Trainertagebuch Teil 2 – Training mit sieben Spielern

Im ersten Teil dieser kleinen Serie habe ich meine Trainingsplanung für die kommende Saison diskutiert. Mit dieser starteten wir nun auch in die neue Saison. Zunächst gestaltet sich die Vorbereitung allerdings kompliziert. Aufgrund der Ferien sind viele unserer Spieler im Urlaub. So kam es, dass wir manche Trainingseinheiten mit nur sieben Spielern bestritten. 

Ich stehe nun vor der Herausforderung, wie man auch mit sieben Spielern ein Training gestalten kann, das die Spieler herausfordert, verbessert und unsere taktischen Prinzipien vermittelt. Aufgrund der knappen Zeit mit nur zwei Einheiten pro Woche, möchte ich neben der individuellen Förderung des Einzelnen natürlich bereits zu Beginn meine taktischen Prinzipien vermitteln. 

Man kann die Situation mit nur sieben Spielern im Training als Problem sehen und sich entmutigen lassen. Oder man sieht es als Chance intensiv die wenigen Spieler zu verbessern. Darüber hinaus lassen sich auch mit sieben Spielern einzelne Prinzipien bereits trainieren. Mit fünf oder weniger Spielern wird es nochmal deutlich schwieriger. In einem Artikel, der bereits einige Jahre alt ist, habe ich einige Übungen und Spielformen für Kleingruppen vorgestellt.

Im Folgenden möchte ich nun eine Einheit von uns vorstellen und die einzelnen Phasen des Trainings diskutieren. Thema dieser Einheit war das Pressing. Wir wollten am Anlaufen und der Nutzung des Deckungsschattens, sowie der gegenseitigen Absicherung arbeiten. 

Individuelle Verbesserung im Aufwärmen

Im Aufwärmen wollten wir den Fokus auf individuelle Themen legen. Dafür starteten wir mit einer Form der Ballschule und der Verbesserung der Technik für das Passspiel. Hierfür wurden jeweils zwei Hütchenpaare aufgestellt und die Spieler hatten verschiedene Aufgaben im Passspiel. Zusätzlich wurden unterschiedliche Movement-Preps in die Übung eingebaut. 

Innerhalb der Form, die wir für ungefähr 15 Minuten laufen ließen, waren die ersten Minuten für das lockere Reinkommen der Spieler bestimmt. Nach wenigen Minuten nutzen wir die Chance Spieler individuell zu coachen. Dabei ging es um fundamentale Aspekte, wie der Passtechnik, aber auch um die Stellung zum Ball oder der richtigen Ballmitnahme. Uns ist bewusst, dass es nicht die eine Passtechnik gibt. Allerdings sind es bei unseren Spielern zum Teil fundamentale Fehler, die nicht zum Erfolg führen. 

Nach einer kurzen Runde dynamischen Dehnens erhöhten wir das Tempo. Die folgende Übung war ein Mix aus koordinativen Aufgaben und Sprints, die als Staffelspiel durchgeführt wurden. 

Persönlich besteht ein Aufwärmen bei mir stets aus diesen beschriebenen Teilen. Ich möchte, dass sich die Spieler mit Movement-Preps und dynamischen Dehnen richtig erwärmen. Des Weiteren hat es sich als sinnvoll herausgestellt, die Spieler mit einer lockeren Übung abzuholen, sodass sie auch vom Kopf her im Training ankommen können. Der zweite Teil des Aufwärmens, der hier mit Sprints und koordinativen Aufgaben gefühlt wurde, kann auch zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten genutzt werden. In einer anderen Einheit spielten wir eine Rondo-Variante 5vs2, wobei die ballbesitzende Mannschaft zwei Bälle hatte. Einer wurde mit dem Fuß zugespielt, der andere zugeworfen. Allerdings durfte kein Spieler beide Bälle gleichzeitig haben. Das erfordert von den Spielern eine gute Übersicht und eine schnelle Interpretation der Situation, um die Bälle richtig laufen zu lassen. 

3vs3+1 als Basis der Einheit

Nach dem ungefähr 25-30-minütigen ersten Teil, folgt in meiner Einheit ein Hauptteil inklusive Hinführung, der ca. 40 Minuten dauert. Je nachdem wie aufwendig unsere primäre Übung ist, arbeiten wir mit zwei oder drei Spielformen im Hauptteil, die aufeinander aufbauen. 

Für unsere Einheit mit sieben Spielern zum Thema Pressing, begannen wir mit einer Spielform auf vier Minitore im 3vs3+1. Die Defensivmannschaft formierte sich dabei stets in einer Dreierkette basierend auf unserem 4-3-3 im Pressing. Die Offensivmannschaft sollte ebenfalls eine Dreierkette bilden, wobei der vierte Spieler hinter der gegnerischen Dreierkette umherdriftete und eine Raute formte. 

Folglich kamen wir sehr gut in die Thematik, dass unsere Dreierkette durch den zentralen Spieler auslösen musste. Dieser Spieler hatte die Aufgabe den Spielaufbau nach außen zu lenken, musste folglich leicht bogenförmig anlaufen. Die anderen beiden Akteure positionierten sich leicht hinter ihm, um ein Dreieck zu bilden. Mit Hilfe des Dreiecks wollen wir eine diagonale Absicherung schaffen und den Raum, den wir mit unseren Spielern abdecken, maximieren. 

Wurde der Ball auf den Flügel gespielt, sollte der äußere Spieler der Dreierkette herausrücken und pressen, während der Stürmer sich im Raum positionierte, um leicht abzusichern und gleichzeitig den Rückpass zu bedrohen. Der ballferne Spieler sollte wiederrum diagonal absichern, sodass kein Pass auf den Spieler hinter der Kette möglich war. 

In diesem Beispiel zeigt sich eine der Herausforderungen mit so wenig Spielern. Das Verhalten des ballfernen Spielers ähnelt in dieser Situation dem Verhalten eines Achters, nicht aber des Flügelspielers. Da wir erst einmal an Prinzipien, wie der diagonalen Absicherung und dem Lenken bzw. Isolieren in Ballbesitz arbeiten wollten, macht das in diesem Fall nichts. Nichtsdestotrotz ist das eine Herausforderung mit so wenig Spielern. 

Persönlich fällt mir noch ein, nur Ausschnitte aus dem eigentlichen Spiel zu trainieren. Beispielsweise könnte unsere 4vs3 Situation ein Ausschnitt vom Pressing am Flügel sein. Andere Alternativen, um noch spielnäher mit so wenig Spielern zu trainieren, kamen mir bisher noch nicht.  

Hilfsmittel für die Vermittlung taktischer Prinzipien mit sieben Spielern

Auch in der anschließenden Hauptform konnten wir das Problem nur bedingt beheben. Um das Pressing gegen eine echte Viererkette zu verbessern, spielten wir eine Form von Angriff gegen Abwehr. Hierbei spielte eine Mannschaft dauerhaft mit einer Viererkette und sollte das Spiel aufbauen. Das Defensivteam presste mit einer Dreierkette. Mit Hilfe von Minitoren und einem Trainer als Anspielstation hinter der gegnerischen Dreierkette konnten immerhin realistische Szenarien hergestellt werden. 

Außerdem war es möglich die Pressingbewegungen der ersten Dreierreihe gegen eine Viererkette genauer einzustudieren.

Fazit

Alles in allem verlieft die Einheit okay. Die wichtigsten Punkte konnten vermittelt werden. Allerdings bin ich mit dem Hauptteil nicht so richtig zufrieden und frage mich, ob es mit sieben Spielern nicht sinnvoller ist noch kleinere Spielformen durchzuführen oder auf Übungen zu setzen, in denen wir nur individuelle Aktionen (z.B. Anlaufen oder Zweikampfführung) trainieren. 

Hierzu würde ich gern eure Meinung hören, schreibt mir also gerne wie ihr die Einheit gestaltet hättet oder wie ihr mit nur sieben Spielern trainieren würdet. 

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