Wie schlägt man ein 5-3-2 – Freiburg Edition

Alles war angerichtet. Das letzte Spiel im Dreisamstadion. Grund genug, dass in Freiburg Partystimmung herrschte. Mit dem FC Augsburg gastierte eine Mannschaft im Breisgau, die holprig in die Saison startete, aber immerhin mit einem Sieg gegen Borussia M’Gladbach im Rücken nach Freiburg reiste. Nachdem Markus Weinzierl in den letzten Wochen auf ein 5-3-2 gegen den Ball wechselte, wirkte seine Mannschaft gefestigter. Bis zu diesem Spiel. Die Mannschaft von Christian Streich zeigte eindrucksvoll, wie man die Schwächen des 5-3-2 am besten bespielen kann. 

Viele Teams tun sich gegen das kompakte 5-3-2 schwer. Bei dieser Defensivformation liegt der Fokus auf dem Zustellen des Zentrums. Dabei schließen die beiden Stürmer bereits viele Passwege in den Sechserraum, während das Mittelfeld dahinter durch schnelles Herausrücken etwaige Durchbrüche sofort pressen kann. Zusätzlich sorgt die Fünferkette für eine gute Tiefensicherung und die Möglichkeit Spieler mannorientiert zu verfolgen, ohne zu große Lücken zu reißen. Einzig der Raum neben den Stürmern wird durch das 5-3-2 nicht richtig abgedeckt. Allerdings kann dieser durch sauberes Verschieben einfach zugestellt werden, besonders wenn der Gegner es nicht schafft durchs Zentrum gefährlich zu werden. 

Wie schlägt man nun einen solchen Defensivblock? Mit dieser Frage sah sich auch Christian Streich konfrontiert. Der dienstälteste Trainer der Bundesliga zeichnet sich seit Jahren durch seinen hohen Fußballverstand aus. Seine Freiburger Mannschaft agieren stets gut organisiert und verlassen sich im Spiel mit dem Ball nicht nur auf Konter, sondern sind stets auf der Suche nach der spielerischen Lösung. Streich selbst sorgt durch die nötigen Anpassungen stets dafür, dass seine individuell meist schlechter besetzte Mannschaft unangenehm zu bespielen ist. 

Auf der Suche nach der Überzahl

Während viele Trainer gegen ein 5-3-2 gerne auf eine doppelte Flügelbesetzung zurückgreifen und dem Gegner das Zentrum überlassen, stellte Christian Streich einfach einen weiteren Spieler ins Zentrum. Gegen den FCA setzte Streich auf ein 3-4-3/3-6-1 wobei Jeong nicht neben Höler als zweite Spitze auflief, sondern sich konstant zwischen den Linien als Zehner aufhielt. 

Aber fangen wir ganz hinten an. Im Aufbauspiel versucht eine Mannschaft stets Überzahl zu schaffen, um eine unkomplizierte Spieleröffnung zu gewährleisten. Folglich wählt man gerne eine Dreierkette gegen eine Doppelspitze. So entschied sich auf Christian Streich für drei statt nur zwei Innenverteidiger. Neben Schlotterbeck und Lienhart, war es in diesem Fall der erfahrene Manuel Gulde. Diese Dreierkette hatte verschiedene Vorteile gegen das passivere Mittelfeldpressing der Augsburger. 

Zum einen ermöglichte es eine schnelle Ballzirkulation, die gleichzeitig schwer zu pressen ist. Dabei zeigten die Freiburger sehr sauber wie man eine Dreierkette spielen sollte. Der zentrale Innenverteidiger Lienhart positionierte sich stets etwas tiefer als seine Nebenmänner, schaffte dadurch diagonale Passwege und vergrößerte die Distanzen, die Augsburgs Stürmer hätten zurücklegen müssen, wenn sie die Freiburger hätten pressen wollen. Gulde und Schlotterbeck erhielten in der Folge den Ball stets leicht in den geöffneten Raum und konnten die Lücken der Augsburger so effektiv bespielen. Speziell nach Seitenwechseln öffnen sich gegen ein 5-3-2 Räume im ballfernen Halbraum. Das liegt daran, dass unter dem Fokus auf das Zentrum und die Nutzung der Fünferkette die horizontale Kompaktheit im Mittelfeld leidet. Freiburg konnte diese Räume dank der Dreierkette optimal bespielen und von dort aus zwischen die Linien des Gegners gelangen. 

Neben der Struktur hilft die Dreierkette im Umschaltmoment. Gegen die Augsburger, die sich auf Konter konzentrierten, sorgt eine Dreierkette für die nötige Sicherheit. Aufgrund des Fokus der Freiburger auf das Zentrum, möchte eine Mannschaft nach Ballgewinn möglichst schnell in einen der Halbräume verlagern, um dem Gegenpressing zu entgehen und die Tiefe zu attackieren. Mit Hilfe der Dreierkette haben die Freiburger nicht nur eine 3vs2 Überzahl, sondern haben eine Präsenz im Halbraum. 

Vor der Dreierkette agierten die Freiburger mit nur einem Sechser und weichten damit von ihrer typischen Doppelsechs ab. Höfler positionierte sich konstant zwischen den beiden Stürmern der Augsburger und bildete gemeinsam mit der Dreierkette eine Raute. Sein nomineller Partner Maximilian Eggestein agierte als einer der Achter. Denn die Freiburger bildeten mit Jeong, Grifo und Eggestein eine Dreierkette hinter dem Augsburger Mittelfeld. Folglich schafften sie eine 4vs3 Überzahl im Zentrum. 

5-3-2 Christian Streich Taktik

Die Raute im Zentrum machte es den Augsburgern deutlich schwerer Höfler durch das Herausrücken von Dorsch zu pressen. Verlässt der Sechser zu schnell seine Position, müssen Hahn und Caligiuri die Lücke leicht schließen. Verlagert Freiburg nun aus der Drucksituation, können sie die Räume in den Halbräumen, die sich bei Augsburg ergeben, einfach bespielen. 

5-3-2 Christian Streich Taktik

Die Überzahl im Mittelfeld konnte insbesondere durch den Halbraum sauber genutzt werden. Hier steht ein 5-3-2 stets vor der Herausforderung, wer einen vorstoßenden Akteur presst. Die obige Szene veranschaulicht die verschiedenen Probleme, die Freiburgs Raute im Zentrum den Augsburgern bescherte. 

Zu aller erst steht Niederlechner vor der Entscheidung, ob er sich darauf konzentriert den Passweg zu Höfler zu schließen, oder höher zu bleiben, um bei einer Rückverlagerung Lienhart zu pressen. Logischerweise muss der Stürmer den Passweg zu Höfler schließen, da Dorsch nicht herausrücken konnte. Der ehemalige Heidenheimer hatte Jeong als direkten Gegenspieler und konnte den ehemaligen Münchner nicht einfach offen im Raum stehen lassen. Schließlich hatte der zentrale Innenverteidiger Oxford bereits Höler als Gegenspieler, folglich keine Möglichkeit auf Jeong herauszurücken, um zu pressen. Aufgrund der Überzahl im Zentrum, gelang es Freiburg so die Augsburger tiefer in die eigene Hälfte zu drücken und stets Passrouten für schnelle Verlagerung aufrechtzuerhalten. 

Allerdings standen nicht nur Niederlechner und Dorsch vor einem Zuordnungsdilemma. Auch André Hahn hatte in dieser Situation eine Entscheidung zu treffen. Normalerweise ist es der ballnahe Achter, der herausrückt und einen Spieler im Halbraum presst. Nun konnte Schlotterbeck auf eine Vielzahl an Passoptionen zurückgreifen, sollte Hahn den Innenverteidiger pressen. Der Augsburger Mittelfeldspieler war hingegen nur in der Lage eine Passoption zu schließen. In der Regel war dies Jeong. Folglich konnten die Freiburger entweder über Grifo oder Höfler zwischen die Linien der Augsburger gelangen.

Alternativ blieb ihnen immer noch der Angriff über die linke Außenbahn wo das Team von Christian Streich mit Christian Günter und Vincenzo Grifo seine stärksten Offensivakteure hatte. Das Risiko für André Hahn bestand darin, dass die Freiburger die offenen Räume hinter ihm problemlos bespielen konnten, wenn er sich doch entschied Schlotterbeck zu pressen. Folglich hielt sich der ehemalige Nationalspieler auch hier zurück und Augsburg gelang es selten das Freiburger Spiel unter Druck zu setzen.

Darüber hinaus war auch das Herausrücken der Innenverteidiger mit einem gewissen Risiko verbunden. Schließlich hatten die Badener mit Günter, Kübler und vor allem Höler Spieler, die die Tiefe attackieren konnten. Noch gefährlicher wären Läufe von einem der drei offensiven Spieler gewesen. Schiebt Gumny in dieser Situation beispielsweise auf Grifo heraus, hätte Jeong mit einem Tiefenlauf für große Gefahr und Verwirrung gesorgt. Rückte Gumny allerdings nicht heraus, konnte Schlotterbeck Grifo anspielen, der sofort das Zentrum hätte attackieren können. 

Abkippen als Stilmittel

Die Räume, die sich in einem 5-3-2 neben den Mittelfeldspielern und den Stürmern ergeben, visierten die Mannen von Christian Streich konstant an. Neben den vorrückenden Innenverteidigern, kippten auch Jeong und Grifo immer wieder seitlich ab. Augsburg konnte aufgrund der hohen Spieleranzahl der Freiburger im Zentrum nicht einfach frühzeitig herausrücken, ohne Passwege ins Zentrum zu öffnen. Folglich erhielten Grifo und Jeong den Ball mit etwas Raum vor sich. 

Genau darauf schienen es die Freiburger abgesehen zu haben. Schließlich attackierten ihre beiden dribbelstärksten Mittelfeldspieler stets diagonal das Zentrum. Wieder bestand die Gefahr, dass einer der Mittelfeldspieler gebunden wurde und Augsburg in der Folge einen Spieler im Zentrum frei lassen musste. Mit Grifo verfügen die Freiburger des Weiteren über einen Mittelfeldspieler, der ohne Probleme 1vs1 Duelle gewinnen kann. Gleichzeitig wich Jeong viel aus und versuchte sich aus der gegnerischen Umklammerung zu lösen. Mit kurzen Dribblings, schnellen Doppelpässen oder Schnittstellenpässen hinter die Abwehr (das 1:0 ist ein schönes Beispiel) konnten sich die Freiburger immer wieder in aussichtsreiche Angriffspositionen bringen. 

Absicherung als Schlüssel für ein gutes Gegenpressing

Zu guter Letzt sorgte das starke Gegenpressing der Breisgauer für die dauerhafte Dominanz, insbesondere im ersten Durchgang. Dabei zeigte die Partie wieder einmal wie wichtig die Struktur in Ballbesitz ist. Nur mit ausreichenden Verbindungen und einer ausgewogenen Besetzung der Räume lässt sich im Umschaltmoment der Gegner sofort unter Druck setzen. 

Die Freiburger fanden aufgrund ihrer Überzahl im Zentrum und den vielen diagonalen Verbindungen genau diese Voraussetzungen vor. Folglich ließen sich viele Konter bereits im Keim, dank lokaler Überzahl, ersticken. Mit Höfler und der Dreierkette besaß man des Weiteren eine hervorragende Tiefensicherung, so dass lange Pässe hinter die Kette leichter verteidigt werden konnten. 

Fazit

Letztlich sorgte die hervorragende Einstellung der Mannschaft durch Christian Streich für einen dominanten Sieg zum Abschied aus dem Dreisamstadion. Das 3-1-5-1 der Freiburger kann sicherlich als bestes Anschauungsbeispiel für das Bespielen eines 5-3-2s gesehen werden. 

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