Robert Lewandowski – die Rekordsaison in der Datenanalyse

Die Saison 2020/21 wird in vielerlei Hinsicht im Gedächtnis bleiben. Nicht nur, weil aufgrund einer globalen Pandemie die meisten Spiele ohne Zuschauer stattfanden, sondern auch da es Robert Lewandowski gelang den uralten Torrekord von Gerd Müller zu brechen. 41 Tore, das letzte in der letzten Minute, so etwas gelang noch keinem Profi seit Einführung der Bundesliga. 

Nun wurde viel geschrieben über die Rekorde, die Lewandowski brach und warum er zurecht letztes Jahr den Ballon d’Or erhielt. In diesem Beitrag möchten wir deshalb einen anderen Fokus legen. Die Frage lautet, was können wir über den polnischen Superstar lernen, wenn wir einen Blick auf seine Daten werfen. Kleiner Disclaimer bevor es losgeht. Die meisten Daten, die wir zur Verfügung haben sind nicht restlos aussagekräftig und werden oft durch verschiedene Dinge, wie Spielstil der Mannschaft, Qualität der Mitspieler oder taktischen Vorgaben der Trainer beeinflusst. 

Nichtsdestotrotz lassen sich viele Dinge über Robert Lewandowski und den FC Bayern unter Hansi Flick herausfinden. 

Robert Lewandowski Weltklasse

Es wird nicht weiter überraschend sein, dass Robert Lewandowski auf seiner Position zur absoluten Spitze gehört. Gerade wenn es darum geht im Strafraum für Gefahr zu sorgen, ist vielleicht nur noch ein Lionel Messi stärker einzuschätzen als der Pole. 

Ein Blick auf sein Pizza Chart zeigt dies bereits. Mit Hilfe eines Pizza Charts lassen sich die Werte einzelner Spieler miteinander vergleichen. Dabei handelt es sich bei den dargestellten Werten nicht um absolute Werte, sondern die Position innerhalb der Verteilung. Im Grunde nehmen wir einfach alle Stürmer der besten fünf Ligen Europas und ordnen sie in den jeweiligen Kategorien gemäß den Zahlen, die sie in dieser Saison auflegten. 

Der Wert, der in diesem Chart dargestellt ist, bezieht sich folglich auf die Position des Spielers innerhalb der Verteilung. In der Kategorie Tore pro 90 Minuten sehen wir bei Robert Lewandowski eine 100. Damit liegt er im 100% Quantil. Das bedeutet, dass 100% der Spieler unserer Grundgesamtheit genauso viele oder weniger Tore pro 90 Minuten erzielten. 

Robert Lewandowski

Eine einfache Erklärung zu Quantilen und deren Interpretation findet hier. 

Hierbei ist es stets wichtig die Grundgesamtheit zu kennen, sprich die Vergleichsgruppe. In unserem Fall sind dies alle Stürmer, die in den fünf europäischen Topliegen spielen (Ligue 1, Premier League, Primera Division, Serie A und Bundesliga) und in dieser Saison mindestens 700 Minuten auf dem Platz standen. Aufgrund der Datenverfügbarkeit sind Spiele in der Champions League, Europa League und Pokalwettbewerben nicht inbegriffen. 

Genug der Erklärungen und Definitionen. Was sagt uns nun dieses Pizza Chart? Zum einen zeugt es natürlich von der Klasse, die Robert Lewandowski ohne Frage hat. Schließlich zählt man nicht zu den besten Torjägern Europas, wenn einem die nötigen Fähigkeiten fehlen. Allerdings ist die Einschätzung mit Vorsicht zu betrachten. Insbesondere wenn wir versuchen Spieler anhand ihrer Pizza Charts zu vergleichen, sollten wir die Limitationen und das Zustandekommen der Werte im Hinterkopf behalten. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema findet ihr hier. 

Im Grunde werden diese Werte unter anderem vom Spielstil der Mannschaft, der Qualität der Mitspieler und der Rolle eines Spielers innerhalb eines Systems beeinflusst. Zwar spielt die individuelle Qualität weiterhin eine große Rolle, allerdings kann auch ein Robert Lewandowski keine hohen expected Goals Werte auflegen, wenn seine Mitspieler nicht in der Lage sind den Ball in den Strafraum zu befördern. 

Das Pizza Chart von Thiago ist ein sehr schönes Beispiel für den Einfluss des Spielstils auf die einzelnen Werte. Seit seinem Wechsel nach Liverpool stiegen seine Werte in der Kategorie Pressure an. Dies ist sicherlich auf seine aktivere Rolle im wesentlich aggressiveren Pressing der Reds zurückzuführen. 

Persönlich finde ich Pizza Charts recht hilfreich, um einen ersten Eindruck des Spielstils des Spielers zu erhalten. Es zeigt sich gelegentlich recht schön was für ein Spielertyp der Akteur ist und wie seine Rolle innerhalb des Systems aussieht. Gerade bei Spielern, die ich noch nicht gut kenne, ist es ein hilfreicher erster Eindruck.

Eine Übersicht über die Profile weiterer Topstürmer findet ihr in diesem Twitter-Thread.

Die Bedeutung von Robert Lewandowski für den FC Bayern

Nun haben wir genug über die ersten Indikatoren von Robert Lewandowski gesprochen. Die viel wichtigere Frage, welche Bedeutung hat der Pole für den deutschen Rekordmeister? Das ist auf reiner Datenbasis, mit den mir zur Verfügung stehenden Daten, schwierig. 

Die kurze Verletzungspause von Robert Lewandowski habe ich genutzt, um mich einer möglichen Antwort zu nähern. Natürlich können wir keine direkte Kausalität feststellen, in dem wir einfach vergleichen wie die Bayern performten als er auf dem Platz stand und als er verletzt war. Hier fließen schließlich noch andere Komponenten mit ein. Nichtsdestotrotz zeigt sich bereits eine leichte Korrelation, wenn wir die non-penalty expected goals in den Spielern, in denen Lewandowski verletzt fehlte, mit den anderen Partien vergleichen. 

Robert Lewandowski

In dieser Grafik seht ihr den drei Spiele rollierenden Durchschnitt der non-penalty expected goals pro Schuss. Letztlich ein Indikator für die Güte der Chancen, die sich der Rekordmeister über die gesamte Saison herausspielte. Die Verletzungspause von Robert Lewandowksi ist durch den blauen Balken markiert. Man kann klar erkennen, dass es stets Schwankungen über eine Saison gibt. Schließlich korreliert dieser Wert stark mit der gegnerischen Qualität. Des Weiteren spielen viele verschiedene Faktoren, auch Glück, eine wichtige Rolle. Eine generelle Kritik am Expected-Goals-Wert findet ihr bei den Kollegen von Cavanis Friseur. 

Nichtsdestotrotz ist es nicht gerade überraschend, dass der Wert während der Verletzungspause des Polen sank. Schließlich sorgt er durch seine Präsenz, seine cleveren Laufwege und sein gutes Stellungsspiel im Sechzehner stets für Gefahr. Letztlich zeichnet sich ein Stürmer dadurch aus, dass es ihm gelingt, regelmäßig in gute Abschlusssituationen zu gelangen. 

In der nächsten Grafik wird die Auswirkung des Fehlens von Robert Lewandowski noch deutlicher. Diese zeigt den rollierenden Durchschnitt der Differenz zwischen Toren und expected Goals. Sehr gute Stürmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie grundsätzlich ihre expected Goals-Werte übertreffen. Schließlich werden die xG-Werte anhand der durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit für einen Treffer aus dieser Position und in dieser Situation berechnet. Ein Ausnahmestürmer ist in der Lage regelmäßig aus schwierigeren Positionen das Tor zu treffen. 

Seine Schüsse im System der Bayern

Neben der Wichtigkeit des Polens für die Bayern, zeigt auch sein Schussprofil einige interessante Aspekte.

In dieser Grafik sind alle Schüsse von Robert Lewandowski aus der abgelaufenen Bundesligasaison geplottet. Die Größe der Punkte richtet sich dabei an dem zugeschriebenen expected Goals Wert für diesen Schuss. Es zeigt sich ganz klar, der Pole findet sich vor allem innerhalb des Strafraums wieder. Anders als beispielsweise Kylian Mbappé hat der Pole hier keinen präferierten Raum, in dem er überdurchschnittlich oft zum Abschluss kommt. 

Auffallend ist sicherlich, dass die Bayern mit Lewandowski stets in der Lage sind den Ball in den Sechzehner zu tragen. Gerade nach Flanken wird der Pole gefährlich, egal ob am kurzen Pfosten, im Zentrum oder am langen Pfosten. 

Dabei deutet das Schussprofil aber nicht auf einen reinen Strafraumstürmer hin, der nun nach Flanken erfolgreich ist. Das ist auch keine Überraschung, wissen wir doch wie komplett Lewandowski ist. Schließlich ist er nicht nur in der Lage nach Flanken durch sein gutes Stellungsspiel zu Abschlüssen zu kommen, sondern der Pole ist auch in der Lage sich seine eigenen Schusschancen zu kreieren. Persönlich denke ich hier sofort an seinen Treffer im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona in München. 

Interessant ist auch wohin Robert Lewandowski seine Schüsse platziert.

Für neunundachtzig Prozent seiner Tore benötigt er nicht mehr als zwei Kontakte zum Torerfolg. Seine Augen sind immer auf den Ball gerichtet egal ob er von Gegenspielern umzingelt ist. Ein automatisierter Abschluss oder artistische Ballannahme machen diese Torerfolge möglich. Lewandovski’s Bewegungsablaufes wird vergoldet durch seine herausragende Schusstechnik. Es ermöglicht ihm auch aus schier unwahrscheinlichen Lagen Tore zu erzielen. Wie zum Beispiel gegen Stuttgart mit seinem bekannt starken rechten Fuß kann er einen harten, aber auch präzisen Fernschuss auf das Gehäuse abfeuern. Die Torwahrscheinlichkeit lag laut xG nur bei fünf Prozent, und landete unhaltbar in der unteren Ecke des Tores. 

Vergleiche zur Konkurrenz

Dieses komplette Paket an Torjägerqualitäten zeigt sich auch im Vergleich zu seinen Konkurrenten. 

Robert Lewandowski

Der Pole zeichnet sich neben seinen Torjägerqualitäten durch mitspielende Fähigkeiten aus und war dabei im variablen Angriffsspiel der Bayern unter Hansi Flick ein elementarer Bestandteil. Dies spiegelt sich auch in seinen Statistiken wider. Als groben Prädiktor für die Einbindung des Stürmers in das Offensivspiel, habe ich versucht seine Pässe in den Sechzehner und seine Ballkontakte in jenem gegenüberzustellen. 

Ein Stürmer der Offensivaktionen selbst einleiten kann, sollte hier recht weit rechts auftauchen. Zwar tut dies Lewandowski nicht zwangsläufig, jedoch könnte dies auch an der Stichprobe liegen. Fbref kategorisiert auch viele offensive Mittelfeldspieler oder Flügelspieler als Stürmer welche logischerweise mehr Pässe in den Sechzehner aufweisen. Nichtsdestotrotz ist er in guter Gesellschaft mit Stürmern wie beispielsweise Karim Benzema. Sein Rivale aus der Bundesliga, Erling Haaland, verzeichnet hier weniger Pässe. Das spiegelt seine tiefengebende Rolle bei den Dortmunder sehr gut wider.   

Fazit

Robert Lewandowski wird von vielen, nicht ohne Grund, zu den besten Spielern der Welt gezählt. Seine herausragenden Fähigkeiten vor dem Tor, sei es die gute Ballverarbeitung, das richtige Stellungsspiel oder der hervorragende Abschluss, sind für seine Mannschaft von unschätzbarem Wert. Ähnliches gilt auch für seine mitspielenden Fähigkeiten und auch im Anlaufen gehört der Pole zu den besseren Stürmern. Dieses Komplettpaket macht ihn erst so stark und für den FC Bayern so wichtig.

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