Vom Training ins Spiel #2 – Holstein Kiel vs Schalke 04

Im zweiten Beitrag der Serie „vom Training ins Spiel“ wird eine Szene aus der zweiten Bundesliga-Partie zwischen Holstein Kiel und FC Schalke 04 genauer analysiert und wieder Übungen für diese Aspekte erstellt. Die genaue Beschreibung zu dieser Serie beziehungsweise wie diese Beiträge aufgebaut sind, findet ihr hier.

Die Mannschaft aus Gelsenkirchen kann sich am zweiten Spieltag der 2. Bundesliga mit einem 3:0 gegen Holstein Kiel durchsetzen und damit auch den ersten Zweitliga-Sieg einfahren. Die ausgewählte Szene für den zweiten Beitrag ist das Herausspielen des dritten Treffers von Schalke, nachdem sie sich von der eigenen Hälfte beinahe in die Nähe des gegnerischen Strafraums herausspielen konnten. Im letzten Drittel verloren sie den Ball, konnten jedoch im Gegenpressing den Ball sofort wieder zurückerobern.

Szenebeschreibung

Nach einem Angriff von Holstein Kiel hatte Schalke 04 Abstoß. Der Schlussmann der Schalker spielte den Abstoß flach auf Dries Wouters. Wouters dribbelte sofort nach vorne und wurde gleich von einem Kieler angelaufen. An der Strafraumgrenze spielte er einen vertikalen Pass hinter die Pressinglinie der Kieler auf Dominik Drexler.

Abbildung 1: Abstoß der Schalker

Der Mittelfeldspieler ließ den Ball auf Victor Palsson prallen, der wiederum den Ball auf den Flügel zu Yaroslav Mikhailov spielte. Marius Bülter bewegte sich währendessen in die Flügelzone und bekam den Ball zugespielt. Nach dem Zuspiel lief Mikhailov in die Tiefe und wurde von Bülter angespielt. Dabei war jedoch der Pass zu ungenau und Holstein Kiel kam in den Ballbesitz.

Abbildung 2: Bülter bekam am Flügel den Ball

Nach seinem Fehlpass setzte Bülter sofort nach und Kiel konnte nur einen Pass spielen, ehe der Offensivspieler der Schalker den Ball am Sechzehnereck eroberte. Direkt nach der Balleroberung dribbelte Bülter Richtung Tor und konnte mit einem Abschluss ins kurze Eck den dritten Treffer erzielen.

Abbildung 3: Nach einem tiefen Pass kam es zum Ballverlust.

In dieser Szene konnte man Prinzipien sehen, wie man ein hohes Pressing überspielt oder auch nach einem Ballverlust im letzten Drittel reagieren kann. Bei der ersten Übung lag jedoch der Fokus auf das flache Herausspielen bei einem Abstoß.

1. Der flache Abstoß – 8vs7 Aufbauspiel

Gleich zu Beginn der Szene spielte Schalke 04 einen Abstoß flach ab und konnte mit der Anschlussaktion auch die Pressinglinie von Kiel überspielen. Dazu eine Übung, um das flache Herausspielen von Abstößen zu trainieren.

Abbildung 4: 8vs7 Aufbauspiel

Ablauf: In dieser Übung wird ein 7 gegen 7 gespielt. Die Mannschaft, die das große Tor verteidigt, hat zudem einen Tormann. Das Feld ist die normale Spielfeldbreite und ist 30 bis 40 Meter lang. Dies kann abhängig vom Alter und der Leistungsstufe der Spieler sein. Weiß (wie in der Grafik zu sehen) spielt immer einen flachen Abstoß. Dabei haben sie das Ziel entweder in eines der Minitore einen Treffer zu erzielen oder durch eines der drei Dribbeltore durchzudribbeln. Dabei zählen die Minitore Zwei und die Dribbeltore nur einen Treffer.
Erobert die schwarze Mannschaft den Ball, so kann sie so schnell wie möglich auf das große Tor spielen.

Variationen: Um diese Spielform zu variieren, könnte zunächst die Spieleranzahl sowie die Feldgröße verändert werden. In der Grafik wird eine 4-1-2 Staffelung gezeigt. Allerdings ist es auch hier möglich die Aufstellung beziehungsweise die Staffelungen im Aufbau nach den eigenen Spielprinzipien und Spielertypen zu verändern. Des Weiteren ist es möglich die Anzahl der Tore sowie die Positionen zu verändern, um den Spieler anderen Pass- beziehungsweise Dribbelwinkel zu ermöglichen.

Coachingpunkte: Der Fokus der Coachingpunkte liegt bei dieser Spielform vor allem bei der offensive beziehungsweise beide der ballbesitzenden Mannschaft. Zunächst ist es für die Spieler, die den Ball nicht haben, wichtig, dass sie sich aus dem Deckungsschatten des Gegners befreien beziehungsweise freilaufen. Der Abstoß ist eine Standardsituation. Daher können auch Laufwege einstudiert werden. Primär ist es dennoch wichtig, dass der Ballführende nach dem gespielten Anstoß mehrere Anspielstationen hat und bei einem hohen Pressing weder in ein Dribbling gehen noch einen hohen Ball nach vorne spielen muss. Dabei spielt die Kommunikation der einzelnen Spieler eine große Rolle. Die Spieler sollten sprachlich oder mit Handbewegungen den Ball immer wieder fordern.

Sodass der Ballführende eine situationsgerechte Entscheidung treffen kann, sollte er eine gute Vororientierung haben. Das heißt, bevor der Ball gespielt wird oder auch kurz vor der Ballmitnahme, sollten immer Schulterblicke oder Blicke nach vorne gemacht werden. Somit könnte der Spieler schon vor der Ballmitnahme wissen, was für eine Entscheidung er trifft. Dabei kann gesagt werden, dass der tiefste Pass beziehungsweise der schnellste Weg in die Tiefe gesucht werden soll. Das heißt, dass der Ballführende versucht einen Treffer in eines der sieben Tore zu erzielen.


Die Außenverteidiger haben in dieser Spielform eine besondere Rolle, da sie gewissermaßen für sich selber jeweils zwei Tore haben. Ein schräges Minitor, welches einen diagonalen Pass in die Mitte simulieren soll, und ein Dribbeltor. Dabei ist es für den Außenverteidiger wichtig sich zunächst freizustellen und immer wieder blicke nach vorne zu machen, um bei einem möglichen Zuspiel entweder einen diagonalen Pass in das schräge Tor zu spielen oder durch das Tor durchzudribbeln.

Für die Innenverteidiger, falls die defensive Mannschaft nicht die Aufgabe hat hoch anzupressen, ist das Andribbeln ein wichtiger Bestandteil im Aufbau. Wenn die Abwehrspieler genug Platz vor sich haben, so können sie den Raum mit Tempo andribbeln. Durch dieses Dribbling können sie einen Gegenspieler binden und möglicherweise öffnet sich ein Passweg, der ohne Andribbeln nicht möglich war.

Diese Übung eignet sich nicht nur, um das Herausspielen nach einem Abstoß zu trainieren, sondern auch das Pressing der defensiven Mannschaft kann im Detail durchgegangen werden. Besonders, wenn man von der Mannschaft ein hohes Pressing verlangt, können Mechanismen und das Anlaufverhalten trainiert werden. Beim Anlaufen sind vor allem Schulterblicke wichtig, um immer wieder zu sehen, wo der Gegner steht und diesen weiterhin im Deckungsschatten zu halten. So können auch die Wege zum Tor verhindert werden, wenn der Deckungsschatten sinnvoll genützt wird.

Des Deiteren können Pressingauslöser trainiert werden. Das heißt, wann genau der Punkt ist, bei denen die Spieler aggressiv und intensiv attackieren. Hier können bestimmte Spieler oder Zuspiele ausgewählt werden.

2. Spiel zwischen den Linien – 6vs7 Zonenspiel

Abbildung 5: 6vs7 Zonenspiel

Ablauf: Zwei Mannschaften mit jeweils einen Tormann spielen in dieser Übung in einem 15 x 30 Feld gegeneinander. Dabei ist jedoch die verteidigende Mannschaft in Überzahl. Dieses Feld wird in drei horizontalen Zonen aufgeteilt. In jeder Zone gibt es im Spielaufbau eine bestimme Anzahl an Spielern. So darf, wenn die schwarze Mannschaft (wie in der Grafik) den Ball hat, in der Aufbauzone nur zwei Spieler inklusive Tormann sein. In der zweiten Zone gibt es ein 4 vs 3, wobei die verteidigende Mannschaft hier in Überzahl ist. Im vorderen Drittel befinden sich zwei Spieler der defensiven Mannschaft. Die schwarze Mannschaft hat im Spielaufbau die Aufgabe einen der drei Spieler hinter der Pressinglinie anzuspielen. Es darf nicht in die andere Zone gedribbelt werden.
Sobald einer der drei Spieler in der mittleren Zone angespielt wird, startet ein normales Spiel und die Zonen heben sich auf. Die drei Spieler hinter der Viererkette können sich zwar auch vor der Pressinglinie anbieten, jedoch kann dann der Ball nur prallen gelassen werden. Die verteidigende Mannschaft beziehungsweise die vier Spieler in der mittleren Zone nur in dieser Zone verteidigen/ verschieben bis der Ball nach vorne gespielt wird.

Varianten: Sowie in der vorherigen Übung kann die Feldgröße sowie die Spieleranzahl verändert werden. Dabei kann sich auch die Anzahl der Spieler in den jeweiligen Zonen verändern. So könnte beispielsweise in der Aufbauzone bereits ein Gegenspieler platziert werden, sodass die Aufbauspieler im Ballbesitz unter Druck geraten.
Auch ist es möglich mehrere horizontale Zonen einzubauen. Dadurch hätte die offensive Mannschaft die Aufgabe mehrere Linien hintereinander zu überspielen. Das bedeutet, dass die Aufbauspieler zunächst Zielspieler haben und diese Zielspieler weitere Anspieler hinter einer nächsten Pressinglinie anspielen müssen.

Coachingpunkte: In dieser Spielform ist zunächst die Ballzirkulation in der ersten Aufbaulinie wichtig. Das heißt, dass die zwei Aufbauspieler sowie der Tormann versuchen müssen die gegnerische Viererreihe zum Verschieben zu bringen. Somit müssen die Spieler in der ersten Zone mit so wenig Kontakten wie möglich den Ball laufen lassen. Um den Ball hinter die Linien zu bekommen, spielt jedoch auch die Vororientierung dieser Aufbauspieler eine große Rolle. Immer wieder müssen die Spieler Blicke nach vorne machen, um eine mögliche Lücke in der Viererkette zu sehen und durch diese bei einem Zuspiel gleich durchzuspielen. Dabei muss die Körperposition bei der Ballmitnahme situationsgerecht sein. Eine offene Stellung/ Ballmitnahme hilft einen geöffnete Passweg schneller zu bespielen.

Auch für die Anspieler hinter der gegnerischen Reihe sind Schulterblicke sowie die offene Körperposition bedeutende Punkte. Können sich die Zielspieler optimal positionieren und wissen, wo der Gegenspieler steht, so kann das Spiel optimal nach vorne fortgesetzt werden.

In dieser Spielform gibt es für die defensive Mannschaft einige Punkte, auf die sie sich konzentrieren können. Zunächst liegt der Fokus besonders auf das Verschieben der Viererreihe. Hier ist bedeutend, dass die Abstände nicht zu groß sind und durch tätigen der Schulterblicke immer zu sehen ist, wo die Gegenspieler sich befinden. Dadurch kann der Deckungsschatten optimal verwendet werden. Wir die Linie überspielt so müssen sie gleich auf den Ballführenden druck ausüben. Dies kann auch durch das Herausrücken der zwei defensiven Spieler in der letzten Zone passieren. Zudem sind Kommandos von den defensiven Spielern wichtig, um das Verschieben der vorderen Linie zu erleichtern.

3. Gegenpressing zum Torabschluss – 6vs7 auf drei Tore

Diese Übung ist aus dem Buch „Fußball durch Fußball“ von Rene Maric und Marco Henseling, allerdings wurde sie ein wenig abgeändert, sodass der Fokus auf dem Gegenpressing und dem Torabschluss liegt. Bülter kam im Spiel gegen Schalke zum Abschluss, nachdem er nach seinem Fehlpass direkt nachsetzte und den Ball wieder zurückeroberte.

Abbildung 6: 6vs7 auf drei Tore

Ablauf: Es spielen zwei Mannschaften gegeneinander. Dabei ist jedoch eine Mannschaft mit einem Spieler in Überzahl. (schwarze Mannschaft) Diese Mannschaft hat auch zu Beginn den Ball und startet das Spiel. Das Ziel der weißen ist es den Ball zu erobern und in der Ballbesitzphase zwei Tormänner anzuspielen. Die Aufgabe der schwarzen Mannschaft ist daraufhin in das Gegenpressing überzugehen und nach einer Balleroberung so schnell wie möglich zum Torabschluss zu kommen. Um viele Torabschlussmöglichkeiten zu bieten, wurden in dem diamantenförmigen Feld drei Tore mit jeweils einem Tormann aufgestellt.

Varianten: Auch in dieser Spielform kann die Spieleranzahl sowie die Feldgröße variiert werden. Bei einer größeren Anzahl an Tormännern können weitere Tore hinzugefügt werden. Auch eine Variation an Torgrößen ist möglich. Zudem könnte die Feldform von der jetzigen Form variieren, sodass beispielweise mit vier großen Toren gespielt wird und dabei ein Viereck mit abgekappten Ecken gebildet wird.

Coachingpunkte: Bei den Coachingpunkten der Übung liegt der Fokus vor allem im Gegenpressing. Das bedeutet, wie schnell reagieren die Spieler nach einem Ballverlust oder wie ist das Anlaufverhalten auf den Ballführenden. Besonders das Anlaufverhalten kann immer wieder korrigiert werden, damit dem gegnerischen Ballführenden nach einem Ballverlust, so wenige Passoptionen wie möglich geboten werden. Dabei ist es auch wichtig, dass der pressende Spieler so schnell wie möglich in den Zweikampf kommt.

Kommt es zum Ballgewinn, muss es so schnell wie möglich zum Abschluss auf das nächste Tor kommen. So muss bereits beim Anlaufen im Gegenpressing darauf geachtet werden, wo der Spieler das schnellste Tor nach einem Ballgewinn erzielen kann. Daher ist die Vororientierung auch hier wichtig. Zudem ist möglich Ballverluste der eigenen Mannschaft zu provozieren, sodass in dieser Zone der Ball wieder zurückerobert werden  und möglichst schnell auf das Tor gespielt werden kann.

Für die weiße Mannschaft steht in dieser Übung vor allem das gemeinsame pressen und attackieren im defensiven Vordergrund. Das bedeutet, dass die Abstände zwischen den Spielern nicht so groß sein dürfen. Gewinnen sie den Ball sollten sie so schnell wie möglich aus der Zone, in dem der Ballgewinn war, herauskommen. Hier können vor allem lange Bälle auf einen der drei Tormänner hilfreich sein, um sich aus dem Gegenpressing herauszulösen. Daher ist auch hier für die Spieler eine Vororientierung ein bedeutender Bestandteil.

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