Kurzanalyse Villareal vs Bayern München

Diese kurze Analyse wurde ursprünglich auf unserem Twitter-Kanal als Thread veröffentlicht. Eine ausführliche Analyse zu Unai Emerys Villareal findet ihr nächste Woche auf unserer Seite.

Das Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals lief für die Bayern nicht wie erwünscht. Villareal zeigte eine fantastische Leistung und war den Bayern nicht nur spielerisch, sondern auch taktisch überlegen. Insbesondere im Aufbauspiel attackierte Villareal immer wieder die großen Lücken des bayrischen Pressings geschickt.

Grundsätzlich wollten die Bayern im Pressing in einer Mischung aus 4-2-3-1/4-4-2 Villareal gelegentlich hoch anlaufen, jedoch auch Phasen des Mittelfeldpressings zeigen. 

Lewandowski und Müller sollten eigentlich das Zentrum sichern. Coman und Gnabry agierten breiter, orientierten sich an den Außenverteidigern, hatten dann aber die Aufgabe im Bogen die Innenverteidiger zu attackieren. Bei Abstößen von Rulli, waren es Coman und Gnabry, die Torres und Albiol zustellten. Davies und Pavard hatten die Aufgabe auf die gegnerischen AV herauszurücken, während der ballnahe IV auf den Stürmer Villareals durchschieben sollte. 

Kimmich und Musiala hätten beliebige Mannorientierungen im Zentrum nutzen können, ähnlich wie im Pressing, das die Bayern noch unter Hansi Flick praktizierten.

Allerdings sahen sich die Münchner gleich mehreren Problemen gegenüber. Zum einen stellte die Position von Danjuma und Gerard (rot markiert) die AV vor ein großes Problem. Zum anderen mussten Musiala und Kimmich weite Wege zurücklegen, um Coquelin und Lo Celso zu verteidigen (gelb markiert). 

Durch die breite Positionierung von Gnabry und Coman, sowie dem Fokus von Müller und Lewandowski, stellte Villareal allerdings dauerhaft eine 4vs2 Überzahl im Zentrum her. Die Positionierung von Danjuma und Gerard zog die Viererkette auseinander und machte es Hernandez und Upamecano schwer herauszurücken. Folglich waren es immer wieder Coquelin und Lo Celso, die im Halbraum frei wurden. 

Außerdem schafften Lewandowski und Müller es nicht, Zugriff auf Torres und Albiol herzustellen und gleichzeitig Pässe ins Zentrum zu unterbinden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Villareal war technisch und unter Druck sehr stark, den Bayern fehlten es gleichzeitig an der nötigen Intensität im Pressing. Außerdem schien der Fokus stärker auf dem Anlaufen der IV durch Coman und Gnabry, wodurch Müller und Lewa passiver waren. 

Diesen Umstand nutzte Villareal clever aus und bespielten ständig den Raum hinter Müller und Lewandowski (blau) mit Hilfe von gegenläufigen Bewegungen. Die Aktion vor dem 1:0 zeigt dies sehr schön. Müller läuft Torres an mit Parejo im Deckungsschatten. Coquelin fällt, wodurch Kimmich ihn verfolgt, um den Druck hochzuhalten. Parejo bewegt sich gleichzeitig nach vorne, um den offen Raum zu besetzen. Mit Hilfe einer schnellen Kombination über den Dritten gelang Villareal direkt vor die Kette der Münchner. 

Villareals gegenläufige Bewegungen waren dabei ideal gegen die Münchner Mannorientierungen. Musiala und Kimmich wurden so immer wieder aus der Position gezogen und offene Räume konnten bespielt werden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass weder Müller noch Lewandowski schnell rückwärtspressten, oder sich tiefer positionierten, um Parejo und Capoue vor sich zu haben. 

Auch bei Ballbesitz Rulli war das Münchner 4-4-2/4-2-4 ohne Zugriff. Gerard und Danjumas breite Position verhinderten, dass Davies und Pavard frühzeitig herausrücken konnten. Foyth und Estupinan waren in der Folge die freien Spieler. 

Davies hätte eigentlich den roten Laufweg ausgeführt, konnte das aufgrund von Gerard aber nicht tun. Foyth dribbelt an, Musiala presst zwar Lo Celso, doch Capoue konnte wieder den Raum hinter Lewandowski nutzen. Eine einfache Spiel über den Dritten Kombination reichte aus, um das unkompakte und unintensive Pressing der Münchner zu knacken. Gerade im Mittelfeld ergab sich extrem viel Raum, da die Viererkette zu tief stand und Müller und Lewandowski ihren Rücken nicht verteidigt bekamen. 

Für das Rückspiel brauchen die Bayern einen besseren Plan im Pressing – entweder eine Umstellung auf ein 4-2-3-1 und/oder engere Flügelspieler. Außerdem einen Plan gegen die breiten Stürmer und das dynamische Besetzen des Zehnerraums durch Parejo und Capoue. Villareal hingegen machte nicht nur mit, sondern auch gegen den Ball vieles richtig. Insbesondere in Ballbesitz bespielten sie Schwächen der Münchner, die schon seit einiger Zeit zu beobachten sind: extreme Mannorientierungen, ohne die nötige Sicherung, das schwache Timing vieler Akteure beim Herausrücken, und die unsaubere Positionierung der Münchner Viererkette bei Pässen in die Tiefe. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.