Trainertagebuch – Teil 1 die Saisonplanung

Nach einiger Zeit gibt es mal wieder einen Beitrag von mir. Wie vielleicht viele wissen, konnte ich in den letzten fünf Jahren leider nur unregelmäßig als Trainer arbeiten. Mit Studium und Nebenjob, sowie diesem Blogprojekt war Zeit rar. Darüber hinaus fehlte mir lange der passende Verein. Seit knapp zwei Jahren bin ich wieder in unterschiedlichen Tätigkeiten in einem Verein tätig. Zunächst als Co-Trainer der Herrenmannschaft, die zum damaligen Zeitpunkt in der Landesliga spielte. Im zweiten Jahr als Jugendkoordinator. In dieser Rolle bin ich für die Implementierung eines Ausbildungskonzepts und die Weiterbildung unserer Trainer verantwortlich. 

Zur neuen Saison werde ich weiterhin als Jugendkoordinator tätig sein, jedoch ebenfalls eine B-Jugendmannschaft als Trainer übernehmen. Genauer gesagt werden wir ein zweiköpfiges Trainergespann bilden. Da ich das erste Mal eine B-Jugend übernehme und weitaus mehr wissen habe als bei meiner letzten hauptamtlichen Tätigkeit als Trainer, möchte ich in dieser mehrteiligen Serie einige Gedanken, Ideen und Beobachtungen mit euch teilen. 

Dabei möchte ich betonen, dass ich selbst noch viele Fehler mache, weswegen die Artikel eher als persönliche Reflektion dienen. Wenn ihr Feedback für mich habt, oder eigene Gedanken teilen möchtet, könnt ihr das gerne per Mail an tobias@thefalsefullback.de tun. 

Wie plane ich die Schwerpunktsetzung?

In meinem ersten Beitrag möchte ich mich dem Thema der Trainingsplanung widmen und erklären, wie die einzelnen Schwerpunkte periodisiert werden. Zu diesem Thema finden sich bereits eine Vielzahl an tollen Beiträgen auf verschiedenen Websiten. Einen kleinen Überblick über die besten Ressourcen findet ihr unter diesem Link.

Grundsätzlich folge ich dabei den Prinzipien der taktischen Periodisierung, wie es Robin in diesem Beitrag am Beispiel seiner damaligen Mannschaft erläutert hat. Auch ich habe eine klare Spielidee, Spielprinzipien und Unter-Prinzipien, wobei ich mich hier nicht strikt an eine Ausformulierung halte. 

Natürlich werden wir bevorzugt in Spielformen trainieren. Durch die richtige Gestaltung und mit Hilfe von Provokationsregeln sollen so bereits Lernaspekte implizit vermittelt werden. Jede Spielform basiert dabei auf einem unserer Prinzipien, nichtsdestotrotz soll eine ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden. Ziel ist es stets alle unsere Spielprinzipien zu trainieren, jedoch die Aufmerksamkeit im expliziten Coaching auf einen Aspekt zu legen. 

Bevor wir uns nun näher der genauen Planung widmen, ist es wichtig die Rahmenbedingungen zu kennen. Unsere Mannschaft trainiert zwei Mal pro Woche und spielt aktuell in der Kreisliga. Letzte Saison wurde der Aufstieg in die Leistungsstaffel denkbar knapp verpasst, sodass wir auch in dieser Runde den Aufstieg als Ziel ausgesprochen haben. 

5 Mikrozyklen ergeben einen Mesozyklus

Grundsätzlich lässt sich eine Saison mit Hilfe zwei verschiedener Zyklen planen. Dabei besteht ein großer Zyklus (Mesozyklus) aus mehreren kleineren Zyklen (Mikrozyklen). Die großen Zyklen können sich anhand von Intensität und Fokus nochmal unterscheiden, allerdings wäre das für unseren Gebrauch zu fortgeschritten. 

In unserem vereinfachten Fall besteht ein großer Zyklus aus fünf kleinen Zyklen. Innerhalb eines Mesozyklus fokussieren wir uns stets auf die folgenden fünf Themen: Aufbauspiel, Offensivspiel, Pressing, Defensivspiel und Umschaltmoment defensiv (Gegenpressing). Das Thema Umschaltmoment offensiv wird in meiner Planung nicht separat behandelt, da es keine große Rolle in meiner Spielphilosophie einnimmt. 

Jeder Mikrozyklus dauert zwei Wochen an. Zwischen zwei Mirkozyklen legen wir eine Wettkampf/Taktikwoche ein. In der ersten Einheit dieser Woche gibt es keinen klaren Trainingsfokus. Stattdessen werden verschiedene Spielformen stets nur nach Punkten gespielt und der Aspekt des Gewinnens steht im Vordergrund. 

Für uns Trainer bietet diese Einheit die Möglichkeit zu analysieren, welche gelernten Inhalte die Spieler in den einzelnen Spielformen bereits umsetzen und bei welchen noch Probleme auftauchen. In der zweiten Einheit in dieser Woche kann auf eben jene Probleme eingegangen werden. Dabei kann sich um ein individuelles oder gruppen- bzw. mannschaftstaktisches Problem handeln. 

Mikrozyklus

Last but not least, werden sich die Themen der Mikorzyklen immer zwischen Spiel mit und Spiel gegen den Ball abwechseln. Trainieren wir also im ersten Block das Aufbauspiel, thematisieren wir im zweiten Block das Pressing oder Defensivspiel. So gewährleisten wir, dass sich unser Spiel mit und gegen den Ball gleichmäßig entwickelt und wir uns stets gegenseitig im Training herausfordern. 

Die Planung innerhalb eines Mikrozyklus

Innerhalb eines Mikrozyklus können dann unterschiedliche Themen behandelt werden. Beispielsweise werden wir zum Thema Aufbauspiel zunächst das Spiel über den Dritten und dann das Thema Spielverlagerungen behandelt. Da beide Werkzeuge überschneidenden Prinzipien, wie Druck erzeugen und Dreiecke bilden folgen, lassen sich beide Themen wunderbar innerhalb der ersten zwei Wochen trainieren. 

Liegt der Fokus in einer Einheit auf dem Erzeugen von Druck bzw. dem Spiel über den Dritten, schreibe ich mir noch weitere Unterpunkte auf, wie das Herstellen von diagonalen Passwinkeln, das Anspiel auf den richtigen Fuß oder die Körperstellung. Diese „Unter-Prinzipien“ möchte ich innerhalb der Einheit explizit coachen und sollten durch die Spielformen auch implizit vermittelt werden. 

Fazit

So weit sind das meine ersten Gedanken zur Trainingsplanung. Vorläufig starten wir mit diesem Plan in die Saison. Für mich werden in den nächsten Wochen folgende Punkte spannend sein. 

Wie schnell lernt die Mannschaft? Reicht dann ein zwei Wochenblock, um die ersten wichtigen Punkte des Aufbauspiels zu vermitteln und für die Spieler zu verinnerlichen? Und wie sieht es aus, wenn wir die ersten Saisonspiele haben und große Schwächen sehen? Weichen wir dann von unserem Plan ab oder bauen wir die Probleme aus der letzten Partie einfach in die Einheiten ein, ohne den großen Plan komplett zu verwerfen?

Das werden sicherlich spannende Punkte, auf die ich in einem der nächsten Beiträge eingehen werde. 

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