Wie trainiere ich das Gegenpressing? – Trainingseinheit

In diesem Beitrag möchte ich euch eine Beispieleinheit für ein Gegenpressing Training präsentieren. Grundsätzlich ist die Einheit für eine B-Jugend gedacht, kann aber natürlich auch mit einer A-Jugend oder Aktivenmannschaft durchgeführt werden. 

Die Einheit setzt voraus, dass unsere Spieler bereits erste Prinzipien des Ballbesitzspiels verinnerlicht haben, allerdings noch wenig am Gegenpressing gearbeitet wurde. Aus diesem Grund stehen zwei Teilaspekte, die das Umschalten nach Ballverlust erst erfolgreich machen, im Vordergrund. Und zwar konzentriere ich mich als Trainer nur auf das mentale Umschalten nach Ballverlust und die Struktur in Ballbesitz. Implizit werden natürlich auch Aspekte wie die Sicherung umliegender Zonen und der Tiefe thematisiert. 

Für den ersten Aspekt benötigt es wenig inhaltliches Coaching. Vielmehr geht es darum die Spieler darauf hinzuweisen nach einem Ballverlust nicht stehen zu bleiben, sondern den Ballführenden zu attackieren. Folglich bietet sich ein emotionales und dauerhaftes Coaching an. 

Der Fokus im Coaching der Positionierung in Ballbesitz ist inhaltlicher geprägt. Hierbei liegt der Fokus auf der Positionierung auf unterschiedlichen Linien, dem Bilden von Dreiecken und der Herstellung ballnaher Überzahl.

Vorüberlegungen, wie diese, sind wichtig, um die richtigen Coachingpunkte zu wählen, auf die ich mich als Trainer fokussiere. Außerdem baue ich meine Spielformen auf Basis dieser Überlegungen. Schließlich möchte ich durch die Gestaltung meiner Spielform diese Aspekte hervorheben. 

Nun aber zur eigentlichen Trainingseinheit. 

Aufwärmen – kognitive Reize setzen

Die erste Spielform zielt erst einmal nicht direkt auf das Einüben des Gegenpressings ab, sondern soll vielmehr die Spieler locker in das Training starten zu lassen.

Gegenpressing Training

Dafür wird 6vs3 auf Ballhalten gespielt. Allerdings sind zwei Bälle im Spiel. Den einen Ball spielt sich die Mannschaft in Ballbesitz mit dem Fuß zu, der andere wird zugeworfen. Ein Spieler darf nicht beide Bälle gleichzeitig haben. Erobert einer der Verteidiger einen der Bälle, wird er zum Offensivspieler, während der Spieler, der den Ball verloren hat, zum Verteidiger wird. 

Für die Spieler ist diese Spielform kognitiv anstrengend, da sich jeder Spieler stets auf zwei Bälle konzentrieren muss. Insbesondere für das Team in Ballbesitz geht es darum beide Bälle so laufen zu lassen, dass es stets zwei Anspielstationen gibt, die Spieler in Ballbesitz aber nicht Gefahr laufen den Mann, der bereits einen Ball hat, anzuspielen. 

Ist die Spielform für die eigenen Spieler noch zu einfach, können Regeln, wie das Verbot eines Doppelpasses, den Schwierigkeitsgrad weiter erhöhen. Persönlich plane ich diese Spielform für zwei Mal 5 Minuten. Folglich geht die gesamte Spielform mit Erklärung und Durchführung 15 Minuten. 

Hinführung Teil 1 – Umschalten im Zwei-Felderrondo

In der Hinführung möchte ich nun auf das Gegenpressing eingehen und lege im ersten Teil großen Wert auf das mentale Umschalten nach Ballverlust. Im Grunde bauen wir uns die Komponenten eines erfolgreichen Gegenpressings Stück für Stück zusammen. 

Im Zwei-Felderrondo spielen zwei Mannschaften gemeinsam gegen eine Mannschaft. In diesem Fall wird 6vs3 gespielt, wobei die Anzahl der Spieler im jeweiligen Team flexibel angepasst werden kann. Die Regeln sind recht simpel. Die blaue Mannschaft versucht den Ball zu erobern und darf dabei mit allen drei Spielern in einer Zone positioniert sein. Die gelbe und rote Mannschaft versuchen den Ball zu halten und in das jeweils andere Feld zu transportieren. Dabei dürfen sie sich nur innerhalb ihrer Zone bewegen. 

Erobert blau nun den Ball von gelb, versuchen sie den Ball zu kontrollieren und möglichst schnell in das Feld der roten Mannschaft zu verlagern. Gelb hat die Aufgabe durch ein schnelles Umschalten den Ball zurückzuerobern. Gelingt es blau eine Verlagerung zu spielen, erhält die gelbe Mannschaft einen Minuspunkt. Die Mannschaft mit den wenigsten Minuspunkten gewinnt. 

Im Coaching fokussieren wir uns vor allem auf die Struktur in Ballbesitz. Dreiecke bilden und die Tiefe zu besetzen, sind essenzielle Aspekte, die ein schnelles Gegenpressing erst ermöglichen.

Hinführung Teil 2 – Fokus auf die Positionierung in Ballbesitz

Während es in der ersten Spielform primär um das schnelle Umschalten nach Ballgewinn ging, beinhaltet die zweite Spielform wesentlich mehr Aspekte der richtigen Positionierung in Ballbesitz.

Gegenpressing Training

In dieser Spielform werden einfach nur zwei Felder, des oben gezeigten Aufbaus, zusammengelegt. Im Vier-Felderschach wird 3vs3+3 gespielt. Dabei spielt die gelbe Mannschaft gegen die rote Mannschaft auf Ballhalten. Die Spieler der blauen Mannschaft fungieren als neutrale Akteure und unterstützen stets das Team in Ballbesitz.

Innerhalb dieses Spiels lassen sich auf verschiedene Arten Punkte erzielen. Spielt das Team in Ballbesitz 10 Pässe ohne Unterbrechung, erhält es einen Punkt. Bespielen sie alle vier Zonen ohne Unterbrechung, gibt es zwei Punkte. Bespielen bedeutet, dass ein Pass innerhalb einer Zone gespielt wird, Pässe zwischen Zonen zählen nicht als bespielt. 

Nun möchten wir nicht nur das Spiel in Ballbesitz verbessern, sondern uns vor allem um das Gegenpressing kümmern. Aus diesem Grund gibt es noch eine andere Möglichkeit Punkte zu erzielen. Gewinnt beispielsweise rot den Ball und schafft es innerhalb von fünf Sekunden aus der Zone, wo der Ball gewonnen wurde, zu verlagern, erhalten sie einen Punkt. Gelingt es gelb innerhalb der fünf Sekunden den Ball zurückzuerobern, dann wird dies ebenfalls mit einem Punkt belohnt. 

Wichtige Coachingpunkte innerhalb der Spielform

Der Fokus in dieser Spielform liegt bereits auf der richtigen Positionierung in Ballbesitz. Für das gelbe Team ist es wichtig dem Ballführenden möglichst viele Passoptionen zu geben. Zum einen ist das Bilden eines Dreiecks essenziell, zum anderen sollten die gelben Spieler keine Passwege in die anderen Zonen versperren, schließlich sind schnelle Verlagerungen wichtig, um sich aus dem Druck zu befreien. 

Indem die Spieler in Ballbesitz Dreiecke herstellen, gelingt es nach einem Ballverlust sofort Druck auszuüben. Wichtig ist ebenfalls, dass die Räume, die zu den anderen drei Zonen zeigen, besetzt sind. Warum? Damit nach einem Ballverlust tiefe Pässe unterbunden werden. Letztlich lautet das Ziel den Gegner in der jeweiligen Zone zu halten, um den verfügbaren Raum sukzessive zu verkleinern. 

Gegenpressing Training

Besetzt man in Ballbesitz das Zentrum nicht, wird es fast unmöglich nach einem Ballverlust die schnelle Verlagerung zu unterbinden. Den Gegner in dem Raum zu halten, indem man den Ball verloren hat, ist aber essenziell, um im realen Spiel den Ball zurückzuerobern und Konter zu verhindern. 

Hier zeigt sich die Problematik, wenn die Spieler der gelben Mannschaft in Ballbesitz nur die Breite besetzen und das Zentrum geöffnet lassen. Nach einem Ballgewinn kann Rot sofort die Tiefe suchen und aus der Zone herausverlagern. Damit die ballverlierende Mannschaft einen Anreiz hat sich richtig in Ballbesitz zu positionieren, ist die Punktevergabe durch eine erfolgreiche Verlagerung aus dieser Zone essenziell. 

Hauptteil – das Gegenpressing spielnah trainieren

Mit Hilfe der letzten Spielform möchten wir die erlernten Aspekte des Gegenpressings in einen spielnäheren Kontext bringen. Wie ich in meinem Artikel zum Erstellen von Spielformen bereits betont habe, ist es unser Ziel innerhalb eines Trainings stets eine Steigerung der Spielnähe erreichen. 

Gegenpressing Training

Die Spielform läuft wie folgt ab. Das Spiel beginnt in der blauen Zone mit Ballbesitz rot. Diese versuchen mindestens fünf Pässe im 2vs2 gegen gelb zu spielen und danach aus der Zone zu verlagern. Nach einem Ballverlust soll sofort gegengepresst werden. Nun dürfen auch weitere Spieler die blaue Zone betreten. 

Wird der Ball innerhalb der Zone zurückerobert, gibt es einen Punkt. Sobald der Ball aus der Zone herausverlagert wird, beginnt ein normales Spiel auf die beiden Tore. Gibt es eine Spielunterbrechung, weil ein Tor gefallen ist oder der Ball ins Aus ging, startet die Spielform wieder in der blauen Zone. Die Mannschaft, die den Ball hätte haben sollen, startet in der blauen Zone in Ballbesitz (spielt Rot den Ball ins Aus, ist Gelb in Ballbesitz).

Alternativ erlaubt man, dass ein Spieler der ballbesitzenden Mannschaft in der blauen Zone unterstützen darf, um eine 3vs2 Überzahl herzustellen. 

In dieser Spielform kommt es noch viel stärker darauf an, dass die Positionierung in Ballbesitz stimmt, sodass der Gegner nach einem Ballgewinn nicht sofort in die Tiefe spielen kann. Gleichzeitig muss die richtige Balance gefunden werden, damit auch aus einem Ballgewinn Kapitel geschlagen werden kann.

Letztlich geht es darum Tiefe Anspielstationen zu schaffen, um dem gegnerischen Gegenpressing zu entgehen. Für die ballverlierende Mannschaft geht es nicht nur darum sofort mental umzuschalten, sondern den Gegner in eine unvorteilhafte Situation zu lenken, um den Druck hochzuhalten. Idealerweise soll er zu einem Pass zur Seite und nach hinten gedrängt werden, sodass mit Hilfe des Prinzips des Durchpressens der Druck auf den Ballführenden konstant hoch bleibt. 

Fazit – Gegenpressing Training

Abschließend lässt sich sagen, dass das Coaching des Gegenpressings sehr viel mit Intensität und Emotionalität zu tun hat, gleichzeitig, aber großer Wert auf das Verhalten in Ballbesitz gelegt werden sollte. Um den Entwicklungszyklus fortzusetzen, würde ich in den nächsten Einheiten verstärkt auf das spezifische Verhalten nach Ballverlust eingehen. Folglich den Fokus auf individualtaktische Aktionen und die richtige Absicherung legen.  

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