Eintracht Frankfurt: spielintelligente Profis, „disguised“ Passes und der zweite Bayern-Verfolger

„Aktuell sind wir eine Spitzenmannschaft“ sagte Adi Hütter nach dem 3:1 Sieg gegen Hertha BSC (Das gesamte Interview hier). Vor dem Bayern-Spiel rangiert Eintracht Frankfurt auf dem dritten Tabellenplatz und hat zudem drei Punkte Vorsprung auf den fünften. Die Eintracht verlor zwar erst zwei Mal, hatte jedoch wie Wolfsburg viele Unentschieden und konnten erst ab der 13. Runde mehrere Siege einfahren. Was macht jedoch die Mannschaft vom österreichischen Trainer zu einem Kandidaten der Champions League-Plätze?

In der laufenden Saison spielte Eintracht Frankfurt hauptsächlich mit einer 3-4-2-1-Formation, wobei sich diese situativ immer wieder veränderte. Vor allem im Spielaufbau kam es öfters zu Variationen, in denen sich im Ballbesitz eine 2-4 Staffelung in den ersten Aufbaulinien bildete oder sich auch durch das Abkippen von einem Sechser die Dreierkette veränderte. Auch im Zentrum gab es immer wieder Positionsrochaden, Tiefenläufe von den Sechser oder ein Fallenlassen vom Zehner in den Sechserraum oder auf den Flügel.

Abbildung 1: Meist eingesetzte Startelf der Eintracht

Frankfurter Spielintelligenz und vertikales Ballbesitzspie

Im Ballbesitz agierte Eintracht Frankfurt aus einer 3-4-2-1-Formation heraus. Das heißt, dass sie im Spielaufbau die erste Aufbaulinie sehr oft variierten, sodass sie nicht immer mit einer Dreierkette und davor einem Vierermittelfeld davor aufbauten, sondern auch oft in einer 2-4 oder auch teilweise in einer 3-3 Staffelung. In der 2-4 Staffelung waren hauptsächlich Martin Hinteregger und Tuta die aufbauenden Innenverteidiger. Evan N`Dicka rückte auf die Außenbahn und Filip Kostic bewegte sich dann meistens in den Halbraum hinein. Erkennbar war das sehr gut im Spiel gegen Schalke 04. Da ergab sich meistens im Aufbau ein asymmetrisches 2-4-3-1, da vor allem mit Kostic und N´Dicka die linke Seite überluden.

Die Königsblauen agierten im Pressing in einem asymmetrischen 4-3-3. Benito Raman, als rechter Außenspieler, schob sehr weit nach innen und versuchte das Zentrum zu schließen. Daher ergab sich für die Eintracht viel Platz am linken Flügel, die zu Beginn auch sehr stark über diese Seite aufbauten. Hier war natürlich das Vorrücken von N`Dicka aus der Dreierkette in die 2-4 Staffelung optimal, um diesen Raum auch auszunutzen.

Rückte der Innenverteidiger nicht aus der Dreierkette hinaus, bewegte sich Amin Younes aus dem Zehnerraum auf den linken Flügel. Er positionierte sich meist so, dass er auch von N´Dicka angespielt werden konnte. In den Folgeaktionen zog er sehr gerne in die Mitte hinein und versuchte mit diagonalen Pässen das Sturmzentrum zu bespielen. Vor allem war es im Spiel gegen Schalke sehr hilfreich, dass die zentralen Mittelfeldspieler mit Younes sehr weit mitgingen. Somit setzten oft drei Gegenspieler den Frankfurter bei der Ballmitnahme unter Druck. Jedoch konnte er sich in mehrerer solcher Situationen befreien und die Angriffsphase weiterführen. Zudem war es vorteilhaft, dass mehrere Schalker mit dem Offensivspieler mitgingen und dies für Unordnung sorgte. Younes konnte in der Anschlussaktion oft Kostic im Halbraum oder auch Andre Silva im Sturmzentrum anspielen.

Wichtig zu erwähnen wäre, dass Eintracht Frankfurt im Spielaufbau sehr oft versuchte das Pressing des Gegners mit flachen spielerischen Lösungen zu überbrücken und eher selten den hohen Ball auf den Stürmer oder hinter die gegnerische Abwehr spielten. Sie versuchten jedoch mit flachen Pässen durch das Zentrum das Mittelfeld des Gegners oft schnell zu überbrücken. Bei vertikalen Zuspielen kam oft das Prinzip „Spiel über den dritten Mann“ zum Einsatz. (Zu diesem Prinzip eine Trainingseinheit: Trainingseinheit zum Spiel über den Dritten) Zuspiele auf den tiefsten Spieler von der ersten Aufbaulinie, kamen sehr häufig vor.

Diese Pässe wurden dann oft von Silva oder von einem der beiden Zehner auf einen nachrückenden Spieler prallen gelassen oder der Ballempfänger drehte sich auf und spielte in die Tiefe. Mehrmals wurde auf die Sechser prallen gelassen, wenn der Ballempfänger sich nicht aufdrehen konnte. In der Anschlussaktion kam es zu einem diagonalen Dribbling des Mittelfeldspielers. Vor allem Hasebe konnte die kurze Unordnung des Gegners gut ausnutzen und fand häufig einen Raum, in den er hineindribbeln konnte.

Die drei Innenverteidiger spielten in der ersten Aufbaulinie wichtigen Rollen, wenn es um die Spieleröffnung mit vertikalen Zuspielen ging. Alle drei haben sehr gute Übersicht im Passspiel und trafen häufig die richtigen Entscheidungen. Besonders Hinteregger stach mit seinen flachen vertikalen/diagonalen Pässen ,um mehrere gegnerische Linien zu überspielen, heraus. Zu sehen war, dass sie immer wieder versuchten über die Mitte nach vorne zu kommen. Das heißt, dass sie ein recht vertikales Ballbesitzspiel hatten und von der 1. Aufbaulinie mehrfach versuchten die Sechser, die Zehner oder den Stürmer anzuspielen. Mit N`Dicka, der häufig auf der linken Seite den Ball hatte, konnte vermehrt in den Zwischenlinienraum oder in den ballfernen Halbraum spielen. Besonders gegen Gegner wie Schalke 04 oder der SV Freiburg, die mit zwei Stürmern in der ersten Pressinglinie agierte, bewegte sich der Innenverteidiger weit auf den Flügel oder in den Halbraum. Hier ein Beispiel aus dem Spiel gegen Schalke.

Abbildung 2: N´Dicka mit einem diagonalen Pass auf Andre Silva

N`Dicka bekam im Spielaufbau den Ball von Hinteregger und konnte den freien Raum vor sich andribbeln. Da Schalke erst ab der Höhe der Mittellinie attackierte, konnte der Innenverteidiger ohne Gegnerdruck andribbeln. Daraufhin spielte er einen flachen diagonalen Pass auf Silva. Bei den Schalkern gab es riesige Abstände zwischen den Spieler, die im Mittelfeld zudem mannorientiert agierten und dies die Frankfurter sofort ausnutzten. Beispielsweise stellt Benjamin Stambouli Younes direkt zu und verfolgt den Offensivspieler über den Platz. Somit zog Younes den gegnerischen Mittelfeldspieler aus dem Zentrum heraus und öffnete den Passweg zu N’Dicka.

Des Weiteren rückte Suat Serdar nicht weit genug mit, sodass der Abstand zwischen den beiden Sechser viel zu groß war. Silva kam den Pass entgegen und konnte, weil Nastasic mit dem Stürmer nicht richtig mitging, sich gleich nach vorne orientieren. Der Stürmer wurde von Stambouli und Serdar attackiert, allerdings ließ der Stambouli dadurch Younes aus den Augen. Der Offensivspieler orientierte sich nach dem diagonalen Pass auch gleich nach vorne und lief hinter Ozan Kabak in die Tiefe. Mit dem zweiten Kontakt konnte Silva seinen Mitspieler in die Tiefe schicken. Zwar verlor Younes die darauffolgende 1 gegen 1 Situation gegen Kabak, jedoch zeigt die Szene, wie schnell die Frankfurter nach vorne kommen können beziehungsweise wie vertikal sie aus der ersten Aufbaulinie agieren.

Des Weiteren sah man in dieser Szene ansatzweise einen Bewegungsablauf, der häufig bei vertikalen oder diagonalen Pässen zustande kam. Bei vertikalen Zuspielen von den Innenverteidigern wurde immer wieder versucht den tiefsten Spieler anzuspielen. Das heißt, dass in dieser Aktion der tiefste Spieler Silva war und der auch hier problemlos angespielt werden konnte. Im Passweg befand sich Hasebe, der den Ball durchließ. Kurz gesagt: Es befanden sich oft zwei Spieler auf einer Linie, die den Pass empfangen konnten. Jedoch ließ der erste Spieler den Ball oft durch und lief daraufhin in die Tiefe. Dies sorgt nicht nur für ein Überraschungsmoment bei den Gegnern, da sich viele auf den ersten Spieler konzentrieren, sondern auch für eine weitere Anspielstation für den zweiten Passempfänger. Hier eine Szene aus dem Spiel gegen Arminia Bielefeld.

Abbildung 3: Diagonaler Pass von Kostic auf Silva in einer offensiven Umschaltsituation

Nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte konnte Kostic im Konter am linken Flügel angespielt werden. Silva bewegte sich auf der letzten Linie und Kamada positionierte sich im Zwischenlinienraum. Nun kam der diagonale Pass von Kostic in das Sturmzentrum. Da Kamada der „erste Anspieler“ war, rückte Amos Pleper auf Kamada auf. Jedoch ließ Kamada diesmal den Ball zu Silva durch und lief in den Raum hinein, den der Innenverteidiger beim Herausattackieren öffnete.

Silva hätte mit dem ersten Kontakt Kamada in die Tiefe schicken können, nahm den Ball jedoch mit zurück, schaute auf die andere Seite und spielte einen Pass auf Durm. Der Außenspieler erkannte die Situation schon sehr früh, dass der gegnerische Außenverteidiger eingerückt war und Durm dadurch auch mehr Platz im rechten Halbraum hatte. Die Außenspieler hatten die Aufgaben im Konter mitzugehen und dadurch immer eine breite Anspielstation zu sein. In diesem Angriff merkte man viele Automatismen, da Silva schon den tieflaufenden Durm erahnen konnte. In den Anschlussaktionen kam Silva im Sechzehner zum Abschluss und konnte das 3:0 erzielen.

„Disguised“ Passes

Bei den vertikalen oder diagonalen Pässen, die Eintracht Frankfurt oft spielten, kam noch ein sehr wichtiges Element dazu. Sowohl die Innenverteidiger als auch die zentralen Mittelfeldspieler konnten „disguised“ Pässe spielen. Das heißt, dass der Ball in eine andere Richtung gespielt wurde, als die Körperposition zeigte. Solche Zuspiele waren vor allem bei Hinteregger zu sehen, aber auch die Mittelfeldspieler Hasebe und Sow spielten solche Bälle. „Disguised“ Pässe hatten nicht einen großen Überraschungseffekt, sondern waren auch oft nützlich, da die gesamte gegnerische Mannschaft meistens in die Richtung der Körperposition des Ballführenden verschob und einen Pass auch in diese Richtung erwartete. Hier ein Beispiel aus der Partie gegen Freiburg vor dem 1:0 Treffer für Frankfurt.

Abbildung 4: „Disguised“ Pass von Sow auf Younes

Sow bekam den Ball im Mittelfeldzentrum, nachdem Frankfurt die linke Seite überlud und mehrere Freiburgspieler auf diese Seite lockte. Nun hatte Sow ein wenig Raum zum Dribbeln bevor er von Luca Höler attackiert wurde. Seine Körperposition war die ganze Zeit auf den rechten Flügel gerichtet bis er zum Pass ansetzte.

Bevor der gegnerische Stürmer in den Zweikampf kam, konnte Sow einen flachen diagonalen Pass zu Younes spielen, der sich zwischen Mittelfeld und Abwehr bewegte. Manuel Gulde versuchte den Pass noch abzufangen, jedoch kam der Ball auf den rechten Fuß von Younes, der mit der Ballmitnahme und einer Rechtsdrehung um seine Achse sich vom Innenverteidiger perfekt lösen konnte. Mit dem dritten Kontakt konnte der Offensivspieler den ersten Treffer der Partie erzielen.

Auch noch zu erwähnen wären die Pässe von Hinteregger, die nicht nur mehrmals überraschend gespielt werden, sondern es schien auch oft so als ob nun der hohe Ball kommen würde. Zudem hatte er ein gutes Auge um gleiche mehrere Pressinglinien des Gegners zu überspielen. Ein Beispiel aus der Partie gegen Hertha.

Abbildung 5: Hinteregger überbrückte gleiche mehrere Linien mit seinem Pass.

Hinteregger bekam im Spielaufbau den Ball und wurde zudem lange nicht attackiert. Da sich in der Aktion davor Hasebe zwischen den Innenverteidigern fallen ließ, konnte N`Dicka auf den Flügel hoch rücken und Kostic bewegte sich in den Halbraum.  Nun konzentrierte sich der gegnerische ballnahe Sechser auf Kostic und versuchte den Passweg zum Offensivspieler zuzustellen. Der Frankfurter bewegte sich, nach dem er Hinteregger entgegenkam, wieder in die Tiefe. So öffnete Kostic den Passweg für Hinteregger zu Younes, da sich Santiago Ascacibar einige Schritte zurückbewegen musste. Zu sehen war auch, dass sich Sow aus diesem Raum herausbewegte und sogar auf Younes zeigte, da er Younes mit seinen Schulterblicken in einer aussichtreichen Position sah.

Der Österreicher wartete mit dem Ball nur auf solch einen Passweg und spielte den Ball sofort flach zu Younes. Der Zehner der Eintracht Frankfurt wurde zwar bei der Ballmitnahme attackiert, jedoch konnte er den Ball perfekt mitnehmen, löste sich vom Gegner und konnte daraufhin die Seite wechseln. Auffallend war auch die Körperbewegung von Hinteregger bei solchen Pässen. Es schien auch immer so, da seine Pässe sehr scharf gespielt wurden, dass mit dieser Passbewegung auch ein hoher Pass – beispielsweise auf die andere Seite – möglich gewesen wäre. So konnte er auch seine Gegner manchmal täuschen, da bei der Bewegung mehrere Spieler, vor allem die Stürmer, sich schon wegdrehten.

In der Beschreibung der vorherigen Szene wurde erwähnt, dass Sow auf Younes zeigte, während Hinteregger den Ball hatte. Würde man ein komplettes Frankfurt sich nur auf die beiden Sechser konzentrieren, könnte man sehen, wie spielintelligent Sow und Hasebe sind. Beide positionierten sich klug und schufen gegenseitig immer Raum für einander. Besonders mit alternierenden entgegenkommenden und tieflaufenden Bewegungen konnten sie häufig angespielt werden. Das heißt, dass wenn Sow in die Tiefe lief und einen Gegner mitzog, so bewegte sich Hasebe der ersten Aufbaulinie entgegen und versuchte den Raum auszunutzen, den Sow öffnete. Vor allem durch ihre konstanten Schulterblicke konnten sie sich auch aus den Deckungsschatten der ersten Pressinglinie befreien und mit vertikalen Pässen anspielbar sein.

Allerdings hatte so ein Spielaufbau auch für einige Probleme gesorgt. Beispielsweise im Spiel gegen Bielefeld, welches Eintracht Frankfurt zwar klar gewinnen konnte, jedoch vor allem zu Beginn des Spieles große Probleme im Aufbau hatten. Bielefeld presste in einem engen und kompakten 4-4-2/4-2-4 die Frankfurter an, welches kaum Zuspielen über die Mitte zuließen. Wurde jedoch ein Sechser angespielt, kam er sofort unter Druck und musste meistens zurückspielen. So versuchten die Innenverteidiger noch mehr vertikale Pässe in den Zwischenlinienraum, was jedoch oft zu einem Ballverlust führte.

Daher versuchten die Frankfurter mehrere Lösungsmöglichkeiten. Eine war, dass eine der beiden Sechser abkippte und vor der ersten Pressinglinie den Ball bekam. Da daraufhin ein Spieler in der Mitte fehlt, konnten sie zwar kaum vertikale Pässe spielen, jedoch leichter auf den Flügel und hatten dadurch einen leichten Raumgewinn. Eine andere Möglichkeit war, dass sich Younes auf den Flügel fallen ließ und somit auch diese Seite überlud. Beispielsweise hier.

Abbildung 6: Younes bewegte sich auf den Flügel, um die erste Pressinglinie zu überbrücken.

N`Dicka hatte im Spielaufbau den Ball. Währenddessen lief Younes vom linken Halbraum auf den linken Flügel und zog nicht nur seinen direkte gegnerischen zentralen Mittelfeldspieler ein wenig mit, sondern sorgte dafür, dass der rechte Flügelspieler von der Arminia den Passweg zum Flügel zu machte. Diese Bewegung sorgte dafür, dass Sergio Cordova Sow in den Deckungsschatten stellte. Somit öffnete sich der Passweg zu Hasebe.

Da nun Fabian Klos sich nicht hinter Cordova bewegte, wurde der Passweg zum Ballfernen Sechser frei. Zudem bewegte sich Cordova nach dem Zuspiel von N`Dicka nicht mit Sow mit. Somit konnte Hasebe mit dem ersten Kontakt Sow anspielen, der wieder einen vertikalen Pass auf Kamada spielen konnte. Diese Szene zeigte, wie die Frankfurter gegen Kompaktstehende Gegner die erste Pressinglinie und das Mittelfeld überbrücken konnten.

Kam Eintracht Frankfurt in die gegnerische Hälfte, so versuchten sie sich mit kurzen Kombinationen in den Sechzehner zu spielen. Auch mit hohen Seitenwechsel versuchten sie die Außenspieler in aussichtsreiche Flankenpositionen zu bringen. Vor allem Kostic brachte sich immer wieder in 1 gegen 1 Situationen, in denen er anschließend zu einer Flanke ansetzte. Hier ein Beispiel aus dem Spiel gegen Hertha, welches wieder das Thema „disguised“ Pässe streift.

Abbildung 7: Schneller Seitenwechsel von Hasebe auf Kostic.

Silva wurde mit einem diagonalen flachen Pass von der ersten Aufbaulinie angespielt. Mit seiner Ballmitnahme zurück in die Mitte konnte er den Ball sehr gut gegen Jordan Torunarigha abschirmen und mit dem zweiten Kontakt auf Hasebe spielen. Der zentrale Mittelfeldspieler bewegte sich in der Szene davor in die Tiefe und kam nach dem Pass auf Silva wieder auf die Sechserposition zurück. Da Lucas Tousart versuchte Silva auch unter Druck zu setzen und Guendouzi Sow zustellte, war Hasebe komplette frei auf der ballfernen Seite. Bevor Hasebe den Ball bekam, schaute er mit einem Blick auf den linken Flügel und sah Kostic komplett frei.

Nun kam wieder ein Überraschungspass von den Frankfurtern. Nach dem Silva zurückspielte, sprintete Kamada in den Raum hinter Torunarigha hinein, den der Innenverteidiger mit dem Herausrücken auf Silva aufmachte. Da nun auch die Körperposition von Hasebe auf den rechten Flügel gerichtet war, spekulierten mehrere Abwehrspieler auf den tiefen Pass zu Kamada und bewegten sich auch bereits dorthin. Allerdings kam der halbhohe Pass auf Kostic, welchen den Außenspieler in eine sehr gute Flankenposition brachte. In der Anschlussaktion wurde ein Querpass von Kostic gespielt, der wurde jedoch knapp von einem Berliner Abwehrspieler im Fünfer geblockt wurde.

Das Spiel von Eintracht Frankfurt hat sich im Vergleich zu den letzten Saisonen mit dem Ball erheblich verbessert. Sie suchen vermehrt die spielerischen Lösungen, treffen gegen tiefstehende Gegner die richtigen Entscheidungen. Der hohe Ball aus der ersten Aufbaulinie wird immer seltener. Dies zeigt auch die Statistik. Laut Wyscout-Plattform ist ein klarer Unterschied in langen Pässen im Vergleich zu den letzten 3 Saisonen zu sehen. Lange Pässe werden nun seltener gespielt und auch die durchschnittliche Passlänge ist kürzer geworden. Dazu sieht man auch, dass nicht nur der Ballbesitzanteil pro Spiel mehr geworden ist, sondern es werden nun auch mehr Pässe pro Ballbesitzphase gespielt. Dies sorgte dafür, dass pro Spiel mehr Pässe gespielt werden. Durch die kürzeren Distanzen kamen auch mehr an.

Das Pressing und die Umschaltsituationen

Im gegnerischen Ballbesitz agieren Eintracht Frankfurt in einer 5-2-1-2-Formation, die jedoch auch oft zu einer 5-2-3-Formation wechselt. Dies kam auf die erste Aufbaulinie des Gegners an. Im Pressing agierte die Eintracht mannorientiert, sodass gegen eine Dreierkette sich die 5-2-3-Formation bildete. Sehr hilfreich war dabei auch, dass sich Silva im Anlaufverhalten sehr klug verhielt. Beim Attackieren schaute er sich oft um und versuchte dabei sein Anlaufen zu optimieren, um den Gegner in Deckungsschatten zu stellen.

Abbildung 8: Pressing der Frankfurt gegen die TSG Hoffenheim

Spielten die Frankfurter gegen eine Viererkette so blieben sie eher im 5-2-1-2 und die Außenspieler mussten die gegnerischen Außenverteidiger attackieren. Zwar war der Weg oft sehr weit für die Außenspieler, jedoch konnte dafür der Ballführende dynamisch attackiert werden. Dabei konnte auch das Anlaufen immer wieder korrigiert werden.

In Umschaltsituationen reagieren die Frankfurter sowohl defensiv als auch offensiv sehr situativ. Das bedeutet, dass die Spieler nicht einer klaren Abfolge nach Ballgewinn beziehungsweise Ballverlust reagieren, sondern eher sich die Situation betrachten und daraufhin entscheiden. Wurde der Ball beispielsweise in der eigenen Hälfte erobert, so spielte Eintracht Frankfurt nicht gleich den tiefen Ball. Vor allem wenn der Gegner eine gute Kontersicherung hatte und es gab keinen tiefen Anspieler.

Ähnlich war es im Gegenpressing. Verlor die Eintracht den Ball und es waren mehrere Spieler in der Nähe, so schalteten sie ins Gegenpressing um und attackierten den gegnerischen Ballführenden oft mit drei Spielern. Sind jedoch zu viele Spieler zu weit entfernt, so ließen sich die Abwehrspieler eher fallen und sicherten den Raum hinter der Abwehr.

Fazit

Eintracht Frankfurt spielt nicht ohne Grund um die Königsklasse mit. Sie haben sich vor allem im Ballbesitzspiel im Vergleich zu den vergangenen Spielzeit erheblich verbessert. Dabei haben sie auch immer wieder kreative Lösungen im Spielaufbau. Vor allem Hinteregger mit seinen vertikalen und diagonalen Zuspielen nach vorne ist eine sehr gute Bereicherung für das Aufbauspiel. Zudem ist die Leihe von Younes in dieser Saison eine großartige Verstärkung und mit Silva, der bereits 18 Tore in dieser Saison erzielt hat, haben sie einen sehr guten Stürmer. In der 22. Runde spielen sie gegen den FC Bayern München, welches aufgrund vom hohen Pressing der Münchner und spielerischen Ansätzen von Frankfurt ein hochinteressantes Spiel werden könnte.

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