Wie erstelle ich eine Spielform für das Gegenpressing?

  1. Welche Punkte sind im defensiven Umschaltmoment wichtig?
  2. Was möchte ich hervorheben?
  3. Wie provoziere ich das gewünschte Verhalten in einer Spielform?
  4. Wie setze ich meine Coachingpunkte?
  5. Wie passe ich die Spielform an?

Im Folgenden möchte ich diese Spielform genauer diskutieren und erklären, welche Gedanken ich mir bei der Erstellung machte.

Welche Punkte sind im defensiven Umschaltmoment wichtig?

Der Ausgangspunkt ist stets das reale Spiel. Wir möchten mit Hilfe unserer Spielformen die Spieler bestmöglich auf das reale Spiel vorbereiten. Für den speziellen Fall des defensiven Umschaltmoments sind die folgenden drei Punkte wichtig. Erstens müssen wir nach einem Ballverlust mental sofort umschalten und versuchen den Gegner unter Druck zu setzen. Dafür benötigen wir eine lokale Überzahl, mindestens mal eine Gleichzahl. Drittens möchten wir den Gegner in diesem Raum isolieren. Hierfür decken wir ballnahe Anspielstationen ab und schließen Passwege in die Tiefe (Wellenprinzip). 

Spielform Gegenpressing

Was möchte ich hervorheben?

Da wir noch ganz am Anfang mit dem Thema Gegenpressing stehen und uns primär auf das mentale Umschalten beschränkt haben, möchten wir nun die anderen beiden Punkte so langsam einführen. Es geht uns vor allem darum, dass die Spieler tiefe Pässe und ballnahe Anspielstationen schließen, während sie weiterhin Druck auf den Ballführenden ausüben. 

Angemerkt sei, dass die Spielform deutlich spielnäher gestaltet werden könnte, schließlich fehlt eine Spielrichtung und normale Tore. Hier machen wir Abstriche und verringern zu Beginn dieses Trainingsblocks zum Gegenpressing die Komplexität und erhöhen die Wiederholungszahl, um die Basics besser trainieren zu können.

Wie provoziere ich das gewünschte Verhalten in einer Spielform?

Um das gewünschte Verhalten, schließen ballnaher Anspielstationen und blocken tiefer Passwege, zu provozieren, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens, es entstehen regelmäßig Umschaltmomente. Zweitens, die ballgewinnende Mannschaft sollte Anspielstationen in der Tiefe haben. Folglich starten wir in der gelben Zone mit einem 4vs2. Außerdem positionieren sich zwei Spieler der defensiven Mannschaft in der größeren Zone. Diese können nach einem Ballgewinn angespielt werden. Durch das 4vs2 im Zentrum entstehen zum einen Umschaltmomente, zum anderen hat die ballbesitzende Mannschaft lokal erstmal Überzahl und muss sich nur auf das Schließen tiefer Passoptionen konzentrieren. 

Zuallererst wird ein zu langsames mentales Umschalten in der Spielform schnell bestraft. Auch wenn alle Spieler auf den Ballführenden stürzen, stehen die Chancen gut, dass sich die rote Mannschaft trotzdem schnell befreien kann. 

Blicken sich die Spieler der blauen Mannschaft nicht regelmäßig um, verlieren sie die beiden Spieler der roten Mannschaft aus den Augen. Nach einem Ballverlust gelingt es blau im Zweifel nicht mehr schnell genug tiefe Passoptionen zu schließen. Rot kann sofort auf die kleinen Minitore mit Hilfe eines tiefen Passes kontern. 

Idealerweise lernen die Spieler der blauen Mannschaft implizit, dass am besten ein bis zwei Spieler den Ballführenden attackieren und ihn weg von den äußeren Mitspielern lenken. Die anderen beiden Spieler decken die tiefen Anspielstationen, die direkt für den Ballführenden relevant sind, ab. Das kann zum einen ein Spieler außen, zum anderen ein Minitor sein, in das rot auch direkt schießen darf. 

Wie setze ich meine Coachingpunkte?

Primär würde ich mich bei der blauen Mannschaft auf das Coachen des Schulterblicks, das Anpassen der Position in Ballbesitz und das Schließen tiefer Anspielstationen konzentrieren. Wichtig, die Spieler müssen verstehen, dass das Schließen der Passwege nur funktioniert, wenn der Ballführende Spieler weiterhin unter Druck gesetzt wird. Bei der ballerobernden Mannschaft geht es vor allem darum möglichst schnell eine Verlagerung zu spielen. Schließlich befinden sie sich in der gelben Zone in einer Unterzahlsituation. 

Wie passe ich die Spielform an?

Da wir die Sicherung der Passwege in der Tiefe trainieren wollen, sollte auch dies in der Spielform vorkommen. Nutzt die rote Mannschaft diese Option nicht oder kommt nicht dazu, haben wir verschiedene Anpassungsoptionen. Eine Möglichkeit wäre ein Anspiel auf einen roten Spieler außerhalb der gelben Zone verpflichtend zu machen. Allerdings schränkt das die Entscheidungsfindung doch sehr ein. 

Alternativ können wir die Anzahl der Spieler in der äußeren Zone einfach erhöhen. Durch mehr Spieler ergeben sich mehr Passoptionen und die blaue Mannschaft muss sich verstärkter darauf konzentrieren die erreichbaren Anspielstationen für den Ballführenden zu identifizieren und diese Schließen. 

Ausblick

Aufbauend auf dieser Spielform können wir in den nächsten Trainingseinheiten das Thema Gegenpressing detailliert trainieren. Ziel sollte es sein, dass die Spieler, neben dem mentalen Umschalten, eine gute Sicherung umliegender Passoptionen und der Tiefe erlernen. Sind diese Basics gefestigt, werden wir das Gegenpressing in immer spielnäheren Formen versuchen zu festigen.

Darüber hinaus soll dieser kurze Artikel einen Ausblick auf kommende Projekte auf Thefalsefullback sein. Zuerst werde ich in den nächsten Wochen einen ausführlichen Beitrag über das Thema Spielformen erstellen veröffentlichen. Gleichzeitig wird dieses Thema auch in unserem Onlinekurs vom Spielmodell zum Training sein, der Ende März bei uns auf der Plattform erhältlich sein wird.

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