Flache Außenverteidiger und die Lösung gegen ein 4-3-3 Pressing

Das 4-3-3 Pressing des FC Liverpools unter Jürgen Klopp zählt nicht ohne Grund zu den besten der Welt. Die Reds schaffen es regelmäßig den Gegner früh unter Druck zu setzen, und das verfügbare Spielfeld zu verkleinern. Der Schlüssel für den Erfolg liegt im Anlaufen der Flügelspieler. Salah und Mané laufen im Bogen von außen an und nehmen dabei den gegnerischen Außenverteidiger in ihren Deckungsschatten. In der Folge bleibt nur noch der komplizierte Pass ins enge Mittelfeld. Stellt sich für uns die Frage, wie können wir als Team in Ballbesitz gegen ein solches Pressing agieren? Der Schlüssel liegt in der Positionierung der Außenverteidigerflache Außenverteidiger stellen ein solches Pressing nämlich vor große Probleme.

Normalerweise möchten wir unsere Außenverteidiger weiter nach vorne schieben, um Raumgewinn zu erzielen. Gegen ein Pressing, das den Gegner nach außen lenken will, ergibt diese Herangehensweise sicherlich Sinn. Schließlich wird uns der Gegner diese Passlinie offen halten. Anders sieht es aus, wenn wir ins Zentrum gelenkt werden. 

flache Außenverteidiger

Nun ist die Passlinie nach außen durch die Flügelspieler des Gegners verschlossen. Gleichzeitig ist unser Sechser kaum anspielbar. Zumeist werden die Innenverteidiger zu Querpässen gezwungen. Diese Pässe vergrößern aber eher das Problem. Schließlich läuft der ballferne Flügelspieler gleichzeitig an und presst den passempfangenden Verteidiger. Die Mannschaft in Ballbesitz wird in der Folge immer weiter ins Zentrum gedrückt und verliert an bespielbarem Raum. 

Je höher unsere Außenverteidiger in diesen Situationen positioniert sind, desto größer wird unser Problem. Durch eine höhere Positionierung werden die Anlaufwinkel für die gegnerischen Flügelspieler besser, da sie ihre Läufe aus zentralerer Position starten können. Folglich ergeben sich auch im Zentrum immer weniger Räume, insbesondere für das Spiel über den Dritten mit dem Achter auf den Außenverteidiger. 

Fehlende Überzahl in der ersten Linie

Neben der fehlenden relativen Breite liegt der Grund für die Probleme im Aufbauspiel in der fehlenden Überzahl in der ersten Linie. Überzahl in der ersten Linie ist aber eines unserer Kernprinzipien für ein erfolgreiches Aufbauspiel. 

Wie können wir also eine Überzahl gegen die gegnerische Dreierlinie herstellen? Eine Idee wäre die Einbindung des Torhüters. Mit Hilfe des Torhüters, der Innenverteidiger und des Sechsers hätten wir eine 4vs3 Überzahl. Grundsätzlich ist eine Torwartkette selten eine schlechte Idee, in dieser Situation aber nicht die beste Strategie. Durch das Durchpressen eines Flügelspielers kann der Gegner unseren Vorteil neutralisieren und den Druck aufrechterhalten. 

flache Außenverteidiger

Darüber hinaus benötigen wir einen spielstarken Torhüter. Nichtsdestotrotz, ist diese Herangehensweise sicherlich eine Lösung. Schließlich kann in der Folge über den Dritten der Raum hinter dem durchpressenden Flügelspieler bespielt werden. 

Dieser Pass ist mit Risiko verbunden und erfordert ein ruhiges und sauberes Passspiel. Manchester City bewies in ihrer Ligapartie gegen Liverpool einige Male, dass so das Pressing der Reds überspielt werden kann. Allerdings hat nicht jeder von uns das Spielermaterial von Pep Guardiola. Außerdem kann die gelbe Mannschaft durch eine durchpressende Aktion des Stürmers den Druck weiter aufrechterhalten. 

Flache Außenverteidiger sind eine andere Möglichkeit ein Pressing im 4-3-3, das nach innen lenkt, auszuhebeln. Dabei macht man Gebrauch von den offenen Räumen hinter den Flügelspielern, die sich durch das nach innen Lenken ergeben.

flache Außenverteidiger

Generell präferieren wir zwar ein Aufbauspiel durch das Zentrum, da es uns mehr Fortsetzungsmöglichkeiten bietet. Gegen ein nach innen lenkendes Pressing ergeben sich außen aber die meisten Räume. 

Mit Hilfe tiefer Außenverteidiger möchten wir die Anlaufwinkel für die gegnerischen Flügelspieler verschlechtern. Zuvor haben wir bereits argumentiert, dass eine höhere Position unserer Außenverteidiger zu einem kompakten Zentrum führt. Durch die Notwendigkeit eine diagonale Passlinie zu schließen, können die Flügelspieler aus einer zentraleren Position im Bogen Anlaufen. Zum einen wird unser Aufbauspiel dadurch ins Zentrum gelenkt, zum anderen verliert die pressende Mannschaft nicht an Kompaktheit, da der Kontakt zwischen Achter und Flügelspieler bestehen bleibt. 

Positionieren sich unsere Außenverteidiger nun tiefer, wirkt sich das destabilisierend auf das gegnerische Pressing aus. Möchte die gelbe Mannschaft immer noch nach innen lenken, müssen die Flügelspieler weitere Wege zurücklegen und einen extremeren Bogen laufen. 

Durch die tiefe Positionierung fällt es dem Flügelspieler der gelben Mannschaft schwerer den Pass auf den Außenverteidiger zu unterbinden. Nicht nur der Weg und Anlaufwinkel wird weiter bzw. schwieriger, der tiefe Außenverteidiger öffnet gleichzeitig eine Passlinie für den Innenverteidiger ins Mittelfeld. Anders als zuvor kann der gegnerische Flügelspieler nicht mehr den Pass auf den Außenverteidiger unterbinden und gleichzeitig Passlinien ins Mittelfeld bedrohen. 

Darüber hinaus öffnet die tiefere Außenverteidigerposition mehr Raum hinter dem Flügelspieler (blau markiert). Mit Hilfe des Spiels über den Dritten Kombination kann die rote Mannschaft diesen Raum bespielen. Aufgrund der tieferen Position des Außenverteidigers werden die Wege für den gegnerischen Achter weiter. Zuvor konnte er durchpressen, sollten wir das Spiel über den Dritten nutzen. In der oben gezeigten Spielsituation ist der Weg dafür zu weit. 

Spiel über den Dritten und die Fortsetzungsmöglichkeiten

Eine Passkombination über den Achter bietet sich in dieser Situation sicherlich an. Rückt der Außenverteidiger instinktiv leicht vor, erhält er den Ball in der Bewegung und kann in der Folge sofort die gegnerische Defensive attackieren. Durch sein Vordringen wird es wahrscheinlich trotzdem der gegnerische Achter sein, der aus seiner Position herausrückt. Wie bereits oben beschrieben, ist er allerdings in einer unvorteilhaften Position, um unseren Außenverteidiger zu pressen. 

Rückt der Achter heraus, wird unser Achter zum möglichen freien Spieler. Lässt sich unser Stürmer leicht fallen und unsere Flügelspieler atttackieren gleichzeitig die Tiefe, wird sich auch der Sechser der gelben Mannschaft schwer tun unseren Achter und Stürmer gleichzeitig zu verteidigen. Je nachdem wie sich der gegnerische Stürmer verhält, kann auch unser Sechser durch eine kurze vertikale Bewegung zum freien Spieler werden. 

Alternativ kann sich unser Flügelspieler in eine breitere Position begeben, sodass die Abwehrkette weiter auseinandergezogen wird. Dann ergibt sich für unseren vordribbelnden Außenverteidiger entweder die Option einen Steckpass hinter die letzte Kette zu spielen. Oder er bricht nach einem Doppelpass mit dem Flügelspieler selbst durch. 

flache Außenverteidiger

Des Weiteren kann unser vorstoßender Achter entweder direkt durch den Außenverteidiger angespielt werden oder durch den Flügelspieler. Die zweite Variante setzt voraus, dass der Lauf unseres Außenverteidigers die Defensive zum Fallen gezwungen hat. 

Wie wir in diesem kurzen Abschnitt erkennen konnten, sorgt ein Überspielen der ersten Pressinglinie dazu, dass sich danach viele Räume ergeben. Aus einem tiefen Aufbauspiel entwickelt sich durch eine Passkombination ein schnelles Vertikalspiel. Das ist auch notwendig. Braucht die Spielfortsetzung zu lang, kann sich der Gegner wieder formieren und uns an der Außenlinie isolieren. 

Wie setzen wir das Spiel fort, wenn der tiefe Außenverteidiger frei bleibt?

Nun wird der Gegner auf unsere tiefen Außenverteidiger reagieren und sein Anlaufen anpassen. Da der Flügel strategisch weniger wichtig ist als das Zentrum, wird der Fokus wohl eher auf dem Schließen der Passlinie ins Zentrum liegen. Folglich ändert sich das Anlaufverhalten und wir werden nach außen gelenkt. Auch hier kann unser tiefer Außenverteidiger hilfreich sein, wenngleich weniger als in der Variante, die wir oben diskutiert haben. 

flache Außenverteidiger

Erhält der Außenverteidiger in einer tiefen Position den Ball, gilt es anzudribbeln, um Druck auf die Defensive auszuüben. Ähnlich wie zuvor, werden wir neben den Achtern bzw. hinter den Flügelspielern Räume finden, die es zu nutzen gilt. Hier kann auch der herauskippende Achter genutzt werden, wie Olympique Marseille regelmäßig zeigt. Des Weiteren sich Kombinationen mit dem Flügelspieler möglich. 

Durch den tiefen Außenverteidiger bleiben außerdem die Wege für die pressende Mannschaft weiterhin weit, sodass sich Räume ergeben können. Gerade Rückverlagerungen auf den Innenverteidiger und Andribbeln der Räume, die der Flügelspieler durch sein Pressing hinterlässt, können Möglichkeiten sein. 

Fazit

Wie wir sehen konnten, sind tiefe Außenverteidiger eine sinnvolle Möglichkeit gegen einen Gegner, die beispielsweise im 4-3-3 versucht den Spielaufbau ins Zentrum zu lenken. Durch die tiefe Position unserer Außenverteidiger wird mehr Tiefe geschaffen. Der Gegner verliert an Kompaktheit, da er einen größeren Raum verteidigen muss. In der Folge entstehen Räume, die wir vor allem mit Dribblings nutzen können.

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