Leipzig vs Frankfurt: Dominantes Leipzig nutzt Torchancen nicht

Von Beginn an war RB Leipzig die bessere und dominantere Mannschaft. In den ersten Minuten hatten sie gleich nach mehreren hohen Balleroberungen auch einige Torchancen. Eintracht Frankfurt brauchte sehr lange bis sie in das Spiel gefunden haben und spielten anfangs nur hohe Bälle in die Spitze. Erst in der zweiten Halbzeit gab es von den Gästen einige gute Szenen. Die Gastgeber erspielten sich viele Chancen, könnten jedoch aus den 14 Schüssen nur ein Treffer erzielen. Dabei lag der xG-Wert bei 1,89. Im Vergleich zum Wert der Eintracht, der bei 0,89 lag, hätte Leipzig als Sieger vom Platz gehen können.

Abbildung 1: Startelf der beiden Mannschaften

Der Leipziger Spielaufbau

Im Ballbesitz agierte RB Leipzig sehr variabel und die Spieler nahmen immer wieder verschiedene Position ein. Allerdings war jedoch in der ersten Aufbaulinie eine asymmetrische Dreierkette zu erkennen. Marcel Halstenberg bewegte sich im Ballbesitz auf die Höhe des Sechsers und rückte dabei in die Mitte. Das bedeutet, dass er sich im eigenen Spielaufbau hauptsächlich im linken Halbraum befand. Marcel Sabitzer war der Sechser im Spielaufbau der Leipziger. Er bewegte sich vor der Dreierkette und bildete mit Halstenberg einige Male eine Doppelsechs. So ergab sich in den ersten Aufbaulinien meistens eine asymmetrische 3-2 Staffelung. Durch diese Positionierungen konnte Halstenberg Daichi Kamada auch immer wieder in die Mitte ziehen.

Allerdings blieb es nicht immer bei dieser 3-2 Staffelung im Aufbau. Nordi Mukiele rückte auch einige Male höher, vor allem wenn der Ball auf seiner Seite war. So ergab sich eine 2-3 Staffelung. Mukiele positionierte sich jedoch im Vergleich zu Halstenberg viel weiter Außen und befand sich einige Male auf einer Linie mit Alexander Sörloth. Mit den fünf offensiven Spielern, die sich hauptsächlich auf der letzten Linie bewegte, ergab sich auch mehrmals eine Tannenbaumformation im Aufbau.

Für die Breite waren auf der linken Seite Justin Kluivert und auf rechten Seite Sörloth zuständig. Das heißt, dass beide Spieler sich beinahe immer am Flügel positionierten und – nach ballnahen verschieben von Frankfurt – auch mit diagonalen Wechselpässen anspielbar waren. Hier war vor allem zu erkennen, wenn Filip Kostic nicht die Fünferkette bildete, konnten mehrere diagonale Seitenwechsel auf Sörloth gespielt werden.

Zwar wurde Kluivert auch einige Male mit Wechselpässen angespielt, allerdings wurde der Außenspieler besonders durch vertikalen Pässe am Flügel immer wieder in Szene gesetzt. RB Leipzig nutzte die ungewohnte Aufstellung der Frankfurt mit Kamada auf der rechten Wing Back-Position sehr gut aus. Kluivert bewegte sich häufig auf der letzten Linie wollte immer wieder Pässe in die Tiefe. Durch fehlerhaften Positionierungen von Kamada, konnte sich der Niederländer auch mehrmals aus den Deckungsschatten befreien und den Flügel hinunter dribbeln.

Die Zentralen der fünf Offensivspieler waren Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Amadou Haidara. Der Ex-Salzburger pendelte jedoch mehrmals zwischen der rechten Achter-Position und der Zehner-Position. Hier konnte vor allem im Spielaufbau als Anspielstation in der zweiten Ebene dienen. Forsberg bewegte sich hauptsächlich im Zwischenlinienraum, um dort von vertikalen Pässen angespielt zu werden. Poulsen positionierte sich beinahe immer auf der letzten Linie und ließ sich nur in manchen Situationen in den Zwischenlinienraum fallen.

Die Pressing-Maschine RB Leipzig

Von Anfang an gab es von den Leipzigern ein hohes Angriffspressing. In einer 4-2-3-1-Formation liefen sie die Dreierkette der Frankfurter an. Der Ballführende wurde meist sofort attackiert und zu einer Entscheidung gezwungen. In den ersten Minuten gab es auch erfolgreiche Balleroberungen der Leipziger in der gegnerischen Hälfte, da das energische und intensive Anlaufen die Gäste überraschte. Dadurch kam Leipzig in den Anfangsminuten zu einigen Abschlusschancen. In den ersten 20 Minuten konnte Frankfurt kaum in eine längere Ballbesitzphase gelangen. Das hohe Pressing sorgte für sehr viele hohe Bälle der Eintracht auf die letzte Linie. Zwar gab es zur Hälfte der ersten Halbzeit einen kleinen Einbruch der hohen Intensität im Pressing, jedoch konnte Leipzig kurz vor der Pause das hohe Anlaufen wiederholen und die Gäste wieder zu kurzen Ballbesitzphasen zwingen.

Nach einem Ballverlust schalteten die Leipziger direkt in das Gegenpressing um. Der ballführende Gegner wurde nach einem Ballverlust meist durch zwei Spielern unter Druck gesetzt. Bemerkbar war auch, dass sie nach einem Ballverlust zunächst die Passwege nach vorne zumachten. Das heißt, eroberte ein Frankfurter Spieler den Ball, so wurden sie gezwungen beziehungsweise geleitet nach hinten zu spielen oder zu dribbeln. Dies sorgte dafür, dass die Gäste kaum direkt nach Ballgewinn in die Tiefe umschalteten können.

Frankfurts alternative Offensive

Bei Eintracht Frankfurt gab es einige Personal-Probleme. Sowohl Martin Hinteregger als auch die beiden Außenspieler Erik Durm und Almamy Toure fehlten an diesem Spieltag. Cheftrainer Adi Hütter musste aufgrund der Ausfälle in der Startelf ein wenig improvisieren. Kamada startete auf der rechten Wing-Back-Position und die Eintracht startete mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Zudem rückte Stefan Ilsanker satt Hinteregger in die zentrale Innenverteidigung.

Im Ballbesitz baute Frankfurt wie gewohnt mit einer Dreierkette auf. Djibril Sow und Makoto Hasebe positionierten sich auf der Sechs und Sebastian Rode pendelte, wie Haidara auf Leipziger Seite, mehrmals zwischen Achter- und Zehner-Position. Da Kamada auf der rechten Außenseite spielte, jedoch normalerweise als rechter Zehner agierte, zog es ihn immer wieder in das Zentrum. So blieb des Öfteren die rechte Seite einfach unbesetzt. Kam es allerdings zu Ballbesitzszenen am rechten Flügel, so kippte einer der beiden Sechser auf den Flügel ab und versuchte Kamada zu unterstützen. Dabei sorgten sich auch für eine Überzahl auf der Seite.

Allerdings kippte Hasebe nicht nur auf den Flügel ab, sondern auch gerne in die Dreierkette hinein. So ergab sich im Spielaufbau eine 2-4 Staffelung bei der Eintracht, da beiden äußeren Innenverteidiger daraufhin wie Außenverteidiger agierten. Das Abkippen sorgte auch für eine Überzahl in der erste Pressinglinie, sodass Poulsen nun beim Anlaufen besser aufpassen musste. Zudem konnte entweder Hasebe oder Ilsanker besser Andribbeln, da einer der beiden gegen den Stürmer immer frei war.

Amin Younes besetzt häufiger alleine den Zwischenlinienraum, wurde jedoch einige Male von Kamada unterstützt, der trotz seiner ungewöhnlichen Position sich sehr frei am Platz bewegte. Auch in diesem Spiel sah man, wie sich Younes auf den linken Flügel fallen ließ, um dort den Ball zu bekommen. (Bereits in der Mannschafts-Analyse erwähnt: Eintracht Frankfurt: spielintelligente Profis, „disguised“ Passes und der zweite Bayern-Verfolger)Daraufhin startete er ein diagonales Dribbling Richtung Tor. Durch diesen Ablauf wurde der Ausgleichstreffer eingeleitet.

Abbildung 2: Einleitung zum Ausgleichstreffer nachdem sich Younes am Flügel bewegte.

Nach dem Younes den Ball am Flügel bekam, zog er sofort nach innen und konnte bis beinahe an die Strafraumgrenze dribbeln. Durch seinen diagonalen Lauf orientierten sich die Leipziger auf die rechte Seite. Dies ermöglichte den Frankfurtern den Platz am linken Flügel zu nutzen und in den Strafraum zu gelangen.

Im Pressing agierte die Eintracht zwar mit hohen Anlaufen, allerdings waren die Positionen von den Spieler oft sehr situativ, sodass es keine einzige klare Formation im Pressing herausstach. Nur die Dreierkette in der Abwehr blieb immer gleich, wobei auch hier sich auch immer wieder eine Fünfer- oder auch eine Viererkette bildete. Besonders, weil Kostic oder auch Kamada mehrmals in die letzte Linie hineinrücken mussten. Zudem gab es aber auch Situationen, in denen Kamada auf der Höher der zentralen Mittelfeldspieler blieb und versuchte Halstenberg unter Druck zu setzen oder einen möglichen Pass zu verhindern. Solche Szene gab es, wenn Halstenberg sich eher tiefer in der eigenen Hälft anbot.

Hasebe positionierte sich im Zwischenlinienraum und versuchte vor allem nach vertikalen Pässen auf Poulsen oder Forsberg Druck auf die Gegner auszuüben. Younes befand sich oft hinter Andre Silva, attackierte jedoch einige Male aus seiner zentralen Mittelfeldposition heraus, um Silva beim Anlaufen zu unterstützen. Hier wäre wichtig zu erwähnen, dass Younes hauptsächlich Sabitzer zustellte. Beim Herausattackieren wurde der Österreicher durch geschicktes Anlaufen in den Deckungsschatten gestellt. Dabei rückte auch ein weitere zentraler Spieler wie Sow oder Rode aus dem Mittefeld heraus, um die Dreierkette der Leipziger zu attackieren.

Frankfurts Probleme

Bereits in den Anfangsminuten war zu erkennen, dass Hinteregger im Spielaufbau fehlt. Ilsanker konnte diese Lücke im Zusammenhang mit dem Ballbesitz nicht füllen. Zunächst fehlten die langen vertikalen Zuspiele, die Hinteregger gerne spielt. Dadurch konnte er in den letzten Spielen immer wieder Pressinglinien überspielen. Zudem war das Problem bei Ilsanker, dass er oft geschlossen zum Spiel stand. Das bedeutet, dass er den Ball nicht mit einer offenen Stellung nach vorne mitnehmen konnte und dadurch mehrere Male den Spielfluss in der Dreierkette störte, weil er nur zwei Passoptionen hatte.

Allgemein wurden kaum flache vertikale beziehungsweise diagonale Pässe hinter die ersten Pressinglinien gespielt. Hier dazu ein Beispiel.

Abbildung 3: Roter Pfeil wäre eine bessere Option gewesen.

In dieser Situation gab N`Dicka zum Ball, orientierte sich jedoch nur nach auf den rechten Flügel und schaute sich auch vor der Ballmitnahme gar nicht um. So konnte er Hasebe, der in der Mitte komplett frei stand gar nicht sehen. Mit einem Pass auf den Mittelfeldspieler wären gleich vier Leipziger überspielt worden.

Ein weiteres Problem war, dass Kamada auf einer ungewohnten Position spielte. Nicht war der rechte Flügel im Ballbesitz zu oft unbesetzt, sondern auch in der Defensive gab es einige Probleme. Der Offensivspieler hatte einige Schwierigkeiten beim Attackieren. Oft stand er nicht optimal und öffnete mehrere Passwege. Kluivert konnte, durch die Positionierungen von Kamada, mehrmals angespielt werden. Hier ein Beispiel.

Abbildung 4: Kamada lässt den Passweg auf Kluivert offen.

Kamada attackierte hier aus der Viererkette heraus, nahm dabei allerdings keinen Spieler in Deckungsschatten. So hatte Halstenberg die Möglichkeit zwei Spieler anzuspielen. Forsberg und Kluivert waren anspielbar. Kluivert hatte keinen direkten Gegenspieler und wurde daher in die Tiefe geschickt. Kamada hätte diese Situation besser lösen können, in der er Halstenberg mit einem Bogenlauf attackiert und dabei Kluivert in den Deckungsschatten stellt. Zudem sollte er beachten, dass die Leipziger mit dem Prinzip „Spiel über den dritten Mann“ dennoch der Ball zu Kluivert über Forsberg kommen könnte.

Möglicherweise wäre Aymen Barkok auf der rechten Wing Back-Position auch eine Option gewesen. In der 70. Minuten kam es auch zu dieser Konstellation, allerdings hätte Hütter Barkok von Beginn an spielen lassen können. Da er bereits öfters in dieser Situation diese Position einnahm, hätte Frankfurt in der gewohnten 3-4-2-1-Formation spielen können.

Fazit

Das Unentschieden brachte beiden Mannschaften nur sehr wenig. RB Leipzig hat nun wieder einen Abstand von vier Punkten auf den FC Bayern München. Auch Eintracht Frankfurt hat auf den fünften Platz nur noch einen Abstand von zwei Punkten. Leipzig konnten sich mehrere Chancen erspielen, konnten jedoch durch ungenaue Pässe im letzten Drittel nur eine dieser Torschüsse in einen Treffer umwandeln. Im Ballbesitz und im Pressing agierte sie allerdings sehr klug und könnten in zwei Spieltagen gegen den amtierenden Meister einen Sieg einfahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.