem 4-2-3-1, wobei sich Maximilian Arnold oder auch Xaver Schlager mehrmals zwischen den beiden Innenverteidigern fallen ließ beziehungsweise sie auch neben den Abwehrspielern abkippten. Vor allem Arnold hatte diese Rolle als abkippender Sechser. Da der Mittelfeldspieler Linksfuß ist, bewegte er sich meistens neben John Brooks. Schlager besetzte daraufhin den Sechserraum, sodass die 1. Aufbaulinie auch noch Anspielstationen auf der 1. Ebene hatte. Das Abkippen von Arnold ermöglichte den Außenverteidigern auch, dass sie auf den Flügel hoch schieben konnten und als Wingbacks agierten. Die beiden Außenmittelfeldpositionen, die hauptsächlich von Renato Steffen und Ridle Baku besetzt wurden, befanden sich oft in den Halbraum und versuchten sich zwischen dem Mittelfeld und der Abwehr zu bewegen.

Auch Yannick Gerhardt war oft im Zwischenlinienraum aufzufinden, jedoch bewegte er sich zeitweise – wie  Steffen –  auf die Achterposition. Die Bewegungen von den beiden Mittefeldspielern war wichtig, um den aufbauenden Abwehrspielern auch auf zweiter Ebene eine Anspielstation zu geben. Somit gab es klare Räume, die besetzt werden mussten. Durch diese Positionierungen der Mittefeldspieler ergab sich bei Wolfsburg ab und zu eine Art Raute im Mittelfeld. Das dient nicht nur dazu, dass die 1. Aufbaulinie Anspielstationen hat, sondern auch bei einem möglichen Ballverlust mehr Spieler in Ballnähe wären. Das bedeutet, dass sie nach einem Ballverlust gleich in das Gegenpressing umschalten können. Zudem musste auch die gegnerische erste Pressinglinie Spieler zustellen. So ergab sich oft 3-1-4-2 oder ein 3-4-3, was Glasner auch beim LASK in Österreich spielen ließ.

Besonders bei Gegnern, die die Wölfe hoch mit zwei Stürmern anpressten, ließ sich Arnold öfters fallen, um gegen die 1. Aufbaulinie eine Überzahl zu schaffen. Mit dieser Überzahl und einer breiten Dreierkette hatten die ballführenden Innenverteidiger mehr Platz und konnten kontrollierter den Ball nach vorne Spielen. Wie zum Beispiel im Spiel gegen RB Leipzig. In den Anfangsminuten hatten sie große Probleme das Spielaufzubauen, jedoch kippte nach circa 25 Minuten Arnold öfters ab und der Spielaufbau gelang den Wölfen – aufgrund der Überzahl in der ersten Aufbaulinie – besser.

Allerdings baute Wolfsburg nicht immer in einer Dreierkette auf. Sie hatten oft auch eine 2-3/4 Staffelung im Spielaufbau. Das heißt, dass die Außenspieler auf die Höhe von Arnold rückten und Schlager sich zwischen Sechser- und Achterposition bewegte. Vor allem bei Mannschaften, die stark auf eine Seite verschoben, blieb Arnold auf der Sechs. Beispielsweise beim 2:0 Sieg gegen Augsburg bewegte er sich oft im ballfernen Raum, um bei einer schnellen flachen Seitenverlagerung über die Innenverteidiger den Ball zu bekommen und einen Angriff einzuleiten beziehungsweise Raum im Aufbau zu gewinnen.

Beispielsweise hatte Wolfsburg den Ball im Spielaufbau und Otavio wurde angespielt. Da Augsburg sehr ballnah verschob, ergab sich im ballfernen Halbraum Platz für Arnold. Der Mittelfeldspieler wurde von Brooks angespielt und die erste Pressinglinie wurde durch den Pass vom Innenverteidiger überspielt. Somit konnte Arnold auf den linken Mittelfeldspieler Andre Hahn zudribbeln. Nun musste sich der Augsburger entscheiden, ob er auf Arnold draufgeht oder den Passweg zu Mbabu auf den rechten Flügel zu macht, aber möglicherweise ein Dribbling für Arnold ermöglicht. Da sich Hahn für keines der beiden Optionen wirklich entschieden hatte, konnte Arnold den Ball auf Mbabu spielen. Der Außenverteidiger konnte in der Anschlussaktion mehrere Meter Raum im Spielaufbau gewinnen.

 Auch bei Mannschaften, wie der SC Freiburg, die in einem 5-2-3 attackierten, oder der 1. FSV Mainz 05, der ein einem 5-3-2 presste, bauten die Wölfe eher in einer 2-4 Staffelung auf. Zwar hatten sie dadurch Gleichzahl oder Unterzahl in der 1. Aufbaulinie, jedoch konnten Schlager und Arnold die drei beziehungsweise zwei Mittelfeldspieler des Gegners im Zentrum binden. Der Außenverteidiger hatte somit mehr Platz, da der Weg vom äußeren Mittelfeldspieler oft zu weit war, um herauszuattackieren. Auch der Wingback des Gegners tat sich schwer den Außenverteidiger von Wolfsburg zu attackieren, da sich Steffen oder Baku immer wieder zwischen Innenverteidiger und Wingback im Halbraum anbot.

Bei solchen Positionierungen haben auch die Außenspieler wichtige Rollen, da sie oft die einzigen sind, die dem Spiel breite geben. Zu sehen war auch, dass die beiden Flügelspieler im Ballbesitz der 1. Aufbaulinie noch sehr tief im eigenen Aufbau agierten. Somit wurden die beiden auch sehr oft von den Innenverteidiger angespielt. Bekamen sie den Ball, versuchten sie oft mit dem ersten Kontakt tempo aufzunehmen und beim Gegner vorbei zugehen.

Allerdings wurde der Ball oft zunächst eine Seite gespielt, um den Gegner weit auf einen Flügel zu locken. Damit entstand auf der anderen Seite möglichst viel Platz . Dabei nehmen sie jede Station mit. Das heißt, dass Außenverteidiger zu Innenverteidiger spielt und dieser dann wieder zum Innenverteidiger und so weiter. (Anspielstationen wurden selten übersprungen)

Oder, wenn der Gegner sehr stark auf eine Seite verschob, wurde Arnold angespielt, der oft blind einen diagonalen Seitenwechsel machte. Sie ließen sich viel Zeit und nahmen erst tempo im Spielaufbau auf, wenn das Mittelfeld überbrückt wurde. Das waren auch bei diversen Passmaps zu sehen, dass verstärkt Pässe in der 1. Aufbaulinie geschehen und sich auch eine gewisse U-Form im Spielaufbau bildet. Diese Passmaps zeigen sehr gut, dass innerhalb der Viererkette jede Menge Pässe gespielt wurden.

Jedoch gab es für den Außenverteidiger mehrere Optionen anstatt nur in eine 1 gegen 1 Situation zu gehen oder den Ball zurück zu spielen. Bemerkenswert ist, dass der Flügel im letzten Drittel oft unbesetzt blieb. Jedoch hat dies auch einen guten Grund. Bekam der Außenverteidiger den Ball und konnte nicht sofort nach vorne Dribbeln oder musste in eine 1 gegen 1 Situation, werden Tiefenläufe von zentralen Mittelfeldspielern gemacht. Vor allem aus dem Zehnerraum starteten die Offensivspieler Läufe in die Tiefe. Das bedeutet, bekam beispielsweise Paulo Otavio den Ball auf der linken Seite, so lief Steffen aus dem Zehnerraum auf den Flügel in die Tiefe. Daraufhin kam der Chipball über die Abwehr. Auch Gerhardt oder Schlager praktizierten diese Läufe. Vor allem im Spiel gegen Union Berlin tauchte der Österreicher öfters am rechten Flügel auf.

Diese Bewegungsabläufe waren vor allem bei Gegnern mit einer Fünferkette sehr gut zu sehen und auch sehr effektiv, um in das letzte Drittel zu kommen. Musste nämlich der gegnerische Wingback Otavio attackieren, kam es kurz zu einem freien Raum zwischen Wingback und Innenverteidiger, da die Fünferkette auch erst nachschieben musste. Dieser freie Raum wurde dann mit einem hohen Ball bespielt. Auch das Timing von diesen Tiefenläufen verbesserte sich von Spiel zu Spiel. Auch erwähnenswert war, dass Wolfsburg die ballnahe Seite mit mehreren Spielern überladen hat. Dadurch boten sich für den Außenspieler mehr Anspielstationen. Das heißt, dass bei der vorherigen beschriebenen Situation nicht nur Steffen einen Lauf den linken Flügel machte, sondern Gerhardt sich noch im Zwischenlinienraum anbot und auch Schlager als kurze Passoption näher kam. Somit gab einerseits für den Ballführenden mehrere Möglichkeiten, andererseits konnte Wolfsburg bei einem möglichen Ballverlust sofort in das Gegenpressing umschalten.

Abbildung 2: Seitenüberladung auf links im vorderen Drittel

Auch gegen Freiburg gab es eine ähnlich Szene.

Abbildung 3: Seitenüberladung auf links im vorderen Drittel

Otavio wird von Casteels angespielt und auch gleich von zwei Spielern unter Druck gesetzt. Der Außenverteidiger konnte den Ball jedoch zu Schlager bringen, der aus dem Zentrum weit auf den Flügel gerückt war. Mit dem zweiten Kontakt konnte der Österreicher Steffen mit einem vertikalen Pass anspielen. Währenddessen bewegte sich Otavio wieder nach vorne und wurde mit dem ersten Kontakt von Steffen gefunden. Gerhardt sah den Raum hinter dem Wingback und dem rechten Innenverteidiger. So sprintete er, während Steffen den Ball auf Otavio prallen ließ, auf den Flügel und in die Tiefe. In der Anschlussaktion konnte Gerhardt noch einen Querpass auf Weghorst spielen, der sich klug in der Strafraum bewegte. Diese Szene gegen Freiburg zeigte, wie gut die Wolfsburger eine Seite überladen konnten und den Raum hinter dem Wingback und dem äußeren Innenverteidiger ausnützen konnten.

Allerdings haben diese herausgespielte Situationen auch oft einige Probleme gehabt. Ist der Chipball entlang vom Flügel keine gute Option gewesen, wurde kaum der flache diagonale Ball in die Mitte gesucht. Das heißt, dass zwar der Zehnerraum durch den Tiefenlauf frei und auch besetzt wurde. Jedoch wurde er vom Außenverteidiger nie bespielt, obwohl oft dieser Pass die bessere Option gewesen wäre. Kam es dann zu einem Chipball, der nicht die optimale Entscheidung war, so musste der Offensivspieler den Ball oft mit dem Rücken zum gegnerischen Tor mitnehmen. Dadurch hatte er Probleme in der Anschlussaktion den Ball zu einem Mitspieler zu bringen.

Konnten die Wölfe allerdings nicht über den Flügel spielen, wählten sie sehr oft den hohen Ball von der 1. Aufbaulinie. Hauptsächlich von Brooks oder Lacroix wurde Weghorst mit hohen Bällen bespielt. Der Stürmer hat nicht nur durch seine Größe einen Vorteil in Luftduelle, sondern hat auch ein gutes Timing in Kopfballduellen. Somit konnte er immer wieder die Bälle für seine Mitspieler Steffen und Baku mit dem Kopf in die Tiefe weiterleiten. Allerdings konnte er auch die hohen Bälle gut mitnehmen und für seine nachrückenden Spieler ablegen. Die Mischung zwischen hohen Bällen und dem flügellastigen Aufbauspiel brachte bei vielen Spielern in Wolfsburg ihre Qualitäten hervor und zeigten auch in vielen Partien sehr gute Leistungen.

Das Pressing der Wölfe

Die Wolfsburger agierten in der Defensive hauptsächlich in einem 4-4-2 beziehungsweise einem 4-2-3-1/4-4-1-1. Zunächst übten sie ein Mittelfeldpressing aus, welches jedoch oft mit höherem Anlaufen verbunden war. Einen klaren Pressingtrigger gab es bei den Wölfen nicht. Jedoch war oft zu sehen, wenn der direkte Gegenspieler von Wout Weghorst den Ball bekam, wurde der Ballführende vom Stürmer angelaufen und der Rest der Mannschaft schob nach.

Spielten die Gegner im Aufbau mit einer Viererkette gab es eindeutige Zuteilungen im Pressing. Die beiden Stürmer attackieren die Innenverteidiger und die beiden Außenspieler die Außenverteidiger. Bei den Zentralen Mittelfeldspieler wurde auch oft direkte Manndeckung ausgeübt.

Baute der Gegner, wie zum Beispiel RB Leipzig, in einer Dreierkette auf, liefen die Wölfe die erste Aufbaulinie in einer anderen Variante an. Gegen Leipzig standen die Wolfsburg in einem sehr engen und kompakten 4-4-2. Sie versuchten den Spielaufbau vor allem auf linken Innenverteidiger Marcel Halstenberg zu leiten. Das heißt, dass die beiden Stürmer den Spielaufbau durch geschicktes anlaufen auf ihre rechte Seite leiteten. Damit konnte Baku dynamisch den Abwehrspieler attackieren. Zum einen hat Baku eine hohe Dynamik und konnte trotz weiten Weges den Gegenspieler immer unter Druck setzen. Des Weiteren hatte Halstenberg oft Probleme in Drucksituationen, da er einige Male nicht die richtige Körperposition zum Spiel hatte.

Beim Anlaufen versuchte Baku vor allem den Halbraum zuzustellen, da die Innenverteidiger von Leipzig immer wieder vertikale Pässe entlang des Halbraums zu Dani Olmo oder Emil Forsberg versuchten. Die einzige Option für Halstenberg – neben einem Rückpass – blieb dann Angelino. Der Pass wurde jedoch von Mbabu mehrmals antizipiert und es kam mehrmals in einen Zweikampf zwischen den beiden Außenspielern.

Abbildung 4: Pressing von Wolfsburg

Im Pressing bildete sich das 4-2-3-1 vor allem bei Situationen in denen Weghorst sehr weit vorne anlief. Beispielweise gegen Leipzig lief der Stürmer Peter Gulasci einige Male an und seine Teamkollegen attackierten die Abwehrspieler mannorientiert, sodass sich das Dreiermittelfeld bildete. Aber auch gegen Mannschaften mit einer Viererkette bildetet sich oft ein 4-2-3-1. Weghorst lief dabei den Ballführenden Innenverteidiger und lenkte auch den Spielaufbau auf eine Seite. Dabei nahm Gerhardt, wie zum Beispiel im Spiel gegen Leverkusen, den Gegnerischen Sechser in Manndeckung.

Hohe Intensität im Gegenpressing und im Kontern

Nun wird das Thema angeschnitten, welches eine Glasner-Mannschaft sehr gut beschreibt und auch ausmacht. Bereits beim LASK war das Gegenpressing und das schnelle Umschalten nach Ballgewinn ein sehr großer Punkt beim Österreicher.

Wurde der Ball verloren, schaltet Wolfsburg direkt ins Gegenpressing um. Dabei wurde der Ballführende gleich von zwei Spielern attackiert. Besonders erkennbar war, dass wenn der Gegenspieler mit dem Rücken zum Tor der Wolfsburger stand, aggressiver und intensiver von hinten angegangen wurde. In solchen Situationen wurden auch Risiken eingenommen, da Spieler oft einen langen Weg machten, um den Gegner zu attackieren. Kurze Passoptionen für den Gegenspieler wurden sehr schnell zugestellt, um so die Möglichkeit einen Konter des Gegners zu verringern.

Auch im Konter hatten sie Prinzipien, die immer wieder zum Einsatz kamen. Sie versuchen in Umschaltsituationen so schnell wie möglich zum Abschluss zu kommen. Hier spielte auch Weghorst eine wichtige Rolle. Kam es zu einem Ballgewinn, so bewegte sich der Stürmer sofort auf die ballferne Seite und in den Rücken des letzten Gegners in der Abwehrreihe. Somit befand sich Weghorst im Rücken des Gegenspielers und machte es den Verteidiger schwer ihm im Auge zu behalten.

Entweder wurde Weghorst im Konter dann angespielt oder einer der beiden Flügelspieler konnte nach einem Dribbling am Flügel einen Querpass zum Stürmer spielen. Bestand die Möglichkeit zu einem Querpass, so hat der Stürmer einen klaren Vorteil, da er sich im Rücken des Verteidigers bewegte. Der Gegner konnte ihn kaum sehen und im letzten Moment kann sich der Stürmer lösen, um den Querpass zu erhalten. Bekam er allerdings den Ball im Konter schon vor dem Sechzehner, so es kam öfters zu 1 gegen 1 Situation mit Verteidigern. Diese löste er nicht immer erfolgreich, da er oft abdrehte oder versuchte irgendwie zum Abschluss zu kommen.

Das perfekte Beispiel für seine klugen Bewegungen ohne Ball war sein letztes Tor gegen Augsburgs. Nach einem Konter kam er in eine 1 gegen 1 Situation mit dem Tormann und konnte den Schlussmann der Gastgeber überlupfen.

Abbildung 5: Der Konter vor dem Tor von Weghorst gegen Augsburg

Am eigenen Sechzehner eroberte Wolfsburg den Ball und schaltete sofort um. Der Ball wurde vom Strafraum zu Steffen gechippt, der bei der Mittellinie den Ball mitnehmen konnte. Daraufhin brachte er den Ball zu Gerhardt, der sich vom gegnerischen Mittelfeldspieler lösen konnte. Währenddessen bewegte sich Weghorst schon hinter Felix Uduokhai. Gerhardt dribbelte mit dem Ball auf die Abwehr zu und es bildete sich eine 2 gegen 2 Situation. Der Innenverteidiger machte vor allem die Innenbahn zu, jedoch stand Weghorst so weit draußen, dass er dennoch den Ball bekommen hat und mit dem ersten Kontakt zum Abschluss kommen konnte. Zudem musste sich der Abwehrspieler nach dem tiefen Pass umdrehen und konnte somit den Stürmer nicht mehr einholen. Der Pass von Gerhardt war zudem perfekt auf den Stürmer, sodass er mit dem rechten Fuß den Ball mit nehmen konnte und mit der optimalen Schrittabfolge den Ball über den Tormann lupfen konnte.

Die Probleme – Welche Fehler machen die Wolfsburger?

Vor allem im Pressing könnten sich die Wolfsburger noch ein wenig verbessern. Beim Anlaufen gab es oft Probleme, die der Gegner daraufhin sehr gut ausnützte und das Pressing einfach überspielte. Besonders Weghorst sollte sein Anlaufverhalten optimieren, da er oft Gegner nicht in den Deckungsschatten nahm. Eine der großen Vorteile vom niederländischen Stürmer ist, dass er sehr viel rannte und dies zeigte er aber auch beinahe in jedem Spiel. Allerdings waren viele seiner Läufe nicht situationsgerecht. Oft wäre es optimaler, wenn er beim Anlaufen sich mehr umschaut. Dadurch könnte er sehen, wo er Gegner in seinen Rücken stellen, wo seine Mitspieler standen und wie er anlaufen müsste

Auch erkennbar war, wenn der Gegner den Ball auf den Flügel spielte, schob der zweite Spieler nur selten hinter dem Stürmer hinein, um den Sechser zuzustellen. Beispielweise hatte der rechte Innenverteidiger den Ball und wurde von Weghorst attackiert. Daraufhin spielte der Abwehrspieler den Ball auf den Flügel und der Stürmer stand beim Innenverteidiger. Nun müsste, in dem Fall Gerhardt hinter Weghorst schieben, um den gegnerischen Sechser zuzustellen. Damit könnten die Gegenspieler das Pressing nicht so einfach überspielen . Allerdings war oft das Probleme, dass weder Gerhardt noch Weghorst den Weg zum Sechser machten oder die Bewegung zu spät war und der Sechser komplett frei im Zentrum stand.

Des Weiteren war es für Gegner sehr leicht erkennbar, wenn die erste Aufbaulinie auf den Außenverteidiger spielen wollte. Viele Flügelspieler konnten mehrmals die Pässe vom Innenverteidiger auf den Außenspieler antizipieren. Das sorgte oft für unsaubere Pässe oder auch Ballverluste. Zudem trafen die äußeren Abwehrspieler nicht immer die richtigen Entscheidungen in solchen Drucksituationen, die somit oft zu offensiven Umschaltsituationen des Gegners führten.

Auch zu erwähnen wäre, dass die Innenverteidiger im Spielaufbau kaum Andribbeln und somit eine wichtige Komponente im Aufbau herausnehmen. Mehrmals in den vergangenen Spielen hatten die Innenverteidiger Platz zum andribbeln. Allerdings spielten sie den Ball früh ab oder dribbelten ohne Tempo nach vorne. Würden die Abwehrspieler andribbeln, so könnten sie ihre hohen Bälle möglichweise auch hinter die gegnerische Abwehr spielen. Ein weitere Vorteil beim Andribbeln wäre, dass der Innenverteidiger möglicherweise attackiert wird und es öffnet sich Raum für eine kurze Anspielstation.

Fazit

Der Vfl Wolfsburg ist eine aggressive und intensivpressende Mannschaft, die auch mit dem Ball einige gute Lösungsansätze hat. Man merkt zudem sofort, dass dies ein Team von Oliver Glasner ist. Nicht nur durch die hohen Bällen und das defensive Umschaltverhalten, sondern auch durch die fertiggespielten Konter und wie einzelne Spiele wie Weghorst, Schlager und Arnold in Szene gebracht werden. Zum Vergleich hier auch eine Analyse von 2019: Spielanalyse RB Leipzig – VfL Wolfsburg

Wolfsburg ist zurzeit auf dem Champions League Plätzen und hat sogar noch drei Punkte Vorsprung auf den fünften Platz. Nach dem Gladbach-Spiel haben sie bis zur 28. Runde keinen direkten Konkurrenten um einen Champions League Platz. Das heißt, dass es sich vor allem bei den Duellen gegen Frankfurt, Dortmund und Leipzig gegen Ende der Saison herausstellen wird, ob Wolfsburg sich einen Platz in der Königsklasse verdient hat.

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