FC Bayern vs Borussia Dortmund: Dominierende Münchner und schwacher BVB

Das Titelrennen in der deutschen Bundesliga ist nach den letzten drei Spieltagen wieder spannend geworden. RB Leipzig ist nur noch zwei Punkte hinter dem FC Bayern München. Borussia Dortmund spielt allerdings kaum eine Rolle mehr  im Rennen um die Meisterschale. Nach einigen Patzern gegen Freiburg, Mainz oder Hoffenheim muss Schwarz-Gelb sogar um die Champions League Plätze kämpfen. Am 24. Spieltag ging es zum FC Bayern. Durch zwei schnelle Tore gingen die Dortmunder zwar früh in Führung, können jedoch daraufhin nur für wenig Entlastung sorgen. Die Münchner übten immer mehr Druck auf die Abwehr der Gäste aus. So konnten sie in den Schlussminuten das Spiel noch drehen. Was machte der BVB falsch beziehungsweise der FC Bayern so gut?

Abbildung 1: Die Startaufstellungen beider Mannschaften

Frühe Führung und tiefes Abwehrpressing

Borussia Dortmund startet in einer 5-3-1-Formation, die sich jedoch im Laufe des Spieles und in den verschiedenen Spielphasen veränderte. Zu Beginn war im Spielaufbau eine klare Dreierkette zu erkennen. Davor agierte Mo Dahoud als Sechser und versuchte sich vor allem hinter der ersten Pressinglinie anzubieten. Thomas Delaney bewegte sich öfters ein wenig höher als Dahoud und agierte als Achter. Erling Haaland war die einzige Sturmspitze, jedoch wurde er von Thorgan Hazard und Marco Reus immer wieder unterstützt.

Klar zu erkennen war auch, dass die beiden Außenspieler der Fünferkette die Breite im Ballbesitz gaben. Sowohl Nico Schulz als auch Thomas Meunier standen meist auf den Flügel. Auch ihre ballferne Position war immer breit, sodass die beiden Spieler von diagonalen Seitenwechsel angespielt werden konnten. Ein gutes Beispiel war der Pass vor dem 2:0 auf Schulz.

Abbildung 2: Der Wechselpass vor dem zweiten Treffer

Am rechten Flügel versuchte Reus seinen Stürmer in die Tiefe zu schicken. Leon Goretzka konnte den Pass jedoch abblocken. Der Abpraller landete bei Dahoud, der mit dem ersten Kontakt sofort auf die andere Seite spielte. Schulz erkannte den freien Raum vor sich und sprintete schon vor den Pass nach vorne.

Auch gut erkennbar war, dass durch die beiden Zehner (Reus und Hazard) die Viererkette des FC Bayern München enger zueinander schieben musste. Reus und Hazard versuchten sich immer wieder zwischen Innenverteidiger und Außenspieler im Zwischenlinienraum zu positionieren. Dies ließ viel Platz auf den Flügel. Auch in anderen Situationen, sah man ähnlich viel freien Raum für die Flügelspielern vom BVB. Dahoud spielte den Pass blind, da er davor er nicht aufschaute. Das heißt, dass das Aufrücken der ballfernen Außenverteidiger ein klare Aufgabe von den Außenspielern war.

 Es half auch, dass die beiden Flügelspieler vom FC Bayern durch die Fünferkette der Dortmunder nur schlecht den Lauf vom Außenspieler verhindern beziehungsweise einen Pass auf sie abfangen konnten. Die Position der beiden äußeren Mittelfeldspieler war sehr hoch und die Münchner schoben auch sehr ballnah, sodass sich viel Raum für beispielsweise Schulz in dieser Aktion ergab.

Die Probleme begannen jedoch direkt nach dem zweiten Treffer. Gegen den Ball agierte der BVB in einem 5-4-1. Attackiert wurde ab der Höhe der Mittellinie oder auch erst in der eigenen Hälfte. Nur in vereinzelten Phasen gab es Momente, in denen der FC Bayern hoch angelaufen wurde. Besonders wenn der Außenverteidiger angespielt wurde. Daraufhin attackierte der äußere Mittelfeldspieler. Bei einem Rückpass auf den Innenverteidiger lief der Mittelfeldspieler oft den Ball nach und setzte daraufhin den Abwehrspieler unter Druck.

Allerdings kamen die Dortmunder im Pressing kaum in Zweikämpfe, wodurch nur wenige hohe Ballgewinne erzeugt werden konnten. Der FC Bayern konnte sich mehrmals aus solchen Situationen mit einem Rückpass zum Tormann oder auch mit Pässen in das Mittelfeld herauslösen. Nun aber zu den eigentlichen Problem und was dem BVB möglicherweise den Sieg kostete.

Keine Entlastung beim BVB

Ein tiefes Abwehrpressing hat einige Vor- und Nachteile. Jedoch, wie es der BVB am Samstag praktizierte, spielte es sehr viel in die Karten vom FC Bayern. Die Münchner hatten immer wieder lange Ballbesitzphasen in der Spielhälfte von Dortmund und konnten auch immer wieder Chancen kreieren. Der BVB konnte auf den Ballführenden kaum großen Druck erzeugen und die Bayern-Spieler konnten mehrmals ohne Gegnerdruck Pässe 25 Meter vor dem gegnerischen Tor spielen.

Jedoch war das Erzeugen von Druck auf den Gegenspieler nicht das einzige Probleme bei der tiefen Verteidigung. Konnte der BVB einmal den Ball erobern, so hatten sie kaum Anspielstationen nach vorne. Das heißt, dass wenn beispielsweise ein zentraler Mittelfeldspieler den Ball gewinnen konnte, so hatte er oft nur Haaland als Passmöglichkeit. Zudem war der Stürmer mehrmals auch nur durch einen hohen Pass anspielbar.

Auch wenn sich Dortmund mit einer Einzelaktion aus dem Gegenpressing befreien konnte, so liefen kaum Spieler mit nach vorne. Nur Reus oder Haaland waren häufiger die einzigen Spieler nach Umschaltsituationen im letzten Drittel.  Das bedeutet, dass es durch die offensiven Umschaltsituationen beinahe keine Entlastung für die Borussia gab.

Allerdings verloren sie auch in ihren Spielaufbausequenzen sehr schnell den Ball beziehungsweise gaben den Ballbesitz durch hohe Bälle wieder her. Zudem gab es nur wenige Phasen, in denen Dortmund lange den Ball halten konnte. Das zeigte auch die Passstatistik. Die durchschnittlichen Pässe pro Ballbesitzphase lagen beim FC Bayern bei 6,16 und bei Borussia Dortmund bei. 3,71. (Statistik laut Wyscout) Das heißt, dass die Münchner beinahe doppelt so viele Pässe pro Ballbesitzphase hatten. Auch die Anzahl der gesamten Pässe zeigte ein klares Verhältnis. Der FC Bayern spielte im gesamten spiel 678 Pässe. Davon kamen 87, 46% beim Mitspieler an. Beim BVB war diese Statistik erheblich schlechter. Die Gäste spielten insgesamt nur 330 Pässe und von diesen Zuspielen kamen nur 74,55% an.

Die Statistiken spiegelten den klaren Spielverlauf wieder. Der FC Bayern dominierte den BVB und drückte ihn immer wieder in den eigenen Strafraum. Was machten die Münchner jedoch so gut in diesem Spiel?

Bayerns hohe Ballbesitzphasen mit vielen Seitenwechsel und Flanken

Der FC Bayern spielte in einer 4-2-3-1-Formation, jedoch ergaben sich im Spielaufbau mehrere Variationen von Staffelungen. Durch die Viererkette und den beiden Mittelfeldspielern ergab sich beim aufrücken der Außenverteidiger eine 2-4 Staffelung. Jedoch bot sich Niklas Süle auch oft noch in der ersten Aufbaulinie an, sodass sich eine asymmetrische 3-3 Staffelung ergab. Im zentralen Mittelfeld wirkte vor allem Joschua Kimmich als der defensivste im Spielaufbau. Goretzka war häufiger neben Thomas Müller aufzufinden, da der Mittelfeldspieler sehr gerne in die Tiefe lief und den Strafraum immer wieder besetzte.

Durch das tiefe verteidigen von Dortmund hatte Bayern beinahe immer einen sehr hohen Spielaufbau. Der Aufbau wurde meist auf der Höhe der Mittellinie gestaltet. Hier war vor allem das Andribbeln von David Alaba und Jerome Boateng sehr wichtig. Dadurch konnten sie mehrmals gegnerische Mittelfeldspieler aus den Positionen herauslocken und den aufgemachten Raum nutzen.

Besonders nach dem 2:0 sorgte der FC Bayern für immer mehr Druck in der gegnerischen Hälfte und hatte mehrmals lange Ballstaffeten in der Spielhälfte von Dortmund. Auch im letzten Drittel wurde häufig der Ball lange gehalten, sodass sie zu einer aussichtsreichen Abschlusssituation kommen.

Sehr gut erkennbar war auch, dass die Münchner sehr viele Seitenwechsel aus dem Halbraum auf den ballfernen Flügel spielten. Allgemein benützten die Gastgeber hohe Bälle oder die Flanke als Mittel um zum Torabschluss zu kommen. Hier wurden vor allem Positionen gewählt, die weit vor dem Strafraum waren. Hier ein Beispiel aus der 19. Minute aus einer recht tiefen Position.

Abbildung 3: Frühe Flanke von Süle aus einer tiefen Position.

Süle bekam im Spielaufbau den Ball am rechten Flügel und konnte einige Meter nach vorne dribbeln. Vor allem da Dortmund im Mittelfeld sehr eng und kompakt stand, hatte Süle viel Platz. Zudem sorgte Sane nach seiner tiefen Bewegung dafür, dass Schulz nicht auf den Außenverteidiger herausattackieren konnte. Goretzka startete, nach dem zweiten Kontakt von Süle, von seiner achter Position zwischen den rechten und den mittleren Innenverteidiger in den Strafraum hinein. Süle konnte den Mittefeldspieler mit einem Chipball hinter die Abwehr perfekt anspielen. Mit dem ersten Kontakt spielte Goretzka weiter auf Robert Lewandowski, der zum Abschluss beim Fünfereck kam.

Bei so einer Spielweise war es sehr wichtig, dass im letzten Drittel auch genügend breite gegeben wurde. Auf der rechten Seite war Leroy Sane, der oft breit stand und für diagonale Pässe anspielbar war. Beispielweise geschah der Anschlusstreffer nach einem Seitenwechsel von Kimmich auf Sane. Der Außenspieler konnte daraufhin in eine 1 gegen 1 Situation gehen und im Anschluss Lewandowski in der Mitte per Querpass anspielen.

Auf der anderen Seite waren es Davies und Coman, da eher beide sich auf am Flügel aufhalten kam es auch immer wieder zu Überzahlsituationen. Auch bewegte sich Coman einige Male in den Halbraum, sodass Davies im letzten Drittel die Breite gab. Im Vergleich zu Davies lief Süle eher in der Innenbahn und bot sich auch viel mehr in den Halbräumen an. Auch wenn er den Ball bekam, dribbelte er eher gleich in die Richtung des gegnerischen Tores. Das heißt, dass er mit den Ball diagonal hineindribbelte und versuchte daraufhin eine Anspielstation im zentralen Mittelfeld oder auch im Sturmzentrum zu finden. (Wie in der oben beschrieben Szene) Davies versuchte eher oft außen beim Gegner vorbeizukommen und in der Anschlussaktion einen Ball in den Strafraum zu bringen.

Gegen den Ball agierte der FC Bayern in einer 4-3-3 beziehungsweise in einer 4-2-3-1 Formation. Die Dortmunder wurden hauptsächlich hoch angelaufen. Es gab nur vereinzelte Phasen, in denen die Münchner nicht andauernd hoch anpressen konnten.

Fazit

Borussia Dortmund ging zwar sehr früh in Führung, konnte jedoch im weiteren Verlauf des Spieles kaum noch richtig Abschlussmöglichkeiten vom FC Bayern verhindern oder selbe kreieren. Die Chancen wurden immer weniger und auch die Ballbesitz- beziehungsweise die Schussstatistiken zeigten, dass der FC Bayern klar überlegen war. Vor allem die Ballbesitzphasen in der Dortmunder Hälfte erzeugten viel Druck auf die Gäste.
Zudem konnte der BVB kaum für Entlastungsphasen sorgen. Auch in der zweiten Hälfte gab es nur wenige Ballbesitzphasen in den die Dortmunder ihren Spielaufbau kontrolliert gestallten konnten. Die Dortmunder sollten vor allem auf die eigene Leistung beziehungsweise auf ihre Fehler achten anstatt nach dem Spiel den Schiedsrichter zu kritisieren. Hier einige Reaktionen/ Interviews nach dem Spiel.

Nun ist der FC Bayern wieder auf Position eins und hat zwei Punkte Vorsprung auf RB Leipzig. Im April kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Erstplatzierten.

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