Trainingseinheit zum Torabschluss

In diesem Beitrag möchte ich euch ein wenig Inspiration für das Torschuss Training bieten. In diesem Fall ist die Einheit eher an jüngere Spieler gerichtet, in diesem Fall an eine D-Jugend. Folglich ändern sich die Anforderungen und die taktischen Aspekte bzw. die Lehrmethode im Vergleich zu einer Trainingseinheit für eine B-Jugend. 

Im speziellen soll in dieser Einheit eine hohe Wiederholungszahl an Abschlüssen aus spielnahen Situationen geschaffen werden. Dabei steht insbesondere das Spiel über die Flügel und das Attackieren der Tiefe im Vordergrund. Anders als bei der Einheit zum Gegenpressing jedoch wesentlich weniger fokussiert. Schließlich möchten wir die jungen Spieler möglichst vielen verschiedenen Situationen aussetzen. Außerdem sollen sie entdeckend Lernen und vor allem jede Menge Entscheidungen treffen. 

Kognitive Reize setzen – das Aufwärmen

Ähnlich zu unserer Einheit der B-Jugend steht auch bei dieser Einheit das Setzen von kognitiven Reizen im Aufwärmen im Vordergrund. Zum einen möchten wir die Spieler damit auf das Training einstimmen, schließlich sind viele verschiedene Spielformen auch für den Kopf anstrengend. Zum anderen geht es natürlich auch um einen spaßigen Start in die kommende Einheit. 

Aus diesem Grund nutzen wir zum Aufwärmen eine kleine Wettkampfform. Je nachdem wie viele Spieler da sind, werden mehrere Gruppen gebildet. Ein Übungsaufbau ist idealerweise für sechs Kinder gedacht, sodass es zu keinen langen Wartezeiten kommt. 

Innerhalb unseres Feldes liegen neun Ringe in drei verschiedenen Farben (blau, gelb und rot). Außerdem stehen außerhalb zwei Hütchen. Am hinteren Hütchen positioniert sich stets der Fänger, am vorderen Hütchen der Spieler, der gefangen werden soll. 

Ziel des vorderen Spielers ist es, von jeder Farbe einen Ring zu bespielen und zurück ins Ziel zu kommen, ohne dabei vom Fänger gefangen zu werden. Die Reihenfolge und Kombination sind egal. Es dürfen auch drei gleichfarbige Hütchen durchschritten werden, allerdings zählt das natürlich nur als einen Ring bespielt. 

In der ersten Runde findet das Ganze als klassisches Fangspiel statt. Ein Ring gilt als bespielt, wenn der Spieler einen Fuß in den Ring gesetzt hat. 

In der zweiten Runde wird ein Ball hinzugenommen. Dieser wird allerdings geprellt. Ein Ring gilt als bespielt, wenn der Spieler den Ball innerhalb eines Ringes prellt. 

In der dritten Runde wird der Ball an den Fuß genommen und es muss durch die Ringe gedribbelt werden. 

In der vierten Runde starten Jäger und Gejagter an gegenüberliegenden Seiten des Feldes, sodass wieder ein Umdenken in der Herangehensweise geschehen muss. 

Die Herausforderung an die Spieler in dieser Aufwärmform liegt vor allem in der Informationsaufnahme und Verarbeitung. Der Spieler, der davon läuft, muss sich so einen Weg durch die Ringe schaffen, dass er dem Fänger entkommt und stets möglichst viele Optionen hat. Der Fänger hingegen kann sein Verhalten anpassen. Fehlt beispielsweise dem anderen Spieler nur noch ein blauer Ring, sollte der Fänger versuchen die Wege zu den blauen Ringen zu schließen. Gerade, wenn der Ball gedribbelt wird, werden erste fußballerische Elemente, wie das richtige Lenken im Defensivverhalten und das saubere Dribbling mit Ball in das Aufwärmen integriert. 

Hinführung Teil 1 – 3vs3 mit Kontertoren

Der erste Teil der Hinführung zielt darauf ab eine hohe Anzahl an Wiederholungen in spielnahen Situationen zu schaffen. Aus diesem Grund spielen wir eine Art 3vs3. Allerdings steht nur auf einer Seite ein großes Tor. Am anderen Ende des Feldes sind zwei Minitore positioniert. 

Torschuss Training

Die verteidigende Mannschaft besteht aus einem Torhüter und zwei Verteidigern. Erobern diese den Ball, versuchen sie auf die Minitore zu kontern. Das Spiel beginnt stets zwischen den beiden Minitoren mit Ballbesitz für die angreifende Mannschaft, die aus drei Spielern besteht. Folglich hat das angreifende Team stets eine Überzahl, die es nun gilt auszuspielen. Geht der Ball ins Aus, startet das Spiel wieder mit Ballbesitz für das angreifende Team zwischen den Minitoren. 

Je nach Spielidee lassen sich Provokationsregeln, wie die zehn Sekundenregel, einführen. Eine solche Regel würde dafür sorgen, dass das Angriffsspiel wesentlich vertikaler und aufs Tor gerichtet verläuft. Außerdem lernen die Spieler, wie sie in kurzer Zeit die richtigen Entscheidungen treffen, um nicht überhastet schlechte Abschlüsse zu nehmen. 

Im Coaching liegt der Fokus in dieser Einheit auf der Offensivmannschaft (hier blau). Damit sie ihre Überzahl richtig nutzen, ist die korrekte Positionierung entscheidend. Der zentrale Spieler sollte dabei in der Regel die tiefste Position einnehmen, um schnelle Verlagerungen zu spielen. Gerade Spielverlagerungen auf die ballferne Seite können ein probates Mittel gegen die Defensive in Unterzahl sein. 

Neben Spielverlagerungen kann vor allem das Suchen von 1vs1 Duellen, das Erzeugen von Druck, hinter- oder vorderlaufende Bewegungen und das Attackieren der Schnittstellen gecoacht werden. Wie immer würde ich mich als Trainer dabei auf einen Aspekt konzentrieren. Dank der hohen Wiederholungszahl haben die Spieler die Möglichkeit sich neue Verhaltensmuster anzueignen. 

Selbst wenn man mehr als sechs Spieler im Training hat, kann diese Spielform genutzt werden. Haben die drei angreifenden Spieler ihre Aktion durchgeführt, kann einfach das nächste Dreierteam beginnen, während die anderen sich wieder hintenanstellen. Die Verteidiger sollten natürlich regelmäßig gewechselt werden.

Hinführung Teil 2 – Einführung des Flügelspiels

Im nächsten Schritt unserer Einheit möchten wir nun weitere Elemente des Offensivspiels in die Spielform einbringen, die Anzahl der Abschlüsse jedoch weiterhin hochhalten. Hierfür modifizieren wir die vorherige Spielform leicht. Statt der zwei Minitore, positionieren wir auch am anderen Ende ein großes Tor. 

Außerdem wird das Feld etwas größer gemacht und weitere Spieler hinzugefügt. Statt 3vs3 wird nun 4vs4+2 gespielt. Die neutralen Spieler agieren dabei als Flügelspieler außerhalb des Feldes. Zwar dürfen sie nicht angegriffen werden, haben aber auch nur drei Ballkontakte zur Verfügung. 

Das Spiel kommt ohne größere Regeln zurecht. Möchte man das Flügelspiel stärker hervorheben, bietet sich die Belohnungsregel an, dass nach einer Flanke von außen Tore zwei Punkte geben, alle anderen nur einen Punkt. 

Des Weiteren lässt sich der Fokus der Spielform noch erweitern. Möchte man beispielsweise neben dem Spiel über die Flügel Tiefenläufe trainieren, können zwei Endzonen, wie im Bild oben eingefügt werden. Die blauen Zonen dürfen dann von der angreifenden Mannschaft nur ohne Ball betreten werden. Folglich müssen Zuspiele und Tiefenläufe aufeinander abgestimmt werden. Gerade um implizit Prinzipien, wie außen-diagonal zu trainieren, bietet sich die Kombination aus Endzone und neutrale Flügelspieler an.

Die Coachingpunkte für diese Spielform sind recht vielfältig. Besonders für das Nutzen von Verlagerungen und die Bewegungen ohne Ball, besonders das Attackieren der Tiefe, ist diese Spielform prädestiniert. Nichtsdestotrotz würde ich wieder nur einzelne Punkte mit Hilfe expliziten Coachings einführen. Gerade bei den jüngeren Jugenden sollte ein entdeckendes Lernen und der Fokus auf implizite Lerninhalte im Vordergrund stehen. Dies ist in dieser Spielform gewährleistet. Mit Hilfe der richtigen Fragestellungen können die Spieler zusätzlich auf weitere mögliche Lösungen gebracht werden. 

Hauptteil – der nächste Schritt zum freien Spiel

Im letzten Teil der Einheit möchten wir einen weiteren Schritt in Richtung freies Spiel machen, um den Transfer der Erlernten zu erleichtern. Aus diesem Grund wird nun 6vs6 mit Endzonen gespielt. Die Endzonen sollen vermehrt Tiefenläufe provozieren. Gleichzeitig herrscht im 6vs6 stets eine klare Zuordnung und hoher Gegnerdruck. Folglich werden die Spieler implizit dazu gezwungen sich ohne Ball gut zu bewegen, Spieler freizuziehen und mit Hilfe von Dribblings Zuordnungen aufzulösen.

Torschuss Training

Wir als Trainer sollten versuchen den Spielern durch das richtige Coaching die Wichtigkeit von Tiefenläufen klar zu machen. Gerade in diesem Alter drehen viele Kinder frustriert ab, wenn sie den Ball bei ihrem ersten Tiefenlauf nicht erhalten haben. Meist führt das dazu, dass die Spieler irgendwann nicht mehr in die Tiefe starten und das gesamte Offensivspiel langsamer und vor allem schwerer wird, da die Defensive einfacher pressen kann.

Eine mögliche Variation, um das Flügelspiel stärker zu betonen, liegt im Hinzufügen zweier Außenzonen. Diese müssen von der Offensivmannschaft besetzt werden und ein Verteidiger darf erst in die Zone, wenn der Ball dorthin gespielt wurde. In der Folge wird das Team ohne Ball dazu gebracht zu verschieben, während schnelle Spielverlagerungen stärker belohnt werden. 

Alternativ könnte man auch Regeln einführen, dass nur Spieler aus den Außenzonen in die Tiefe starten dürfen. Wir würden hiermit diagonale Tiefenläufe von Flügelspielern trainieren, die das Öffnen der Mitte voraussetzen. Allerdings finde ich, dass diese Variante die Entscheidungsfreiheit einer D-Jugend zu sehr einschränkt und in diesem Alter noch nicht zu empfehlen ist. 

Fazit – Torschuss Training

Abschließend lässt sich sagen, dass zur Verbesserung des Offensivspiels bzw. des Torschusses simple Torschussübungen nicht unbedingt ideal sind. Zwar lässt sich an der Technik feilen, jedoch gehen zu oft spielentscheidende Aspekte, wie Gegnerdruck ungünstige Positionierung und das Erarbeiten einer Position verloren. Innerhalb kleiner Spielformen lassen sich diese Aspekte besser trainieren, da die Spieler neben dem Torschuss sich erst einmal in die Position bringen müssen, um zum Abschluss zu kommen. Entsprechend hat dies sehr viel mit der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen zu tun, sowie dem Manipulieren von Verteidigern. Außerdem wird innerhalb von Spielformen das Herausspielen von Torchancen trainiert, ein Punkt an dem es meist hapert, wenn Teams zu wenig Tore erzielen.

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