Romelu Lukaku – das fehlende Puzzlestück für Tuchels Chelsea?

Thomas Tuchel eroberte die Herzen der Fans des FC Chelseas in der letzten Saison im Sturm. Dank der starken Verteidigung und dem sauberen Positionsspiel, führte der ehemalige Dortmund-Trainer die Blues nicht nur auf einen Champions-League-Platz, sondern krönte die Saison in jenem Wettbewerb mit dem Gewinn des Finals gegen Pep Guardiolas Manchester City. Nichtsdestotrotz gab es Optimierungspotenzial. Bei aller defensiven Stabilität fehlte es den Blues gerade vor dem Tor an der nötigen Abschlussstärke. Romelu Lukaku könnte dieses Problem beheben und zum fehlende Puzzlestück für den Premier-League-Titel werden. Doch wie und warum passt der Belgier so gut zu Tuchels Chelsea?

Warum braucht Chelsea einen neuen Stürmer?

Bereits im letzten Jahr identifizierte man die Offensive bei den Blues als Schwachstelle. Mit Kai Havertz, Timo Werner und Hakim Ziyech wurden damals talentierte Spieler an die Stamford Bridge gelotst. Zwar hatte man zusammen mit Christian Pulisic, Callum Hudson-Odoi und Mason Mount letzte Saison eine schlagkräftige Offensive, allerdings haperte es am Abschluss. Weder Werner noch Havertz oder Ziyech waren in der Lage in ihrem ersten Jahr in England dieses Problem zu lösen.    

Romelu Lukaku Taktik Analyse

Diese fehlende Abschlussstärke spiegelte sich in Zahlen wider. Wie sich der Grafik entnehmen lässt, blieben die Blues seit der Amtsübernahme von Thomas Tuchel stets unter ihrem expected Goals Wert. Das bedeutet, dass sie unterdurchschnittlich gut in der Verwertung ihrer Torchancen waren. Aus diesem Grund wurde ein neuer Stürmer als Transferziel Nummer eins auserkoren. Romelu Lukaku soll nun dabei helfen dieses Manko zu beheben.

Wie funktioniert das System von Tuchel in der Offensive?

Bevor wir auf die Stärken Lukakus und seine mögliche Rolle in Tuchels Offensive zu sprechen kommen, werfen wir erst einen kurzen Blick auf die bisherigen Mechanismen des Chelsea-Spiels im gegnerischen Drittel.

Grundsätzlich agieren die Blues unter Thomas Tuchel in einem 3-4-2-1. Dabei wird großen Wert auf eine stabile Ballzirkulation und gute Konterabsicherung gelegt. Allen voran die beiden Mittelfeldspieler Jorginho und Mateo Kovacic sind hierfür zuständig. Zusammen mit den breiten und hohen Wingbacks und der Dreierkette, verfügt Chelsea über eine stabile Struktur, um den Gegner in Bewegungen zu bringen und Räume zu öffnen. Gleichzeitig fungiert ihre 3-2 Staffelung im Zentrum als Absicherung für mögliche Konter.

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Im Fokus der Offensivbemühungen steht der Durchbruch zwischen die Abwehr- und Mittelfeldreihe. Damit dies gelingt, bewegen sich die drei Offensivspieler zwischen den Ketten des Gegners und versuchen mit Hilfe von gegenläufigen Bewegungen Räume zu öffnen. Eine Aktion ist dabei typisch für Thomas Tuchel. Die ballfernen Offensivspieler sind stets darum bemüht Tiefe zu geben. Die Abwehrkette des Gegners ist daraufhin gezwungen die Tiefenläufe durch ein kurzes Fallen zu verteidigen. Ballnah eröffnet dies größere Räume für Chelseas Spieler zwischen den Linien. Versucht die Abwehrkette weiterhin hoch zu stehen, verfügen die Blues mit Kovacic und Jorginho über zwei Spezialisten für Chippässe hinter die letzte Abwehrkette.

Neben den ballfernen Tiefenläufen ist es die saubere Besetzung unterschiedlicher horizontaler und vertikaler Linien, die es den Blues ermöglicht sich zwischen die Abwehrketten zu kombinieren. Mit Hilfe von Dreiecken am Flügel kombinieren sich die Blues zwischen die gegnerischen Linien. Diese Dreiecke spannen meist der offensive Mittelfeldspieler, der Wingback und der Sechser auf. Auch innerhalb dieser Dreiecke gilt stets die Prämisse, dass ein Spieler die Tiefe gibt. Da der Sechser als Anker fungiert, ist es entweder der Wingback oder der offensive Mittelfeldspieler, der den Raum hinter der Abwehr attackiert. Ähnlich wie auf der ballfernen Seite, sorgt der Tiefenlauf innerhalb des Dreiecks für eine gefährliche Anspielstation. Gelingt das Anspiel nicht, wurde trotzdem Raum geschafft, den der Ballführende nutzen kann.

Aus den Dreiecken am Flügel heraus attackieren die Blues entweder die Tiefe, mit Hilfe von diagonalen Aktionen das Zentrum, oder es wird schlicht über die Mittelfeldachse erneut verlagert. Dank der sauberen Struktur verliert das Kombinationsspiel nie an Tempo, der Gegner wird immer wieder auseinandergezogen und muss in der Lage sein auch bei hohen Tempo keine Fehler zu machen. Da das Team von Thomas Tuchel über viele starke Techniker verfügt, werden kleinste Fehler für Pässe zwischen die Linien oder in die Tiefe genutzt. Die regelmäßigen gegenläufigen Bewegungen führen des Weiteren zu Übergabeproblemen bei der gegnerischen Defensive und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Mason Mount, Christian Pulisic oder Kai Havertz den Ball frei zwischen den Linien erhalten.

Bei aller Gefahr durch ihr schnelles Kombinationsspiel, fehlte es den Blues gelegentlich an einem Stürmer, der als Wandspieler fungieren und selbst Gefahr vor dem Tor ausstrahlen kann. Zwar versuchte Tuchel diese Rolle mit Olivier Giroud zu füllen. Der Franzose bewegt sich zwar intelligent, konnte letztlich aber nicht für die erhoffte Durchschlagskraft sorgen. Mit Romelu Lukaku erhält Chelsea nun einen Spieler, der nicht nur prädestiniert für diese Rolle ist, sondern mit seinen Fähigkeiten eine weitere Facette in das Spiel der Blues bringt.

Was zeichnet Lukaku aus?

Auf den ersten Blick wirkt Lukaku wie der typische Strafraumstürmer. Seine Statur ist typisch für einen Stürmer, der lange Bälle festmachen und Flanken verwerten kann. Sicherlich zählt der Belgier in diesen Bereichen nicht zu den schlechtesten Stürmern im Weltfußball. Lukaku aber auf seine physischen Komponenten und folglich seine Rolle als Zielspieler zu reduzieren, wäre ein großer Fehler. Romelu Lukaku ist vielmehr als der klassische Strafraumstürmer.

Neben seiner Stärke, mit der er Bälle festmachen kann, verfügt er über eine unglaubliche Schnelligkeit gepaart mit einer hohen Explosivität. Doch nicht nur das, Lukakus Technik im Spiel mit dem Rücken zum Tor ist herausragend. Zwar hat er hin und wieder Probleme mit seinem ersten Kontakt, allerdings nutzt er seine Fähigkeiten clever, um zu Torchancen zu kommen. Darüber hinaus hat er dank seines hohen Spielverständnisses ein breites Spektrum an Möglichkeiten für Gefahr zu sorgen. Egal ob Tiefenlauf, kurzes Fallenlassen oder ein Dribbling in Kontersituationen. Lukaku trifft fast immer die richtige Entscheidung und ist in der Lage diese auszuführen. 

Romelu Lukaku Taktik Analyse

Insbesondere sein Passspiel hat sich in den letzten Jahren extrem verbessert. Nicht ohne Grund sehen wir, dass seine Pässe im letzten Drittel meist zum Erfolg führen – bei den expected assists, welches ein Maß für die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pass zum Assist wird, ist, befindet er sich im 94% Quantil und zählt damit zur Elite auf seiner Position. 

Lukaku erzielt nicht nur viele Tore, sondern nimmt fast durchgehend effiziente Schüsse (siehe npxG/Sh, der non-penalty expected Goals Wert pro Schuss). Einzig seine Defensivarbeit könnte als Manko ausgemacht werden. Hier wird es darauf ankommen, wie Tuchel den Belgier im Pressing einsetzt.

Pizza Charts von Olivier Giroud und Timo Werner (mit dem Slider lässt sich der jeweilige Graph komplett sehen)

Nichtsdestotrotz ist der Belgier ein Upgrade zu Tuchels Sturmoptionen aus der letzten Saison. Während Timo Werner vor allem von Tiefenläufen hinter die Abwehrkette lebt, agierte Giroud meist mit dem Rücken zum Tor. Romelu Lukaku hat beide Seiten in seinem Repertoire. Im System von Antonio Conte fungierte der Belgier gemeinsam mit Lautaro Martinez als Doppelspitze in Inters 3-1-4-2. Dabei übernahm er regelmäßig den Part des Zielspielers für die Halbverteidiger oder Brozovic. Seine Aufgabe war es den Ball festzumachen, auf nachrückende Achter klatschen zu lassen, oder selbst aufzudrehen. Insbesondere Letzteres zeichnet ihn aus. Es gibt nur wenige Spieler, die sich so geschickt mit dem ersten Kontakt um ihren Gegenspieler herumdrehen können wie der ehemalige Spieler von Manchester United. 

In diesem bekannten Video mit Jamie Carragher erklärt Lukaku anschaulich, wie er sich mit dem Rücken zum Tor verhält. Seine diagonale Stellung und das Schaffen von Raum zwischen sich und dem Verteidiger erlaubt es ihm blitzschnell an jenem vorbeizugehen und dabei stets den Ball zu beschützen.

Sollte das Video im Beitrag nicht starten, dann einfach auf YouTube öffnen.

Dank dieser Fähigkeit verfügt Lukaku im Spiel über einen immensen Vorteil. Würde er den Ball ausschließlich auf nachstoßende Mittelfeldspieler klatschen lassen, könnten Verteidiger mit hohem Tempo herausrücken. Sein Aufdrehen mit dem ersten Kontakt bestraft dieses schnelle Herausrücken allerdings sofort. Folglich müssen Verteidiger wesentlich vorsichtiger und präziser herausrücken. Einmal im falschen Winkel angelaufen, bestraft der Belgier dies sofort und attackiert den freien Raum. Diese Tatsache führt dazu, dass seine Mitspieler ebenfalls mehr Raum haben, wenn sie den Klatschpass erhalten.

Im System Contes waren Anspiele in seinen Fuß meist der Startschuss für Rhythmuswechsel im Offensivspiel. Selbst wenn ein Verteidiger das Aufdrehen richtig antizipiert, muss er den kräftigen und antrittsstarken Lukaku erst einmal ohne Foul vom Ball trennen. 

Diese Szene gegen die Roma steht sinnbildlich für die Gefahr der Drehung. Die Römer versuchten durch ein aggressives Herausrücken ihrer Fünferkette das Steil-Klatsch-Spiel von Inter zu unterbinden. Mit Erfolg. Ihr hohes Pressing zerstörte den Rhythmus Inters und erschwerte ein Aufbauspiel durch das Zentrum. Allerdings öffnet ein mannorientiertes hohes Pressing stets Räume hinter der letzten Linie. Hier schiebt Smalling auf Lukaku, nachdem sich dieser fallen ließ. Die Tatsache, dass der Halbverteidiger auf Hakimi schieben musste, öffnete den blau markierten Raum. Romelu Lukaku erkennt dies und nutzt eine geschickte Drehung bei der Ballannahme, um das Loch zu bespielen.

Wie bereits angesprochen, ist der Belgier mehr als nur der klassische Stoßstürmer. Auch Antonio Conte erkannte dies. Der ehemalige Chelsea-Trainer setzte in den meisten Spielen auf die Kombination Lautaro Martinez und Romelu Lukaku. Dabei war es Martinez, der des Öfteren in einer höheren Rolle mit Tiefenläufen glänzte, während der Belgier regelmäßig ins Kombinationsspiel einbezogen wurde. Wer Inter unter Antonio Conte nur selten verfolgte, den verweise ich sehr gerne auf unsere Mannschaftsanalyse. Kurz gesagt, Inter setzte sehr oft auf Spiel über den Dritten Kombinationen. 

Romelu Lukaku Taktik Analyse

Dabei zeichnet sich Lukaku durch ein sehr gutes Gespür für die richtigen Freilaufbewegungen aus. Anders als ein Spieler, wie Timo Werner handelt es sich hierbei nicht um weiträumige Bewegungen. Vielmehr sind es kleine Anpassungen der Position, ein kurzes Fallenlassen, ein Schritt aus dem Deckungsschatten oder ein Lauf in die Tiefe. Im Beispiel oben antizipiert er bereits frühzeitig, dass Barella Unterstützung benötigt. Seine Positionierung ermöglicht es dem italienischen Europameister den Ball mit dem zweiten Kontakt auf Lukaku abzulegen. Wieder schafft der Belgier die Tempoverschärfung durch einen first touch pass auf Martinez. Anders als viele seiner bulligen Kollegen, ist Romelu Lukaku eine echte Waffe, wenn er den Klatschpass erhält und mit Tempo auf die Verteidigung zugehen kann. Gerade in Kontersituationen sorgt er so für jede Menge Gefahr. 

Neben der tieferen Position im Mittelfeld, stellen Lukakus Klatschpässe auch im letzten Drittel eine große Gefahr dar. 

Ein schönes Beispiel lieferte sein Tor gegen Genua. Nachdem Barella gegen einen unkompakten Gegner den offenen Raum attackierte, war es ein einfacher Doppelpass mit Lukaku, der dem Belgier letztlich freie Bahn zum Führungstreffer bot. Eine ähnliche Rolle nahm Olivier Giroud letzte Saison bereits bei Chelsea ein. Auch der Franzose versteht sich mit sauberen Klatschpässen gegnerische Linien auseinanderzunehmen. Der Unterschied, Lukakus athletische Fähigkeiten erlauben ihm freie Räume sofort zu nutzen. 

Das besondere an Romelu Lukaku ist, dass er sich, neben seinen Fähigkeiten als Wandspieler, auch als Tiefengeber auszeichnet. Sein hohes Spielverständnis gepaart mit seiner Antrittsschnelligkeit ermöglichen es ihm jeder Verteidigung weh zu tun. Gerade bei seinen Spielen für die belgische Nationalmannschaft machen ihn seine intelligenten raumöffnenden Bewegungen so wichtig für sein Team. 

Romelu Lukaku Taktik Analyse

Auch bei Inter zeigte Lukaku seine Fähigkeiten offene Räume zu attackieren. Wieder zieht Barella ein Loch in die Verteidigung des Gegners, Lukaku erkennt dies frühzeitig und sprintet in den offenen Raum. Seine gute Technik ermöglicht dem Belgier so gut wie jeden langen Ball festzumachen. Entweder er erhält ihn in den Lauf und zieht am Verteidiger vorbei, oder er schirmt den Ball mit seinem stämmigen Körper ab.

Zwar brachte Romelu Lukaku bereits früher ein einzigartiges Fähigkeitenprofil mit, dass er in den letzten Jahren verfeinerte. Nichtsdestotrotz muss ein Trainer den Belgier richtig einbinden, um seine Stärken voll zum Tragen zu bringen. In England hatte der Belgier auch deshalb Probleme, da viele ihn als Zielspieler für lange hohe Bälle sahen. Zwar ist er in der Lage dies zu tun, zählt jedoch in diesem Bereich nicht zur absoluten Elite. Folglich wusste er weder bei Chelsea unter Mourinho, noch in Manchester voll zu überzeugen. Erst nach seinem Wechsel zu Inter Mailand glänzte Lukaku im System von Antonio Conte in aller Regelmäßigkeit. Gelingt es auch Thomas Tuchel den Belgier richtig einzubinden, hievt er die Blues auf eine neue Stufe.

Wie kann Lukaku im System von Tuchel genutzt werden?

Wie gelingt nun die richtige Einbindung und mit welchen Spielern würde Lukaku im System Chelseas am besten harmonieren?

Die Einbindung von Olivier Giroud könnte als Vorbild dienen. Auch wenn der Franzose letzte Saison nicht oft zum Einsatz kam, so war er doch der einzige Mittelstürmer. Tammy Abrahams Fähigkeiten passten nicht zum Stil des ehemaligen Mainzers, weswegen der Stürmer aus der eigenen Academy den Verein wohl verlassen wird. 

Insbesondere die Rolle, die Giroud in Tuchels 3-1-4-2 innehatte, würde zu Romelu Lukaku passen, schließlich handelte es sich um eine ähnliche Feldaufteilung wie Inter unter Antonio Conte nutzte. Im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Atlético Madrid lief der Franzose gemeinsam mit Timo Werner auf. Eine Kombination, die auch mit Lukaku vorstellbar wäre. Werner hielt sich dabei primär ballfern auf und versuchte mit passenden Tiefenläufen für Gefahr zu sorgen, während Giroud die Rolle eines klassischen Wandspielers innehatte. 

Romelu Lukaku

Die obige Spielszene illustriert, wie das Zusammenspiel aussehen könnte. Werner und Hudson-Odoi geben in diesem Fall die Tiefe, während Giroud entgegenkommt und mit einem einfachen Klatschpass die Mittelfeldlinie des Gegners überwindet. Romelu Lukaku könnte diese Rolle eins zu eins übernehmen. Mit seiner für ihn typischen Drehung bei der Ballannahme wäre, neben dem Überwinden der Mittelfeldlinie, auch ein direktes Spiel in die Tiefe möglich. Der Belgier hätte sich in der Szene wohl mit dem Ball drehen können und den gelben Raum attackiert. Timo Werners Fähigkeiten hinter die letzte Linie zu gelangen, kämen sofort stärker zum Tragen und auch das Mittelfeld würde profitieren. Aufgrund der Gefahr des Aufdrehens muss der Gegner enger stehen, was zu mehr Platz für Kovacic & Co. sowie einen größeren Raumgewinn sorgt. 

Romelu Lukaku Taktik Analyse

Besonders im letzten Drittel könnte Lukakus geschicktes Aufdrehen mit dem Rücken zum Tor den Blues zu mehr Durchschlagskraft verhelfen. Thomas Tuchels Mannschaft verfügt im Mittelfeld über eine Reihe an Spielern, die den genauen Moment für einen Pass zwischen die Linien erkennen und Lukaku den Ball haargenau in den Fuß spielen können. 

Romelu Lukaku als Tiefengeber

Neben der reinen Rolle als Wandspieler, bergen die Fähigkeiten des Belgiers auch das Potenzial, dass er für Tiefe sorgt. Gerade, wenn Tuchel in seinem präferierten 3-4-2-1 auf Kai Havertz gemeinsam mit Mason Mount setzt, benötigt es einen Tiefengeber. Lukaku kann hier entweder als Wandspieler für Tiefe sorgen, wie es Olivier Giroud in dieser Situation versuchte, oder er lauert an der Abseitskante und kann geschickt mit Hilfe von Chippässen in Szene gesetzt werden.

Im Vergleich zum Franzosen, bringt Lukaku die nötige Geschwindigkeit mit, um im Rücken der Abwehr regelmäßig für Gefahr zu sorgen. Zwar ist sein erster Kontakt nicht immer sauber, allerdings machte er in seiner Karriere bisher große Fortschritte in diesem Bereich. 

Romelu Lukaku

Auch in Chelseas typischer Dreiecksbildung am Flügel könnte der Belgier von großem Nutzen sein. Egal ob Chilwell oder Pulisic in der Szene oben den Ball von Kovacic erhält, Lukaku könnte sofort unterstützen, in dem er sich im gelb markierten Raum anbietet. Wieder bieten seine Fähigkeiten verschiedene Möglichkeiten, die das Angriffsspiel der Blues unausrechenbar macht. Steht der Gegner höher, kann Lukaku mit einem seiner Tiefenläufe sofort für Gefahr sorgen. Gegen einen tief stehenden Gegner ergeben sich wiederrum Möglichkeiten durch Steil-Klatsch-Kombinationen mit ihm als Wandspieler ins Zentrum zu gelangen. 

Generell könnte die Verpflichtung Lukakus eine höhere Risikobereitschaft bei den Blues zur Folge haben. Während Tuchel in der letzten Saison primär auf eine stabile Ballzirkulation mit gute Konterabsicherung setzte, könnte es mit dem Belgier dynamischer und risikoreicher werden. Die Ablagen nach der typischen Lukaku-Drehung habe ich bereits angesprochen. Ein frühes Anspielen des Belgiers, nachdem man den Zehnerraum öffnete, könnte eine weitere Variante sein. 

Chelsea war bereits in der letzten Saison darauf bedacht früh den Zehnerraum gegen tiefere Gegner zu öffnen. Beispielhaft steht dafür die obige Szene. Thiago Silva könnte nun Lukaku mit einem scharfen Flachpass anspielen, nach einer Ablage auf Spieler wie Mount, Havertz oder Kovacic könnte es dann sofort in die Tiefe gehen. Spieler wie Hudson-Odoi, Timo Werner oder Romelu Lukaku selbst, stehen hierfür zur Verfügung. 

Romelu Lukaku

Das gilt auch für Konter bei denen Lukaku nach einer Ablage durch seine Schnelligkeit für Gefahr sorgen kann. Auch Timo Werner sollte mehr Möglichkeiten erhalten im Konter die Tiefe zu attackieren, verfügt Lukaku doch über ein gutes Gespür Räume zu öffnen. 

Fazit

Es bleibt festzuhalten, dass die Fähigkeiten von Romelu Lukaku sehr gut zum Spielstil der Blues passt und gleichzeitig dem Offensivspiel eine neue Facette verleiht. In diesem Artikel habe ich mich nur auf das Offensivspiel konzentriert, wie der Belgier gegen den Ball agieren wird, bleibt abzuwarten. Zwar handelt es sich beim Pressing nicht unbedingt um eine Stärke Lukakus, allerdings könnten Spieler wie Werner oder Havertz diese Schwächen kaschieren.

Abschließend ist es schwierig eine optimale Aufstellung der Blues vorherzusagen. Fakt ist, dass der Kader über eine Reihe an unterschiedlichen Spielertypen verfügt, die alle sehr gut zusammenpassen können. Wer nun in welchen Spiel aufläuft, wird sicherlich vom Spielstil des Gegners abhängen. Für einen Trainer wie Thomas Tuchel ist das die perfekte Situation. So oder so, können wir uns bereits auf eine spannende Premier-League-Saison freuen. Ob am Ende der Belgier wirklich das fehlende Puzzlestück zur Meisterschaft ist, sehen wir spätestens im nächsten Jahr.

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