Was lief im Hinspiel schief für den FC Barcelona?

Das berühmt berüchtigte Camp Nou. Ein Fußballtempel bei der schon die ein oder andere unvergessene Nacht geschaffen wurde. Zum Beispiel, das legendäre 6:1 gegen Paris St.Germain, bei dem eine 4:0 Auswärtsniederlage vergessen gemacht wurde und eines der besten Comeback in der Geschichte des Fußballs gefeiert wurden ist. Vier Jahre später trafen nun diese beiden Mannschaften wieder im Champions League Achtelfinale aufeinander. Doch von der damaligen Heimstärke ist im leeren Camp Nou nichts mehr zu bemerken. Barcelona verliert 1:4 gegen PSG, die vom Dreierpacker Kylian Mbappe angeführt worden sind. Ein Abend zum vergessen, doch wir wollen wissen… Was ist Passiert?

Barcelonas Verhalten mit dem Ball

Im Aufbau agierte FC Barcelona aus einer asymmetrischen Dreierkette heraus, mit Clement Lenglet, Gerad Pique & dem leicht versetztem Sergino Dest. Alba schiebte hoch auf der Außenspur, sodass sich Griezmann in der Zentrumspur auf der letzten Linie nähe gegnerischen Verteidiger positionieren konnte. Ousmane Dembele blieb ebenfalls breit hochgeschoben in der Außenspur.

Lionel Messi hatte als falscher 9er alle Freiheiten und war oftmals in der Zentrumspur oder in der linken Halbspur in der eigenen Hälfte als erster Zielspieler für die Innenverteidiger tätig. Dies hatte die Konsequenz, dass Barcelona im Zusammenspiel von Messi mit Jordi Alba oder Pedri 2vs1 Situationen erzeugte, die in den Anfangsminuten zu einigen Durchbrüchen führten.

Busquets Rolle war es wie gewohnt, als alleiniger 6er sich im Rücken der ersten Pressinglinie zu befinden, um das Spiel in einer Richtung zu lenken,da Busquets Qualitäten sich extrem schnell zu orientieren Barcelona verhelfen, die Angriffe gezielt über die je nach Situation beste Spur durchzuspielen. Pedri und De jong pendelten zwischen Entgegenkommen Überzahlspieler im Spielaufbau sowie als Tiefstehende 8ter, hinter den gegnerischen 6ern.

Auffällig war, dass Barca versuchte ihre numerische Überzahl nach vorne zu tragen. Sodass sie mindestens 2 Spieler mehr im Spielaufbau hatten, als Paris Pressingspieler hatte. Zum Teil positionierte sich Messi auch auf der rechten Außenspur, um diese zu überladen, d.h. eine Überzahl in der jeweiligen Spur herzustellen. Dadurch kam Paris zu Beginn in Situationen, in den der Außenverteidiger von PSG auf dem Sprung nach vorne sein musste, wie es auf dem unteren Bild zu sehen ist. Dies führte dazu, dass bespielbare Räume dahinter beziehungsweise dazwischen entstanden sind. Die Innenverteidiger von PSG hatten deshalb das Problem, aufgrund des tiefstehenden Antoine Griezmann, dass sie den Zwischenraum nicht attackieren konnten, da sie die Tiefe sichern mussten.

Oftmals waren Griezmann, Dembele, Pedri oder Frenkie De Jong, die einzigen Barcelonaspieler in der gegnerischen Hälfte. Gefährlich wurde es überwiegend wenn Messi den Ball in der linken Halbspur von den IVś erhalten hat und die angriffe über diese inszeniert hat. So kam Barca in der 13. MInute zu ihrer ersten gefährlichen Chance, nach einem Zusammenspiel von Messi auf den in Rücken der gegnerischen 6er freistehenden bn Pedri, der Griezmann mit einen tiefen Steilpass in die Golden Assist Zone bediente.

So entstand ebenfalls der Elfmeter in der 25. Spielminute, der zur 1:0 Führung für den FC Barcelona führte. Dieses Mal war es Frenkie de Jong, der in die rechte Golden Assist hinein lief, nach dem Messi mit einen hohen Tiefen Ball aus der linken Halbspur bediente.

Die Golden Assist Zone, welche die verlängerte Linie von der Torlinie bis hin zur Sechzehnerlinie der Halbspur ist, hat in diesem Fall den besonderen Wert, dass der FC Barcelona viele Tore von dort aus inszeniert, da die Breite in diesen Bereichen nicht so weit von der Zentrumzone des Strafraums entfernt ist und es somit möglich wird, flache hereingaben wahrscheinlicher zu vollwerten. Dies kommt Barcas Offensivspieler zu Gute, da sie physisch nicht die längsten Spieler sind.

Paris Pressingwechsel

Aus einem 4-2-3-1, mit dem Ziel Barcelona im Zentrum zu spiegeln, ging Paris in diese Champions League Partie hinein. Marco Verattis Aufgabe als 10ner war es Busquets in seinem Deckungsschatten aus dem Spiel zu nehmen, um dessen Qualitäten als Verbindungsspieler zu mindern. Dort kam es zum Teil zu pendelnden Wechsel mit Mauro Icardi, wenn Verrati überraschend den nach Querpass Ballentfernten Innenvertediger von Barcelona angelaufen ist.

Im Zentrum agierten Gueye und Peredes stark Mannorientiert und verteidigten mutig nach vorne. Über eine hohe Intensität und dem kompletten isolieren von Bosquets, kam PSG immer wieder zu guten Ballgewinnen, bei denen es dann postwendend in Richtung Tor von Barcelona ging. Probleme bekamen sie, wenn Messi sich zentral zurückfallen ließ und so beispielsweise die linke Halbspur überladen wurde.

Die Übergänge liefen dort nicht immer optimal ab, sodass mit dem herausnehmen von Gueye und der Einwechslung von Herrera, PSG in eigener und zum Teil auch in gegnerischen Hälfte aus einem 4-1-4-1 agierte, um den Zwischenraum hinter den 6ern besser schließen zu können, in denen sich Pedri und De jong abwechselnd häufiger befanden. Dank dieser Umstellung, kam Barca in der zweiten Halbzeit kaum noch zu gut erspielten Torchancen.

FC Barcelonas Mannorientierungen bricht ihnen das Genick.

Auffällig war, dass Barca aus ihrem 4-3-3 Pressing, anders als PSG, auf ein extremes mannorientiertes Pressing über die verschiedenen Spuren hinweg setzte. Damit hatte PSG anfänglich große Probleme, doch durch das Spiel über den dritten oder gekonnte Spurenwechsel, kam PSG immer besser in die Partie und konnte letztendlich dadurch Barcelona den Zahn ziehen.

Denn die schwächen waren offensichtlich. Mit einem Messi an vorderste Spitze, der gegen den Ball überhaupt nicht stattfand, sowie mit Griezmann und Dembele, die Probleme mit der rückwärtigen Bewegungen hatten, hat PSG diese Schwächen erkannt und immer wieder ausgenutzt.

So fielen beispielsweise beide Gegentore nach Diagonalbällen von hohen Bälle hinter die Außenverteidiger der Katalanen, auf die tieflaufenden Außenverteidiger von PSG, welche in den freien Räumen in der Außenspur ungedeckt hinein starten können. Mbabbes und Kean bewusste Spurwechsel, von Außen in die Halbspur, öffneten diese Räume, da Barcas Außenverteidiger, Dest und Alba, diesen beiden folgen.

Kylian Mbappe, doch ein Mann für große Spiele

Gekrönt mit einem Dreierpack, war dies schlichtweg der Abend des jungen Franzosen. Auffällig neben seinen guten Spiel mit dem Ball, war ebenfalls sein Verhalten gegen den Ball. Immer wieder lief Mbappe den zum Überzahl schaffenden Dest an, falls dieser sich mal mit eingeschaltet hatte in die offensiver und unterstützte er seinen Landsmann Layvin Kurzawa auf der Außenspur.

Immer wieder gelang es ihm sich in der linken Halbspur zu lösen und durch eine gute vororientierung, sich in die richtigen Räume zu bewegen und seine Mitspieler in Szene zu setzen. Wenn Mbappe über außen Tempo aufnehmen konnte, dann war er von Dest und den manchmal zum doppeln kommenden Pique nicht aufzuhalten.

Beim 1:0 löst er sich gut im Rücken von Pique und De Jong und netzt durch seinen zielführenden Bewegungen zum 1:1 ein. Die Führung zum 2:1 erzielte er mit seinem schwächeren linken Fuß als der Ball glücklicherweise zu ihn in den Rückraum gelangt.

Sein 3:0 ist gleichzusetzen mit seiner heutigen Leistung: Auffällig gut! Mit einem extremen Selbstverständnis nimmt er den Ball per direktabnahme nach dem Pass von Draxler, der die 3:2 Situation überragend ausspielt, und nagelt den Ball in den Winkel, keine Chance für den Torhüter der Katalanen Marc-Andre Ter Stegen.

Können Sie ein Wunder widerholen?

Der Auftritt des FC Barcelona, machte ähnlich wie vor 4 Jahren beim Hinspiel, wenig Hoffnung, dass ein Wunder geschaffen werden kann. Anders als noch vor 4 Jahren, findet das Rückspiel im Parc de Prince, der Heimstätte des PSG statt, sodass die Anzeichen dieses Mal noch schlechter stehen als damals.

Eine Analyse von Richard O. Krohn

Kategorie Champions League, Spielanalysen

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