Wie spiele ich gegen ein 5-3-2?

Das 5-3-2 findet im modernen Fußball immer häufiger Anklang. Gerade in der Bundesliga gehört die Formation nun seit einigen Jahren zum festen Inventar. Bestes Beispiel ist die TSG Hoffenheim, die unter Sebastian Hoeneß gegen den Ball im 5-3-2 verteidigt. Aber auch andere Teams wie der FC Augsburg oder der VfB Stuttgart bedienten sich der zentrumslastigen Defensivformation. Aus diesem Grund möchte ich heute einen Blick darauf werfen, wie man gegen ein 5-3-2 zu Torchancen kommt.

Einen ähnlichen Artikel habe ich diese Saison bereits veröffentlicht. Der Grund, das moderne 3-6-1 des SC Freiburg mit dessen Hilfe er das Augsburger 5-3-2 zerspielen konnte. Nun kann nicht jeder Trainer auf eine Dreierkette zurückgreifen. Insbesondere da viele Teams entweder in einem 4-2-3-1 oder einem 4-3-3 angreifen. Deshalb möchte ich euch in diesem Beitrag eine Variante aus einem 4-3-3 heraus präsentieren. 

Die Grundzüge des 5-3-2

Bevor wir einen Blick auf unsere Herangehensweise gegen ein 5-3-2 werfen, sollten wir uns bewusst machen, welche Räume die Formation nicht abdeckt und welche Räume wir idealerweise nutzen wollen.

Wir sehen auf den ersten Blick, dass der 3-2 Block zwischen Mittelfeld und Angriffs den Sechserraum sehr gut kontrolliert (blau markiert). Auch der Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld (gelb) kann einfach verteidigt werden. Schließlich ist die Absicherung in einer Fünferkette besser, weswegen einfacher herausgerückt werden kann.

Nichtsdestotrotz werden wir Wege finden müssen diese Räume zu öffnen und zu bespielen. Ohne Zugriff auf das Zentrum werden wir nur über einen Flügel attackieren können und auch Spielverlagerungen über die Abwehrlinie werden den Gegner vor keine allzu großen Probleme stellen.

Damit wir Wege in die oben genannten Räume finden, müssen wir uns die offenen Räume, die das 5-3-2 hinterlässt, zunutze machen. Aufgrund des hohen Fokus auf das Zentrum, deckt das 5-3-2 die Flügelzonen unzureichend ab. Zum einen werden sich Räume neben den gegnerischen Mittelfeldspielern ergeben (rot), vor allem aber im tiefen Bereich der Halbräume (lila). Der rot markierte Raum kann durch ein Herausrücken des Flügelverteidigers oder ballnahen Achters geschlossen werden, die tieferen Halbräume erfordern hingegen extrem weite Wege. 

Folglich können diese Räume genutzt werden, um anzudribbeln und Druck auszuüben oder, um den Gegner anzulocken und auf der ballfernen Seite durchzubrechen. 

Taktik gegen 5-3-2 – ein 4-3-3 mit tiefen Außenverteidigern

Wie bereits erwähnt, möchte ich in diesem Beitrag eine Möglichkeit aufzeigen, um aus einem 4-3-3 heraus ein 5-3-2 zu knacken. 

5-3-2

In der Grafik seht ihr die Positionierungen der einzelnen Spieler und ihre Rollenverteilung. Beginnen wir vorne. Auf beiden Seiten möchte ich breit positionierte Flügelspieler. Diese haben die Aufgabe nach Seitenwechseln das 1vs1 gegen die Flügelverteidiger zu suchen und die Abwehrkette auseinanderzuziehen. Ballnah geht es primär darum den Flügelverteidiger zu binden, um Raum für unsere Außenverteidiger zu schaffen. Je nach Spielsituation, haben sie außerdem die Aufgabe den Raum zwischen Flügelverteidiger und Halbverteidiger ohne Ball zu attackieren. 

Auch unser Stürmer darf nicht statisch das Zentrum besetzen, sondern muss sich öffnende Räume attackieren. Insbesondere, wenn die Halbverteidiger auf unsere Achter im Halbraum herausrücken. Die ständige Gefahr durch Tiefenläufe bringt uns entweder den Vorteil, dass wir offene Räume attackieren können, oder dass die Halbverteidiger weniger aggressiv auf unsere Achter herausrücken und wir mehr Möglichkeiten zwischen den Ketten haben. 

Neben den Außenverteidigern nehmen unsere Achter eine zentrale Rolle ein. Zu Beginn besetzen sie den Raum zwischen den Ketten, versuchen Anspielstationen für Pässe hinter das Mittelfeld bereitzustellen oder die Tiefe zu attackieren. Viel wichtiger wird aber ihr Herauskippen. Sie sind die freien Spieler, die wir im Laufe unseres Angriffs schaffen wollen, um dynamisch diagonal zwischen die Ketten vorzudringen. 

Unser Sechser hingegen soll konstant den blau markierten Raum besetzen. Er dient als Lockoption, Anspielstation für Verlagerungen und Kontersicherung. 

Auch unsere Innenverteidiger werden primär für die schnelle Ballzirkulation und Absicherung notwendig sein. Da sich gegen das 5-3-2 im Zentrum keine Räume direkt ergeben, werden sie wahrscheinlich maximal nach einer schnellen Verlagerung andribbeln können.

Primär nehmen aber die Außenverteidiger eine zentrale Rolle gegen das 5-3-2 ein. Schließlich ist ihr Raum unbesetzt. Damit diese Variante funktioniert, benötigen wir technisch starke Außenverteidiger. Insbesondere dynamisches Andribbeln und ein gutes Passspiel unter Druck sind unabdingbar. Letztlich möchten wir nämlich über unsere Außenverteidiger die diagonalen Angriffe von außen ins Zentrum einleiten. 

Variante 1 – der herauskippende Achter

Natürlich stellt sich im ersten Schritt die Frage, wie ein 5-3-2 das Andribbeln unseres Außenverteidigers verteidigen möchte. Meist lässt sich beobachten, wie die Stürmer versuchen die gegnerischen Innenverteidiger zu pressen und der ballnahe Achter weit aus seiner Position rückt. Genau diesem Umstand möchten wir ausnutzen und den Raum nahe der Seitenlinie diagonal hinter dem herausrückenden Achter bespielen. 

5-3-2

In der folgenden Szene wird unser Linksverteidiger angespielt und vom gegnerischen Achter gepresst. Aufgrund unseres Achters im Halbraum kann nicht frühzeitig herausgerückt werden. Folglich wird unser Außenverteidiger wenige Sekunden Zeit am Ball haben. Gleichzeitig schiebt unser Außenspieler weiter nach vorne, um den gegnerischen Flügelverteidiger mit sich zu ziehen. Zu guter Letzt kippt unser Achter aus dem Zentrum nach außen. Etwas, das die Bayern in Persona von Thomas Müller diese Saison bereits häufiger praktizierten. 

Für das 5-3-2 stellt sich nun die Frage, wie der herauskippende Achter verteidigt werden soll. Der Halbverteidiger (blau markiert) wird in den seltensten Fällen seine Position so weit verlassen. Und wenn er es tut, können wir die Lücken attackieren. Allerdings ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass wir unseren Achter frei im rot markierten Raum anspielen können.

Für die rote Mannschaft sind nun die richtigen Positionsanpassungen von zentraler Bedeutung. Der Stürmer sollte sich Richtung Halbraum bewegen, um als Anspielstation für den Achter zu dienen. Der Sechser, sowie der ballferne Achter schieben Richtung Ball bzw. tiefer als Absicherung und auch der ballnahe IV schiebt leicht Richtung Ball, um im Zweifel eine alternative Anspielstation für den Linksverteidiger zu bieten. 

Die gelbe Mannschaft wird das Herauskippen möglicherweise so verteidigen, wie ich hier mit den gelben Pfeilen dargestellt habe. Wird unser breiter Achter angespielt, versucht der ballnahe Achter durchzupressen. Gleichzeitig ist es eine Möglichkeit, dass der Flügelverteidiger seinen Gegenspieler an den ballnahen Halbverteidiger übergibt und herausrückt. Alternativ schiebt der ballnahe Halbverteidiger aus seiner Position, jedoch muss jener weite Wege zurücklegen und öffnet gleichzeitig große Räume in der letzten Kette. 

Man erkennt nun ziemlich deutlich, dass nach einem Pass auf den Achter das Zentrum mit Hilfe eines Dribblings attackiert werden soll. In der Folge bieten sich dann verschiedene Fortsetzungsoptionen, je nachdem, wie der Gegner sich verhält. 

5-3-2

Die naheliegende Option ist, dass der Achter mit dem Ball diagonal ins Zentrum dribbelt. Sicherlich wird er vom Flügelverteidiger oder Achter des Gegners verfolgt. Jedoch sind beide in einer ungünstigen Position, um den Spieler zu stoppen. Rückt der Sechser sehr weit herüber, um unseren Spieler aufzuhalten, geht der gelben Mannschaft die horizontale Kompaktheit komplett verloren. Gleichzeitig muss ein Spieler der gelben Mannschaft Druck ausüben, um einen einfachen Pass hinter die letzte Kette zu unterbinden. 

Nun wird die Option des Dribblings nicht immer möglich sein. Das Timing beim Herauskippen ist nicht immer optimal, oder der Pass ist unsauber gespielt. Folglich hat die gelbe Mannschaft eventuell genug Zeit Druck auszuüben. Nichtsdestotrotz können wir aus dieser Situation Kapital schlagen. Beispielsweise durch einen vertikalen Lauf des Außenverteidigers in den blau markierten Raum. Dieser ist aufgrund des Herauskippens geöffnet. Der simple Doppelpass führt dazu, dass der Außenverteidiger den Ball im Lauf im Halbraum erhält und folglich einen Dynamikvorteil gegenüber der Verteidigung hat. 

In beiden Fällen stoßen wir durch den Halbraum in das Herz der Defensive und können die Tiefe attackieren oder kurz verlagern. 

Variante 2 – Schnelle Verlagerungen und nachrückende Tiefenläufe

Das Herauskippen des Achters wird nicht immer einwandfrei funktionieren. Timing des Achters und Verhalten der Defensive müssen stimmen, sodass sich das Team in Ballbesitz einen Vorteil erarbeiten kann. Eine Alternative zum herauskippenden Achter stellt das Andribbeln des Außenverteidigers dar. Insbesondere dann, wenn der gegnerische Achter nicht sofort herausrückt, ergeben sich hier Möglichkeiten. Diese Situation werden wir nach schnellen Verlagerungen vorfinden. 

Gehen wir von der folgenden Situation aus. Die rote Mannschaft versuchte über links das Angriffsspiel einzuleiten. Der Achter rückte allerdings rechtzeitig heraus und versperrte den Zugang zum Zentrum. In der Folge verlagert die rote Mannschaft schnell auf die ballferne Seite. Aufgrund des leichten Einrückens ist der Rechtsverteidiger schnell zu erreichen und wir geben der Defensive keine Zeit sich neu zu sortieren. 

Erhält unser Rechtsverteidiger nun den Ball, möchten wir den geöffneten Raum nutzen. Das gelingt uns, indem er sofort andribbelt. Wird der Rechtsverteidiger nicht angegriffen, ist sein Andribbeln natürlich ideal. In den meisten Fällen wird er wohl durch den Achter gestoppt. Das kann zu einem Dynamikverlust führen und der Angriff versackt. 

Alternativ kann der Ball frühzeitig auf den rechten Flügelspieler weitergeleitet werden. Der Rechtsverteidiger unterbricht seinen Lauf allerdings nicht, sondern startet durch den Halbraum in die Tiefe. Primär wird dies den Achter mitziehen. Folglich ergibt sich für uns mehr Raum im Zentrum.

Vieles hängt davon ab, wie sich der Halbverteidiger (schwarz markiert) verhält. Erkennt er die Situation früh, nimmt das Tempo des Rechtsverteidigers leicht auf und übernimmt, werden wir uns keinen direkten Vorteil erarbeiten. Wie gesagt, das ist nur der Fall, wenn der Halbverteidiger die Situation frühzeitig richtig interpretiert. Wenn nicht, ist ein schneller Durchstecker auf den Rechtsverteidiger oder die Attacke des Zentrums über den Achter möglich.

5-3-2

Sobald wir im Zentrum sind, können wir unsere numerische Überzahl ausspielen und die Räume ballfern nutzen. Alternativ kann sofort den Ball hinter die letzte Kette gespielt werden. Mit unserem linken Flügelspieler und dem Stürmer gibt es zwei Abnehmer für den Pass in die Tiefe. Selbst der ballferne Achter könnte als Überraschungsmoment noch durchstarten. 

Variante 3 – freiziehende Bewegungen 

Während die erste Option weite ausweichende Bewegungen benötigte, die Zweite nur nach Verlagerungen funktionierte, möchte ich mit der dritten Variante nun aufzeigen, wie es gelingt auf einer Seite mit Hilfe der richtigen Bewegungen ohne Ball durchzubrechen. 

Der Ausgangspunkt sieht dieses Mal ein klein wenig anders aus als zuvor. Unser Außenverteidiger erhält den Ball in einer etwas breiteren und höheren Position. Wir möchten, anders als zuvor, dass der Außenverteidiger der Spieler ist, der diagonal ins Zentrum dribbelt. Ein weiterer Unterschied ist die Positionierung des Flügelspielers. Dieser hält nicht mehr die Breite, sondern positioniert sich zwischen Flügel- und Halbverteidiger. So möchten wir es schaffen zwei gegnerische Verteidiger zu binden. 

Allerdings kann es nun natürlich sein, dass der gegnerische Flügelverteidiger unseren Außenverteidiger presst. Nichtsdestotrotz wird dieser Schwierigkeiten haben den diagonalen Weg ins Zentrum zu schließen, ohne gleichzeitig die Linie zu öffnen. Gelingt es uns letztlich unseren Flügelspieler gegen den Halbverteidiger des Gegners in ein Laufduell zu bekommen, haben wir bereits etwas gewonnen, da unser Flügelspieler wohl meist diesen Zweikampf für sich entscheidet. 

Des Weiteren kommt es bei dieser Variante darauf an, wie sich der gegnerische Achter verhält. Durch den Flügelspieler und den Achter zwischen den Ketten, wird der gegnerische Achter nicht so einfach herauspressen, da er nicht beide Anspiele zwischen die Ketten unterbinden kann.

5-3-2

Durch das Andribbeln unseres Außenverteidigers hoffen wir, dass der gegnerische Achter seine Aufmerksamkeit auf den Ball richtet und leicht herausrückt. Gleichzeitig startet unser Flügelspieler zwischen Halbverteidiger und Flügelverteidiger in die Tiefe. Mit Hilfe dieses Laufes öffnet sich Raum, in den unser Achter sofort stößt. Sollte kein Druck ausgeübt werden, kann sofort die Tiefe gesucht werden. 

Bei dieser Variante hängt sehr viel mit dem Verhalten des Halbverteidigers zusammen. Lässt er sich nicht in die Tiefe ziehen, sondern rückt heraus, dann wird es ihm wohl gelingen den Zweikampf gegen den Achter zu gewinnen oder den Ball abzufangen. In diesem Falle haben wir aber immer noch eine ordentliche Struktur für das Gegenpressing bzw. eine stabile 3-2 Absicherung. 

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass es immer schwierig werden wird gegen ein tiefes 5-3-2 Wege zwischen die Ketten zu finden. Nichtsdestotrotz gilt es, wie bei jeder Formation, die Schwächen zu identifizieren und sich diese zu Nutze zu machen. Auf spielstarke Außenverteidiger kommt es in diesem konkreten Fall ganz besonders an. Auch deshalb glaube ich, dass Spieler wie Trent Alexander-Arnold und Joao Cancelo nur Vorboten der Weiterentwicklung der Außenverteidigerposition sind. 

Am Ende möchte ich noch sagen, dass alle hier gezeigten Varianten natürlich nur Lösungsvorschläge sind. Dabei hängen sie sehr stark vom Verhalten des Gegners ab. Trotzdem hoffe ich, dass ich euch mit diesem Beitrag ein paar Ideen geben konnte, wie man gegen ein 5-3-2 angreift.

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