Das Aufbauspiel im 4-2-3-1

Kein System wird in Deutschland häufiger gespielt. War es früher noch das 4-4-2, so mauserte sich das 4-2-3-1 Anfang der 2010er Jahre zum Standard im deutschen Fußball. Die höhere Mittelfeldpräsenz, gepaart mit der defensiven Stabilität der Doppelsechs, passte besser zum modernen Fußball, indem sich offensive Mannschaften engen Verteidigungslinien gegenübersehen.

Wie wir allerdings alle wissen, sind Formationen per se noch kein Garant für ein erfolgreiches Team. Schließlich hängt es sehr stark von der Interpretation des Systems, der Rollen der einzelnen Spieler, sowie der Abläufe innerhalb der einzelnen Spielphasen ab. Beispielsweise lässt sich das 4-2-3-1 der Bayern unter Jupp Heynckes 2012/2013 nur schwer mit dem 4-2-3-1 der Bayern unter Hansi Flick vergleichen. 

Über die Jahre haben viele Teams das 4-2-3-1 komplett unterschiedlich genutzt. Grund genug einen Blick auf die Möglichkeiten, Herausforderungen und individuellen Anpassungen des Systems in den einzelnen Spielphasen zu werfen. 

Dies wird eine mehrteilige Serie, in der wir uns dem 4-2-3-1 in den verschiedenen Phasen widmen. Den Anfang macht das Aufbauspiel.

Das 4-2-3-1 Aufbauspiel

Wer meine Arbeit regelmäßig verfolgt, der weiß, dass das Aufbauspiel bei mir eine übergeordnete Rolle einnimmt, da ich schlichtweg davon überzeugt bin, dass der Spielaufbau essenziell für meine Mannschaft ist. Durch eine erfolgreiche Eröffnung gelangen wir erst in das gegnerische Angriffsdrittel, können Dominanz aufbauen und holen uns das nötige Selbstvertrauen den Gegner auch in den anderen Spielphasen zu dominieren. 

Bevor wir uns den verschiedenen Abläufen widmen, müssen wir kurz eine Problemstelle des 4-2-3-1 im Aufbauspiel analysieren und überlegen, wie wir diese beheben können. 

Der 2-2 Block

Schaut man statisch auf das 4-2-3-1, fällt einem im Aufbauspiel ziemlich schnell die 2-2 Staffelung der Innenverteidiger und Sechser auf. Viele Trainer weichen von dieser recht starren Staffelung kaum ab, allerdings birgt sie leider viele Nachteile. 

4-2-3-1 Aufbauspiel

Der erste Kritikpunkt wird recht offensichtlich, wenn man das folgende Beispiel näher betrachtet. 

Man sieht sofort wo das Problem liegt. Aufgrund der fehlenden diagonalen Verbindungen (im Beispiel sind sie zwar leicht diagonal, letztlich entstehen aber trotzdem zu viele horizontale und vertikale Passwege) gelingt es dem Gegner recht einfach mit nur zwei Spielern vier unserer Spieler effektiv zu verteidigen. 

Der ballnahe Stürmer kann den Ballführenden anlaufen und gleichzeitig den Sechser in den Deckungsschatten nehmen. Es reicht aus, dass der ballferne Stürmer leicht tieferkippt, um den unrealistischen Pass auf den zweiten Sechser (hier ZM, es wird später klarer, warum ich diese Unterscheidung mache) zu schließen. Da dieser diagonale Pass kaum zu spielen ist, kann der ballferne Stürmer stets auf den Querpass spekulieren und im Zweifel sofort Druck ausüben.

Des Weiteren haben die beiden gegnerischen Sechser eine einfache Zuordnung und können unsere Sechser sofort unter Druck setzen. Natürlich setzt dies voraus, dass der Gegner in einem 4-4-2 presst. Neben dem 4-2-3-1, das ganz leicht zum 4-4-2 werden kann, ist das 4-4-2 immer noch die Defensivformation, die wohl am häufigsten verwendet wird. 

Nun müssen wir uns überlegen, wie wir diese suboptimale Staffelung anpassen können. Unser Ziel lautet dabei möglichst viele diagonale Passlinien zu schaffen. Ein diagonaler Pass ist zum einen schwerer zu verteidigen als ein vertikaler Pass, bringt zum anderen mehr Raumgewinn als ein horizontaler Pass. 

Es mag nicht sofort intuitiv sein, warum ein diagonaler Pass schwerer zu verteidigen ist als ein vertikaler Pass. Man muss schon genauer hinschauen, um die Vorteile der Diagonalität zu begreifen.

Stellt euch die Positionierung des Passempfängers vor, wenn er einen vertikalen Pass spielt. Um diesen zu kontrollieren, muss er offen zum Passspieler stehen. Ist dies unser Innenverteidiger, erhält der Passempfänger den Ball mit dem Rücken zum gegnerischen Tor. Wird er sofort gepresst, kann er nicht aufdrehen und stellt für den Gegner keine große Gefahr dar. 

Schlimmer noch, wird das Prinzip des Durchpressens angewandt, kann der vertikale Pass sogar zur Pressingfalle werden. Erhält der Passempfänger bereits bei der Ballannahme Druck, lässt er oft den Ball direkt wieder zurück klatschen. Der Gegner kann seinen Pressinglauf schlicht fortführen (Durchpressen) und gleichzeitig den ursprünglichen Passempfänger in den Deckungsschatten nehmen. 

Ausnahmen sind vertikale Pässe, die als Lockmittel verwendet werden. In diesen Situationen möchte die offensive Mannschaft bewusst das Durchpressen provozieren, um dank einer besseren Struktur die sich öffnenden Räume zu nutzen. 

Im Vergleich zum vertikalen Pass, ist der diagonale Pass schwerer zu pressen. Hier hat der Passempfänger bereits mehrere Möglichkeiten das Spiel fortzusetzen, da er sich in einer leicht offenen Stellung befindet. Dies macht es auch für einen herausrückenden Verteidiger schwieriger sofort Druck auszuüben. Prescht er zu schnell aus seiner Position, ist es für den Passempfänger einfacher sofort einen offenen Raum anzusteuern. Außerdem werden diagonale Pässe gerne gegen die Verschieberichtung des Gegners gespielt. Dies ist besonders gefährlich, da ein diagonaler Pass meist verschiedene Aufgabenräume durchläuft. Es ist für den Gegner nicht sofort klar welcher Verteidiger herausrücken muss, um den Passempfänger unter Druck zu setzen. 

Mit diesem Wissen im Hinterkopf können wir nun überlegen, wie wir strategisch bessere Staffelungen im Aufbauspiel aus dem 4-2-3-1 heraus schaffen können. Grundsätzlich zielen wir entweder auf eine 3-1 oder eine 3-2 Staffelung ab. Beide garantieren eine Vielzahl an diagonalen Passwegen. 

Die Einbindung des Torhüters

Die erste Variante, um eine 3-2 Staffelung herzustellen, ist die Einbindung des Torhüters (mancherorts auch Torspieler genannt). Dies sollte keine große Überraschung sein, sehen wir doch immer mehr Torhüter, die technisch stark genug sind im Aufbauspiel Verantwortung übernehmen zu können. 

Gerade im tiefen Aufbauspiel bietet es sich natürlich an, den Torhüter zu involvieren. Eine Einführung in das Thema Torwartkette findet ihr in diesem Beitrag. Intensiver mit der hohen Torwartkette, haben wir uns in dieser Ausgabe des TFF-Magazins beschäftigt

Durch die Einbindung des Keepers stellen wir in der ersten Linie eine Dreierkette her. Mittels dieser ist die Breite besser besetzt, die Ballzirkulation kann durch die kürzeren Passwege beschleunigt werden und der Gegner hat es schwerer alle Passwege zu schließen. 

Der Unterschied ist enorm. Wieder läuft der ballnahe Stürmer den Innenverteidiger an und versucht den ballnahen Sechser mittels seines Deckungsschattens aus dem Spiel zu nehmen. Nun kann der Innenverteidiger allerdings über den Torhüter verlagern. Der ballferne Stürmer steht nun vor einer wesentlich größeren Herausforderung. Presst er den Torhüter an? Und wenn ja, in welchem Bogen? 

Versucht er beispielsweise das Spiel in die Mitte zu unterbinden, öffnet er den Passweg für eine Verlagerung auf den anderen Innenverteidiger. Folglich kann die rote Mannschaft den ballfernen Raum sofort attackieren und die erste Pressinglinie ist überspielt. Versucht er die Verlagerung zu unterbinden, ist der Passweg ins Zentrum auf die Sechser geöffnet. Selbst wenn der den TW bereits bei der Ballannahme unter Druck setzt, kann dieser immer noch den Ball mit dem ersten Kontakt ins Zentrum klatschen lassen.  

Der abkippende Sechser

Weder hat jede Mannschaft einen so spielstarken Torhüter, noch ist jeder Trainer so risikofreudig den Torhüter auch in höheren Zonen konstant einzubinden. Folglich müssen wir uns den Vorteil einer Dreierkette anderweitig herstellen. Dabei gibt es viele verschiedene Varianten, wie Johannes in unserem Magazin zum Aufbauspiel bereits erklärte. 

Die einfachste Variante ist das Abkippen eines Sechsers. In meiner Interpretation des 4-2-3-1 gibt es stets einen der beiden Sechser, der eher den tieferen, spielaufbauende Part einnimmt. Bastian Schweinsteiger ist hierfür ein passendes Beispiel. Der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft übernahm diesen Part im Zusammenspiel mit Javi Martinez 2013. 

Der Sechser hat nun verschiedene Möglichkeiten eine Dreierkette zu bilden. Entweder, er lässt sich zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, oder besetzt den Raum neben einem der beiden. 

Interessanter wird es in der Zone davor. In der oben gezeigten Szene baute die rote Mannschaft in einer 3-2 Staffelung auf. Dies sorgte für eine Vielzahl an Anspielstationen und eine stabile Struktur im Aufbau. Allerdings hatte die tiefe Positionierung der beiden Sechser zur Folge, dass in höheren Zonen eine Anspielstation wegfiel. 

Im Aufbauspiel sehen wir uns stets dem trade-off gegenüber. Mehr Spieler in tieferen Zonen bedeutet eine stabilere Eröffnung, sorgt jedoch für weniger fortsetzende Möglichkeiten. Es gibt hier keine richtige Antwort. Die 3-1, wie auch die 3-2 Staffelung haben ihre Vor- und Nachteile, wie euch Robin in diesem Artikel aufzeigt. Vielmehr ist die Entscheidung von der grundsätzlichen Herangehensweise, dem Spielermaterial und der Ausrichtung des Gegners abhängig. 

Baut man beispielsweise gegen ein 4-4-2 auf, erschwert der zentrale Spieler in der 3-1 Staffelung den gegnerischen Verteidigern die klare Zuordnung. Trifft man hingegen auf ein 4-2-3-1 oder 4-Raute-2 bietet sich eher die 3-2 Staffelung an. Aber Vorsicht, auch dies hängt von der Interpretation des Systems durch den Gegner ab. 

4-2-3-1 Aufbauspiel Taktik

Durch das Einrücken der Flügelspieler stellen wir den Gegner vor eine Herausforderung. Wir haben bereits in einem Video analysiert, wieso die Außenbahnen grundsätzlich nur einfach besetzt werden sollten.

Bewegen wir den Ball innerhalb unserer Dreierkette schnell und präzise, werden wir zwangsläufig einen unserer Innenverteidiger freispielen. Dribbelt dieser nun an, ergeben sich zwei Möglichkeiten. Entweder unser Flügelspieler kann zwischen den Linien freigespielt werden. Oder unser Außenverteidiger erhält mehr Raum und wir können über den Flügel in höhere Zonen vordringen.

Gelingt es uns den Flügelspieler zwischen den Linien anzuspielen, haben wir viel Raum gewonnen und möglicherweise Zugang zum Zehnerraum, selbst wenn der gegnerische Außenverteidiger in seinem Rücken ist

Alternativ können wir über den Außenverteidiger hinter die Mittelfeldlinie gelangen. Diese Route nutzen wir, wenn der Passweg in den Halbraum durch den gegnerischen Flügelspieler versperrt ist. Die Bayern nutzten erfolgreich dieses Mittel unter Hansi Flick, wie wir in diesem Video analysiert haben.

Nun werden einige argumentieren, dass der ballnahe Sechser der gelben Mannschaft den Halbraum verschließen könnte, während der Flügelspieler den Pass auf den AV bedroht. Grundsätzlich ist dies richtig, jedoch ergibt sich dann eine Passlinie auf unsere offensiven Mittelfeldspieler.

Damit diese theoretischen Ausführungen in der Praxis funktionieren, müssen die kleinsten Details richtig umgesetzt werden. Gerade in der Dreierkette sehe ich häufig die gleichen Fehler. Egal ob im Amateur- oder Profibereich. Angefangen mit dem Abstand zwischen der aufbauenden Dreierkette und dem Rest der Mannschaft. Dieser sollte recht klein sein, um schnelle Kombinationen zu ermöglichen und konstant Druck auf den Gegner auszuüben. Chelsea unter Thomas Tuchel ist hier ein sehr passendes Beispiel, Tottenham unter Mourinho war es eher nicht

Neben den kurzen Abständen zwischen den Mannschaftsteilen, ist die Positionierung der drei Spieler der Dreierkette von essenzieller Bedeutung. Stehen sie auf einer Linie, erschwert dies die Ballzirkulation. Der zentrale Spieler muss seinen Körper extremer drehen, verliert dadurch an Zeit und ist einfacher zu pressen. Des Weiteren nutzen die Halbverteidiger offene Räume schlechter, da sie aus einer tieferen Position starten. Stehen die drei jedoch leicht diagonal zueinander, vereinfacht dies die Ballzirkulation und ermöglicht es den Halbverteidigern sofort offene Räume mit dem ersten Kontakt zu attackieren. 

4-2-3-1 Aufbauspiel

Apropos Halbverteidiger. Der erste Kontakt nach einer Verlagerung ist essenziell für den weiteren Verlauf. Man beobachtet viele Verteidiger, die mit dem ersten Kontakt bereits in Richtung der Seitenlinie abdriften. Dies verschlechtert die Passwinkel und raubt ihnen wertvolle Meter. Da ein Stürmer sowieso seitlich pressen wird, sollte der Halbverteidiger sich nicht mit dem ersten Kontakt bereits stärker in Schwierigkeiten bringen als nötig. Stattdessen gilt es den Ball leicht diagonal in Richtung Zentrum mitzunehmen, um den Gegner sofort vor Probleme zu stellen.

Asymmetrisch mit einem Außenverteidiger?

Zwar birgt die obige Aufteilung bereits viele Vorteile. Die Überladung des Halbraums, sowie die schnelle Ballzirkulation in der ersten Linie haben wir hinreichend diskutiert. Ein Aspekt, der allerdings noch Schwierigkeiten bereitet, ist die Rolle des OMs bzw. die Aufteilung im Zentrum. In der statischen Darstellung positionieren sich vier Spieler auf der gleichen vertikalen Linie. Gemäß unserem Prinzip von möglichst nur zwei, maximal drei Spielern (in der zentralen Zone) auf der gleichen vertikalen Linie, gibt es hier noch Optimierungsbedarf.

Bevor ich eine alternative Aufbauvariante diskutiere, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass alle Darstellungen nicht statisch betrachtet werden sollen. Letztlich kommt es stets auf die Bewegungen der einzelnen Akteure ab. Diese hängen wiederrum von ihren Gewohnheiten und Stärken ab. Aspekte, die es gilt bei der Erstellung eines Game Models zu beachten. Wer zu diesem Thema mehr lernen möchte, der kann sich bereits jetzt für meinen neuen Onlinekurs anmelden, der aller Voraussicht nach im Juli veröffentlicht wird. 

Nun zurück zu unserer Staffelung im 4-2-3-1. Vorausgesetzt, wir möchten weiterhin mit einer Dreierkette aufbauen, ergibt sich eine weitere Variante, die eine bessere Aufteilung im Zentrum besitzt. Dabei bedienen wir uns einer Idee, die Manchester City mit Kyle Walker des Öfteren nutzt

Anstelle des Sechsers, orientiert sich nun ein Außenverteidiger in den Halbraum und agiert als Halbverteidiger. Einer der zentralen Innenverteidiger schiebt ins Zentrum und unsere Dreierkette ist komplettiert.

Diese Staffelung ist nun nicht weiter spektakulär. Anstelle der 3-1 Staffelung bilden wir nun ein 3-2 im Aufbau. Auch mit einem abkippenden Sechser hätten wir unser Aufbauspiel so strukturieren können. Der Unterschied liegt allerdings in den einzelnen Spielern, die nun andere Positionen besetzen.

Statt wie in der Variante oben, agiert nun nicht der Außenverteidiger, sondern der Flügelspieler breiter. Per se macht dies noch keinen Unterschied. Haben wir jedoch einen Flügelspieler im Kader, der gerne mit Tempo auf die Verteidigung zugeht und etwas mehr Platz benötigt, könnte diese Staffelung von Vorteil sein. 

Des Weiteren bringen wir unseren offensiven Mittelfeldspieler möglicherweise in für ihn bessere Positionen. Statt tiefer agieren zu müssen, oder im Zentrum abgeschnitten zu sein, können wir ihn nun im Halbraum als Übergangslösung nehmen. Abhängig von seinen Fähigkeiten, kann er hier für weitaus mehr Gefahr sorgen. 

Beispielsweise könnte die Verteidigung nach einem Seitenwechsel zu langsam sein, um aus der Position zu schieben. Erhält der offensive Mittelfeldspieler nun den Ball, kann er sofort aufdrehen und wir wechseln aus unserem 4-2-3-1 Aufbauspiel in unsere Offensivaktionen. 

4-2-3-1 Aufbauspiel Taktik

Möchten wir das angesprochene Aufdrehen im Halbraum noch stärker hervorbringen, bietet sich das Prinzip des Freiblockens an. Im Grunde missachten wir das Prinzip, dass sich möglichst nie mehr als drei Spieler auf derselben vertikalen Linie befinden dürfen. Die Idee dahinter ist es, den Gegner durch die Präsenz der beiden Spieler in der letzten Linie (LF und ST) am Herausrücken zu hindern. 

Entweder der Gegner reagiert auf diese Positionierung indem sich die Mittelfeldkette tiefer fallen lässt, oder wir finden ballnah einen Spieler frei zwischen den Linien. Geschieht Ersteres, werden wir den Ball einfacher in die gegnerische Hälfte transportieren können. Andernfalls haben wir wieder die Situation, in der einer unserer Spieler zwischen den Linien aufdrehen kann. Dann attackieren wir sofort die Tiefe und überrumpeln den Gegner. 

4-2-3-1 Aufbauspiel – Tiefe Außenverteidiger als weitere Variante

Nun agiert natürlich nicht jeder Gegner in einem 4-2-3-1 oder 4-4-2. In den letzten Jahren beobachten wir vermehrt Teams, die den Gegner nach innen lenken möchten. Gerade das 4-3-3 erweist sich nach den Erfolgen des FC Liverpools größerer Beliebtheit

Wie lässt sich ein solches Pressing nun überspielen? Basierend auf der Idee stets Überzahl in der ersten Linie zu haben, sind tiefe Außenverteidiger ein probates Mittel. Gerade wenn der Gegner versucht nach innen zu lenken, stellt eine tiefe Positionierung des Außenverteidigers den Gegner vor größere Herausforderungen. US Sassuolo unter Roberto De Zerbi ist hier ein schönes Anschauungsbeispiel. Die Italiener haben wir in diesem Artikel analysiert.

Die Grundstaffelung gegen ein 4-3-3 mit nach innen lenkenden Flügelspielern könnte in etwa so aussehen. Es fällt direkt auf, dass ich gegen meine Empfehlung die Außenbahn nur einfach zu besetzen, aufgestellt habe. Warum ich in dieser speziellen Situation davon abweichen würde, erkläre ich gleich. 

Bevor wir uns um die Lösung des Problems kümmern, sollten wir erst verstehen wo das Problem eigentlich liegt. Versucht eine Mannschaft den Gegner ins Zentrum zu lenken, ist es stets das Ziel das vorhandene Spielfeld zu verringern. Hier unterscheidet es sich nicht wirklich von dem nach außen lenkenden Pressing. 

Der Unterschied liegt eher darin, dass es für die Mannschaft in Ballbesitz unangenehmer ist dagegen zu spielen. Normalerweise agiert ein Linksfuß als linker Innenverteidiger und rechts ein Rechtsfuß. Durch das Anlaufen von außen nach innen werden die Innenverteidiger auf ihren schwachen Fuß gelenkt. 

Des Weiteren wird die Mannschaft in Ballbesitz in das chaotischere Zentrum gelenkt. Richtig genutzt, können Pressingfallen helfen dem Gegner aus verschiedenen Richtungen Druck zu geben. Dabei ist das Risiko eines Ballverlustes, der zu einer guten Chance führt, um ein vielfaches höher, da es schwieriger ist im Zentrum den Ball durch ein gutes Gegenpressing sofort zurück zu erobern. 

Nun basiert das gesamte Pressing darauf, dass man den Gegner ins Zentrum zwingt. Durch geschicktes Anlaufen werden die Flügelzonen unbespielbar und man kann sich verstärkt auf das Zentrum fokussieren. Nichts anderes tut beispielsweise Liverpool unter Jürgen Klopp mit den Flügelstürmern im Halbraum. 

Wir haben als Mannschaft in Ballbesitz nun zwei Möglichkeiten. Entweder wir lassen uns auf das Spiel ein und bauen darauf, dass wir im Zentrum die bessere Struktur und sehr viele pressingresistente Spieler haben, oder wir versuchen die sich öffnenden Flügelzonen zu bespielen. 

In diesem Beitrag möchte ich auf die zweite Möglichkeit eingehen. Eine ausführlichere Analyse zu der Möglichkeit sich durch das Zentrum zu kombinieren, werde ich an dieser Stelle zu gegebener Zeit ebenfalls veröffentlichen.

In erster Instanz muss es uns gelingen den, durch das Anlaufen, geöffneten Raum zu bespielen. Hierfür verwenden wir das Spiel über den Dritten. Aufgrund der tiefen Position unseres Außenverteidigers ergibt sich eine horizontale Passlinie für unseren Innenverteidiger. Entsprechend steht der Flügelspieler des Gegners vor der Herausforderung diesen Passweg zu schließen und gleichzeitig das Zentrum nicht zu weit zu öffnen. Genau diese Problematik möchten wir zu unserem Vorteil nutzen.

4-2-3-1 Aufbauspiel Taktik

Aufgrund des größeren Abstandes zwischen LV und ZM ergibt sich für den IV entweder die vertikale Anspielstation auf den ZM oder der Passweg auf den LV ist frei. Sollte der ZM angespielt werden, kann er, trotz Druck, den Ball reicht einfach nach außen klatschen lassen und wir attackieren nun die Räume hinter der ersten Pressinglinie. 

Hierbei ist es wichtig, dass der Flügelstürmer in einer breiten Position steht, um den gegnerischen Außenverteidiger zu binden. Folglich wird unser AV recht spät Druck erhalten und hat verschiedene Möglichkeiten die Überzahl am Flügel zu nutzen. Gegebenenfalls kann auch diagonal gegen die Verschieberichtung des Gegners verlagert werden. Mit Hilfe des Stürmers und des offensiven Mittelfeldspielers stehen hier verschiedene Fortsetzungsmöglichkeiten zur Verfügung. 

Fazit – 4-2-3-1 Aufbauspiel

An dieser Stelle möchte ich nun auch zu einem Ende kommen. Zwar gäbe es noch unzählige Aspekte, die sich diskutieren ließen. Allerdings denke ich, dass diese knapp 3000 Wörter bereits eine gute Einführung in die Thematik geben. Kurz zusammengefasst ist es für das 4-2-3-1 Aufbauspiel entscheidend die Problematik der 2-2 Staffelung zu lösen. Durch die versetzte Positionierung der beiden Sechser, sowie verschiedene Möglichkeiten der Überzahlschaffung in erster Linie, lassen sich passende diagonale Passlinien schaffen und es kann aus einer stabilen Struktur aufgebaut werden.  

Im nächsten Teil werden wir uns den verschiedenen Varianten des Offensivspiels im 4-2-3-1 widmen. Bis dahin, durchstöbert gerne ein wenig unsere Seite, oder schaut auf unseren Social Media Kanälen vorbei, wo wir euch mit kurzen Taktikvideos mit neuem Input füttern.

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